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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Threadgedanken über das denken
17.07.2009 12:06
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0 Bredenbergs Gedanken über das Denken Bredenberg, der gerne über alles Mögliche nachdenkt, hat kürzlich durch Denken herausgefunden, dass sein Denken so verläuft, als würde er, Bredenberg, mit sich selber, mit ihm, Bredenberg, sprechen. Und so ahnt Bredenberg, dass Denken in denselben oder wenigstens in gleichen Strukturen verläuft wie Sprechen. Bredenberg bildet beim Denken Wörter wie beim Sprechen, kombiniert sie zu Gedanken wie beim Sprechen zu Sätzen, nur, so Bredenberg, beim Denken bleiben die Lippen unbewegt. So ähnlich muss es sein, denkt Bredenberg. Niemand wird wissen, solange Bredenberg nicht spricht, was Bredenberg denkt, aber nicht sagt, denkt, gerne gesagt hätte, aber lieber nicht sagt, denkt, was er irgendwann sagen wird, wenn die Gelegenheit günstig ist, bislang aber lieber nur denkt, denkt, was er sagen wird, ab anders, höflicher, nicht so direkt, wie Bredenberg jetzt im Augenblick denkt. Wenn Bredenberg denkt, aber vorläufig nichts sagt, so wird Bredenberg es vielleicht später anders sagen als er jetzt denkt. Vielleicht wird das, was er sich ausdenkt, wie er etwas sagen wird, sein Denken verändern und schließlich wird Bredenberg es dann so sagen und anschließend glauben, so wie er es gesagt hat, hat er es auch gedacht. Noch ärger wird es, denkt Bredenberg, wenn man etwas denkt und dann aufschreibt. Wenn etwas aufgeschrieben ist, kann man es lesen. Bevor es andere lesen, liest Bredenberg es selbst. Immer wieder, bis Bredenberg denkt, dass der eine oder andere Gedanke geändert werden müsse, damit seine Gedanken, Bredenbergs Gedanken, auch jedermann versteht. Die anderen, die Bredenbergs Gedanken, in aufgeschriebenen Sätzen befestigt, verstehen sollen, sehen nicht Bredenbergs Gedanken, sondern Bredenbergs Wörter. Damit sie Bredenbergs Gedanken verstehen können, müssen sie Bredenbergs Wörter verstehen, zu Sätzen montieren und zu Gedanken verbinden. Während sie dieses tun, so wird Jedermann dabei selber denken und es nicht lassen können, so jedenfalls denkt Bredenberg. Sie werden denken: Wer ist überhaupt dieser Bredenberg? Worum geht es hier? Was will dieser Bredenberg wirklich? Warum mischt sich dieser Bredenberg überhaupt in meine Gedanken? Was soll ich davon denken? Und das, während sie Bredenbergs Wörter lesen oder hören. Und Bredenberg ahnt jetzt, dass Jedermann, der Bredenbergs Wörter liest oder hört, beim Verstehen, Montieren und Verbinden dieser Wörter zu Gedanken selbst denkt und damit gar nicht denken kann, wie Bredenberg gedacht hat, sondern nur annähernd, vage, missverständlich, vielleicht gar nicht, wie, weiß Bredenberg auch nicht. Und Bredenberg denkt, dass es deswegen gar nichts taugt, Gedanken mitzuteilen oder aufzuschreiben. Bredenbergs Gedanken würden nie in Jedermanns Kopf ankommen als Bredenbergs Gedanken, sondern als Bredenbergs Wörter und Sätze vermischt mit den Gedanken von Jedermann. So denkt Bredenberg, dass es besser ist, seine Gedanken niemandem zu erzählen oder aufzuschreiben, nur so bleiben die Gedanken, Bredenbergs Gedanken, lauter, rein, von niemandem verändert, unmissverständlich. So ist Bredenberg traurig, dass niemand seine Gedanken jemals wirklich kennen wird, niemals. Was er auch erzählt und was er auch aufschreibt. Deshalb verärgert schreibt Bredenberg einen Gedanken aus frühen Kindertagen auf einen Zettel, wissend, dass dieser Gedanke von jedem, der diesen Gedanken liest, auf seine Art missverstanden werden wird. Viel Spielraum gibt es dafür aber nicht, denn der Gedanke ist klar und einfach, die tragenden Wörter sind wenig und übersichtlich. Und das ist der Satz auf Bredenbergs Zettel, seinen Gedanken unverfälscht enthaltend, ihn erheiternd: Wer das liest, ist doof. ...aus dem eBook "Bredenberg", verfügbar bei rolfkirsch.de
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