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Lovestories » Detail

Frischer Wind (3)

von CosimaRakas


Kapitel 3: The show must go on

„Wie spät ist es?“, fragte Vera hektisch, während sie ihre Unterlagen durchsuchte. Lisa stand mit verschränkten Armen am Türpfosten gelehnt. Sie beobachtete ruhig, wie ihre Kollegin immer mehr in Hektik verfiel. Grinsend.
„Genug Zeit um dich zu entspannen. Warum bist du bei dieser Freiburg immer so nervös?“, fragte sie neckisch.
„Ich will nicht von ihr zerrissen werden. Wo sind meine Grafiken geblieben?“
„Du musst wirklich etwas runterkommen. Wieso findet der Termin dieses Mal eigen-tlich hier statt?“, fragte Lisa. Vera strich sich genervt durch die Haare.
„Es hat sich so ergeben. Die Grafiken hier zu präsentieren ist einfacher und sie sagte, sie wäre heute nicht im Büro“, erklärte Vera, während sie weiter Ausschau hielt. Lisas Blick wanderte durch Veras Büro.
„Schau mal Vera“, sagte sie und zeigte auf Veras Aktenschrank. Vera folgte ihrem Fingerzeig.
„Sind das vielleicht die Grafiken, die du suchst?“
Ein schwarzes Transportrohr mit Riemen lehnte an dem Schrank. Vera schlug sich mit der Hand gegen die Stirn.
„Ich Idiot“, beschimpfte sie sich selbst.
„Als ich fertig war, habe ich die Grafiken sofort verstaut, damit ich in meinem Chaos nicht noch meinen Kaffee darauf verschütte“, erklärte sie.
„Danke Lisa, du bist ein Schatz.“
Lisa öffnete den Mund zu einer Antwort, doch hinter ihr erschallte die Stimme der Empfangsdame.
„Frau Freiburg ist so eben angekommen, soll ich sie hereinbitten?“
Vera seufzte schwer, nickte jedoch zustimmend. Lisa fiel nichts Besseres ein, als ihr viel Glück zu wünschen und ließ sie allein zurück. Wenige Augenblicke später klopfte es zaghaft an der Bürotüre. Kaum hatte Vera sie hereingebeten stand sie auch schon vor ihr. Obwohl das Gebot der Höflichkeit eine Begrüßung verlangte, starrte Vera zunächst nur, ohne ein Wort herauszubringen. Sie sah anders aus. Statte Rock und Bluse, trug sie ein schlichtes weißes T-Shirt und eine schwarze eng sitzende Jeans. Ihre Haare waren nicht wie üblich zu einem strengen Dutt hochgesteckt. Stattdessen fielen sie in dunkle samtige Wellen auf ihre Schultern. Abgerundet wurde das Outfit durch eine bordeauxrote Lederjacke. Als Vera ihre Sprache wieder gefunden hatte, räusperte sie sich kurz. Ihr Hals fühlte sich an, als wäre er mit Schmirgelpapier belegt.
„Schön, dass sie...“, sie zögerte. Es fiel ihr immer noch schwer sie beim Vornamen anzusprechen oder gar das Du an sie zu richten. Alexandra schien dies zu bemerken. Ihre Mundwinkel zuckten, als müsste sie ein Grinsen unterdrücken.
„Das mit dem Du war dein Vorschlag. Wenn du möchtest, können wir auch wieder förmlicher werden.“ Alexandra schien jedes Du zu betonen und auszukosten. Es amüsierte sie sichtlich. Vera schüttelte schnell den Kopf.
„Nein, tut mir leid. Ich bin nur etwas überrascht. Ich habe dich noch nie ohne Blazer gesehen.“ Alexandras lächeln wurde breiter. Vera fragte sich, was ihr wohl gerade durch den Kopf ging.
„Der ist nur was fürs Büro“, erklärte sie knapp. Vera konnte ihr ansehen, wie wohl sie sich fühlte. Es war, als würde vor ihr eine ganz andere Person stehen. Ein weiteres Klopfen am Türrahmen ließ sie zusammen zucken. Lisa streckte ihren Kopf vorsichtig durch die Türe.
„Ich wollte nur kurz Hallo sagen.“
Erleichtert von der Unterbrechung, winkte sie Vera herein. Diese schwang die Türe auf und wandte sich sofort mit ausgestreckter Hand an Alexandra.
„Freut mich sehr Sie kennenzulernen. Ich habe schon viel Gutes von ihnen gehört.“
Vera hätte ihr am liebsten den Hals zugedreht. Bisher hatte sie ihr gegenüber nur gejammert und sich über Alexandra beschwert. Auch, wenn sie immer besser mit Alexandra zurechtkam. Alexandra ergriff
Lisas Hand und erwiderte die Begrüßung. Zudem schenkte sie ihr ein
freundliches Lächeln. Das versetzte Vera einen Stich. Es hatte Monate gedauert, bis Alexandra aufgehört hatte sie böse anzufunkeln,
geschweige denn sie anzulächeln. Etwas zu harsch verabschiedete sie sich von Lisa, um ihr zu verdeutlichen nun zu gehen. Lisa warf ihr einen verwirrten Blick zu, bevor sie ging und die Türe hinter sich schloss. Vera bereute ihren Ton. Sie konnte nun wirklich nichts für Alexandras Verhalten. Ohne Umschweife begann Vera mit der Arbeit und zeigte Alexandra die Grafiken, um davon abzulenken. Während sie sich beide über die Grafiken beugten stand Alexandra nur wenige Zentimeter neben ihr und hörte aufmerksam zu. Als sie eine Frage stellte, beugte Alexandra sich leicht vor und zeigte auf eine Abbildung. Dabei strich sie kurz Veras Arm. Auf einen Schlag wurde ihr bewusst, wie nah sie ihr war. Sie konnte ihr Parfum riechen. Ein süßer blumiger schwerer Duft. Unwillkürlich schloss sie die Augen. Sie fragte sich, warum sie vorher nie wahrgenommen hatte, wie gut Alexandra duftete.
„Vera?“, riss sie Alexandras Stimme aus ihren Gedanken. Vera zuckte vor Schreck zusammen.
„Ja, hast du was gesagt?“, fragte sie und ärgerte sich sogleich. Sie hatte sich komplett vergessen.
„Du wirkst etwas unkonzentriert.“ Vera hätte darauf hin am liebsten laut gelacht. Alexandras Parfum und ihre Nähe machten sie etwas benommen. Am liebsten wäre sie im Boden versunken.
„Ich bin einfach etwas... überarbeitet“, versuchte sie sich herauszureden. Sie suchte in Alexandras Gesicht nach Misstrauen, fand jedoch keine Spur davon.
„Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Entwurf. Wir können den Rest auch auf später verschieben“, kam sie ihr entgegen.
„Ich kenne das nur gut. Irgendwann kommt man an einem Punkt, wo man nicht merkt, dass man sich überarbeitet.“
„Ja, es war viel los in letzter Zeit.“ Vera war erleichtert über die gebotene Vorlage. Auf der anderen Seite missfiel ihr der Gedanke Alexandra nun gehen zu lassen. Diese schaute plötzlich an ihr vorbei. Etwas hinter Vera schien ihre Aufmerksamkeit erregt zu haben.
„Das Bild dort -“ Alexandra ging zu einem Gemälde an der Wand. Es zeigte eine Fußgängerpassage. Ein Wirrwarr von Menschen, die emsig wie die Ameisen umherliefen. Nur eine Frau im Mittelpunkt der Szenerie schien dies nicht zu interessieren. Sie stand still da, blickte zurück über die Schulter, als würde sie den Betrachter direkt ansehen.
„Impressionismus, nicht wahr?“ Vera war erstaunt über ihre Kenntnis.
„Ja genau“, antwortete Vera überrascht.
Alexandras Freude über das Bild schien nicht gespielt zu sein. Doch Vera Blick galt nicht dem Gemälde.
„Ich liebe diese Momentaufnahme. Diese verwischte Pinselführung.“
„Du interessierst dich für Kunst?“, fragte Vera vorsichtig.
„Ein wenig“, entgegnete sie und betrachtete weiter das Bild. Vera stellte sich neben Alexandra und beobachtete sie ungeniert. Ihre Ausstrahlung war eine ganz andere, als sie bei ihrer ersten Begegnung.
„Von wem ist das Bild?“, fragte Alexandra, ohne den Blick abzuwenden. Doch bevor sie antworten konnte klopfte es abermals an der Türe. Dieses Mal war es ihre Sekretärin.
Bevor diese ihr Anliegen vorbringen konnte, ergriff Alexandra das Wort.
„Wir sind hier doch soweit fertig. Dann möchte ich dich auch nicht weiter stören.“
Alexandra schien plötzlich nervös zu sein. Sie tippte auf ihre Uhr und nickte mit dem Kopf Richtung Türe.
„Ich habe heute noch eine Verabredung. Wir sehen uns dann.“ So verabschiedete sie sich und ließ Vera mit ihrer Sekretärin allein zurück.


Vera nippte an ihrem Glas und blickte sich in der Kneipe um. Der Raum war erfüllt von Stimmengewirr und klirrenden Gläsern. Nach der Arbeit hatte sie es kaum ausgehalten mit ihren Gedanken alleine zu sein. Sie musste reden. Musste ihre wirren Gedanken und Gefühle in Worte fassen. Insgeheim hoffte sie, dass sie dann alles fein säuberlich in sich verschnüren und wegsperren konnte. Karin, eine alte Freundin war genau der richtige Mensch dafür. Zu ihrer Erleichterung hatte Karin auch nichts anders vor, als sich hier mit ihr zu treffen. Nun
saßen sie endlich allein in einer Nische. Doch Vera hatte das Thema bisher aus-gespart und wusste nicht, wie sie beginnen sollte. Sie warf einen Blick auf Karin, die sich gerade an der Theke lehnte und mit der Kellnerin sprach. Karin hatte ihr charmantes Lächeln aufgesetzt und beugte sich zu der jungen Frau vor um ihr etwas zuzuflüstern. Diese antwortete mit einem Kichern und hielt sich verlegen eine Hand vor dem Mund. Als Karin sich endlich wieder zu Vera umdrehte, prahlte ein selbst-gefälliges Grinsen auf ihrem Gesicht. Sie nahm gegenüber von Vera Platz und nickte Richtung Theke.
„Die Bedienung hier ist wirklich sehr süß“, sagte sie breit grinsend. Doch Vera war nicht in bester Laune und ihr Lächeln sah wohl mehr als gequält aus. Karin runzelte die Stirn und zog eine Augenbraue hoch. „Möchtest du mir vielleicht erzählen, was mit dir los ist? Du siehst aus, als wäre dir was über die Leber gelaufen.“ Karin war noch nie ein Mensch der Umwege gewesen.
„Kannst du dich an diese Kollegin erinnern, von der ich dir erzählt habe?“, fragte Vera vorsichtig. Karin zeigte ihr mit einem Nicken weiterzusprechen.
„Der unausstehliche Drache?“ Vera nickte.
„Doch jetzt ist sie viel netter und-“, Vera wusste nicht, wie sie den Satz beenden sollte. Karins Stirn legte sich noch mehr in Falten.
„Aber du weißt schon, dass das eigentlich gut ist“, harkte Karin nach.
„Natürlich ist das gut.“ Das Aber in der Luft war deutlich zu hören.
„Sie ist zu nett“, setzt sie schließlich fort. Karins Blick wurde immer ratloser.
„Ich verstehe nicht ganz.“
„Sie ist plötzlich sehr zuvor kommend, freundlich und offen. Sie hat eine ganz andere Ausstrahlung“, Karins Augen weiteten sich, als sie begriff, was Vera versuchte ihr zu sagen.
„Du meinst, sie hat diese gewisse Ausstrahlung?“ Vera nickte stumm und blickte auf ihr Glas.
Karin ließ ihr schallendes Lachen hören. Vera wich ihrem Blick weiterhin aus.
„Erst hasst du diese Frau und jetzt findest du sie anziehen“, stellte Karin amüsiert fest.
„Du musst zugeben, dass du einen merkwürdigen Geschmack hast.“
Vera versuchte sich zu verteidigen.
„Es ist nicht so, dass ich mich Hals über Kopf verknallt hätte. Sie hat
einfach so eine gewisse Art an sich, die ich sympathisch finde.“
„Anziehend“, korrigierte Karin sie. „Ich kenne dich – sympathisch ist bei dir der Anfang von allem, wenn du nicht aufpasst“, fügte sie noch hinzu.
„Genau das ist mein Problem. Wenn ich weiter mit ihr arbeite und sie so ist, weiß ich nicht wie ich mich verhalten soll. Oder wie ich das aufhalten kann.“ Vera fuhr sich verzweifelt durch die Haare. Sie fühlte sich in alte Zeiten zurückversetzt.
„Ich habe wirklich gedacht ich hätte mich weiter entwickelt. Aber so wie es aussieht, bin ich noch genauso dumm wie früher.“ Karin legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter.
„Das hat doch nichts mit Dummheit zu tun“, beruhigte Karin sie.
„Ich dachte, ich bin irgendwann aus dem Alter heraus, indem ich mich einfach von dem Lächeln einer Frau so verrückt machen lasse. Ich will mich einfach nicht zu ihr hingezogen fühlen.“
Karin setzt ein gespielt mitleidiges Gesicht auf.
„Ich glaube, das hört niemals auf. Aber ich freue mich ein bisschen für dich.“
Vera schaute sie entsetzt an.
„Es ist doch schön so zu empfinden. Ist schließlich auch etwas her bei dir. Versuch das Gefühl einfach zu genießen. Du verlierst nichts und ändern kannst du es auch nicht.“ Vera schnappte empört nach Luft.
„Wie soll ich das genießen? Ich verhalte mich wie ein Vollidiot.“
„Du verhältst dich sicher nicht so. Das kommt dir nur so vor. Niemand kann dir das ansehen. Stell dir einfach vor, du bist dein eigener Zuschauer und genieße die Show.“
„Du bist eine schlechte Ratgeberin“, brummte Vera.
„Du weißt, dass ich Recht habe“, entgegnete Karin ihr.
„Genieße die Aufregung, das Herzklopfen – ein bisschen Adrenalin hat noch
niemanden geschadet.“ Karin klopfte ihr abermals auf die Schulter.
„Das ist doch wie eine kostenlose Achterbahnfahrt.“
Vera beneidete Karin um ihre Sichtweise. Vielleicht sollte sie anfangen es ihr gleichzutun. Es konnte ja wirklich nicht schaden. Hoffentlich.



copyright © by CosimaRakas. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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