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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Threadder torheit einladung
15.10.2009 14:30
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0 vor langer langer zeit beschloss die torheit alle gefühle für eine aussergewöhnliche tischzusammenkunft einzuladen. sobald sich alle in einem café gesammelt hatten, schlug die torheit vor: "wollen wir nicht verstecken spielen?" "Verstecken? was ist das?", fragte die Neugier. "verstecken ist ein spiel,", antwortete die torheit, "ich zähle bis 100 und ihr versteckt euch. sobald ich mit zählen fertig bin, komme ich euch suchen, und der erste, den ich erwische, wird der nächste sein, der zählen muss." Alle nahmen den vorschlag an, ausser die angst und die faulheit, die beide beiseite das geschehen beobachteten. "1...2...3...", die torheit began zu zählen. Die eile versteckte sich als erste, da wo es gerade passte. die schüchternheit, zögernd wie immer, versteckte sich zwischen einer gruppe von bäumen. Die freude rannte feierlich durch den garten, ohne sich um ein echtes versteck zu kümmern. Die traurigkeit fing an zu weinen, weil sie kein passendes eckchen fand, um sich zu verstecken. der neid tat sich mit dem stolz zusammen und versteckte sich neben ihm hinter einem stein. Die torheit zählte weiter, während sich ihre freunde versteckten. die verzweiflung war entmutigt, weil sie sah, dass man schon bei 99 war. "100!!!", schrie die torheit, "jetzt komme ich euch suchen!" die erste, die gefunden wurde, war die neugier, weil sie es nicht lassen konnte, rauszugehen um nachzuschauen, wer als erster erwischt werden würde. Weiter sah die torheit die unsicherheit, welche auf einem zaun sass und nicht wusste, auf welcher seite sie sich besser verstecken sollte. Und so wurden stück für stück die freude, die traurigkeit, die schüchternheit und alle anderen entdeckt. als sich endlich alle wieder versammelt hatten, fragte die Neugier: "wo ist die liebe?" niemand hatte sie gesehen. das spiel war noch nicht zu ende, also ging die torheit nochmals los um sie zu suchen. sie versuchte es auf einer bergspitze, entlang eines flusses, unter den felsen... aber von der liebe war keine spur. jede stelle durchsuchend, bemerkte die torheit einen rosenbusch, nahm einen stock und began zwischen den dornigen ästen herumzustochern, als sie plötzlich ein wimmern hörte. es war die liebe, die schrecklich litt, weil sich ein dorn gerade durch ihr auge gebohrt hatte. die torheit wusste nicht, was sie tun sollte. sie entschuldigte sich dafür, dass sie solch ein dummes spiel organisiert hatte und flehte die liebe an, um ihre vergebung zu erhalten, und bewegt vom ausgang jenes irreversiblen schadens, kam sie an den punkt ihr zu versprechen... dass sie ihr für immer beistehen würde. die liebe, wieder beruhigt, nahm das versprechen an und die so ernst gemeinten entschuldigungen. so ist die liebe seitdem blind und die torheit begleitet sie immer.
editiert am 15.10.2009 14:45
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15.10.2009 17:39
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