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Wissenschaft und Spiritualität


21.08.2007 12:56
HiddenNickname
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Da sich "geistiges Heilen" eher zu einem allgemeinen Thema entwickelt hat

@tura

Was du schriebst (Wegfall der Strukturen/spiritueller Leerraum) usw., dazu kann ich wiederum nur nicken, ebenso wie über das, was du vorher ganz allgemein zu "Heilslehren" und deren Missbrauch gesagt hast.

Und obwohl ich diese Meinungen darüber teile, würde ich mich dennoch als "spirituell" bezeichnen (was nun kein Qualitätsmerkmal oder gar ein Beweis für etwas ist *g* und in Wirklichkeit nutze ich den Begriff nur, damit andere es leichter haben, mich einzuORDNEN... der Kommunikation halber).

Aber deine Ansichten schließen nicht aus (die ich in vieler Hinsicht teile), dass "Spiritualität" jenseits dieser Kritik existiert, sie kommt m.E. auch ohne Missionarstum, Aneignung, Missbrauch, Wirklichkeitsflucht usw. aus (und btw. auch nichtspirituelle Menschen flüchten gerne, enteignen, missbrauchen, beuten aus, sind besserwisserisch, dogmatisch und banal...). WIRKLICHES hochqualitatives wissenschaftliches Denken und Arbeiten ist ja auch eher einer Minderheit zuzuschreiben.

Die Natur- und Geisteswissenschaften werden ja sonst auch nicht gerade immer in einmütiger Weise zusammen benannt;-) In Abgrenzung zur "Spiritualität" (was ist das eigentlich? ) scheint das eher zu geschehen...

Wenn man sich aber ganz von Begriffe und Formen löst, und sich einer qualitativen, beschreibenden Ebene zuwendet, findet der "Zusammenbruch" und die "Auflösung" von z.B. Ehe, Familie, sozialer Kontext usw. doch auch "nur" FORMAL statt.

"We are family", "Freunde und Freundschaften" (z.B. in vielen Werbungen für Alkohol zelebriert), "Kommunikation" (Mobilfunkanbieter, DIE NEUE REDEFREIHEIT *g* ), "Fürsorge und Sicherheit" (Versicherungen), Stetigkeit und Zuhause (Bausparen), intakte Umwelt (Autos)... alles nur Beispiele, wie die Bedürfnisse von Menschen an einen konsumorientierten Bedarf geknüpft werden (die Werbung, die Wirtschaft und das Militär wissen um die psychologischen, teilweise auch feinstofflichen Bedingtheiten der menschlichen Seele. Manche Ideenschmieden und Think Tanks arbeiten ganz bewusst damit, sogar in einer viel höheren Bewusstheit un defiziler als ich es hier lese...egal).

Ich möchte nicht detailliert auf Folterpraktiken eingehen, die ganz selbstverständlich von seelischen Konstrukten ausgehen, die nicht durch naturwissenschaftliche Messtechniken nachgewiesen werden können. Die Annahmen beweisen sich durch .... Wirksamkeit und Wirkung. Für mich spricht das nicht GEGEN die Naturwissenschaft, WEIL diese ihrem eigenen Anspruch nach Verifizierbarkeit nachkommt, sie begrenzt sich selbst, um sich verständlich zu machen, so wie wir Begriffe schaffen, um Abgrenzungen zu machen, Nachvollziehbarkeit zu "erzeugen". Was ist Sprache?

Der Konsum (der ganz und gar nicht "nur" durch wirtschaftliche Bedingtheiten erklärbar ist) ist doch mittlerweile auch zu einer Art Ersatzbefriedigung geworden. Menschen suchen diese o.g. Qualitäten im Äußeren, weil sie sich nicht wirklich von den Verknüpfungen des Bedürfnisses mit der Form lösen können.

Nicht umsonst werden auch die "Armen" immer wegen ihres überflüssigen Konsums gerügt ("nix zu essen, aber nen Handy" ). Auch da ist es m.E. nicht das Handy und das "Material", was als wirkliche Erfüllung empfunden wird, sondern etwas, was dem nicht reflektierenden Menschen vorgetäuscht wird (Dazugehörigkeit). Manche wenden sich ab und einer anderen "Form" zu, die etwas weitab dieser Materialität verspricht, aber meist auch in Formen erstarrt, in Dogmen, in Begrifflichkeiten, in Annahmen, die sich nicht nachvollziehbar und verständlich machen.

Das iost dann die Kehrseite: Formalisierte und institutionalisierte Spiritualität oder banalesoterische Vereinigungen .

In der Sektenlandschaft (Spiritualität oder Esoterik ist nicht = gut ) tummeln sich eine Reihe von Organisationen, die dem rechtsextremen Lager angehören oder ihm zuarbeiten. Der "Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis" (VPM) unterhält in Köln eine Studentenorganisiation mit dem Namen "Bund der Arbeitskreise für ein qualifiziertes Studium" (BAQS), gilt als eine rechtspopulistische Psychosekte. (leider nur Quelle aus 2. Hand). Es trifft also nicht nur die "Dummen", weil ein klassisches denkerisches Potenzial nicht automatisch ein Erkenntnispotenzial enthält (sich selbst erkennendes). Selbsterkenntnis? Was ist das?

Löse ich den Begriff "Familie" aus seiner Form, so ist die Form (Papa, Mama, Kind, Ehe) tatsächlich verloren gegangen, das Bedürfnis danach nicht, und es stimmt, viele flüchten sich dann in esoterische Heilslehren und religiöse Gemeinschaften (wobei die Ausagen über den geistigen Horizont religiöser Menschen auch eine Pauschalisierung ist, die der individuellen Wirklichkeit nicht gerecht wird... aber das nur als Nebenbemerkung), andere kaufen sich kleine Hunde.

Und schon überflutete uns die New Age Welle mit schwabbernden und wabbernden Heilslehren, kramte "altes Wissen" aus, enteignete und verbog es um es unkritisch, weil unzeitgemäß und erstarrt, als Futter für die Schäfchen anzubieten. Weil das oft in einer schlechten Qualität geschieht und geschah, nimmt es "seltsame" FORMEN an. Das Nachahmen von formal inhatlichem ist nämlich eine sehr viel häufigere Handlung, als die Aneignung der qualitativen Inhalten. Auf beiden Seiten. Du wirst selbst das Problem haben, falls du stimmige Gedanken weitergibst, dass deine individuelle Erkenntnis enteignet und missbraucht wird, sogar als Argument mit gegenteiligem Motiv. Das geschieht ja sogar schon in diesem Forum.

Und genau dieser Vorgang wird in allen Erkenntnisbereichen zum Problem. Plagiate.

Wer macht GESCHÄFTE damit? Gläubige, Ver(w)irrte, spirituelle Menschen? Oder auch, vielleicht sogar viel mehr Menschen, die damit nichts am Hut haben, den Guru spielen möchten, Allmachtsfantasien ausleben (auch Esoungläubige) und über die Psyche sehr gut Bescheid wissen, sie kennen, erahnen?

Als die Astrologiewelle über uns stürzte, da war ein Bekannter von mir der Erste, der ein astrologisches Computerprogramm nutzte, auf eine Messe ging und mehrere Tage ohne Unterbrechung seine Drucker rattern ließ, weil die Nachfrage so exorbitant hoch war. Er verdiente damit TAUSENDE DM in wenigen Tagen. Er selbst glaubte keinen Deut daran, aber er ist Geschäftsmann, der einen "Riecher" für Trends/Bedürfnisse hat, die sich zu Geld machen lassen. Der kannte mit Sicherheit keine Zahlen, Fakten, Fachzeitschriften. Ich bin mir SEHR sicher;-)

Glaube ich an die Astrologie? Nö. Aber ich spreche ihr eine bestimmte, auch tiefere Bedeutung zu, die nichts mit "Form" zu tun hat.

Ich glaube, dass jede Klassifizierung (Herstellung einer inneren Ordnung, einer Struktur = Halt), scheint sie auch noch so willkürlich, vorläufig besser ist als eine Gleichgültigkeit gegenüber jeden Zusammenhangs. Es erleichtert die Ausbildung eines Gedächtnisses. Auch die Klassifizierung auf der Ebene des sinnlich Wahrnehmbaren ist eine Etappe zu einer rationalen Ordnung (oder umgekehrt?). Auch, wenn zwischen den sinnlichen Qualitäten und Eigenschaften kein notwendiger Zusammenhang besteht, ist es für das Denken und Handeln rentabler so vorzugehen, als ob eine Äquivalenz, die das ästhetische Gefühl befriedigt auch einer objektiven Wirklichkeit entspräche.

Setze ich ein hohes persönliches Niveau voraus, haben die Kunst, die Wissenschaft und "die Spiritualität" (ähm... na ja, eigentlich gibt es diese Trennung für MICH nicht) dieses Bedürfnis nach "Organisation" und "Struktur" gemeinsam und anstatt sie als Gegensätze zu behandeln, setze ich sie parallel, als verschiedene Arten der Erkenntnis, die zwar hinsichtlich ihrer theoretischen und praktischen Ergebnisse ungleich sind, nicht aber bezüglich der Art der geistigen Prozesse, die die Voraussetzung dessen ist.

Unstimmigkeiten zeigen sich deswegen FÜR MICH nicht so sehr in inhaltlichen Widersprüchen, sondern wenn DenkWEISE (Struktur!) und Denkinhalt im Widerspruch stehen. Das tut sie nämlich bei wirklichem Erleben i.d.R. nicht. Dadurch enttarnt sich eher nicht erlebter Glauben.

Mir persönlich liegt (auch denkerisch) am meisten ein Bereich, der sich dem "wissenschaftlich" verifizierbaren Denken fast immer entzieht. Umschrieben, da mir zu pri vat: "Kunstwerke" (sehr weit gegriffen), die nicht mehr über eine Stofflichkeit verfügen und sich dem Begriff "Kunst" je nach Sichtweise vollkommen entziehen und evtl. auch nicht als Kunstwerk betrachtet werden, weil ihnen der "Ausstellungswert" fehlt. Brotlose Kunst sozusagen *g*, der man eine umso höhere Auffassungsgabe der bestehenden Regeln und Ist-Zustände und entgegensetzen "muss", kann, darf, sollte oder so... *g*


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