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Forum » News, Politik & Wissenschaft » Thread[b]Küssen Lesben besser?[/b]
30.01.2005 18:37
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0 Der Kuss - das Tor zur SeeleDamit fängt alles an: ein neues lesbisches Leben und manchmal auch eine neue Liebe. Der Kuss ist Erfüllung und Verheißung zugleich Andrea Winter über lesbische Züngeleien Heute vor etwa 60.000 Küssen hatte ich meine erste und einzige orale Begegnung der anderen Art. Ich war 13, und meine homosexuelle Erleuchtung wurde noch aus Energie sparenden Glühbirnen gespeist. Ich tapste durch mein heterosexuelles Schattendasein, als sich dieser picklige Nachbarsjunge herabbeugte und mir einen übel riechenden Spüllappen in den Mund stopfte. Später wurde mir klar, dass es sich bei diesem Ding um seine Zunge gehandelt hatte, deshalb dürfen männliche Wesen seitdem nur noch platonisch an meinen Lippen hängen. Nach diesem Traumakuss war ich kuriert und schwärmte künftig für die Mittelstürmerin meiner Fußballmannschaft. Seit einer erotischen Kollision im Türrahmen zur Umkleidekabine hatte es uns beide erwischt. Ein halbes Jahr später lagen wir endlich nebeneinander im Bett. Trotzdem dauerte es Stunden, bis ich mich küssen ließ, denn nach katholischem Maßstab galt es als pervers, die Lippen eines anderen Mädchens zu berühren. Aber egal, ob es eine Todsünde war oder nicht, wir küssten uns auf Teufel komm raus, wir küss ten uns fast um den Verstand. Erst danach kapierte ich, dass in meinem Teenagerdasein nur eines pervers gewesen war: nämlich so lange auf den Zungenschlag eines weiblichen Pendants verzichtet zu haben. A kiss is just a kiss Wie küsst man gut? Sind Küsse intimer als Sex? „Kisses, deeper than water“, singen zumindest Peter, Paul and Mary – und sie sind nicht allein. Für viele ist der Akt des Küssens intimer als vögeln. Verstellung gibt es nicht, sagen fachkundige Küsserinnen: Ob sie mich wirklich liebt und es ernst meint – das erkenne ich einzig und allein an ihren Küssen. Der Kuss ist ein Urinstinkt und ein Ritual. Küsse können romantisch und zärtlich sein, weich wie Schnee, platonisch und hauchzart, aber auch erotisch, gierig, stürmisch und zügellos oder verboten und deshalb heimlich. Mit einem Kuss kann ich zur gleichen Zeit geben und nehmen. Möglicherweise handelt es sich um die gleichberechtigtste Form von Penetration oberhalb der Gürtellinie: paritätischer Austausch von Körperflüssigkeiten, identisch gebaute Organe. Laut Lexi kon ist der Kuss „das Berühren eines Menschen oder eines Gegenstandes mit den Lippen als Zeichen der Liebe, Freundschaft oder Verehrung“. Aber der Körperkontakt ist ja bei weitem nicht alles, es geht auch um den spirituellen Austausch. Die Lippen sind das Tor zur Seele, der Kuss ist der Vulkanausbruch des Herzens, sagen die Dichter. Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übrig geblieben sein soll. Immerhin!
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