Lovestories » Detail

Der Umzug (6)

von silly1967


Bei Stephanie hatte der Wecker schon um halb acht geklingelt, allerdings war sie schon seit einer halben Stunde wach und dachte über den gestrigen Tag nach. 'Wie stellst Du dir denn jetzt vor, wie es weiter gehen soll’? Stephanie hielt Zwiesprache. 'Kann ich Christina je wieder unbefangen begegnen, ohne dass sie merkt, dass ich mich in sie verliebe'? Na, unbefangen hatte sie sich Christina gegenüber nur einmal gegeben und das war bei ihrem ersten Zusammentreffen in der Wohnung. 'Was sage ich Ihr, wenn sie mich fragt, was diese Berührung bedeuten sollte'? Sie beantwortete es sich selbst mit einem Schulterzucken, zog sich den Jogging-Anzug an, den sie im letzten Jahr von Monika zum Geburtstag bekommen hatte, ging noch einmal ins Bad. Schaute in den Spiegel, ob sie so los laufen konnte, wie sie war. Sie konnte.

‚Ich muss sie sehen'. Sie war seit etwa 10 Minuten unterwegs, bislang war das Joggen so eine Art Kopflüfter für sie gewesen, doch seit sie los gelaufen war, dachte sie nur an Christina. Ihre Träumerei am vergangenen Abend in der Badewanne war verdammt heiß gewesen und beinahe hätte sie Britta Chris genannt. Sie hatte sich noch eine Zeitlang in ihrem Bett gewälzt und war dann doch eingeschlafen. Es war nichts zu machen, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, 'so hat das keinen Sinn', fand sie. Anstatt den Weg geradeaus zu nehmen, der zu dem kleinen See führte, an dem sie sonst immer entlang lief, bog sie in die Nebenstraße ein, und lief einen kleinen Umweg zurück, vorbei an dem Bäcker, wo sie noch Brötchen kaufte. Viel zu früh kam sie in der Wohnung an, ging in die Küche, wo Britta schon dabei war und Kaffee aufbrühte.

„Verdammt noch mal", Christina band gerade den dritten Strauß und hatte sich nicht zum ersten Mal in den Finger gestochen. „Kind, was ist denn los, hast Du nicht gut geschlafen"? Ihre Mutter klang besorgt. "Kann schon sein, ja, geschlafen hab ich nicht so gut, irgendwie ist wohl auch eine Erkältung im Anmarsch, ach ich weiß auch nicht". Doch, sie wusste ganz genau, was es war. Sie hatte nicht gut geschlafen letzte Nacht, träumte wirres Zeugs, bisher immer nur von Anke und Ben, aber das sie nun auch noch von Stephanie träumte, haute sie fast aus den Schuhen. Was war das bloß? Und dann gestern, Stephanie hatte sie so seltsam angesehen, bevor sie ihr fast liebevoll über die Wange gestrichen hatte. Dann war sie so schnell aus dem Wagen gestiegen, hatte sie noch irgendetwas gesagt? Sie konnte sich nicht erinnern. ‚Ob ich sie drauf anspreche'? Doch was sollte sie sagen? ‚Hallo Stephanie, sag mal, was war das in meinem Auto'? Nee, das konnte sie wirklich nicht bringen.

Stephanie starrte in ihre Kaffeetasse, kaute lustlos auf ihrem Brötchen herum. „Was liegt an heute"? riss Monika sie aus ihren Gedanken, die sich immer wieder um Christina drehten. Stephanie schaute auf, sah direkt in Britta´s Augen, diese schien sie die ganze Zeit zu beobachten. „Ich schwanke noch so zwischen wieder ins Bett gehen, Oma und Wohnung". „Ah ja", bemerkte Britta. „Also wenn ich mal etwas dazu sagen darf, ich würde nachher in die Wohnung fahren und anfangen, den Flur abzukleben, im Bad bin ich soweit fertig, Deine Muscheln müssen noch dran". Stephanie hatte eine Schablone mit Muscheln und einem Leuchtturm ausgesucht, die sie als Bordüre benutzen wollte. Das sah bestimmt klasse aus. „Tja, ich muss noch ein paar Hefte korrigieren, hatte ich Freitagabend keine Lust mehr zu", meinte Monika. „Ja dann, ich fahre nachher mal zu Oma, war ich ewig nicht und dann komme ich auch", meinte Stephanie, der Rest des Satzes galt Britta.

Es war mittlerweile elf Uhr, als Stephanie ihr Rennrad aus dem Keller holte. Hatte sich zuvor noch kundig gemacht, wo das Blumengeschäft war, welches sie aufsuchen wollte. Knapp zehn Minuten später hatte sie ihr Ziel erreicht. Sie war an dem Geschäft schon etliche Male vorbei gefahren, glaubte sich jetzt auch erinnern zu können, dort schon mal gekauft zu haben. *Lüdke-Gartenbau und Floristik-* stand in großen Lettern auf einem extra Schild. Die Glocke klingelte. „Augenblick, komme sofort". Das war Christina´s Stimme. Für einen winzigen Augenblick überlegte Stephanie, so schnell wie möglich wieder zu verschwinden, doch sie schaute sich um. Schöne Sträuße standen in großen Vasen herum und warteten auf Käufer. „Guten Morgen was kann ich für Sie…? Dann erkannte Christina Stephanie, die mit einem Fahrradhelm in der Hand und einer Sportbrille auf ihrem Haar vor ihr stand. „Hallo Stephanie, was treibt Dich hierher"? Stephanie sah Christina kommen, es verschlug ihr für einen Moment die Sprache. Sie hatte die Haare hochgesteckt, den Pulli gekrempelt und hatte eine halbe grüne Schürze um.

'Wow, sieht klasse aus', fand sie. „Hallo Christina, guten Morgen, ich möchte einen schönen Strauß für den Friedhof, in gelb und orange, wenn´s geht". „Klar, geht das, gerne“. „Sind für meine Oma", irgendwas musste sie sagen. „Es sind ihre Lieblingsfarben". „Sind aber auch wirklich wunderschöne Farben", Stephanie drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. „Guten Morgen". Stephanie erwiderte den Gruß und betrachtete die Frau, die jetzt hinter dem Tresen stand. 'Christina´s Mutter, unverkennbar'. Im gleichen Augenblick fragte Christina „ist okay so"? „Ja, sieht schön aus, nehme ich", dabei lächelte Stephanie Christina an, die zu ihrer Mutter hinter den Tresen getreten war, den Strauß band und einpackte. "Macht fünfzehn Euro, und warst Du joggen heute Morgen"?

Christina´s Mutter schien die Frage auch zu interessieren, „Ja, aber nur die halbe Strecke, war wohl gestern ein bisschen viel, aber zumindest war ich an der frischen Luft, hat auch gut getan, wer weiß, wann ich heut Abend fertig bin. Sie legte das Geld auf den Tresen. „Ja dann, mach´s gut, man sieht sich", Christina fühlte sich unsicher in Gegenwart ihrer Mutter, sie hatte keine Lust auf Fragen bezüglich Stephanie. Denn sie kannte ihre Mutter, es kam garantiert ein Spruch. „Ich melde mich, schönen Sonntag noch". Dann war Stephanie draußen.
"Sieht aber nett aus, kennst Du sie schon lange"? Christina wusste es. "Mama, bitte, ich habe sie auf meiner Wohnungssuche kennen gelernt und wir waren hinterher bei Rob, das war´s. Was soll das, was reimst Du Dir da zusammen"? „Ich dachte ja nur, entschuldige“. Sie drückte Christina einen Kuss auf die Wange. Auch wenn sie bisher nie recht damit klar kam, dass ihre Tochter lesbisch war, so konnte sie nicht mit ansehen, dass sie unglücklich war. Die junge Frau eben schien sie ein wenig auf zu muntern.

„Hallo Oma, entschuldige, hab Dich lange nicht besucht, ich gelobe Besserung, ich will auch keine Ausreden erfinden, dass ich zu viel zu tun hatte, trotzdem hätte ich Zeit für Dich finden müssen". Stephanie stand mit den Blumen an ihrem Grab, steckte sie in die Vase, hockte sich herunter und sammelte ein paar trockene Blätter ein. "Ich hab mich verliebt, sag nicht, oh schon wieder, wie bei Moni, dieses Mal hat es mich ganz schlimm erwischt. Und ich weiß nicht, wie ich da je wieder rauskommen soll. Sie steht nämlich auf Männer, kein tolles Timing, oder? Ich hoffe, ich kann sie wenigstens als guten Kumpel sehen und sie mich". Sie berichtete noch von ihrer neuen Wohnung, die sie sich ohne Omas 'Zuschuss' gar nicht erst an gesehen hätte und noch einiges mehr. Danach schwang sie sich auf ihr Fahrrad und fuhr zu ihrer neuen Wohnung.



copyright © by silly1967. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.


Kommentare


Heiß und obercool
sunnydear - 19.03.2019 20:36
Bitte weiter
Sandy62 - 14.03.2019 10:02
Wow
Bis hier hin toll geschrieben, hoffe das bald ein neues Kapitel kommt
Kesha4you - 21.02.2019 18:55
:-)
Goldilocks - 16.02.2019 15:39
Sehr schön
mamamia90 - 15.02.2019 14:27

>>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<