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Forum » News, Politik & Wissenschaft » Threadmal negativ
18.01.2005 13:31
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0 Juten Tach! Ich bin ja sonst ein sehr gut gelauntes Persönchen. Aber mir ist in letzter Zeit so einiges aufgestoßen betreffend der Akzeptanz von Homosexualität. Und es regt mich auf (mal mehr, mal weniger, mal nicht), dass es allerorten heißt: Ach, das ist doch alles gar nicht mehr so. Ob einer schwul ist, interessiert doch überhaupt nicht mehr. Sind doch alle tolerant. Pfffff..... Dies ist so lange nicht der Fall, wie täglich folgendes stattfindet (Achtung, lang!): 1. ein Polizeihauptkommissar in SpiegelTV erzählt: "Ich muss zugeben, dass es gut für uns ist, dass er (der Täter) gestanden hat, ebenfalls Levke ermordet zu haben. Aufgrund der Tatsache, dass die betreffende Straftat an einem Jungen ausgeübt wurde, sind wir davon ausgegangen, der Täter sei schwul." 2. Im Sat1-Videotext wird von einem grausamen Mord berichtet. Der abschließende Satz lautet: "Das Opfer hatte Kontakt zu Homosexuellen." 3. Uns Mosi: "Er hielt sich im Homosexuellenmilieu auf." oder "Er hatte regelmäßigen Kontakt zu der homosexuell geprägten Stricherszene." Und so weiter, hört man jetzt ja ständig. 4. Immer wenn von Straftaten berichtet wird, liegt die Betonung (im Falle dessen) auf der Homosexualität des Täters. Oder es wird zumindest erwähnt im Zusammenhang mit der Straftat. Bei Heterosexuellen ist dies nicht der Fall. Oder habt ihr schonmal gelesen, gehört: "Der heterosexuelle Erwin K...."? Ich nicht. 5. Letztens mal wieder war ich mit einem schwulen Pärchen unterwegs. Was passiert? Leute glotzen, drehen sich um, tuscheln, wenn aufgrund des Händehaltens bemerkt wird, dass sie ein Pärchen sind. Von der anderen Straßenseite wird gerufen: "Eyyy, ihr Tucken! Verpissen!" Das passiert nicht oft, ich bin ja auch nicht oft mir Pärchen unterwegs. Aber es passiert. 6. solange "schwul", "homo" auf Schulhöfen, in Songs, Büchern etc. als Schimpfwort gilt. 7. Filme wie Bully´s "Traumschiff surprise" das Bild des "normalen" Schwulen prägen und darstellen. Und überhaupt: Immer und ewig diese Popo-Ficki-Ficki-Reinsteck-Ana l-Witze. Abgeknicktes Handgelenk. Näselnde Sprechweise. Rosalilapinkorangetüfftüff. Ja, wie lustig, diese Schwulen - so sind sie! Ich finds langweilig. 8. Dieser Verfolgungswahn von Heten! "Oh mein Gott, will die etwa was von mir?!" "Immer schön mit dem Po an der Wand lang", "Bloß nicht bücken..." etc. etc. 9. Ich saß vorgestern im Film "Alexander". Meine Güte, als langsam klar wurde, dass die durchaus männliche (weil strak, Muskeln, Anführer, Sieger, hart, zielgerichtet, blabla) Hauptrolle schwul ist: Unruhe im Saal! Geflüster hier, Tuschelei da...Aber am nervigsten waren ja wohl die fünf Mädels hinter uns, die jedesmal laut aufjohlten, als seine Beziehung mit dem anderen Kerl dargestellt wurde. Die Hälfte des Saals hat (vor Scham, Ungläubigkeit, Verachtung, ich weiß es nicht) gekichert, wenn romantische Szenen zwischen zwei Männern gezeigt wurden. Und ebenfalls in der tragischsten, als sein Geliebter vergiftet dahinschied. Wenn er ne Frau gewesen wär, hätten bestimmt alle betroffen geschwiegen oder geheult. 10. Lesben und Schwule werden wegen ihrer Sexualität immer noch zusammengeschlagen und weniger Schlimmes. 11. Wenn von Homosexuellen die Rede ist, wird oft noch im Flüsterton gesprochen, die Lautstärke gesenkt. Darf ja keiner hören. 12. Politiker lassen diskriminierende Aussagen ab und benutzen Homosexualität als etwas Degradierendes, Negatives, als Mittel gegen eine Wiederwahl. 13. Prominente Homosexuelle geben vor, etwas anderes zu sein. 14. Lesben existieren im Bewußtsein vieler gar nicht. 15. Diverse Aussagen religiösen Ursprungs. 16. Aussagen wie: "Sie ist zwar verkehrtherum aber trotzdem ne ganz nette!" 17. Verkehrtherum??!? Anders??! Trotzdem?!!?? Häää??? 18. Heten-Frauen denken ja auch, dass Schwule die besten Freunde sind, weil man mit denen so gut shoppen kann!!! Und überhaupt sind die viel einfühlsamer und lustiger und gutaussehender, blabla. Also ich kenne da auch ganz andere. Schwule und Lesben sind genauso schei*e wie du und ich. So. 19. Bisexuelle können/wollen sich nur nicht entscheiden, Bisexuelle gehen früher oder später sowieso fremd. 20. Die denken immer nur an Sex. 21. Die wollen provozieren. 22. Tja, solange wir ständig das Gefühl haben, uns vor anderen rechtfertigen zu müssen. Uns outen müssen, erklären, dass und warum. Wir setzen uns ja selber ständig unter Druck: Was denken die dann von mir, wenn sie wissen... Lebt doch einfach so, menno! 23. Nach einem Coming out oder Outing wenden sich immer noch "Freunde" und Verwandte ab. 24. Wir schaffen unsere eigene kleine Welt. Wir gehen auf "unsere" Parties, in "unsere" Cafés, Vereine,... Manche können auch nur noch auf gleichgeschlechtlichen Parties Spaß haben, weil das schöner ist. Warum? weil man da nicht blöd angeglotzt oder angemacht wird (ein echter Trugschluß!). Naja, ich hab keinen Bock noch mehr aufzuzählen. Ich will auch nicht hören, dass ihr mich zu negativ findet, was das soll, alles schwarz zu malen. Ich male nicht alles schwarz. ich wollt nur mal sachen aufschreiben, die ich selbst erfahre oder von Freunden erzählt bekomme. Dies sind also fakten und keine Schwarzmalerei. Und damit sollte man sich auch mal auseinander setzen und nicht beiseite schieben. Dafür ist lesarion da: etwas ausführlich auf den Tisch zu bringen, über das ich in meinem Alltag so ausführlich nicht spreche. Ernstes oder Belangloses. Das konnte ich mal ablassen.
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