Willkommen zu meinem Coming Out
Liebe Community,
ich bin mir gar nicht sicher, ob dieser Beitrag hierhergehört oder vielleicht doch in eine andere Kategorie. Nun ja, ich versuche es ´mal.
Ich bin 37 Jahre alt und das hier, dieser Beitrag in einem relativ anonymen Internetforum, ist mein erstes Coming Out. Vielleicht zählt das nicht. Vielleicht ist es daher auch eher ein weiterer Schritt in einem „Coming to terms“.
Seit einem halben Jahr bin ich in einer Art Identitätskrise – nichts anderes ist meine Sexualitätskrise letztlich für mich. Noch habe ich kein Label für mich gefunden. Bisexuell? Lesbisch? Als mir langsam klar wurde, was ich empfinde und sich ein Puzzleteil zum anderen fügte, war ich wie vor den Kopf geschlagen. Jahre in einer heterosexuellen Ehe, Kinder und plötzlich soll alles anders sein? Soll ich anders sein? Meine ersten Gedanken nach einer Leugnungsphase waren: „Oh Mist, davor kannst du dich jetzt nicht mehr verstecken.“ Und „Das Geheimnis nehme ich mit ins Grab.“ Ziemlich dramatisch, ich weiß. Aber für mich war der Weg zu mir selbst doch recht schmerzhaft. Die Wahrheit kann frei machen, aber sie kann auch hart sein.
Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie ich weiter vorgehen soll. Jedes Mal, wenn ich nichts sage, wenn es im Freundeskreis auf LGBT-Themen zu sprechen kommt, habe ich das Gefühl einen Teil meiner Identität zu leugnen. Vor einigen Wochen hat mir eine Freundin erzählt, dass ihr Kind sich ihr gegenüber geoutet hat. Wir haben seither immer wieder darüber gesprochen. Ich habe über mich selbst dennoch geschwiegen. Das fühlt sich irgendwie unehrlich an. Ich war auf das erste Gespräch überhaupt nicht vorbereitet. Da saß ich nun, eine erwachsene Frau inmitten meiner einsam ausgefochtenen Krise, zu feige, um mich zu äußern. Vielleicht aber auch noch nicht bereit dazu. Ich musste mich einfach erst einmal allein durch dieses Gefühlschaos wühlen – und muss es immer noch.
Die Vorstellung, mich im Freundes- und Familienkreis zu outen versetzt mich immer noch in Angst und Schrecken. Ich merke richtig, wie bei dem Gedanken Panik aufkommt. Wir wohnen zudem in einer recht konservativen Gegend. Hier ist es schon nicht gern gesehen, wenn die Mütter Vollzeit arbeiten gehen oder sich gar scheiden lassen. Meine Kinder sind hier verwurzelt und würden zweifelsohne den Preis mit bezahlen.
Das Gute ist: ich habe mich nicht verliebt oder auch nur ansatzweise an Handeln (statt nur Denken) gedacht. Von daher ist eigentlich gar nichts los. Außer meinem inneren Tumult.
Ich habe immer noch Tage, an denen ich denke, dass ich mir das alles einfach einbilde und es wieder „weggehen“ wird. Wird es irgendwann leichter nicht mehr dagegen anzukämpfen?
So. Das wurde jetzt doch länger als ich wollte. Danke an alle, die bis hierhin gelesen habe. Es tat gut, mir mal alles von der Seele zu „reden“.
Liebe Grüße
Clara
ich bin mir gar nicht sicher, ob dieser Beitrag hierhergehört oder vielleicht doch in eine andere Kategorie. Nun ja, ich versuche es ´mal.
Ich bin 37 Jahre alt und das hier, dieser Beitrag in einem relativ anonymen Internetforum, ist mein erstes Coming Out. Vielleicht zählt das nicht. Vielleicht ist es daher auch eher ein weiterer Schritt in einem „Coming to terms“.
Seit einem halben Jahr bin ich in einer Art Identitätskrise – nichts anderes ist meine Sexualitätskrise letztlich für mich. Noch habe ich kein Label für mich gefunden. Bisexuell? Lesbisch? Als mir langsam klar wurde, was ich empfinde und sich ein Puzzleteil zum anderen fügte, war ich wie vor den Kopf geschlagen. Jahre in einer heterosexuellen Ehe, Kinder und plötzlich soll alles anders sein? Soll ich anders sein? Meine ersten Gedanken nach einer Leugnungsphase waren: „Oh Mist, davor kannst du dich jetzt nicht mehr verstecken.“ Und „Das Geheimnis nehme ich mit ins Grab.“ Ziemlich dramatisch, ich weiß. Aber für mich war der Weg zu mir selbst doch recht schmerzhaft. Die Wahrheit kann frei machen, aber sie kann auch hart sein.
Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie ich weiter vorgehen soll. Jedes Mal, wenn ich nichts sage, wenn es im Freundeskreis auf LGBT-Themen zu sprechen kommt, habe ich das Gefühl einen Teil meiner Identität zu leugnen. Vor einigen Wochen hat mir eine Freundin erzählt, dass ihr Kind sich ihr gegenüber geoutet hat. Wir haben seither immer wieder darüber gesprochen. Ich habe über mich selbst dennoch geschwiegen. Das fühlt sich irgendwie unehrlich an. Ich war auf das erste Gespräch überhaupt nicht vorbereitet. Da saß ich nun, eine erwachsene Frau inmitten meiner einsam ausgefochtenen Krise, zu feige, um mich zu äußern. Vielleicht aber auch noch nicht bereit dazu. Ich musste mich einfach erst einmal allein durch dieses Gefühlschaos wühlen – und muss es immer noch.
Die Vorstellung, mich im Freundes- und Familienkreis zu outen versetzt mich immer noch in Angst und Schrecken. Ich merke richtig, wie bei dem Gedanken Panik aufkommt. Wir wohnen zudem in einer recht konservativen Gegend. Hier ist es schon nicht gern gesehen, wenn die Mütter Vollzeit arbeiten gehen oder sich gar scheiden lassen. Meine Kinder sind hier verwurzelt und würden zweifelsohne den Preis mit bezahlen.
Das Gute ist: ich habe mich nicht verliebt oder auch nur ansatzweise an Handeln (statt nur Denken) gedacht. Von daher ist eigentlich gar nichts los. Außer meinem inneren Tumult.
Ich habe immer noch Tage, an denen ich denke, dass ich mir das alles einfach einbilde und es wieder „weggehen“ wird. Wird es irgendwann leichter nicht mehr dagegen anzukämpfen?
So. Das wurde jetzt doch länger als ich wollte. Danke an alle, die bis hierhin gelesen habe. Es tat gut, mir mal alles von der Seele zu „reden“.
Liebe Grüße
Clara