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volksinitiative vvn brandenburg/unterschreibe


08.05.2010 19:14
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Volksinitiative

Für die Schaffung würdiger Erinnerungsorte
an die während der NS-Zeit in Brandenburg
Verfolgten und Ermordeten


Die Landesregierung wird beauftragt, das Konzept „Geschichte vor Ort: Erinnerungskultur im Land Brandenburg“ (Ds 4/7529) zu überarbeiten. Dabei sind konkrete Maßnahmen festzulegen, um

– das ehemalige KZ-Außenlager und Vernichtungskommando Klinkerwerk, Oranienburg
– das ehemalige Jugend-KZ für Mädchen und junge Frauen und das spätere Vernichtungslager
Uckermark bei Fürstenberg
– das antifaschistische Museum in Lieberose

als würdige Gedenkorte an die während der NS-Zeit Verfolgten und Ermordeten und als Lernorte über diese Phase der deutschen Geschichte zu gestalten.

Bei der Vergabe von Zuwendungen und Fördermitteln (z.B. aus Lottomitteln, Vermögen der SED und Massenorganisationen und Förderprogrammen von Bund und EU) sowie beim Einsatz von Mitteln zur Konversion und Munitionssuche sollen Orte der NS-Verfolgung künftig bevorzugt berücksichtigt werden.

Begründung:

Klinkerwerk
Seit dem Spätsommer 1938 ließen die Nazis unweit der Lehnitz-Schleuse bei Oranienburg von Häftlingen des KZ Sachsenhausen das weltweit größte Ziegelwerk errichten. Hier sollten durch die rücksichtslose Ausbeutung der KZ-Häftlinge die Baustoffe für die gigantischen Bauvorhaben in der
Reichshauptstadt Berlin hergestellt werden. Das Strafkommando, seit 1941 KZ-Außenlager Klinkerwerk, war das Todeslager des KZ-Sachsenhausen. Die SS tötete hier einzelne Häftlinge oder Häftlingsgruppen (insbesondere Homosexuelle und Juden) durch mörderischen Arbeitsbedingungen oder gezielte
Mordaktionen. Ein alliierter Luftangriff im April 1945 zerstörte die Anlagen fast vollständig. Zahlreiche Leichen wurden in Bombentrichtern verscharrt und liegen noch heute auf dem teilweise munitionskontaminierten Gelände. Nach dem Krieg beseitigte die sowjetische Besatzungsmacht die Ruinen. Teile des Geländes wurden bis 1989 militärisch genutzt. Seit mehreren Jahren existieren
detaillierte Planungen für einen "Geschichtspark KZ-Außenlager Klinkerwerk", um über die Geschichte des Ortes zu informieren. Diese Planungen sehen u.a. eine Sichtbarmachung des Fundaments des ehemaligen Klinkerwerkes, die Herstellung des Lorenberges, eine Sichtbeziehung zum Obelisken des Hauptlagers, die Kennzeichnung des ehemaligen Häftlingslagers und Informationsstelen vor. Vor einigen Monaten forderte der inzwischen verstorbene Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Pierre Gouffault, anlässlich der Befreiungsfeierlichkeiten in einer Rede, den Geschichtspark Klinkerwerk
endlich umzusetzen. Dies war auch ein wichtiger Impuls zum Start dieser Volksinitiative.

Uckermark

Direkt südöstlich angrenzend an die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück liegt das ehemalige Jugendkonzentrationslager und spätere Vernichtungslager Uckermark. Dieses bis heute weitgehend unbekannte und wenig erforschte Konzentrationslager wurde 1942 speziell für Mädchen und
junge Frauen errichtet
. Es war das einzige diesen Charakters im Deutschen Reich. 1945 zählte das Lager ca. 1 000 Häftlinge, die überwiegend aufgrund eines NS-Erlasses von 1937 zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ mit dem Haftgrund „asozial“ im Lager waren. Seit 1944 wurden auch slowenische Partisaninnen in das Lager verschleppt. Im Januar 1945 wurde das Gelände auch zum Vernichtungslager für Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück. Bis April 1945 wurden dort ca. 5 000 Frauen ermordet. 1945 befreite die Rote Armee die Überlebenden der KZ Uckermark und Ravensbrück. Von 1945 bis zum Abzug seiner Truppen nutzte das sowjetische Militär das Gelände des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück, des Siemenslagers und des Jugend-KZ Uckermark. Nur ein kleiner Teil davon wurde 1959 zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Das Siemenslager und das Jugend-KZ Uckermark sind bis heute keine öffentlich zugänglichen Gedenkorte. Auf dem Gelände befinden sich noch die Ruinen der
Garagen für Tankfahrzeuge aus der Zeit der militärischen Nachnutzung.

Die Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V. errichtete 1995 eine Gedenktafel, seit 1997 organisiert die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. auf dem Gelände Bau- und Begegnungscamps und bemüht sich mit anderen in vielfältigen Projekten darum, die Geschichte des Lagers zu erforschen, sie öffentlich zu machen und sowohl den an diesem Ort Ermordeten, als auch den Überlebenden einen würdigen Gedenkort zu schaffen. Die Konversion, d.h. der Rückbau der Militärruinen, und die Zugänglichkeit des Geländes sind die Voraussetzung zur Schaffung eines würdigen Gedenkortes.

Lieberose
Das KZ Lieberose war von 1943 bis 1945 eines der ca. 100 Außenlager des KZ Sachsenhausen. Unter den insgesamt etwa 11 000 Inhaftierten befanden sich vor allem ungarischjüdische Häftlinge, die aus den KZ Auschwitz und Groß Rosen zur Zwangsarbeit nach Lieberose deportiert wurden, sowie Sachsenhausen-Häftlinge, die zur Strafverschärfung hierher verlegt wurden. Sie sollten für die Waffen-SS den Truppenübungsplatz 'Kurmark' anlegen. Mehrere Tausend starben an der "Vernichtung durch Arbeit". Bei Evakuierung des Lagers im Februar 1945 wurde ein Teil der noch lebenden Häftlinge in das KZ Sachsenhausen abtransportiert und dort sofort ermordet. Die übrigen Häftlinge mussten auf den 'Todesmarsch' in das Stammlager. Am 3. und 4. Februar wurden über 1 000 zurückgelassene kranke und
schwache Gefangene in Lieberose von SS-Männern erschossen und in zwei Massengräbern verscharrt.
Diese Vernichtungsaktionen machen das KZ Lieberose zum bedeutendsten Ort des Massenmords an den europäischen Juden in Brandenburg. Eines der Massengräber wurde 1971 entdeckt und die 577 dort gefundenen Leichen in einem Urnengrab in Lieberose beigesetzt. Seit 1973 besteht in Lieberose eine
Gedenkstätte und seit 1982 ein kleines Museum. Das vom Verein zur Förderung der antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose e.V. betreute Museum sollte erweitert und modernisiert werden.

Mit Ihrer Unterschrift unterstützen Sie die umseitige „Volksinitiative für die Schaffung würdiger Erinnerungsorte an die während der
NS-Zeit Verfolgten und Ermordeten“


www.brandenburg.vvn-bda.d [...] ngsorte/


editiert am 10.05.2010 17:33 melden

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