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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » ThreadWas mich wirklich fertig macht.
08.01.2014 23:49
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0 Heute habe ich auf einer Fachtagung einen Kollegen getroffen. Er bewegt sich wie ein Hundertjähriger, ein Leben ohne Bewegung, mit sehr vielen Zigaretten. Seine Augen ruhen wohlgefällg auf mir. Er stellt sich Dinge vor. Auch ich stelle mir Dinge vor. Immer muss ich mir Dinge vorstellen. Oder mir Fragen stellen. Z.B. die Frage - denn was sich liebt, das neckt sich - wie lang man die leeren Tränensäcke unter seinen Augen ziehen kann. Zärtlich, neckisch und ganz langsam. Ich schätze, 3,5 cm sind drin. Locker. Sehen aus, wie der leere Rucksack, der an meinem Kleiderständer hängt. Nur eben zwei davon. Und - im Ernst - sowohl aus seiner Nase, als auch aus seinen Ohren wachsen wollige Büschel gekräuselten, graumelierten Haars. Sehen aus wie Schamhaar. Manche Menschen tragen Reste eines Zwillings in sich. Versprengte Einzelteile, eine Hand, ein Fuß. So etwas eben. Und ich frage mich, ob der Mann vielleicht der einzige Überlebende einer Gruppe von Fünflingen ist. In jedem Ohr, in jedem Nasenloch steckt der Rest dieser einstmals so hoffnungsfroh begonnenen Brüderschaft. Vielleicht fände man, würde man nachsehen - im Ohr, in der Nase - winzig kleine Geschlechtsteile, üppig eingewollt. Was mich aber wirklich fertig macht, dass ist ein einzelnes, starkes, graues und sehr gerades Haar, das auf seinem Nasenrücken kühn hinaus wächst, gegen die allgemeine Wuchsrichtung von Haaren. Himmelwärts, eng angeschmiegt, ein einsamer Streiter.
editiert am 09.01.2014 00:33
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