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09.10.2018 01:30
Tehejekuetrheed

Politische Paralyse Ein Land steht still

Die Hysterie in der Migrationsdebatte hat dramatische Folgen: Auf der Strecke bleiben die großen Zukunftsfragen. Worum wir uns eigentlich kümmern sollten.

Die Debatte über Migration an sich, die derzeit so viele aufregt, hat große Vorteile. In ihr sind es immer ungezählte Habenichtse, die in unser schönes Europa, schönes Deutschland kommen möchten und was wir dagegen tun können, beziehungsweise, wie wir auswählen und für sozialen Zusammenhalt sorgen. Diese Debatte ist ein politisches perpetuum mobile, sie generiert ihren Schwung aus selbsterzeugter Wut und ist nie beendet, denn irgendeiner ist immer Migrant.

Der immense Vorteil der Debatte ist, dass sie die Illusion erweckt, hier bei uns sei es so toll, dass unsere größte Sorge darin bestehen muss, wie wir das Erreichte verteidigen. Ist das nicht, bei allem Angstgrusel, ein gutes Gefühl? Wenn wir über die mobilen Massen der Migranten streiten, müssen wir uns nicht um die Immobilität zuhause sorgen. Denn wenn es hier nicht so gut liefe, dann würden die ja auch nicht kommen wollen.

http://www.spiegel.de/pol [...] 075.html

editiert am 09.10.2018 01:51 Beitrag melden Zitatantwort
09.10.2018 03:15
Tehejekuetrheed


Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 08.10.2018 um 18:38:

Gestern in Hamburg

THEATERPROJEKT
Politiker stellen sich dem "Chor des Hasses"

Morddrohungen und Beleidigungen:
Die Postfächer von Politikern sind voller Wut-Post.

Bei einem Hamburger Theaterprojekt stellen sich neben anderen zwei Bundesminister diesem "Chor des Hasses". Ihr Umgang damit ist sehr unterschiedlich.
Hamburg. "Witzfigur", "Du Müll", "Mieses Stück Scheiße". Unablässig prasseln die Hasstiraden, die Politiker wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) in ihrer Post finden, am Sonntagabend beim Hamburger Theaterfestival auf das Publikum ein

Vorgelesen von den Schauspielern Iris Berben, Claudia Michelsen, Dietmar Bär und Robert Stadlober.
Ganz in Schwarz gekleidet lesen sie die harte Kost an einem langen Tisch auf der Bühne, während Schimpfwörter und Morddrohungen auf einer riesigen Leinwand eingeblendet werden.

Die Idee zu der Produktion "Chor des Hasses" auf Kampnagel stammte von "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Er hat die Adressaten der Hasspost eingeladen, mit ihm darüber zu sprechen, wie sie mit diesen furchtbaren E-Mails und Briefen umgehen.

Gekommen sind neben von der Leyen und Maas auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir und der Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein. Vor knapp einem Jahr hatte ein Mann den CDU-Politiker in einem Döner-Imbiss mit einem Messer attackiert und dabei leicht am Hals verletzt.

In der Inszenierung von Ulrich Waller hören die Politiker nun in geballter Form, was alles in ihren Postfächern landet. Das Projekt will öffentlich machen, wie sehr Politiker mit Hass überschüttet werden und der Frage nachgehen, wie das die Sprache verändert und möglicherweise auch das Handeln.

Krass dabei die Gegensätze: Viele Schreiben beginnen höflich mit "Sehr geehrter Herr...", bevor wüste Beschimpfungen folgen. Es herrscht eine gedrückte Stimmung im ausverkauften Saal.

"Schwer auszuhalten", flüstert einer der 850 Zuschauer seinen Sitznachbarn zu.

Als die Lesung endet und die Politiker die Theaterbühne betreten, zollt di Lorenzo ihnen Respekt, "dass Sie sich das angetan haben".

Riesenapplaus vom Publikum.
Der Journalist bietet erst einmal einen Schnaps an. "Falls Sie jetzt einen brauchen", sagt er und sorgt - nach solch einem schweren Anfang - mit dieser Geste für Gelächter im Saal.

Welche Macht hat dieser Chor des Hasses? Das will di Lorenzo von seinen Gästen wissen.
"Das lässt einem schon den Atem stocken", sagt von der Leyen. "Ich hab' das Gefühl, das ist schlimmer geworden in den vergangenen Jahren." Vor zehn Jahren habe sie noch Zuschriften bekommen, in denen sie etwa als "miese Mutter" beschimpft worden sei. Doch die Dimension habe sich - vor allem seit sie Verteidigungsministerin sei - verändert. Ausgeprägt sei eine starke Sexualisierung, berichtet die Politikerin. "Es gibt keine Mail, wo nicht "Fotze" drinsteht und immer diese brutale, widerliche Art der Vergewaltigungsfantasien." Sie habe aber gelernt, sich davon "abzuspalten".

Lokalpolitiker Hollstein, bekannt für seine liberale Flüchtlingspolitik, betont angesichts der Flut von Hasspost an ihn, man dürfe diesen Menschen nicht einen Deut nachgeben. Maas erklärt, er lese solche Mails in der Regel nicht. "Was ich bisher gesehen habe, ist so abartig, so krank, dass ich es auch nicht ernst nehmen kann", sagt er. Erschreckend sei, dass die Hemmschwelle der "Verbal-Radikalität" immer weiter abgenommen habe. Zudem sei früher fast alles anonym gewesen, nun finde sich öfter der ganze Name plus Adresse auf den Schreiben. "Das macht mir dann doch noch einmal deutlich, mit welcher Form der Verrohung wir es hier zu tun haben."

Grünen-Politiker Özdemir fordert mit Blick auf die vielen Hasskommentare in den sozialen Medien, dass dies kein rechtsfreier Raum sein dürfe. Gewalt sei immer zu verurteilen, die Zivilgesellschaft gefordert. "Die Auseinandersetzung muss mit den Mitteln der Demokratie stattfinden."
( dpa )

Gute Aktion


👍

editiert am 09.10.2018 03:22 Beitrag melden Zitatantwort
09.10.2018 08:32
Tehejekuetrheed

Zitat

Mit „Der alltägliche Islamismus“ hat die Schweizer Politikwissenschaftlerin Elham Manea ein weiteres wichtiges Buch zum Verständnis des Islamismus und seiner Auswirkungen auf Gesellschaften vorgelegt. Unser Kolumnist Heiko Heinisch sprach mit ihr über den politischen Islam, das Kopftuch, Parallelgesellschaften und die ideologischen Gemeinsamkeiten von gewaltfreien Islamisten und Dschihadisten.

(...)

H.H.: In Ihrem Buch sprechen sie vom „essentialistischen Paradigma“, dem sich heute viele linke und liberale Intellektuelle verpflichtet fühlen. Muss man diesen Essentialismus, also die Reduktion der Identität von Menschen auf ihre religiöse Zugehörigkeit, nicht auch als Teil des islamistischen Programms betrachten?

E.M.: Das stimmt. Islamisten instrumentalisieren die Bürde des weißen Mannes, d.h. die mit dem Kolonialismus und Imperialismus verbundenen Schuldgefühle, die dazu geführt haben, dass viele Linke und Liberale glauben, sie müssen bestimmte Gruppen, wie etwa die Muslime, beschützen. Aber während sie das tun, verleugnen sie ihre eigenen Werte, die darauf basieren, dass Menschen als gleichwertig betrachtet werden, als Bürgerinnen und Bürger, als Individuen, die vor dem Gesetz gleich sind. Stattdessen reduziert man Muslime auf ihre religiöse Identität. Das bedeutet, man sieht mich nicht als Elham Manea mit der Vielfältigkeit meiner Identität, sondern nur als muslimisch religiösen Menschen, obwohl ich womöglich gar nicht sehr gläubig bin. Muslime gehören gemäß diesem Paradigma alle in die Gruppe der Muslime, die als Gruppe über Rechte verfügt. Interessanterweise hat dies dazu geführt, dass Politiker und Politikerinnen oft die Zusammenarbeit mit Islamisten suchen, weil diese ihre Wahrnehmung davon, was ein Muslim ist, bestätigen. Solche Politikerinnen und Politiker lassen Islamisten definieren, was ein Muslim/eine Muslimin ist.

H.H.: Kann man also sagen, dass sowohl linke und liberale, als auch rechte Essentialisten ebenso wie Islamisten die Menschen in Gruppe einteilen, also im Falle des Islam in „Muslime“ und alle anderen?

E.M.: Islamisten sehen nur einen Islam. Sie sehen keine Diversität in dieser Religion. Die Essentialisten sind im Prinzip genauso. Sie sehen nur Muslime und diese Muslime müssen nach ihrer Auffassung religiös sein und ihren Glauben in einer bestimmten Art leben und sich auf eine bestimmte Art verhalten.

Das Kopftuch – nur ein Stück Stoff?
H.H.: Mir fällt auf, dass sich in der Gesellschaft ein bestimmtes Bild vor allem von der Muslimin durchsetzt: Die muslimische Frau ist die Frau mit Kopftuch. Wenn ein Politiker sich mit „Muslimen“ zeigen will, müssen Frauen mit Kopftuch dabei sein, und wenn Medien über „Muslime“ oder den Islam berichten, ist auf dem Bild meist eine Frau mit Kopftuch zu sehen.

E.M.: Ja, und damit sagen sie alle, dass Frauen muslimischen Glaubens, die kein Kopftuch tragen – und das ist die überwiegende Mehrheit der muslimischen Frauen – keine richtigen Musliminnen sind. Das ist ein Diskurs, der von Islamisten in der islamischen Welt geführt und gefördert wird und ich finde es befremdlich, dass wir denselben Diskurs jetzt auch hier haben. Er besagt im Kern, dass eine gute Muslimin Kopftuch trägt und das Kopftuch ein islamisches Symbol ist. Aber nein! Es ist kein islamisches Symbol, es ist ein islamistisches Symbol.

H.H.: Die Rechtsanwältin Raja A., die mein Kollege Henning Hirsch vor zwei Wochen interviewt hat, sagt: „Das Kopftuch ist Ausdruck individueller Religiosität und hat nichts mit patriarchalen Machtstrukturen zu tun.“

E.M.: Ich verstehe zwar, dass sie das so sieht, weil das ihr Beweggrund ist, das Kopftuch zu tragen, aber ich bezweifle, dass ihre Aussage über ihre persönliche Motivation hinaus Gültigkeit beanspruchen kann. Es gibt einfach genug Beispiele, um dem zu widersprechen. Man muss nur genau hinschauen, was in der islamischen Welt passiert ist, was Islamisten machen, wenn sie die Kontrolle über eine Gesellschaft übernehmen. Was machen sie als erstes? Sie schreiben eine Ordnung vor, in der die Frauen Kopftuch oder Burka tragen müssen. Da geht es nicht mehr um Freiheit. Das war so im Iran, in Afghanistan mit den Taliban, in Saudi Arabien, im Sudan mit der Muslimbruderschaft, in Gaza mit der Hamas und das war so mit dem IS in Syrien und dem Irak.

Interessanterweise kommt es aktuell in der arabischen Welt zu einer Gegenbewegung, gegen das Kopftuch, die sich zum Teil auch religiöser Argumente bedient.

(...)

Kopftuchverbot in der Schule
H.H.: In Österreich aber auch in Deutschland wird aktuell ein Verbot des Kopftuchs in Kindergärten und in Schulen bis zum 14. Lebensjahr diskutiert. Ist ein solches Verbot sinnvoll?

E.M.: Ich war eine der ersten Unterzeichnerinnen der Kampagne für ein Verbot des Kopftuchs in Schulen von terre des femmes in Deutschland. Ich verstehe auf der einen Seite die Ängste jener, die sagen, dass die jungen Mädchen dadurch in der Schule ausgegrenzt werden. Aber ich muss auf der anderen Seite auch darauf beharren, dass man das Kopftuch nicht ohne die Dimension des religiösen und sozialen Drucks sehen darf. In meinem Buch zeige ich das am Beispiel der belgischen Gemeinde Antwerpen: Wo die Anzahl muslimischer Schüler eine kritische Masse in einer Schule oder einem Viertel erreicht, bekommen Gruppendruck und -dynamik eine solche Durchschlagskraft, dass die Mädchen gezwungen werden, Kopftuch zu tragen. Hier gibt es keine Wahlfreiheit mehr. Aus meiner Sicht müssen wir aus den Schulen einen safe space machen, einen sicheren Ort schaffen. Es geht nicht, dass ihnen an diesem Ort gesagt wird, entweder du trägst das Kopftuch oder du bist eine Schlampe. Was eine österreichische Lehrerin in ihrem Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ schildert, entspricht genau dem, was in der Schule in Antwerpen passiert ist, die ich in meinem Buch beschreibe. Oder auch in Molenbeek in Brüssel. Das sind keine Einzelfälle, das passiert in Deutschland, in Österreich, in Belgien, in Großbritannien.

H.H.: Schauen wir uns das weltweit größte islamistische Netzwerk an: Die Muslimbruderschaft. Können Sie etwas zu ihren Zielen und ihrer Strategie sagen?

E.M.: Salafisten erkennt man zumeist und sie stehen auch offen zu ihren Zielen. Die Muslimbruderschaft und ihre Anhänger sieht man nicht so einfach. Sie arbeiten mit einem langen Atem und viel Geduld im Verborgen und nähern sich ihren Zielen Schritt für Schritt. Im europäischen oder nordamerikanischen Kontext versuchen sie, die Kontrolle über islamische Gemeinschaften zu erlangen. Wie machen sie das? Sie schaffen Strukturen, gründen Organisationen. In unseren freien Gesellschaften haben sie ein Recht darauf, Organisationen aufzubauen. Und sie haben die Ressourcen und verfügen über das Geld, das in großem Stil zu tun. Dabei präsentieren sie sich als Sprecher der muslimischen Gemeinschaft. Aber die Anliegen, die sie dabei vertreten, sind islamistische Anliegen, nicht die Anliegen der Mehrheit der Muslime.

Ihr Ziel ist das gleiche wie in islamischen Ländern: Sie wollen die Kontrolle über die Kindererziehung, über den Lehrstoff der Schulen und die Ausbildung der Imame. Wenn ihnen das gelingt, dann wissen sie, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie eine Generation geprägt haben, die gemäß ihrer Lesart des Islam lebt, denkt und handelt.

Das essentialistische Paradigma vieler Politiker führt leider dazu, dass sie mit Vertretern der Muslimbruderschaft zusammenarbeiten, sie dadurch aufwerten und bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen. Sie betrachten die Muslime nicht als Bürgerinnen und Bürger mit individuellen Bedürfnissen und Lebensentwürfen, sondern als Muslime, die spezifisch muslimische Bedürfnisse haben: Die Trennung von Buben und Mädchen, Kopftuch, Halal und Haram. Alle diese religiösen Anliegen, die vor allem den Anliegen der Islamisten entsprechen, werden von unseren Politikerinnen und Politikern als Anliegen DER Muslime betrachtet, weil sie nicht in der Lage sind, aus ihrem essentialistischen Paradigma herauszukommen.

Islamisten betreiben Schulen
H.H.: In Wien hat die Islamische Föderation mit Beginn des Schuljahres zwei neue islamische Privatschulen eröffnet, darunter auch eine Volksschule. Hinter der Islamischen Föderation verbirgt sich die islamistische türkische Bewegung Milli Görüş, die ich als den türkischen Arm der Muslimbruderschaft bezeichnen würde. Was denken Sie, wenn Sie das hören?

E.M.: Ich finde es irritierend. Wir haben in unserer Gesellschaft eine klare Grenze gezogen: Rechtsaußen würden wir die Erziehung unserer Kinder nicht anvertrauen, aber wenn religiöse rechtsaußen Gruppierungen das machen, schauen wir weg, vor allem, wenn es um Muslime geht. Das ist sehr problematisch. Dabei geht es nicht um religiöse Erziehung an sich, es geht darum, wie sie instrumentalisiert wird. Das macht den Unterschied. Ich zeige in meinem Buch, wie die Islamisten Erzählungen aus der Geschichte Mohammeds herausgreifen, in neuem Kontext in die Gegenwart übertragen und den Kindern einreden, sie müssten sich heute daran ausrichten, müssten heute danach leben, sie seien angewiesen, die Ungläubigen zu hassen und zu bekämpfen, als ob sie in der Zeit Mohammeds leben würden. Damit leisten sie nicht nur der Abgrenzung und geschlossenen Parallelgesellschaften Vorschub, sondern erodieren den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Das darf nicht sein. Wir brauchen Maßnahmen, die verhindern, dass Islamisten über Schulen und Kindergärten die Erziehung von Kindern in der Hand haben.

H.H.: Sie haben sich bereits in ihrem letzten Buch, „Women and Shari’a Law“, mit entstehenden Parallelgesellschaften befasst und in Großbritannien mehrjährige Feldforschung zu diesem Thema betrieben. In ihrem neuen Buch schreiben Sie, wo die Politik des Unterschieds beginne, dort setze eine Dynamik ein, die zu Segregation und Menschenrechtsverletzungen vor allem gegenüber Frauen und Kindern führe und die letztlich das gesellschaftliche Vertrauen aushöhle und die Solidarität untergrabe. Das Ergebnis wären schlussendlich monokulturelle Enklaven und nicht die multikulturelle Gesellschaft?

E.M.: Wir sehen das in verschiedenen Kontexten: In Großbritannien, in einem Stadtteil wie Molenbeek in Belgien oder in Schweden, das ich ausführlich in meinem Buch erwähne. Wenn Multikulturalismus bedeuten würde, dass wir einander in unseren Unterschieden bezüglich Herkunft, Hautfarbe oder Religion respektieren, dann ist das kein Problem. Aber wenn wir diese Charakteristiken zu einer Politik des Unterschieds formulieren, dann haben wir ein Problem. Wir können unterschiedlich sein, aber gleichzeitig brauchen wir Gemeinsamkeiten und zwar vor allem dort, wo sie uns zusammenbringen. Hier in Europa ist das der Humanismus, sind das Werte wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, die auch bedeutet, dass man Religionen kritisieren kann und darf, und Meinungsfreiheit. Das sind Werte, die gelebt sein wollen. Aber in geschlossenen Parallelgesellschaften haben diese Werte keinen Wert und darunter müssen meist vor allem die Frauen leiden.

Es ist bedenklich, dass nicht realisiert wird, dass die Politik der Unterschiede, die uns sagt, wir müssen bestimmte Gruppen anders behandeln, nichts anderes ist, als eine Politik der ’Apartheid‘, also der Trennung. Es sind zwei Seiten einer Medaille. In den USA hat man einst die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe voneinander getrennt und dann behauptet, sie seien gleichberechtigt, separate but equal hieß das, was natürlich nicht stimmte. Heute macht der Multikulturalismus das gleiche, wenn auch mit guter Absicht: Er teilt Menschen nach Herkunft, Kultur und Religion in Gruppen und schiebt jede Gruppe in eine eigene Schublade, in eine eigene Rechtsenklave mit eigenen Regeln, die nicht demselben Rechtsverständnis folgen, dass in der Mehrheitsgesellschaft vorherrscht. Und dann sagt man uns, nur dadurch ließe sich Gleichheit herstellen. Mit anderen Worten: um Gleichheit herzustellen, wird die Ungleichheit betont.

Geschlossene Communitys
H.H.: Sie schreiben in ihrem Buch, dass Mainstreaming des Islamismus, wie sie es nennen, also die Tatsache, dass es Islamisten in den vergangenen 40 Jahren gelungen ist, ihre Auslegung zum Mainstream im Islam zu machen, führe dazu, dass andere Stimmen zum Schweigen gebracht würden, während sich in muslimischen Gemeinden eine „Kultur des Extremismus“ ausbreite.

E.M.: Die systematische Arbeit von islamistischen Gruppierungen macht die Situation in geschlossenen islamischen Communitys schlimmer als in anderen solchen Gemeinschaften. Sie übernehmen die Kontrolle und bringen ein fanatisches und extremistisches Element in muslimischen Gemeinschaften ein, sowie ein streng patriarchales Konzept, das auf dem Dogma der Familienehre basiert.

Die Lesart des Islam, die Frau Wiesinger in ihrem Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ schildert und mit der sie in ihrer Schule konfrontiert ist, das ist eine fundamentalistische, eine extremistische Form des Islam. Offenbar ist es islamistischen Kreisen gelungen, den Diskurs in der Schule zu bestimmen, ihn zu mainstreamen. Ganz in der Nähe der Schule befinden sich zwei Moscheen, die von Milli Görüs und von ATIB [der österreichische Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet, Anm. H.H.] betrieben werden.

(...)

Das freundliche Lächeln des Islamismus
H.H.: Sie schreiben, dass das Problem von Intellektuellen in der Islamischen Welt sehr wohl gesehen und auch angesprochen und diskutiert wird.

E.M.: Ja, das ist interessant zu sehen. In der arabischen Welt spricht man heute mit großer Klarheit über diese Probleme, man benennt sie. Man zahlt noch immer einen hohen Preis dafür, aber man ist bereit, darüber zu sprechen. Im arabischen Raum gibt es auch eine Entwicklung weg von der Religion. Immer mehr Menschen wenden sich von der Religion ab. Der Atheismus ist bei vielen jungen Männern und Frauen en vogue, weil sie merken, dass die verbreitete dogmatische und fundamentalistische Religion alles kaputt macht. Der IS war wie ein Punkt, an dem sich die Leute gefragt haben: ist es das, was wir wollten?

Die Muslimbruderschaft hat sich stets als moderate und gute Kraft dargestellt, bis man gesehen hat, dass das, was sie wirklich anstreben, viel mit dem zu tun hat, wofür der IS steht. Wenn man die Originalliteratur der Muslimbruderschaft und die Manifeste ihrer Leitfiguren liest, erkennt man, dass sich ihr Programm nicht wirklich von jenem des IS unterscheidet. Sie lehnen die Sklaverei nicht ab, sie lehnen Steinigungen nicht ab, sie lehnen Mord für Apostasie oder für Beleidigung des Propheten nicht ab. Sie vertreten die gleiche Ideologie. Der IS ist ein Endprodukt des Projektes der Muslimbruderschaft. Und diesen Zusammenhang haben sehr viele Menschen in der arabischen Welt verstanden.

H.H.: Gehen wir als Gesellschaften hier in Europa den Islamisten auf den Leim?

E.M.: Leider! Wir glauben dem adrett gekleideten Menschen mit dem freundlichen Lächeln und sehen dahinter nicht den islamistischen Ideologen. Wir unterschätzen die Islamisten. Aber sie sind nicht nur intelligent, sie wissen auch genau was sie wollen und gehen raffiniert vor.

Die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und auch die Arbeit mit Kindern ist ihnen ein besonderes Anliegen. Sie verfolgen eine klare Strategie und man sollte unbedingt ihre Schriften beachten, denn dortstehen sie offen zu dem, was sie wollen und wie sie vorgehen – man muss es nur lesen. Ihr Ziel ist keine demokratisch-pluralistische Gesellschaft, sie verfolgen ein totalitäres Projekt. In einem von ihnen geschaffenen System sind die Menschen nicht gleich, nur die Gläubigen haben dort Rechte. Und wenn man diese religiöse Komponente gegen „Rasse“ austauscht, dann dürfte klar sein, wovon ich spreche.

[/der]


https://diekolumnisten.de [...] ei-sein/

09.10.2018 14:25
Tehejekuetrheed


Wo ist die aktuelle News in deinem beitrag ?!!

09.10.2018 18:37
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.10.2018 um 14:25:

Wo ist die aktuelle News in deinem beitrag ?!!


Das Buch ist aktuell neu.

09.10.2018 19:14
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.10.2018 um 01:30:

Politische Paralyse Ein Land steht still

Die Hysterie in der Migrationsdebatte hat dramatische Folgen: Auf der Strecke bleiben die großen Zukunftsfragen. Worum wir uns eigentlich kümmern sollten.

Die Debatte über Migration an sich, die derzeit so viele aufregt, hat große Vorteile. In ihr sind es immer ungezählte Habenichtse, die in unser schönes Europa, schönes Deutschland kommen möchten und was wir dagegen tun können, beziehungsweise, wie wir auswählen und für sozialen Zusammenhalt sorgen. Diese Debatte ist ein politisches perpetuum mobile, sie generiert ihren Schwung aus selbsterzeugter Wut und ist nie beendet, denn irgendeiner ist immer Migrant.

Der immense Vorteil der Debatte ist, dass sie die Illusion erweckt, hier bei uns sei es so toll, dass unsere größte Sorge darin bestehen muss, wie wir das Erreichte verteidigen. Ist das nicht, bei allem Angstgrusel, ein gutes Gefühl? Wenn wir über die mobilen Massen der Migranten streiten, müssen wir uns nicht um die Immobilität zuhause sorgen. Denn wenn es hier nicht so gut liefe, dann würden die ja auch nicht kommen wollen.

http://www.spiegel.de/pol [...] land/flu echtlinge-migrationsdebatte-verhindert-fortsc hritt-kommentar-a-1227075.html


ich würde sagen, man vermeidet damit einfach, dass offensichtlich wird, dass Politik im Neoliberalismus eigenltich keine demokratisch gestaltende Funktion hat. Der Kapitalismus muss nur irgendwie ein bißchen moderiert werden. Lobby und Regierungen handeln aus, was Unternehmen wollen, Mutti schlichtet, wenn sich die Branchenvertreter streiten, Regierung setzt um, ohne dass jemand es merkt oder gar mitdiskutiert. Sind ja alle mit einem Thema beschäftigt. Hauptsache, Rechtsprechung und vor allem Repressionsapparat funktionieren, dann sprudeln die Gewinne. Insofern würde ich dem Satz "Ein Land steht still" nicht zu stimmen. Es gibt eine eskalierende Umverteilung von unten nach oben, immer mehr Armut und Obdachlosigkeit und gleichzeitig einen unverschämten und menschenverachtenden Reichtum, der sprachlos macht.

editiert am 09.10.2018 20:42 Beitrag melden Zitatantwort
10.10.2018 11:46
Tehejekuetrheed


@TiChara Und @Minerva :

Ich stimme E.M. nicht in allem zu. Sie redet nur von den Islamisten, die wir auch als Terroristen sehen und vergisst die „normalen“ Menschen. Viele muslime leben einfach Ihren Alltag und halten sich an die Regeln. Sie beten und Fasten. Aber wenn jemand islamistisch wird ist das der Fehler der Person. Diese Personen stehen nicht für mich und nicht für alle anderen normalen Muslime.
Vorallem den IS lehnen wir ab.
Der IS bombardiert sogar Moscheen.
Sie gehören nicht zu uns.

Und was das Kopftuch angeht, würde ich euch diesen Link empfehlen. Der Artikel ist von der gleichen Seite:

https://diekolumnisten.de [...] -na-und/


10.10.2018 12:22
Tehejekuetrheed

der Artikel ist super!

10.10.2018 12:34
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 11:46:

@TiChara Und @Minerva :

Ich stimme E.M. nicht in allem zu. Sie redet nur von den Islamisten, die wir auch als Terroristen sehen und vergisst die „normalen“ Menschen. Viele muslime leben einfach Ihren Alltag und halten sich an die Regeln. Sie beten und Fasten. Aber wenn jemand islamistisch wird ist das der Fehler der Person. Diese Personen stehen nicht für mich und nicht für alle anderen normalen Muslime.
Vorallem den IS lehnen wir ab.
Der IS bombardiert sogar Moscheen.
Sie gehören nicht zu uns.

Und was das Kopftuch angeht, würde ich euch diesen Link empfehlen. Der Artikel ist von der gleichen Seite:

https://diekolumnisten.de [...] ich-trag e-kopftuch-na-und/


...wie immer bei deinen beiträgen bin ich vollkommen anderer meinung:

hallo! ...ihr lebt in deutschland!

..und NICHT in einem streng muslimisch geprägten land.

wieso kann es da angeblich so schwierig sein, zumindest HIER auf symbole patrichaler unterdrückung zu verzichten??

...und wieso eigentlich habe ich diese frau in vollverschleierung, die mir erst gestern über den weg gelaufen ist und von deren anblick ich schockiert war, nicht gefragt, warum sie das tut?

für vollverschleierte muslimas in deutschland (nicht für deren glauben), fehlt mir jegliches verständnis.

(kopftuchträgerinnen gehen bei mir grade noch so durch).

und das wird auch immer so bleiben.

10.10.2018 12:55
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 12:34:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 11:46:

@TiChara Und @Minerva :

Ich stimme E.M. nicht in allem zu. Sie redet nur von den Islamisten, die wir auch als Terroristen sehen und vergisst die „normalen“ Menschen. Viele muslime leben einfach Ihren Alltag und halten sich an die Regeln. Sie beten und Fasten. Aber wenn jemand islamistisch wird ist das der Fehler der Person. Diese Personen stehen nicht für mich und nicht für alle anderen normalen Muslime.
Vorallem den IS lehnen wir ab.
Der IS bombardiert sogar Moscheen.
Sie gehören nicht zu uns.

Und was das Kopftuch angeht, würde ich euch diesen Link empfehlen. Der Artikel ist von der gleichen Seite:

https://diekolumnisten.de [...] ich-trag e-kopftuch-na-und/


...wie immer bei deinen beiträgen bin ich vollkommen anderer meinung:

hallo! ...ihr lebt in deutschland!

..und NICHT in einem streng muslimisch geprägten land.

wieso kann es da angeblich so schwierig sein, zumindest HIER auf symbole patrichaler unterdrückung zu verzichten??

...und wieso eigentlich habe ich diese frau in vollverschleierung, die mir erst gestern über den weg gelaufen ist und von deren anblick ich schockiert war, nicht gefragt, warum sie das tut?

für vollverschleierte muslimas in deutschland (nicht für deren glauben), fehlt mir jegliches verständnis.

(kopftuchträgerinnen gehen bei mir grade noch so durch).

und das wird auch immer so bleiben.


dann bleibt wohl auch immer ein getrübtes verhältnis zum rechtsstaat im allgemeinen und zur religionsfreiheit im besonderen.

von dem fehlenden verständnis persönlicher freiheit, die der deutschen verfassung zu grunde liegt, ganz zu schweigen.

10.10.2018 14:50
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 12:55:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 12:34:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 11:46:

@TiChara Und @Minerva :

Ich stimme E.M. nicht in allem zu. Sie redet nur von den Islamisten, die wir auch als Terroristen sehen und vergisst die „normalen“ Menschen. Viele muslime leben einfach Ihren Alltag und halten sich an die Regeln. Sie beten und Fasten. Aber wenn jemand islamistisch wird ist das der Fehler der Person. Diese Personen stehen nicht für mich und nicht für alle anderen normalen Muslime.
Vorallem den IS lehnen wir ab.
Der IS bombardiert sogar Moscheen.
Sie gehören nicht zu uns.

Und was das Kopftuch angeht, würde ich euch diesen Link empfehlen. Der Artikel ist von der gleichen Seite:

https://diekolumnisten.de [...] ich-trag e-kopftuch-na-und/


...wie immer bei deinen beiträgen bin ich vollkommen anderer meinung:

hallo! ...ihr lebt in deutschland!

..und NICHT in einem streng muslimisch geprägten land.

wieso kann es da angeblich so schwierig sein, zumindest HIER auf symbole patrichaler unterdrückung zu verzichten??

...und wieso eigentlich habe ich diese frau in vollverschleierung, die mir erst gestern über den weg gelaufen ist und von deren anblick ich schockiert war, nicht gefragt, warum sie das tut?

für vollverschleierte muslimas in deutschland (nicht für deren glauben), fehlt mir jegliches verständnis.

(kopftuchträgerinnen gehen bei mir grade noch so durch).

und das wird auch immer so bleiben.


dann bleibt wohl auch immer ein getrübtes verhältnis zum rechtsstaat im allgemeinen und zur religionsfreiheit im besonderen.

von dem fehlenden verständnis persönlicher freiheit, die der deutschen verfassung zu grunde liegt, ganz zu schweigen.


ich habe es an dieser stelle schon öfter geschrieben, aber ich wiederhole es gerne noch mal:

vollverschleierung steht für mich im eklatanten widerspruch zum grundgesetzlichen artikel der gleichberechtiung von mann und frau (bzw. LGTBI).

und damit gleichzeitig auch im widerspruch zum grundgesetzlich zugesichertem artikel über religionsfreiheit.

meiner ansicht nach müsste dieser widerspruch DRINGEND einmal verfassungsrechtlich überprüft werden!

10.10.2018 15:02
Tehejekuetrheed

"Die Kopftuch-Debatte lässt nur Opfer zurück!"

Seitdem begleitet uns nicht nur die Frage, ob Musliminnen als Lehrerinnen mit einem Kopftuch arbeiten dürfen. Aus dem Streit wurden gleich mehrere Nebenschauplätze entwickelt - zum Beispiel zum Thema "Kopftuch als Zeichen von Unterdrückung", dicht gefolgt vom "Kopftuch als Zeichen von politischer Haltung". Und anno 2018 diskutieren wir über Kopftuchverbote für Mädchen unter 14 Jahren. Scheinbar ohne Unterlass streiten wir juristisch, politisch, gesellschaftlich, theologisch über das, was Frauen auf dem Kopf haben, statt uns darauf zu konzentrieren, was sie im Kopf haben.

Die Debatte hat uns in einen Kulturkampf gestürzt

Und haben uns diese Diskussionen wenigsten vorangebracht? Leider ganz im Gegenteil. Sie haben uns in einen Kulturkampf gestürzt, der nur Opfer zurücklässt. Musliminnen mit einem Kopftuch sind für manche die Parias des 21. Jahrhunderts geworden. Umgekehrt: Wer das Kopftuch als diskriminierend ablehnt, wird von einigen als islamfeindlich, von anderen als ungläubig gebrandmarkt.

Die Feindseligkeiten gehen inzwischen so weit, dass selbst jungen Mädchen mitunter brutal das Kopftuch samt Haarbüscheln heruntergerissen wird - so geschehen in Osnabrück im April - oder Frauen ohne Kopftuch von Fundamentalisten und Islamisten bedrängt und bedroht werden. Vor allem Männer tun sich in dieser Angelegenheit hervor, um mit bevormundendem und patriarchalem Gestus über die Bedeutung des Kopftuchs zu dozieren. Dabei geht es ihnen um vieles, nur oft nicht um die betroffenen Frauen. Aber auch eine Reihe Feministinnen der ersten Generation surfte auf dem Kopftuch an die Front der öffentlichen Debatten und machten dort Stimmung gegen eine Religion, die sie pauschal als rückständig, frauenfeindlich und gewaltbereit verurteilten.


Man kann nicht Kopftücher verbieten und andere Symbole gestatten


Wir haben in Deutschland eine grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit. Sie ist ein wichtiges Element unserer Verfassung, denn sie ist eine der Lehren aus der jüngeren deutschen Geschichte. Jede religionsmündige Frau entscheidet selbst, ob sie privat ein Kopftuch trägt oder nicht. Das geht niemanden etwas an.

Im öffentlichen Raum mag man da zu einer anderen Beurteilung kommen. Eine Richterin mit einem Kopftuch etwa kann ebenso irritierend wirken wie ein Gerichtssaal, in dem ein christliches Kreuz hängt. Auch in der Schule mag man zu dem Schluss kommen, Lehrer müssen absolut neutral sein. Nur eines geht dann nicht: einseitig Kopftücher verbieten und Kreuz, Habit, Kippa oder andere religiöse Symbole gestatten. Denn das ist eindeutig und offenkundig pure Diskriminierung. Wer dagegen mit der christlichen Prägung des Landes argumentiert, hat weder das Grundgesetz verstanden, das dem Staat Neutralität gebietet, noch ist er in der pluralistischen Realität des 21. Jahrhunderts angekommen. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2015 mit seinem zweiten Kopftuchurteil bekräftigt. Seitdem herrschen unterschiedliche Regelungen. Während Berlin alle religiös geprägten Kleidungsstücke weiterhin verbietet, stehen heute in Niedersachsen oder Baden-Württemberg vereinzelt Lehrerinnen mit einem Kopftuch vor ihren Klassen.

Mehr Vertrauen und weniger Paternalismus

Deutsche Schüler sind clever und selbstbewusst genug, um sich vom Äußeren einer Lehrkraft nicht beeinflussen zu lassen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Mensch durch den bloßen Anblick einer Frau mit einem Kopftuch zum Islam konvertiert ist. Unser Kulturkampf könnte mithin rasch abgeblasen werden, hätten wir nur ein bisschen mehr Vertrauen in unsere Mitmenschen und würden wir unseren bevormundungen bleiben lassen. Wir sind ein freies Land. Also lasst uns auch frei sein.

https://www.ndr.de/ndrkul [...] 100.html


10.10.2018 15:25
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 15:02:

"Die Kopftuch-Debatte lässt nur Opfer zurück!"

Seitdem begleitet uns nicht nur die Frage, ob Musliminnen als Lehrerinnen mit einem Kopftuch arbeiten dürfen. Aus dem Streit wurden gleich mehrere Nebenschauplätze entwickelt - zum Beispiel zum Thema "Kopftuch als Zeichen von Unterdrückung", dicht gefolgt vom "Kopftuch als Zeichen von politischer Haltung". Und anno 2018 diskutieren wir über Kopftuchverbote für Mädchen unter 14 Jahren. Scheinbar ohne Unterlass streiten wir juristisch, politisch, gesellschaftlich, theologisch über das, was Frauen auf dem Kopf haben, statt uns darauf zu konzentrieren, was sie im Kopf haben.

Die Debatte hat uns in einen Kulturkampf gestürzt

Und haben uns diese Diskussionen wenigsten vorangebracht? Leider ganz im Gegenteil. Sie haben uns in einen Kulturkampf gestürzt, der nur Opfer zurücklässt. Musliminnen mit einem Kopftuch sind für manche die Parias des 21. Jahrhunderts geworden. Umgekehrt: Wer das Kopftuch als diskriminierend ablehnt, wird von einigen als islamfeindlich, von anderen als ungläubig gebrandmarkt.

Die Feindseligkeiten gehen inzwischen so weit, dass selbst jungen Mädchen mitunter brutal das Kopftuch samt Haarbüscheln heruntergerissen wird - so geschehen in Osnabrück im April - oder Frauen ohne Kopftuch von Fundamentalisten und Islamisten bedrängt und bedroht werden. Vor allem Männer tun sich in dieser Angelegenheit hervor, um mit bevormundendem und patriarchalem Gestus über die Bedeutung des Kopftuchs zu dozieren. Dabei geht es ihnen um vieles, nur oft nicht um die betroffenen Frauen. Aber auch eine Reihe Feministinnen der ersten Generation surfte auf dem Kopftuch an die Front der öffentlichen Debatten und machten dort Stimmung gegen eine Religion, die sie pauschal als rückständig, frauenfeindlich und gewaltbereit verurteilten.


Man kann nicht Kopftücher verbieten und andere Symbole gestatten


Wir haben in Deutschland eine grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit. Sie ist ein wichtiges Element unserer Verfassung, denn sie ist eine der Lehren aus der jüngeren deutschen Geschichte. Jede religionsmündige Frau entscheidet selbst, ob sie privat ein Kopftuch trägt oder nicht. Das geht niemanden etwas an.

Im öffentlichen Raum mag man da zu einer anderen Beurteilung kommen. Eine Richterin mit einem Kopftuch etwa kann ebenso irritierend wirken wie ein Gerichtssaal, in dem ein christliches Kreuz hängt. Auch in der Schule mag man zu dem Schluss kommen, Lehrer müssen absolut neutral sein. Nur eines geht dann nicht: einseitig Kopftücher verbieten und Kreuz, Habit, Kippa oder andere religiöse Symbole gestatten. Denn das ist eindeutig und offenkundig pure Diskriminierung. Wer dagegen mit der christlichen Prägung des Landes argumentiert, hat weder das Grundgesetz verstanden, das dem Staat Neutralität gebietet, noch ist er in der pluralistischen Realität des 21. Jahrhunderts angekommen. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2015 mit seinem zweiten Kopftuchurteil bekräftigt. Seitdem herrschen unterschiedliche Regelungen. Während Berlin alle religiös geprägten Kleidungsstücke weiterhin verbietet, stehen heute in Niedersachsen oder Baden-Württemberg vereinzelt Lehrerinnen mit einem Kopftuch vor ihren Klassen.

Mehr Vertrauen und weniger Paternalismus

Deutsche Schüler sind clever und selbstbewusst genug, um sich vom Äußeren einer Lehrkraft nicht beeinflussen zu lassen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Mensch durch den bloßen Anblick einer Frau mit einem Kopftuch zum Islam konvertiert ist. Unser Kulturkampf könnte mithin rasch abgeblasen werden, hätten wir nur ein bisschen mehr Vertrauen in unsere Mitmenschen und würden wir unseren bevormundungen bleiben lassen. Wir sind ein freies Land. Also lasst uns auch frei sein.

https://www.ndr.de/ndrkul [...] n/freita gsforum/Die-Kopftuch-Debatte-laesst-nur-Opfer -zurueck,kaddorkopftuchdebatte100.html


freiheit MUSS grenzen setzen, um sich selbst als freiheit zu bewahren und sich vor (gelegentlich) auch schädlichen einflüssen zu bewahren.

10.10.2018 15:35
Tehejekuetrheed

und genau das ist das fehlverständnis des freiheitsbegriffs, das ich meinte.

freiheit wird nicht dadurch in frage gestellt, dass jemand mehr oder weniger seinen kopf bedeckt oder verhüllt, sondern dadurch, dass ihm/ihr dies verboten werden soll.

10.10.2018 16:29
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 15:35:

und genau das ist das fehlverständnis des freiheitsbegriffs, das ich meinte.

freiheit wird nicht dadurch in frage gestellt, dass jemand mehr oder weniger seinen kopf bedeckt oder verhüllt, sondern dadurch, dass ihm/ihr dies verboten werden soll.


das geht aber (leider) nicht ohne staatliche reglementierung.

ich bin mir absolut sicher, dass ich mit dieser these recht habe @anamaria.

als themenfremdes beispiel dazu:

hätte die bundesregierung, die fabrikation und den verkauf von dieselfahrzeugen schon vor mindestens 10 jahren bis zum heutigen zeitpunkt reglementiert und untersagt, hätten wir das jetzige diesel-polit-theater nicht.



editiert am 10.10.2018 16:31 Beitrag melden Zitatantwort
10.10.2018 16:59
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 11:46:

@TiChara Und @Minerva :

Ich stimme E.M. nicht in allem zu. Sie redet nur von den Islamisten, die wir auch als Terroristen sehen und vergisst die „normalen“ Menschen. Viele muslime leben einfach Ihren Alltag und halten sich an die Regeln. Sie beten und Fasten. Aber wenn jemand islamistisch wird ist das der Fehler der Person. Diese Personen stehen nicht für mich und nicht für alle anderen normalen Muslime.

Vorallem den IS lehnen wir ab.

Der IS bombardiert sogar Moscheen.

Sie gehören nicht zu uns.

Und was das Kopftuch angeht, würde ich euch diesen Link empfehlen. Der Artikel ist von der gleichen Seite:

https://diekolumnisten.de [...] ich-trag e-kopftuch-na-und/



1. Elham Manea spricht nicht nur von Islamisten, es geht auch um einen Bezug "zum alltäglichen Islamismus" (Titel ihres neu erschienenen Buches)

2. Es freut mich sehr zu lesen, dass auch Du scheinbar Islamisten ablehnst, Du sagst sogar, dass Ihr (wen auch nicht immer das von Dir vermerkte "wir" einbezieht) diese als Terroristen bezeichnen würdet. Soweit würde ich persönlich gar nicht gehen, in meinem Verständnis sind "Terroristen" in erster Linie Menschen, die Anschläge verüben. Und da nicht alle Islamisten Anschläge verüben, ...

Aber wie ist eigentlich Deine Einstellung zur Muslimbruderschaft? Sind das für Dich Terroristen? Oder würdest Du sagen, dass es sich bei diesen nicht um Islamisten sondern vielmehr um säkulare Muslime handelt?

3. Auf das Interview mit Raja A. wurde im Interview mit Elham Manea ja bereits eingegangen. Das von Dir empfohlene Interview mit Raja A. wurde sogar entsprechend verlinkt, sodass man nicht lange suchen musste. Trotzdem vielen Dank nochmal für die Empfehlung

Gerne hier nochmal das gesamte Statement von Elham Manea hierzu als Gesamtauschnitt zur Lektüre ..

Zitat

H.H.: Die Rechtsanwältin Raja A., die mein Kollege Henning Hirsch vor zwei Wochen interviewt hat, sagt: „Das Kopftuch ist Ausdruck individueller Religiosität und hat nichts mit patriarchalen Machtstrukturen zu tun.“

E.M.: Ich verstehe zwar, dass sie das so sieht, weil das ihr Beweggrund ist, das Kopftuch zu tragen, aber ich bezweifle, dass ihre Aussage über ihre persönliche Motivation hinaus Gültigkeit beanspruchen kann. Es gibt einfach genug Beispiele, um dem zu widersprechen. Man muss nur genau hinschauen, was in der islamischen Welt passiert ist, was Islamisten machen, wenn sie die Kontrolle über eine Gesellschaft übernehmen. Was machen sie als erstes? Sie schreiben eine Ordnung vor, in der die Frauen Kopftuch oder Burka tragen müssen. Da geht es nicht mehr um Freiheit. Das war so im Iran, in Afghanistan mit den Taliban, in Saudi Arabien, im Sudan mit der Muslimbruderschaft, in Gaza mit der Hamas und das war so mit dem IS in Syrien und dem Irak.

Interessanterweise kommt es aktuell in der arabischen Welt zu einer Gegenbewegung, gegen das Kopftuch, die sich zum Teil auch religiöser Argumente bedient.

H.H.: Raja A. sagte im Interview, das Kopftuch habe viel mit religiösen Werten zu tun und nennt in diesem Zusammenhang „Frömmigkeit“, „Zufriedenheit“, „Bescheidenheit“. Weiter sagte sie, das Kopftuch gebe ihr Schutz vor dem eigenen Ich, es bedeute Keuschheit. Wie bewerten Sie diese Beschreibung?

E.M.: Auch ohne Kopftuch kann man all das sein. Das ist das eine. Aber eine Muslimin muss nicht keusch sein, sie kann auch sexuell frei sein. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Liebe und Gott. Warum sollte ich zwischen den beiden wählen müssen?

H.H.: Raja A. sagt auch, das Gebot zum Kopftuch stünde im Koran. Sehen sie das auch so?

E.M.: Nein. Ich kenne den Koran sehr gut und weiß, dass es darin keine Vorschrift gibt, die uns Frauen auffordert, Kopftuch zu tragen. Es geht im Koran um einen Unterschied zwischen Sklavinnen und freien Musliminnen. Die Sklavinnen durften oft nicht einmal ihre Brüste bedecken. Dadurch waren sie als Sklavinnen erkennbar. Man kann sich im Internet Fotos ansehen oder auch auf YouTube Videos des Sklavenmarktes in Saudi Arabien Mitte der 1960er Jahre. Die Frauen wurden auf diesem Markt mit unbedeckten Brüsten zum Verkauf angeboten. Das war die Realität. Mit der Bedeckung der muslimischen Frau sollte eine deutlich sichtbare Unterscheidung zu den Slavinnen geschaffen werden. Es ging also bei der Bedeckung um einen Klassenunterschied.

Auch die von Raja A. genannten Hadithe [nach islamischer Überlieferung Aussprüche und Handlungen Mohammeds, Anm. H.H.] muss man mit Vorsicht betrachten.[/nach] Jenes etwa, welches die Art der Bedeckung beschreibt, wurde von Hasan al Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft, benutzt, obwohl er wusste, dass es sich dabei um ein sehr schwaches Hadith, also eine ungesicherte Überlieferung, handelte. Man darf die historische Prägung von Religionen nicht übersehen. Und in diesem Zusammenhang sehe ich das Kopftuch als Ausdruck patriarchaler Macht und Kontrolle über die Frau. Ich sehe es als Symbol von Islamisten, ich sehe es als eine sehr intelligente Strategie, die es ermöglicht, den Diskurs um das Kopftuch zu mainstreamen und uns einzureden, das Kopftuch gehöre zu einer liberalen Gesellschaft.

Schauen wir uns die Entwicklung des Diskurses an: Zunächst hat man von Frauenrechten gesprochen, vom Recht der Frau, das Kopftuch zu tragen, heute sprechen wir von Kinderrechten, also vom Recht der Kinder, Kopftuch zu tragen. Und mit der Zeit sprechen wir über das Recht, Burka zu tragen. Junge Frauen können in vielen Situationen in eine Identitätskrise geraten, können hier in europäischen Gesellschaften als muslimische Frauen ihre Identität suchen und dann kommt dieser islamistisch geprägte Diskurs, der ihnen gemeinsam mit dem essentialistischen Paradigma einredet, zur muslimische Frau gehöre das Kopftuch untrennbar dazu.



10.10.2018 19:13
Tehejekuetrheed

Der Mord an der Journalistin Wiktoirija Marionowa soll laut RTL-News grade angeblich nicht mit ihren Korruptions-Recherchen in Zusammenhang stehen, sondern ein reines Sexualdilekt sein ???

https://www.zeit.de/gesel [...] comments

...sorry, Bulgarien aber ich persönlich glaube euch kein Wort!

10.10.2018 19:23
Tehejekuetrheed

Ach, so einfach geht das? Dann sind alle Frauen, die keinen Kopftuch etc. tragen, frei von patriachialer Unterdrückung? Mensch - vielleicht sollte man die Info mal unter die Leute bringen - insbesondere unter den Patriacharchen......

10.10.2018 19:32
Tehejekuetrheed

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.10.2018 um 19:23:

Ach, so einfach geht das? Dann sind alle Frauen, die keinen Kopftuch etc. tragen, frei von patriachialer Unterdrückung? Mensch - vielleicht sollte man die Info mal unter die Leute bringen - insbesondere unter den Patriacharchen......


Auf wen beziehst du dich in diesem Beitrag?

Ich sprach zuletzt von Bulgarien (wo Verschleierung eigentlich nicht obsolet ist), aber Journalist*innen -Morde so wie schon zuvor, und so wie auch auf Malta anscheinend neuerdings auch im EU-Raum auf der Tagesordnung sind.

10.10.2018 22:55
Tehejekuetrheed

Hier gibt es weitere Meinungen über das Kopftuchtragen:

20 Gründe warum ich mein Kopftuch liebe
https://m.youtube.com/watch?v=saLEmEWtnDY


Warum ich ein Kopftuch trage
https://m.youtube.com/watch?v=YfSaVqWz5cE

Mein weg zum Islam
https://m.youtube.com/watch?v=GtlJk-pFwAc

Warum ich den Islam liebe
https://m.youtube.com/watch?v=GOCCtmgOGGI

Miteinander leben
https://m.youtube.com/watch?v=1h3LDESaaMk



editiert am 10.10.2018 22:57 Beitrag melden Zitatantwort

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