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Verlangen (13)

von Any1217


Frierend stand ich draußen vor dem Eingang des P9. Die frische Luft tat gut und ich merkte wie ich immer klarer im Kopf wurde. Der Alkohol hatte mir ganz schön zugesetzt. Vermutlich hatte ich mich auch deshalb so bereitwillig auf einen Kuss eingelassen. Mit dem Handrücken wischte ich mir über die Augen und atmete tief durch.

Ich beschloss wieder rein zu gehen, da ich in der Eile ganz vergessen hatte meine Jacke mit zu nehmen. Noch an der Garderobe kam mir Marie entgegen. „Hey! Ich weiß, dass das alles neu für dich ist. Aber meine Freunde halten bei sowas echt dicht. Außerdem kennen sie dich ja kaum." versuchte mich Marie zu beschwichtigen. Wir gingen etwas weiter nach hinten und standen nun abseits der Garderobe um etwas ungestörter zu sein. „Was wissen die beiden?", fragte ich mit wütendem Unterton. Marie sah mich erstaunt an. „Was sollen sie denn wissen? Das hat ja heute jeder Blinde sehen können, dass wir mehr füreinander empfinden als nur Freundschaft". Ich musterte Marie mit zusammengekniffenen Augen.

„Und was denken deine Freunde jetzt von mir? Ich bin schließlich verheiratet. Außerdem, du weißt doch, mehr als Freundschaft kann da nie sein!" Diesmal sah mich Marie verletzt an. „Was bedeuten dir denn dann Küsse? Warum küsst du mich oder lässt dich darauf ein? Ich glaube dir nicht, dass es für dich nur Freundschaft ist!", Marie wurde immer lauter. Es machte mich wütend, dass sie nicht verstehen wollte, dass es einfach nicht ging. „Es ist nur Freundschaft! Und manchmal knutschen wir eben- na und?", feuerte ich zurück. Im gleichen Moment tat es mir auch schon leid. Tränen blitzten in Maries Augen auf. Ohne etwas zu sagen, ging sie wieder rein. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Ich Idiot.

Nachdem ich mich etwas gefangen hatte, atmete ich tief durch und beschloss wieder zu den Anderen zu gehen. Eigentlich hatte ich gar keine Lust mehr zu feiern, das wollte ich mir aber nicht anmerken lassen. Unsere Gruppe hatte sich wieder aufgeteilt, Anna und Ramona saßen nun in der Lounge, während sich Sophie zu Ida auf die Tanzfläche gewagt hatte. Ida schien unermüdlich zu sein in ihrer Tanzlaune. Nur wo war Marie? Ich setzte mich zu Anna und Ramona. „Wisst ihr, wo Marie ist?", fragte ich die beiden. „Ich dachte sie wäre bei dir?", erwiderte Anna. „Habt ihr euch gestritten?". „Hmm ...", brummte ich missmutig. Ich holte mir noch einen Cocktail an der Bar. Als ich zurück kam, sah ich Marie vor der Lounge stehen. Auch Ida und Sophie waren dort. Sie schienen zu diskutieren – mich beschlich ein ungutes Gefühl. Ich ließ mir Zeit, konnte damit jedoch nur wenige Sekunden schinden. Als ich näher kam, vernahm ich Gesprächsfetzen: „... sind wir aber nicht dabei ...", „... spät ... morgen müssen wir ...".

Als ich die Lounge erreicht hatte, würdigte mich Marie keines Blickes – was mir erst mal ganz recht war. Die Situation war mir sehr unangenehm, gerade vor Maries Freunden. Marie redete einfach weiter: „Also gut, schade, dass ihr nicht mit kommt", zwinkerte sie Anna und Ramona zu. Ich blickte fragend in die Runde, vermied es aber Marie an zu sehen. Ida fragte: „Bist du dabei Lena?". Ohne lange zu überlegen, sagte ich: „Dabei? Na klar – bei was denn?". Unter keinen Umständen wollte ich mir anmerken lassen, dass mich der Streit mit Marie doch sehr getroffen hatte. Im Augenwinkel sah ich, dass Marie Ida böse anfunkelte. Anscheinend wollte Marie nicht, dass ich ‚dabei' bin – bei was auch immer. Ida ignorierte Maries Blick völlig, kam auf mich zu und legte mir einen Arm um die Schulter. Lächelnd sagte sie: „Schön das du dabei bist – dein erstes Mal?", und grinste mich schelmisch an. Oje, worauf hatte ich mich denn bloß eingelassen? Fragend sag ich Ida an, versuchte mich dann noch heraus zu reden und scheiterte kläglich. Eigentlich wollte ich vor allem wegen Maries bösem Blick an Ida nicht mit, der eindeutig besagte, dass sie mich nicht dabei haben wollte. Ida glaubte mir allerdings eh nicht, dass ich müde war und auch andere Ausflüchte nahm sie mir nicht ab. Ich bin einfach eine miserable Lügnerin.

„Also auf zum Pinken Hirsch", jubelte jetzt Sophie, stand auf und klatschte vor Entzücken in die Hände. Jetzt dämmerte es mir, offensichtlich wollten die Drei noch einen Abstecher in eine bekannte Lesben- und Schwulenbar machen.

Wie ich erfuhr, mussten Anna und Ramona morgen früh arbeiten, weswegen sie nicht mit wollten. Nun saß ich mit Ida, Sophie und Marie in der U-Bahn, nur noch einen Stop von unserem Ziel entfernt. „Hach, ich freu mich schon so drauf. Wir waren wirklich schon lange nicht mehr dort", sagte Sophie. Dann erklärte sie weiter zu mir gewandt: „Weißt du, das erste Mal wollte ich gar nicht mit. Schließlich bin ich echt ne Hete. Aber dann hatten wir so viel Spaß. Ein bisschen fühlt es sich an wie eine große Familienfeier – jeder kennt jeden und man wird auch als ‚Fremde' sofort integriert. Wirst sehen, ist echt toll!", grinste Sophie schwärmerisch und ihre Wangen glühten.

Ich sah auf die Uhr, kurz nachdem wir den ‚Pinken Hirsch' betreten hatten. Es war bereits kurz nach 3 Uhr. Ida hängte sich bei mir ein und führte mich sofort auf die Tanzfläche. Marie wurde bereits am Eingang von etlichen Mädels begrüßt, sodass sie gar nicht so schnell weiter kam. Sophie blieb bei ihr, um sie nicht alleine stehen zu lassen und vermutlich auch, um die ‚Großfamilie' ebenfalls zu begrüßen. Ich musste schmunzeln. Die Musik war sehr laut und man musste sich fast anschreien, um sich zu verstehen. Ida wippte im Rhythmus der Bässe, beobachtete dabei abwechselnd mich und Marie. Auch ich sah immer wieder verstohlen zu Marie, die sich jetzt angeregt mit einer Gruppe von 5-6 Frauen unterhielt. Ida tanzte mich an und wollte mir etwas mitteilen. Ich konnte sie jedoch nicht verstehen und zuckte mit den Schultern. Ida bedeutete mir, ihr zu folgen.

Als wir den Zwischenraum zu den Toiletten erreicht hatten – hier war die Musik zwar auch noch sehr laut, man konnte sich aber unterhalten – sagte Ida: „Ich weiß zwar nicht, was zwischen dir und Marie läuft. Aber es ist ziemlich offensichtlich, dass ihr aufeinander steht. Hattet ihr vorhin einen Streit? Falls ja, begrabt das Kriegsbeil und habt Spaß." Aufmunternd sah sie mich an. Mit einem gequälten Lächeln antwortete ich: „Das ist nicht so leicht. Ich ... kann nicht.". Kurze Stille folgte. Ida musterte mich mit zusammengekniffenen Augen. Als sich ihre Gesichtszüge langsam entspannten, sah man förmlich, wie ihr eine Idee kam. „Lass mich raten – eigentlich bist du hetero?", ohne mich etwas erwidern zu lassen, fuhr sie fort, „und wahrscheinlich in einer Beziehung. Und jetzt hat dir unsere Marie den Kopf verdreht und du weißt nicht mehr wo oben und unten ist!".

Sie schnalzte mit der Zunge und sah mich wissend an. Ich war völlig überrumpelt von ihren zutreffenden Schlussfolgerungen und stand starr und reglos da. Bis sich eine Träne ihren Weg auf meine vor mir verschränkten Arme bahnte. Erst jetzt merkte ich, dass ich weinte. Ida sah mich mitfühlend an und nahm mich in den Arm. Ich schluchzte. War es denn wirklich so offensichtlich? Zudem hatte ich Marie auch noch unrecht getan, sie hatte niemandem was über uns oder von meiner Situation verraten. Wie dumm ich mir vorkam. „Ich hoffe du findest zu dir. Es wäre Marie zu wünschen. Du scheinst wirklich eine Liebe zu sein. Bisher ist Marie irgendwie immer an die Falschen geraten. Sei du die Richtige für sie", flüsterte mir Ida ins Ohr. „Und jetzt lass uns feiern und nicht an morgen denken!", sagte sie etwas lauter und löste die Umarmung. Kurz bevor wir den Zwischenraum verließen, speicherte mir Ida noch ihre Nummer in mein Handy – Falls ich mal reden will. Das fand ich sehr nett, auch wenn ich glaubte, nie auf das Angebot zurück zu kommen – zu peinlich und intim kam mir unsere Situation vor.

Ich war fest entschlossen Marie um Verzeihung zu bitten und wieder Spaß mit ihr zu haben. Doch als Ida und ich die Tanzfläche erreichten, gefror mir das Blut in den Adern und mein Herz schien kurzzeitig auszusetzen. Marie tanzte eng umschlungen mit einer kleinen, kurzhaarigen blonden Frau. Wut flammte in mir auf. Heiß und alles verzehrend. Als Marie und die Frau anfingen sich zu küssen, war ich drauf und dran mit den Fäusten dazwischen zu gehen. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig beherrschen, lief vor Wut kochend Richtung Ausgang und blickte mich nicht um. Zu meinem Zorn gesellte sich Verzweiflung. Ich war rasend eifersüchtig. So sehr, dass ich – halb blind vor Wut – kaum wahrnahm, wie ich ein Taxi rief und mich nach Hause fahren ließ.

Als ich zu Hause ankam, stand unser Haus dunkel vor uns. Thomas schien schon ins Bett gegangen zu sein. Eigentlich auch nicht verwunderlich, immerhin war es mittlerweile schon nach vier. Ich atmete tief durch und ging ins Bad, um mich bettfertig zu machen. Während ich mich auszog und abschminkte, verfolg meine Wut. Hätte ich Marie sagen sollen, was ich für Sie empfand? Immerhin hatte sie mir beim ersten Mal ja nicht geglaubt, als ich sagte es wäre nicht mehr als Freundschaft. War sie letztendlich doch zu dem Schluss gekommen, dass ich nur eine Freundin bin? Hatte sie sich deshalb so schnell auf eine Andere eingelassen? Aber was war mit ihren Gefühlen zu mir. Wollte sie mir am Ende einfach eines auswischen oder mich eifersüchtig machen? Wenn ja, war ihr das gründlich gelungen. Ich beschloss nicht mehr darüber nach zu denken und kroch schnell ins Bett.

Ich schlief schlecht, wachte immer wieder auf und war unruhig. Als ich schließlich gar nicht mehr einschlafen konnte, ging ich in die Küche um mir einen Tee zu machen. Noch war es stock dunkel draußen, aber es würde nicht mehr lange dauern, bis es dämmerte. Mia und Thomas schliefen noch. Plötzlich hörte ich eine Autotür zu schlagen und fuhr zusammen. Beinah hätte ich den Tee verschüttet. Vorsichtig spitzte ich aus dem Fenster. Es war so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen konnte. Aber ich erkannte ein Taxi, dass gerade weg fuhr und Marie, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurück blieb. Ich überlegte zu ihr zu gehen, um mich zu entschuldigen – verwarf den Gedanken aber sehr schnell wieder. Als das Licht am Hauseingang gegenüber an ging, ließ ich meine Tasse fallen. Sie zersprang auf den Fliesen in tausend kleine Stücke. Neben Marie stand die kleine, kurzhaarige blonde Frau.



copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.


Kommentare


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na dann hoff ich doch mal dass es schnell geht....bin gespannt wie nen flitzebogen
Inkasso - 03.09.2018 21:21
Danke :)
Any1217 - 30.08.2018 17:12
Sehr schöne Geschichte
Lammy - 28.08.2018 19:51
Sehr gut :)
Vivi01 - 28.08.2018 13:35
Spannend!
Li86 - 27.08.2018 14:42

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