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02.03.2007 23:31
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0 40000 Kinder, Jugendliche, Erwachsene leiden an Tics, fast jeder achte Grundschüler, sagt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Lehrer seien oft nicht in der Lage, dies als Symptome einer Krankheit zu erkennen, kritisiert der Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Jena Prof. Bernhard BLANZ (57). Der tickt doch nicht richtig, sagen Lehrer gelegentlich über einen Schüler und meinen das durchaus ernst. Was aber fällt tatsächlich unter die sogenannten Tics? Es sind unwillkürliche motorische und verbale Äußerungen. Besonders häufig ist der Blinzel-Tic, aber es gibt auch Kopf-Wackeln, Mundwinkel-Verziehen, Arme werden geschleudert, die Kinder räuspern sich dauernd, ziehen die Nase hoch. Das geht bis zu lautem Rufen oder Schreien. Es ist alles völlig unbeabsichtigt, passiert mal mehr oder weniger stark, dann zeitweise wieder gar nicht. Dabei handelt es sich keineswegs um schlechtes, freches Verhalten. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Aber es kann alle Kinder treffen, die mit mehr oder weniger Intelligenz. Mit der Erziehung hat das gar nichts zu tun. Merken die Kinder eigentlich, was sie da tun? Allerdings, und zwar vor allem an der Reaktion ihrer Umgebung, der Eltern, Lehrer, Geschwister, Mitschüler. Das ist ihnen keineswegs angenehm und kann sie wiederum stark belasten. Warum sind die Grundschulkinder mehr als andere davon getroffen? Das ist gar nicht der Fall. Tic-Erkrankungen beginnen oft sogar schon im Vorschulalter. An Symptomen kann vorübergehend jedes vierte Vorschulkind leiden. Aber die meisten Auffälligkeiten verschwinden nach einigen Wochen wieder. Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn die Symptome länger als drei Monate auftreten. Dann sollten sie einen Arzt aufsuchen. Häufig gibt sich die Krankheit in weniger als einem Jahr wieder. Bei chronischen Verläufen legt sich das meist an der Schwelle zum Erwachsenenalter. Und jenseits der 30 ist die Krankheit nur noch ganz selten anzutreffen. Aber es gibt durchaus auch Menschen, die sie mit ins Grab nehmen. Man findet sie also in allen Altersgruppen. Gab es sie früher nicht? Oder fallen diese Kinder heute nur mehr auf? Vermutlich gibt es die Krankheit schon sehr lange. Es existiert beispielsweise eine extreme Form der Symptome, das Tourette-Syndrom. Das wurde im 19. Jahrhundert entdeckt, ist also nicht neu. Früher wurden aber Symptome oft als Ungezogenheit interpretiert, die Krankheit blieb unentdeckt. Sicher ist, dass der Stress, dem Kinder ausgesetzt sind, zugenommen hat. Er löst, wie wir wissen, Symptome aus. Ist also der Stress, womöglich Schulstress, schuld an der Krankheit? Nein, die Ursache ist in jedem Falle eine genetische Disposition. Die Neurotransmitter, also die Botenstoffe im Gehirn, sind bei dieser Krankheit in, sagen wir, Unordnung geraten. Der Stress ist also nicht der Auslöser, aber er macht die Kinder noch kränker. Aber Lehrer wissen über Ursachen und Symptome nichts wirklich Wesentliches. Allerdings. Dazu kommt, dass der Spielraum für Normabweichungen in unserem Schulsystem zusehends geringer wird. Dann noch die immer höheren Leistungserwartungen an die Schüler, vor allem, wenn sie aufs Gymnasium gehen oder dorthin sollen. Von einem Kind insgesamt wird heute sehr viel erwartet, in Schule, Freizeit und auch in der Familie. So werden Kinder nervös. Ja. Häufig treten Tic-Symptome bei Kindern auf, die ohnehin am Aufmerksamkeits-Defizit-Hypera ktivitäts-Syndrom leiden, also zu den "Zappelphilipps" gehören. 30 Prozent dieser Kinder zeigen Tic-Symptome. Lehrer wissen aber kaum etwas darüber. In Studium und auch der Lehrer-Weiterbildung sind solche psychischen Erkrankungen und Symptome, wie beispielsweise auch zur Legasthenie, einfach nicht dran. Deshalb können sie die Lehrer nicht einordnen. Daran sollte sich schnellstens etwas ändern. Aber was passiert in der Klasse mit solch einem Kind? Wir hatten einen Jungen in unserer Klinik, der in seiner Grundschule gut zurecht kam. Seine Symptome wurden toleriert. Dann gab es den Wechsel aufs Gymnasium. Er schrie im Unterricht, störte. Lehrer und Mitschüler reagierten mit Unverständnis, Hänseleien, Abwertungen. Schließlich ging der Junge nicht mehr zur Schule. Was konnten Sie da tun? Es war Teil unserer Behandlung, in der Schule über die Krankheit aufzuklären. Und wie geht die Schule nun richtig mit den betroffenen Kindern um? Man kann mit Medikamenten die Krankheit nicht beseitigen, man kann nur die Symptome reduzieren. Sie haben aber Nebenwirkungen und die können die Kinder unkonzentriert, müde machen. Lehrer sollten also Bescheid wissen, über die Krankheit als solche und auch über die Medikamente, damit sie sich auf die Betroffenen einstellen können. Die Kinder gut im Blick zu haben, das hilft also auch dabei. Gespräch: A. REISER-FISCHER. für vieles hat unsere tolle regierung geld ,aber für eine anständige ausbildung der lehrer und lehererinnen da hat sie nichts.... http://www.thueringer-all [...] server=1
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