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22.01.2004 16:52
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0 an alle wahlberechtigten ösis Homosexualität ist Normvariante menschlicher Sexualität Die Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung ist über die Aussage von Benita Ferrero-Waldner, sie vertrete in der Frage der rechtlichen Absicherung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft „den katholischen Standpunkt“, äußerst verwundert. „Von einer Bundespräsidentin erwarte ich mir, dass sie die heutigen Erkenntnisse der Human- und Sexualwissenschaften wahrnimmt und zwischen dem katholischen Sakrament der Ehe und der Zivilehe als staatlicher Institution unterscheiden kann.“, so der Vorsitzende der ÖGS, Johannes Wahala. Hier maßt sich Ferrero-Waldner an zu postulieren, was in einer modernen und offenen Gesellschaft richtig bzw. falsch sei, ohne sich mit den humanwissenschaftlichen Befunden wirklich auseinandergesetzt zu haben. Wahala: “Der katholische Standpunkt hat in der Geschichte immer wieder zu wahren Greueltaten gegen gleichgeschlechtlich empfindende und liebende Menschen geführt. Eine derartige wissenschaftliche Oberflächlichkeit ist einer Präsidentschaftskandidatin unwürdig und untergräbt ihren eigenen Anspruch, zusammenführend für Österreich wirken zu wollen.“ „Homosexualität ist aus Sicht der heutigen Humanwissenschaften eine Entwicklungsvariante“ ;, stellt die bekannte Genderforscherin und dritte Vorsitzende der ÖGS, Rotraud A. Perner, klar, „und diese Ausdrucksform menschlichen Lebens ist zu respektieren!“ Homosexualität muss neben der Heterosexualität als eine eigene anthropologisch gegebene Grunddisposition menschlicher Sexualität betrachtet werden, betont Perner. Gerade Österreich, so die Psychoanalytikerin und Juristin, das durch die Verfolgung und Ermordung homosexuell liebender Menschen in der NS-Zeit belastet ist, braucht ein Staatsoberhaupt, das sich für die Einhaltung der Menschenrechte und des Schutzes des Intimbereichs einsetzt. Dazu gehört auch die freie Wahl und rechtliche Absicherung von Lebenspartnerschaften. „Es ist selbst Auffassung des Katechismus der katholischen Kirche, dass die sexuelle Orientierung eine Veranlagung ist. Homosexualität ist also eine Normvariante menschlicher Sexualität und kein Symptom der Abirrung oder des Sittenverfalls.“, ergänzt der Theologe und Psychotherapeut Wahala. „Will man Sexualität nicht, wie es die katholische Kirche tut, auf die Fortpflanzung reduzieren, sondern in einem gesamtheitlichen Sinn betrachten, so ist Homosexualität, wie auch die Heterosexualität, eine Ausdrucksform der menschlichen Liebesfähigkeit.“ Diesem Wissensstand Rechnung tragend hat 1991 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen Homosexualität als Diagnose einer psychischen Störung ersatzlos gestrichen. Daran haben sich, so Wahala, Politikerinnen und Politiker in ihren Aussagen zu orientieren. „Ferrero-Waldner, die angeblich eine Präsidentin für alle Österreicherinnen und Österreicher sein will, stellt sich mit ihrer Aussage in der ORF-Pressestunde klar gegen die Linie der EU, die in Artikel 13 des Amsterdamers Vertrages die Abschaffung der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vorsieht.“ erklärt der Menschenrechtsexperte und 2. Vorsitzender der ÖGS, Helmut Graupner. „Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Grund- und Menschenrecht.“ Die ÖGS empfiehlt Ferrero-Waldner ihr heterosexistisches Weltbild zu überdenken, um im Falle ihrer Wahl wirklich eine Bundespräsidentin für alle Österreicherinnen und Österreicher sein zu können. Dass das Zusammenführen eine spezifisch weibliche Fähigkeit sein soll, kann nur als Festhalten an traditionellen Geschlechtsrollenstereotypen bezeichnet werden. Dies umso mehr, da ihr Mitstreiter um das Präsidentschaftsamt wohl zu einem der integrativsten Persönlichkeiten Österreichs zählt. ÖGS, 20.01.2004. (jz)
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