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Forum » News, Politik & Wissenschaft » Threadsexismus und selbstreflexion in der lgbt-part
19.07.2010 18:48
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0 hallo allerseits, ich würde gerne mal wissen, was für erfahrungen mit sexismus ihr in der lgbt-partykultur gemacht habt (besonders unter lesben, aber nicht ausschließlich), wo ihr die gründe dafür seht und was mensch dagegen machen könnte. vielleicht wundert es manche, dass dieser thread im politikforum steht. aber das private ist politisch und damit auch, wen wir lieben und wie wir party machen und kommunizieren. jüngste erlebnisse bei einer rein lesbischen party: was zuerst auffällt, ist der lesbische dresscode. 50% der anwesenden tragen entweder karohemden oder denselben haarschnitt oder beides. frauen mit alltagskleidung, kleidergrößen jenseits des 38/40-standards oder sichtbar anderen szenen zugehörig (z.b. goths) werden konsequent gemieden. über manche frau wird gelästert, die könne nie und nimmer lesbisch sein, so wie die aussieht/sich benimmt/whatever. eine bühnenshow, bei der schlanke go-go-girls, bekleidet nur mit einem stringtanga und abgeklebten nippeln, von einem scheinbar schwulen frisör die haare geschnitten bekommen. partygäste, die raumeinnehmend tanzen und andere leute einfach so wegkicken, auf deren füßen rumtreten ohne sich zu entschuldigen, sich mit dem ellbogen durch die menge boxen und an fremden armen zigaretten ausdrücken. frauen, die weinend oder sonstwie sichtlich am ende irgendwo rumstehen oder liegen (!) und keine geht mal zu ihr und fragt, ob alles ok ist. frauen, die andere frauen antanzen oder an die wand drücken und an die brust, in den schritt fassen, sie von oben bis unten abküssen und anfangen sie auszuziehen, obwohl es der betroffenen sichtlich unangenehm ist. vom generellen fickbörsencharakter solcher parties mal ganz zu schweigen und was mit mancher passiert die abgeschleppt wird und vielleicht nicht so weit gehen will wie ihre neue bekanntschaft, darüber kann ich nur mutmaßen. aber ich gehe jede wette ein, dass die anzahl der vergewaltigungen in dieser szene nicht bei null liegt. besonders traurig finde ich menschen, die dasselbe erleben, aber nicht den mund aufmachen, nicht einschreiten, nicht nachfragen und deshalb ermöglichen, dass sowas passiert und auch kein umdenken stattfindet. das sind, wie gesagt, nicht etwa gesammelte eindrücke aus jahrelanger szenekenntnis, sondern das, was ich auf ein- und derselben party dieses wochenende erlebt habe. abschlepperei, dresscode, aggressives verhalten auf der tanzfläche und linksliegenlassen von menschen, die hilfe brauchen, scheinen aber algemeiner standard in der lgbt-partykultur zu sein. klar, als les_bi_sche menschen sind für uns andre frauen sexuell interessant. und ja, ich gehe auch auf eine lesbische party mit dem hintergedanken, vielleicht mit einer auch körperlich intim zu werden, vorausgesetzt sympathie und desire sind gegenseitig da (aber selbst dann wäre für mich noch selbstverständlich, zu kommunizieren: ist das ok, darf ich das, wie weit wollen wir gehen, etc.) aber warum gibt es offenbar gar nicht so wenige frauen, die frauen auf ihre sexualität reduzieren und sich generell arschig aufführen? ist das ein minimalkonsens, von dem frau ausgeht, so nach dem motto "alle frauen auf ner lesbischen party stehen auf frauen und wollen deshalb abgeschleppt werden"? ich finde es zu krass, dass dieser sexismus, den ich sonst nur aus der hetero-dorfdisko und von ganz wenigen besonders großen macho-ärschen kenne, gerade unter lesbischen frauen so erschreckend weit verbreitet ist. vielleicht denken besagte frauen noch, weil sie lesbisch sind, weil sie butch sind, dürfen sie sich auch ordentlich ausmackern? alkohol und drogen sind für mich keine rechtfertigung für so ein verhalten. was ich selbst auf parties an alkohol und anderen drogen konsumiere dürfte den lesbischen standard weit überschreiten und ich leiste mir trotzdem so eine scheiße nicht. die lesbenszene war mal (so höre ich zumindest von älteren frauen) ein freiraum, in dem es im gegensatz zur diskriminierenden gesamtgesellschaft keine sexuellen übergriffe geben sollte, kein rumgechecker, keine pluralistische ignoranz. offenbar haben wir mit scheinbar mehr gesellschaftlicher toleranz und kommerzialisierung der szene unsere feministischen standards und den anspruch, dass sich alle menschen auf unseren parties sicher und wohl fühlen sollen, über bord geworfen. das finde ich unendlich traurig! aber was kann frau dagegen tun? freue ich mich auf eure meinungen dazu. habt nen schönen abend, lg molo
editiert am 19.07.2010 18:53
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