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Forum » News, Politik & Wissenschaft » Threadkünstlicher Schließmuskel
01.02.2004 10:41
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0 Geheime Verschlusssache Klar, auch über Blaseninkontinenz redet man nicht gerne. Ältere Menschen, Schwangere oder an der Prostata Operierte kämpfen tagtäglich damit, meist im Verborgenen. Doch immerhin wird das Thema mitunter von der medizinischen Fachpresse aufgegriffen, schafft es die Blaseninkontinenz auch mal in die Medizinseiten einer Tages- oder Wochenzeitung. Stuhlinkontinenz: In Deutschland leiden mindestens 800.000 Nicht so die Stuhlinkontinenz, über die praktisch niemand redet. Betroffen sind Menschen nach Operationen im Beckenbereich, Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Frauen nach traumatischen Geburten, Unfallopfer und viele mehr. Genaue Zahlen über die Häufigkeit des Leidens sind schwer zu bekommen. Die Dunkelziffer ist hoch. Betroffenenverbände sprechen meist von zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Schätzungen von Fachgesellschaften liegen eher in der Gegend von fünf Prozent der Bevölkerung über 60. 800.000, sagt die Crohn/Colitis-Vereinigung. Oft kann die Medizin nicht helfen. Doch das Therapieangebot, das bisher vor allem ballaststoffreiche Ernährung, Sphinktertraining, Biofeedback und gegebenenfalls rekonstruierende Operationen umfasste, könnte sich schon bald dramatisch erweitern, jedenfalls wenn es nach den Ärzten in der Artificial Sphincter Study Group an der Abteilung für Viszeralchirurgie der Universität Freiburg geht. Denn mit Hochdruck wird hier an einem ganz neuen Konzept der Inkontinenztherapie gebastelt, an einem implantierbaren Schließmuskelersatz. Darmverschluss hat auch sein Gutes... Das Basteln mit Hochdruck ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, denn die Ärzte und Mikrosystemtechniker, die an dem Projekt beteiligt sind, haben sich für ein "pneumatisch" arbeitendes Schließmuskelsystem entschieden. Die Kompression soll freilich mit Flüssigkeit statt mit Luft erreicht werden. Dabei wird eine elastische Trägerhülse um den defekten Enddarmabschnitt gelegt. Darin befindet sich ein aufblasbarer Ring, ein so genannter Cuff, dessen Flüssigkeitsgehalt variiert werden kann, eine Art liquider Rettungsreifens also. Die für das Auffüllen und Ablassen der rund zwanzig Milliliter Flüssigkeit nötige Pumpe soll dabei in Zukunft genauso Teil der Trägerhülse werden wie die Energieversorgung. Zur Darmentleerung kann der Patient die Flüssigkeit aus dem Cuff zum gewünschten Zeitpunkt ablassen, wodurch der Enddarm geöffnet und der Weg für den Stuhl frei wird. Beim Anus Praeter wird die Sache anspruchsvoll Dem Team der Artificial Sphincter Study Group um Dr. Hans-Jürgen Schrag schwebt mit dem implantierbaren Schließmuskel nicht nur eine technische Hilfe für den natürlichen Schließmuskel des Enddarms vor: Sie wollen auch Patienten mit künstlichem Darmausgang zu einem Leben ohne Beutel verhelfen. Bei einem verkürzten Darm gibt es allerdings kaum Muskeln zwischen Cuff und Darmwand, so dass hier die Gefahr von Druckläsionen am Gewebe durch den aufgepumpten Reifen um einiges größer ist als beim natürlichen Darmausgang. Um Nekrosen zu verhindern, muss der Kompressionsdruck automatisch variiert werden. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) outete sich Ende 2003 als Anhänger der künstlichen Schließmuskelforschung: Es zeichnete das Freiburger Projekt im Rahmen des Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik mit einem Innovationspreis aus. Die Freiburger haben jetzt zwei Jahre Arbeit vor sich, um ihren Schließmuskel zur Serienreife zu bringen - versüßt durch fast 200.000 Euro Preisgeld. Quelle: DocCheck
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