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Zaungäste und ein paar Randnotizen!

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04.08.2019 23:34
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 28.07.2019 um 15:52:

Ich werde dich finden,
auch wenn du dich einschließt
und den Schlüssel verschluckst.

Der Weg ist nicht zu weit,
auch wenn ich barfuß gehen muss,
durch Wüste und über Felsen.

Auch wenn du dich tarnst
in Härte oder Ablehnung,
werde ich dich erkennen
und dir die Hand reichen.

Ich werde dich riechen,
weil du den Geruch der Angst trägst,
so wie ich,
auch wenn der Wind gegen mich steht.

Ich brauche keine Landkarten,
ich höre nur in mich hinein
und merke mir die Anweisungen
die du mir sehnsüchtig zuflüsterst.

Weil ich weiß, dass mein Leben davon abhängt,
dass ich dich finde,
darum werde ich dich finden.
Ich erlaube mir keine andere Möglichkeit.


(Ulrich Schaffer. Liebendes Wahrnehmen)




Es ist im tiefsten Grunde doch nur Du,
nach der sich meine Nächte bangen,
nach der die Tage hastig langen;
und wenn des Dämmerns weiche Arme mich umfangen -
es ist im tiefsten Grunde doch nur Du.


Siegfried Kawerau




04.08.2019 23:40
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Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh: sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.


Rainer Maria Rilke



04.08.2019 23:42
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Rastlose Liebe


Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
Im Dampf der Klüfte,
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer zu!
Ohne Rast und Ruh!

Lieber durch Leiden
Möcht ich mich schlagen,
Als so viel Freuden
Des Lebens ertragen.
Alle das Neigen
Von Herzen zu Herzen,
Ach, wie so eigen
Schaffet das Schmerzen!

Wie - soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
Krone des Lebens,
Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!


Johann Wolfgang von Goethe

11.08.2019 11:18
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Ich weiß noch,wie du warst im vergangenen Herbst,
Grau die Mütze,das Herz so still,als ob es schliefe,
In deinen Augen fochten Flammen des Abenddämmerns
Und es fielen die Blätter ins Wasser deine Tiefe.

Meine Arme umklammernd,warst du wie eine Winde,die Blätter dämpfen
deine Stimme,als ob sie schliefe.
Lähmende Loderfeuer,in dem mein Durst verbrannte.
Geknickte Hyazinthe,blau über meine Tiefe.

Ich fühle deine Augen reißen,fern ist der Herbst:
Graukappe,Vogelstimme,Herz wie ein Zuhause,
wohin meine geheimen Sehnsüchte emigrierten
und meine frohen Küsse wie rote Kohlen fielen.

Himmel,von einem Schiff aus Saat,vom Felskamm gesehen,
Dein Bild in mir ist Licht,Dunst,ein Teich,als ob er schliefe.
Jenseits von deinen Augen flammten die Dämmerungen.
Dürre Blätter des Herbstes kreisten in deiner Tiefe.

(Pablo Neruda)

11.08.2019 22:42
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 11.08.2019 um 11:18:

Ich weiß noch,wie du warst im vergangenen Herbst,
Grau die Mütze,das Herz so still,als ob es schliefe,
In deinen Augen fochten Flammen des Abenddämmerns
Und es fielen die Blätter ins Wasser deine Tiefe.

(....)

(Pablo Neruda)



"Ich konnte meinen Gedichten nicht die Tür zur Straße verriegeln,
wie ich meinem Dichterherzen auch nicht die Tür zur Liebe verriegeln konnte."

Neruda lässt 1936 seine Frau Maria Antonietta Hagenaar, die er selbst Maruca Reyes nannte, mit ihrer kranken Tochter Malva Marina in den von den Nazis besetzten Niederlanden zurück.
Er versprach eine monatliche Zuwendung.
Als seine Tochter im März 1943 verstarb, sprach er sich, entgegen aller Empfehlungen, gegen eine Einbürgerung seiner Frau aus.
Er drohte ihr sogar die Unterhaltszahlungen einzustellen, sollte sie versuchen nach Chile einzureisen.
Maruca Reyes war somit gezwungen während des Krieges in den besetzten Niederlanden zu bleiben. Erst im Zuge dieser Auseinandersetzung erfuhr sie, dass Pablo Neruda sich bereits ein Jahr zuvor im Mexikanischen Cuernavaca von ihr hat scheiden lassen.
Maruca Reyes starb im März 1965 in den Niederlanden. Erst mehr als ein Jahr nach ihrem Tod hatte Neruda seine Beziehung zu Matilde Urrutia offiziell bekannt gegeben, die er später heiratet.
Er widmet Matilde "Hundert Liebessonette" die 2001 in dem Band "Hungrig bin ich, will deinen Mund" erschienen sind.
Eingeteilt in vier Kategorien "Frühe", "Mittag", "Abend" und "Nacht" beschwört er die Gegenwart der Geliebten herauf. Fest verbunden ist sie ihm mit der Erde, den Jahreszeiten, dem Meer.
Die Liebessonette Nerudas sind ein sinnliches Bekenntnis zur Liebe.




editiert am 14.08.2019 10:46 Beitrag melden Zitatantwort
11.08.2019 23:18
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Danke für die ausführliche Erläuterung

14.08.2019 10:43
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Hätt’ ich des Himmels bestickte Kleider,
Durchwirkt mit goldnem und silbernem Licht,
Die blauen, matten und dunklen Kleider,
Der Nacht, des Tags und des halben Lichts,
Ich legte sie zu deinen Füßen aus:
Doch ich bin arm, hab nur meine Träume,
Die legte ich zu deinen Füßen aus,
Tritt sanft, du trittst ja auf meine Träume.

William Butler Yeats



15.08.2019 10:40
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Ich weiß nur

Du fragst mich
was ich will
Ich weiß es nicht

Ich weiß nur
dass ich träume
dass der Traum mich lebt
und ich in seiner
Wolke schwebe

Ich weiß nur dass ich
Menschen liebe
Berge Gärten das Meer
weiß nur das viele Tote
in mir wohnen

Ich trinke meine
Augenblicke
weiß nur
es ist das Zeitspiel
Aufundab

Rose Ausländer

15.08.2019 20:18
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na, dann geb' ich Euch den mal zum Aufbewahren ;-)

https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1

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ZAUNGÄSTE und andere Randnotizen
03.08.2019 08:54

vielleicht erinnert sich so auf der letzten Seite noch eine*r daran, daß da ein angefangener ist :-)
zum evtl. noch füllen


---
sehr erschreckend, so etwas auch über Neruda zu erfahren )-;;;



18.08.2019 01:06
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Menschen Bei Nacht



Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht
Und du sollst ihn nicht suchen trotzdem
Und machst du nachts deine Stube Licht
Um Menschen zu schauen ins Angesicht
So musst du bedenken: Wem

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt
Das von ihren Gesichtern träuft
Und haben sie nachts sich zusammengesellt
So schaust du eine wankende Welt durcheinandergehäuft
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
Alle Gedanken verdrängt
In ihren Blicken flackert der Wein
An ihren Händen hängt die schwere Gebärde
Mit der sie sich bei ihren Gesprächen verstehen
Und dabei sagen sie: Ich und Ich
Und meinen: Irgendwen



R M R



22.08.2019 13:23
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Geliebtsein heißt aufbrennen.
Lieben ist: Leuchten mit
unerschöpflichem Öle.
Geliebtwerden ist vergehen,
Lieben ist dauern.


Rainer Maria Rilke
Aus : Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge




22.08.2019 13:25
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( ... )
Weil fremd ein Föhn, der dir die Haare peitschte, kam
Und Wundermär in deinen Träumersinn getragen;
weil in dem Seufzerlaut der Bäume und im Klagen
der Nacht dein Herz die Stimme der Natur vernahm.

Weil wie ein ungeheures Röcheln deinen Sinn,
den süßen Kindersinn, des Meeres Schrei gebrochen;
weil schön und bleich ein Prinz, der nicht ein Wort gesprochen,
im Mai, ein armer Narr, dir saß zu deinen Knien.

Von Liebe träumtest du, von Freiheit, Seligkeit;
du gingst in ihnen auf wie leichter Schnee im Feuer.
Dein Wort erwürgten deiner Träume Ungeheuer.
Dein braunes Auge löschte die Unendlichkeit.

Nun sagt der Dichter, daß im Schoß der Nacht du bleich
die Blumen, die du pflücktest, suchst, in deine Schleier
gehüllt, dahinziehst auf dem dunklen, stillen Weiher,
im Schein der Sterne, einer großen Lilie gleich.

.
Arthur Rimbaud
Ophelia




23.08.2019 22:13
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Eilt die Sonne nieder zu dem Abend,
Löscht das kühle Blau in Purpurgluten,
Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend,
Wallt gelassen nach verbrauster Jugend,
Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften,
Unbeweglich wie in tiefem Schlummer;
Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen,
Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet,
Schreitet Helios schwebend über Fluren.

Feucht vom Zaubertau der heil'gen Lippen
Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern
Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

In der Zeiten Schicksalsmelodien,
Die harmonisch ineinander spielen
Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel,
Hebt er aus dem Chaos alter Lügen
Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer,
Die sein Lied von süßem Schlummer weckte,
Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet,
Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet,
Und ich säh den heil'gen Glanz der Blumen,

Säh des frühen Morgens Lebensfülle,
Die Natur wie neugeboren atmet,
Wüßt ich doch, es ist kein Traum gewesen.

Bettina von Arnim

25.08.2019 09:44
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Deine Hände


Wenn deine Hände, Liebe,
meinen entgegenkommen,
was bringen sie mir, fliegend?
Warum hielten sie plötzlich
inne auf meinem Mund?

Wie erkenne ich sie,
als hätte ich sie damals,
früher schon mal berührt,
und als wären sie früher,
ehe sie selber waren,
mir schon über die Stirne,
über die Hüfte gestreift?


Ihre Sanftheit kam her,
fliegend über die Zeit,
über das Meer, den Rauch,
über den Frühling flügelnd,
und als du deine Hände
mir auf die Brust gelegt,
erkannte ich die Flügel
der goldfiedrigen Taube,
erkannte ich die Kreide
und die Farbe von Weizen.


Mein ganzes Leben habe
ich nach ihnen gesucht.
Treppen stieg ich empor,
ging über Pflasterstraßen,
Züge trugen mich fort,
Wasser brachten mich her,
und auf der Haut der Trauben
meinte ich dich zu fühlen.

Das Holz gab unversehens
mir Berührung mit dir,
und die Mandel verhieß mir
deine heimliche Sanftheit,
bis deine Hände sich
schlossen auf meiner Brust,
um hier nun wie zwei Flügel
zu beenden die Reise.

Pablo Neruda

27.08.2019 12:07
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 11.08.2019 um 22:42:

Neruda lässt 1936 seine Frau Maria Antonietta Hagenaar, die er selbst Maruca Reyes nannte, mit ihrer kranken Tochter Malva Marina in den von den Nazis besetzten Niederlanden zurück.
Er versprach eine monatliche Zuwendung.
Als seine Tochter im März 1943 verstarb, sprach er sich, entgegen aller Empfehlungen, gegen eine Einbürgerung seiner Frau aus.
Er drohte ihr sogar die Unterhaltszahlungen einzustellen, sollte sie versuchen nach Chile einzureisen.




In diesem Zusammenhang möchte ich gern auf ein eindrucksvolles und ungewöhnliches Buch hinweisen, dass die holländische Autorin Hagar Peeters Nerudas totgeschwiegener Tochter Malva gewidmet hat:

Hagar Peeters: „Malva“
Aus dem Niederländischen von Arne Braun
Wallstein Verlag, Göttingen 2018


Die Geschichte des ungeliebten Kindes, der verschwiegenen Behinderten erzählt Malva hier selber aus dem Jenseits: Sie ist „eine vergessene Verstorbene und zugleich eine allwissende Weiterlebende“.
Nerudas tote Tochter lebt in diesem Buch weiter
Er hatte ihr einen schönen Blumennamen gegeben, als sie 1934 in Madrid geboren wurde: Malva. Aber das Kind war keine schöne Pflanze, sondern behindert, mit einem Wasserkopf geboren. Im realen Leben wurde Malva Marina Trinidad del Carmen Reyes nur acht Jahre alt, da sie mit einem Hydrozephalus zur Welt kam und bis zu ihrem frühen Tod gesundheitlich beeinträchtigt war. Bald nach der Geburt entzog sich ihr Vater Neruda aller Verpflichtungen, wollte sich mit ihrer Erkrankung nicht belasten.

Die Autorin lässt Malva Marina als Unerlöste aus einem jenseitigen Zwischenreich heraus sprechen. Sie hat Zugriff auf die Erinnerungen, aufs große Weltarchiv, doch ändern kann sie die Vergangenheit nicht mehr - und muss es gleichwohl endlos versuchen, weil der Schmerz, verleugnet worden zu sein, sonst zu groß wäre.
In einem surrealistischen Jenseits umgibt Malva sich mit Personen, mit denen sie das Verhalten ihres Vaters und ihr eigenes Schicksal bespricht - Ausnahmegestalten wie sie selbst: Oskar Mazerath trommelt den Takt zu ihrer Erzählung, Goethe und Roald Dahl trösten väterlich, die Kinder von James Joyce und Arthur Miller sind ebenfalls von ihren Vätern abgelehnt worden. Ein vielstimmiges Gespräch über Kunst, Philosophie, "Normalität" und Schuld, in dem die zu Wort kommen, die zu Lebzeiten überhört wurden. Peeters verbindet akribische Recherche mit Witz und der Lust am Fabulieren - ein hochliterarischer Roman mit einer unvergesslichen Protagonistin.

Es handelt sich um einen anschwellenden Sehnsuchtsgesang, eine obsessive Elegie, die um ein leeres Zentrum kreist und damit eine starke Wirkung entfaltet: "Malva" ist vor allem anderen ein Buch der Entzauberung.
Es gibt in diesem sich grandios über alle dramaturgischen Regeln hinwegsetzenden Roman jedoch keine platten Urteile. Neruda war auch ein großer Liebender. Und er war eine wichtige öffentliche Person in Chile. Der Trauerzug nach seinem Tod wird zu einer letzten großen Demonstration gegen die chilenische Junta. In dieser Beschreibung mischt sich denn auch die Lebensgeschichte der armen Malva mit der der Autorin, denn auch deren Vater war lange ein Abwesender, einer, dem wegen der großen politischen Weltlage und des Kampfes für die gerechte Sache die kleine Tochter unwichtig war.
Dass und wie individuelles moralisches Fehlverhalten politisches Engagement konterkariert, davon erzählt dieser ungewöhnliche Roman, in dem am Ende auch ein berührender Exkurs in die Vernichtungslager der Nazis führt.




27.08.2019 12:13
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Turmsegler

Turmsegler mit den zu großen Flügeln, der da kreist und schreit seine Freude rings um das Haus.
So ist das Herz.
Er lässt den Donner verdorren. Er sät in den heiteren Himmel. Streift er den Boden, schlitzt er sich auf.

Sein Widerpart ist die Schwalbe. Er verabscheut die häusliche. Was gilt das schon: Filigran des Turms?

Er rastet in dunkelster Höhlung. Niemand hat es so eng wie er.

Im Sommer der langen Helle streicht er davon in die Finsternis durch die
Fensterläden der Mitternacht.
Kein Auge vermag ihn zu halten. Er schreit, das ist sein ganzes Dasein.
Ein schmales Gewehr streckt ihn nieder. So ist das Herz.


René Char, Poésies – Dichtungen, S. Fischer Verlage, 1959, Frankfurt am Main


27.08.2019 12:14
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Wir fanden, aber wir hielten es nicht.

Wir fanden, aber wir hielten es nicht und versagten. Es nahm unsern Kopf in die Hände und küßte ihn. Lange war’s da. Doch immer vergeht, was wir haben, sowie wir es haben. Es flieht, um dann wirklich zu bleiben: als eines, das war. Bliebe es anders, verlör’s sich, sich duckend, im Alltag. Für niedrige Türen, Geliebte, ist Liebe zu groß und verrenkt sich, gedemütigt, rutscht, wenn wir sie schieben, auf Knien, verbeißt sich den Stolz. Und erträgt’s nicht.
Merkten wir nicht, was wir taten? Wie oft putzten wir Zähne gemeinsam, aßen so sprachlos zu Abend, die Aufmerksamkeiten erlascht, wie ein Echo ins Mehl klingt, dem schwarzen für Brot, das uns nährt, aber stumpf macht: das Brot stumpf, das Herz stumpf. So kauen wir. Stromrechnung, Miete, die tägliche Rücksicht, der Einkauf, beiseitegeschobne, als würden sie schänden, Verlangen. Die Zimmer zu schmale, wir spüren Verlust, aber schweigen ums Unheil. Denn sprächen wir’s aus, es wär ein Verrat, denkt man, der’s weckte und herlockt. Plötzlich, da stehn wir uns fremd da, uns selbst und als Fremde einander.
Da gingst du.
Verlust ist des Bleibenden Anfang...


Alban Nikolai Herbst, "Das Bleibende Thier / Bamberger Elegien", Elfenbein, 2011, Berlin


editiert am 27.08.2019 12:16 Beitrag melden Zitatantwort
27.08.2019 12:18
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Wissen Sie, was Liebe ist? Ich meine: das Tiefste an ihr? Ich will es Ihnen sagen: Das ist ein Geheimnis des vollkommenen Miterlebens dessen, was im anderen vorgeht.

Lou Andreas-Salomé (1861-1937)


27.08.2019 15:29
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Nähe

Wenn ich weit weg bin von Dir
und wenn ich die Augen zumache
und die Lippen öffne
dann spüre ich wie Du schmeckst
nicht nach Seife und antiseptischen Salben
nur nach Dir
und immer näher nach Dir
und immer süßer nach Dir
je länger ich an Dich denke
und manchmal nach uns
nach Dir und nach mir und nach Dir

Aber wenn ich bei Dir bin
wenn ich Dich küsse und trinke
und Dich einatme
und ausatme und wieder einatme
wenn ich mit offenen Augen
fast nichts von Dir sehe
ganz vergraben in Dich
in Deine Haut und in Deine
Haare und Decken
die duften nach Dir
dann denke ich an Dein Gesicht
weit oben
wie es jetzt leuchtet
oder sich schöne verzieht in rascherem Atem
und denke an Deine Worte
und an Dein Weinen zuletzt
im Fenster des Zuges

Wenn ich bei Dir bin
ist vieles voller Abschied
und wenn ich ohne Dich bin
voller Nähe und Wärme von Dir

Erich Fried

28.08.2019 09:38
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Herzatlas

zeichne jeden tag eine neue landkarte
für dein aufgebrachtes herz
bleibe in der aufgabe zu leben
liebe intensiver zahlreicher und großzügiger
wenn die welt auf der kippe steht
halte dich an das versprechen
das du selbst etwas bewegen kannst


(Hermann Josef Schmitz)


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