Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread

SEELENWANDERUNG

Thema abonnieren antworten

1 | 2 | Seite: 3 | 4 | 5 |

24.02.2018 13:15
von:
bucokasa
Status: offline  

ZitatYvonne1981 schrieb am 14.01.2018 um 21:30:

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist Aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erich Fried

...immer wieder schön zu lesen, danke

editiert am 24.02.2018 13:17 Beitrag melden Zitatantwort
24.02.2018 14:56
von:
KarlOtto
Status: offline  

Vapor

When it happens the rain
is not black but powder.

A noise bleeds from your ears
and everything quakes

alive inside you:
the circuits of the flowers

lighting up across a meadow,
the nanoglow

of a sea years from here
—:And like the flash

across an event horizon,
your thought disappears

:—and then the mind
threshed, and then the brain

a perfume of proto-pollen:
a microscopic cloud

radiating in a geranium
in the meadow of another country:

a powder the elk eat
in the sudden black rain.

Sara Eliza Johnson

24.02.2018 15:56
von:
kishla
Status: offline  

Our love
was born
outside
the walls,
in the wind,
in the night,
in the earth
and that´s why
the clay and
the flower
the mud and
the roots
know your
name.

Pablo Neruda


editiert am 24.02.2018 15:58 Beitrag melden Zitatantwort
25.02.2018 16:49
von:
kishla
Status: offline  

Liebe VI

Wir werden uns wiederfinden
im See
du als Wasser
ich als Lotusblume

Du wirst mich tragen
ich werde dich trinken

Wir werden uns angehören
vor allen Augen

Sogar die Sterne
werden sich wundern:
hier haben sich zwei
zurückverwandelt
in ihren Traum
der sie erwählte.

Rose Ausländer





28.02.2018 09:29
von:
herzwort72
Status: offline  

Das Leben verläuft nie gradlinig, ist Seelen-Wellengang, Brandung und Brechung, mit Höhen und Tiefen… Auf unseren Schicksalswegen sind wir aufgerufen, standzuhalten oder der Lebensbewegung zu folgen und ihr zu begegnen....

Marion Bergmann, Herausgeberin „Brechungswellen“


01.03.2018 12:56
von:
herzwort72
Status: offline  

was die seele nährt

vielleicht ein streifen blau
in den sich worte
wolkenleicht schreiben
für dich

eine verirrte vogelstimme
auf der suche
nach einem klingenden duett
mit dir

eine üppige sonne
in einem verfrühten sommer
greifbar, verlässlich
wie du

vielleicht


Monika Kafka, 03/2014

Wunderbar, berührend, vielsagend.
Dieses Gedicht wurde ihr letztes. Geblieben sind ihr wunderbarer Gedichtband "Schlüsselworte" und ihr Blog, ihr "poetisches Haus".



01.03.2018 13:50
von:
elfefant2
Status: offline  

ZitatYvonne1981 schrieb am 14.01.2018 um 21:30:

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist Aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
soviel wahreit in einem gedicht- totl zutreffen- mein lieblingsgedicht
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried


01.03.2018 18:47
von:
KarlOtto
Status: offline  

Yet this year,
yanking off all past years,
I took the bait
and was pulled upward, upward,
into the sky and was held by the sun–
the quick wonder of its yellow lap–
and became a woman who learned her own shin
and dug into her soul and found it full

Anne Sexton - “The Break Away”

editiert am 01.03.2018 18:48 Beitrag melden Zitatantwort
02.03.2018 04:38
von:
LGBTFriends2
Status: offline  

Zitatkishla schrieb am 08.01.2018 um 18:09:

Liebeslied

Ich bin eine Harfe
Mit goldenen Saiten,
Auf einsamem Gipfel
Über die Fluren
Erhöht.

Du lass die Finger leise
Und sanft darübergleiten,
Und Melodien werden
Aufraunen und aufrauschen,
Wie nie noch Menschen hörten.
Das wird ein heilig Klingen
Über den Landen sein.

Ich bin eine Harfe
Mit goldenen Saiten,
Auf einsamem Gipfel
Über die Fluren
Erhöht,
Und harre Deiner,
Oh Priesterin!
Dass meine Geheimnisse
Aus mir brechen

Und meine Tiefen
Zu reden beginnen
Und wie ein Mantel
Meine Töne
Um Dich fallen -
Ein Purpurmantel
Der Unsterblichkeit.

Christian Morgenstern


Habe noch nicht alle Gedichte gelesen, aber erstmal hierzu:

Psychoanalyse:

Strophe 1) "Ich bin was zum anfassen".
Strophe 2) Vorstellung über Orgasmen- mehrere "Melodien".
Strophe 3) Wiederholung- Anmache Verführung - sie will abgehen (betteln?)- auf dem Altar?
Strophe 4) Und dann will sie an dich ran.

Fazit: Billige Anmache!

Man könnte meinen, Strophe 1 und 2 sind die Einleitung, Selbstvorstellung:

Strophe 1: Schau mich an, was ich bin, (Strophe 2) was du mit mir machen kannst, etc.

Pychoanaltisch gesprochen: Es geht um ihre Vagina, ihre Reize, Wünsche. Sie ist egoistisch. Es geht ihr nicht um ihre Gefühle.

Lese später weiter.

In anderen Worten: Wäre der Dichter eine Frau, würde ich sagen, sie denkt, sie ist ein Mann, denn es geht nur um ihre ....so wie bei Männern.

Hoffentlich kommt das Gedicht nicht bei einer Klassenarbeit im Deutschunterricht vor!

editiert am 22.03.2018 11:12 Beitrag melden Zitatantwort
02.03.2018 05:12
von:
LGBTFriends2
Status: offline  

Es gibt viele schlechte Gedichte, das war nur ein weiteres.

02.03.2018 20:26
von:
Gattaca72
Status: online  

Ach ach, LGBT... Ist ja gut 🙂... hier posten Menschen einfach nur Texte, die sie berühren... mich spricht auch nicht alles an, aber wer erwartet das schon? KarlOttos fand ich übrigens ganz interessant 🙂

02.03.2018 20:36
von:
LGBTFriends2
Status: offline  

Da geben sich manche halt besonders viel Mühe für die 40-50 Sekunden erhöhter Freude.



editiert am 02.03.2018 21:03 Beitrag melden Zitatantwort
02.03.2018 20:41
von:
Gattaca72
Status: online  

Wie meinste, 50 Sekunden Freude über den eigenen Post? Wie schön, dann hat sich’s doch schon gelohnt...

02.03.2018 20:54
von:
Gattaca72
Status: online  

Variation on the Word Sleep

I would like to watch you sleeping,
which may not happen.
I would like to watch you,
sleeping. I would like to sleep
with you, to enter
your sleep as its smooth dark wave
slides over my head

and walk with you through that lucent
wavering forest of bluegreen leaves
with its watery sun & three moons
towards the cave where you must descend,
towards your worst fear

I would like to give you the silver
branch, the small white flower, the one
word that will protect you
from the grief at the center
of your dream, from the grief
at the center. I would like to follow
you up the long stairway
again & become
the boat that would row you back
carefully, a flame
in two cupped hands
to where your body lies
beside me, and you enter
it as easily as breathing in

I would like to be the air
that inhabits you for a moment
only. I would like to be that unnoticed
& that necessary.

Margret Atwood

03.03.2018 11:07
von:
kishla
Status: offline  



Der Wind kommt.

Der Wind, der die Blumen kämmt
und die Blüten zu Schmetterlingen macht,
der Tauben steigen lässt aus altem Papier
in den Schluchten Manhattans
himmelwärts, bis in den zehnten Stock,
und die Zugvögel an den Türmen
der Wolkenkratzer zerschellt.

Der Wind kommt, der salzige Wind,
der uns übers Meer treibt
und uns an einen Strand wirft
wie Quallen,
die wieder hinausgeschwemmt werden.
Der Wind kommt.
Halte mich fest.

Ach, mein heller Körper aus Sand,
nach dem ewigen Bilde geformt, nur
aus Sand.
Der Wind kommt
und nimmt einen Finger mit,
das Wasser kommt
und macht Rillen auf mir.
Aber der Wind
legt das Herz frei
- den zwitschernden roten Vogel
hinter den Rippen -
und brennt mir die Herzhaut
mit seinem Salpeteratem.

Ach, mein Körper aus Sand!
Halte mich fest,
halte
meinen Körper aus Sand.

Lass uns landeinwärts gehn,
wo die kleinen Kräuter die Erde verankern.
Ich will einen festen Boden,
grün, aus Wurzeln geknotet
wie eine Matte.
Zersäge den Baum,
nimm Steine
und bau mir ein Haus.

Ein kleines Haus
mit einer weißen Wand
für die Abendsonne
und einem Brunnen für den Mond
zum Spiegeln,
damit er sich nicht,
wie auf dem Meere,
verliert.

Ein Haus
neben einem Apfelbaum
oder einem Ölbaum,
an dem der Wind
vorbeigeht
wie ein Jäger, dessen Jagd
uns nicht gilt.

Hilde Domin




03.03.2018 12:36
von:
ilmundo
Status: offline  

SEELE DER LIEBENDEN

Einmal schon liebte ich dich
Und das Meer, das Meer.
Doch lichter waren damals
Die Seelen, ungetrübt
Von dunklen Taten.
Es sangen unsere Liebe
Strahlend die Sterne,
Und das Meer, das Meer.
Wieviel hundert Jahre
Sind seitdem vergangen,
Wieviel Leiden und Tode
Und Sterne. Wo blieben
Die Seelen so lange?
Wir halten uns schweigend
Die schauernden Hände.
Wir blicken uns tief
In die fragenden Augen.
Noch singen die Sterne
Und das Meer, das Meer.
Aber unfaßbar ewig
Ist die Vergangenheit
Der menschlichen Seele.

Franziska Stoecklin

03.03.2018 12:52
von:
Corvuscorone
Status: offline  

CECILIA TODD Cuando la mar, la mar
https://www.youtube.com/w [...] E70XJtH8

Cuando la mar, la mar

(Henry Martínez)
Cuando la mar, la mar se torna apaciguada, calmada,
suele la mar robar azules de los cielos.
Se quita, ella se quita su gris, su opaco velo, su velo,
mientras se empieza a despedir la madrugada.

Cuando la mar, la mar se torna compañera de veras
le da su seno intenso, inmenso el hombre hermano.
Y ella le ofrece la pesca entre las manos, sus manos,
para romper así su calma mañanera.

Cuando la mar, la mar se torna por el día, melodía
del pájaro salado y salada la piragua,
fugaz canción, razón, que sale de las aguas, sus aguas,
te calmará la sed, tu sed del mediodía.

Cuando la mar, la mar se torna cariñosa y hermosa
suele llevarte lejos, tan lejos con la brisa,
a la rojiza raya rojiza que en la tarde rojiza
allá en el horizonte se posa y se reposa.

Cuando la mar, la mar se torna retrechera y artera
se oyen pelear, pelea la noche y lo turquesa.
Se ve llegar de pronto y pronto la tezada triste,
tal vez afortunadamente pasajera.

Cuando la mar, la mar oscura y meditada, cansada,
se enciende con la luna, su luna y las Antillas
parece renacer, nacer de sus sencillas orillas
para volverse nueva, de nuevo apaciguada.



editiert am 03.03.2018 13:06 Beitrag melden Zitatantwort
03.03.2018 13:05
von:
Corvuscorone
Status: offline  


Dein Lachen

Nimm mir das Brot weg, wenn du
es willst, nimm mir die Luft weg,
aber laß mir dein Lachen.
Laß mir die Rosenblüte,
den Spritzstrahl, den du versprühst,
dieses Wasser, das plötzlich
aufschießt in deiner Freude,
die jähe Pflanzenwoge,
in der du selbst zur Welt kommst.

Mein Kampf ist hart, und manchmal
komme ich heim mit müden
Augen, weil ich die Welt
gesehn, die sich nicht ändert,
doch kaum trete ich ein,
steigt dein Lachen zum Himmel,
sucht nach mir und erschließt mir
alle Türen des Lebens.

Meine Liebe, auch in der
dunkelsten Stunde laß dein
Lachen aufsprühn, und siehst du
plötzlich mein Blut als Pfütze
auf den Steinen der Straße,
so lache, denn dein Lachen
wird meinen Händen wie ein
frisch erglänzendes Schwert sein.

Und am herbstlichen Meer
soll deines Lachens Sturzflut
gischtend himmelwärts steigen,
und im Frühling, du Liebe,
wünsche ich mir dein Lachen
als Blüte, lang erwartet,
blaue Blume, die Rose
meines klingenden Landes.

Lache über die Nacht,
über den Tag, den Mond,
lache über die krummen
Gassen unserer Insel,
lache über den Burschen,
den Tolpatsch, der dich liebt,
aber wenn ich die Augen
öffne, wenn ich sie schließe,
wenn meine Schritte fortgehn,
wenn sie dann wiederkommen,
nimm mir das Brot, die Luft,
nimm mir das Licht, den Frühling,
aber niemals dein Lachen,
denn sonst würde ich sterben.


Pablo Neruda

04.03.2018 09:27
von:
kishla
Status: offline  

Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort

Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldenen Stühlen
Sitzend
Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur

Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend

Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen ...
Wortfetzen
Komm du komm

Schmerzweh mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner

So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein

Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort

Mehr also, fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antwortete
Weniger nicht.

Marie-Luise Kaschnitz

04.03.2018 12:57
von:
ilmundo
Status: offline  

NOUS AVONS FAIT LA NUIT

Die Nacht ist begangen, ich halt deine Hand,
ich wache, ich stütz dich
mit all meinen Kräften.
Ich grabe, tiefes Gefurch, deiner Kräfte
Stern in den Stein: deines Körpers
Gütigsein – hier
soll es keimen und aufgehn.
Ich sage mir deine
Stimmen vor, beide, die heimliche und
die von allen gehörte.
Ich lache, ich seh dich
der Stolzen begegnen, als bettelte sie, ich seh dich, du bringst
den Umnachteten Ehrfurcht entgegen, du gehst
zu den Einfachen hin – du badest.
Leise
stimm ich die Stirn jetzt ab auf die deine, stimm sie
in eins mit der Nacht, fühl jetzt
das Wunder dahinter: du wirst mir
zur Unbekannt-Fremden, du gleichst dir, du gleichst
allem Geliebten, du bist
anders von Mal zu Mal.

Paul Eluard


Thema abonnieren antworten

1 | 2 | Seite: 3 | 4 | 5 |






Titel:

Sehr glücklich Smilie Traurig irritiert Cool Lachen überrascht Zwinkern Augen rollen Teufelchen traurig verliebt Kuss beschämt Zunge rausstreck singen streicheln Engel schlafen müde durcheinander glotzen schweigen krank Alien Blume Daumen hoch Torte weiße Flagge Stern
 




>>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<