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Verlangen (18)

von Any1217


Seit diesem Montag musste ich meine gute Laune nicht mehr vortäuschen. Ich war so glücklich, wie lange nicht mehr. Zwar hatte ich Marie seitdem nicht mehr gesehen – sie hatte geschrieben, dass sie diese Woche extrem viel arbeiten müsse -, aber dieses wunderbare Gefühl, das mich nach unserem ersten Mal erfasst hatte, blieb bestehen.


Marie. Wenn ich an sie dachte, machte mein Herz Purzelbäume. Und das kam oft vor. Ich war sehr verliebt, was mir jetzt immer mehr klar wurde. Seit über einem Jahr wohnte sie jetzt schon gegenüber und genau so lange fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Unweigerlich musste ich an unsere erste intime Situation im Schwimmbad denken. Wie Marie mit ihrem nassen Körper auf mir lag. Sofort durchzuckten mich wieder Blitze der Erregung und ich musste grinsen.

Endlich waren wir uns so nahe gekommen, wie ich es seit Monaten herbeigesehnt hatte. Wenn auch sehr überraschend. Dafür umso leidenschaftlicher und befreiender. Es fühlte sich tatsächlich so an, als wär mir ein großer, schwerer Stein vom Herz gefallen.

Ob es Schicksal war, dass wir uns begegneten? Eigentlich glaubte ich ja nicht an sowas, aber ich schätze durch meine rosarote Brille wollte ich es so sehen. War es tatsächlich nur eine Verliebtheit, oder war über die Zeit schon mehr daraus geworden. War es Liebe? Ich konnte es nicht genau sagen, da unsere Versöhnung noch nicht lange her war. Aber diese tiefe Verbundenheit, die ich spürte, deutete schon sehr darauf hin.

Endlich war Freitag. Für heute Vormittag hatten Marie und ich uns bei ihr verabredet. Ich war furchtbar aufgeregt, obwohl es längst nicht mehr das erste Mal war, dass ich sie besuchte. Aber diesmal war die Ausgangslage eine völlig andere. Ich gestand mir immer mehr meine Gefühle zu Marie ein und gab diesen bewusst nach. Ich wollte mehr und hatte erfahren, wie gut mir das tat. Wie es mich von meinen negativen Gefühlen befreite. Denn obwohl ich Thomas hintergangen hatte, ging es mir gut. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen und nach wie vor befürchtete ich den Zusammenbruch unserer Familie. Aber ich wusste jetzt, dass kein Kontakt zu Marie mein Untergang war.

Frisch geduscht und leicht geschminkt, dazu in meinen hübschesten Alltagsklamotten, klingelte ich an der Tür. Der Summer surrte und ich ging nach oben. Da stand sie, mit einem breiten Grinsen im Türrahmen, die Haare fielen ihr offen über die Schultern. Sie hatte enge Jeans und ein weites, modisches T-Shirt an. Sie sah so verdammt gut aus.

Ohne in der Bewegung inne zu halten, fiel ich ihr um den Hals und küsste sie. „Lena...", keuchte Marie, als ich ihr mit meiner Hand zwischen die Beine glitt. Ich schob sie ins Wohnzimmer und wir landeten wild knutschend auf der Couch. „Ich habe dich vermisst", sagte ich, als wir uns kurz voneinander trennen konnten. „Nicht nur diese paar Tage, schon vorher. Mir ging es ziemlich schlecht. Ich weiß, dass ich zum Teil selbst dafür verantwortlich war. Nur war es mir nicht ganz klar, wie sehr ich mich in dich verliebt habe. Ich musste mich mit dieser neuen Situation erst einmal abfinden. Wer hätte gedacht, dass mich eine Frau so dermaßen verführt", grinste ich frech. Dafür kassierte ich einen leichten Klaps auf dem Oberschenkel, der mich dazu bewog Marie einen Kuss aufzudrücken. „Ich bin eben eine Verführungskünstlerin", sagte Marie tough. Am liebsten wäre ich sofort über sie her gefallen.

Marie erzählte mir, dass sie sich nicht mehr mit Chrissi trifft und keinerlei Gefühle für sie hatte. „Bei dir sieht das schon anders aus", sagte sie und wurde rot. Ein wenig verlegen sah sie kurz zur Seite und ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Weist du eigentlich, wie gut du mir tust, Marie?", fragte ich und setzte ohne eine Antwort abzuwarten fort: „Zwar ist es nach wie vor schwierig für mich, das alles zu zu lassen. Aber trotz meiner Angst, dadurch meine Familie zu zerstören, geht es mir jetzt viel besser, als ohne dich". Marie grinste mich an: „Ich war auch nicht grade gut drauf und dachte wirklich, das mit uns hat sich erledigt. Dabei bist du die Frau, die ich will. Keine andere. Es tut mir auch leid, dich mit Chrissi so verletzt zu haben. Das war nicht meine Absicht, es war wirklich ein Ablenkungsversuch. Wenngleich er gescheitert ist".

Noch eine ganze Weile unterhielten wir uns. Über Gott und die Welt, über die vergangenen Wochen und unsere Gefühle. Dabei sagte keiner dem anderen offen, wie stark die Gefühle füreinander tatsächlich waren. Es war so schön, einfach wieder mit ihr reden zu können, sie anzusehen. Immer wieder berührten wir uns gegenseitig, ein leichter Klaps aufs Bein, sanftes Streicheln über den Arm. Ich denke wir beide spürten, wie sehr wir uns begehrten. Dennoch gingen wir nicht weiter als hin und wieder ein kurzer, zärtlicher Kuss. Der Redebedarf schien enorm zu sein und es tat gut. Mit jedem Wort fühlte ich mich freier und Marie wieder ein Stück näher.

Da es mittlerweile fast Mittag war, verabschiedete ich mich schweren Herzens und küsste Marie noch einmal leidenschaftlich. Vergnügt ging ich zum Kindergarten, um Mia abzuholen. Das Mittagessen hatte ich schon am Vorabend zubereitet und musste es nachher nur aufwärmen. Als ich ankam, fiel mir Mia um den Hals. Ich erzählte ihr, dass wir für morgen Nachmittag mit Marie auf dem Spielplatz verabredet waren. Mia sah mich zuerst erstaunt an, dann breitete sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht aus, dass kaum zu übertreffen war. „Mama, das ist toll! Ich habe Marie schon so vermisst! Bitte streitet euch nicht mehr", fügte sie mit einem leicht ängstlich wirkendem Gesichtsausdruck. „Nein mein Schatz, jetzt wird alles gut", strahlte ich sie an und drückte sie fest an mich. Sie schien zu merken, wie glücklich ich war und gluckste fröhlich. Dann gingen wir Hand in Hand zurück.

„Mama, schau mal. Marie ist im Garten", sagte Mia und winkte fröhlich in ihre Richtung. „Hey ihr zwei", strahlte Marie uns an. „Können wir kurz zu ihr rüber? Ich hab auch noch gar keinen Hunger", quengelte Mia. Ich stimmte zu und lief grinsend der auf Marie zustürmenden Mia hinterher. Marie fing Mia auf und ließ sie hoch in die Luft wirbeln. Mia kreischte vergnügt. „Hey, Mia wollte dich unbedingt sehen", grinste ich Marie an. Ich nahm Marie in dem Arm und drückte sie fest an mich.

Ohne, dass es Mia sah, küsste ich ihren Hals. Marie schloss die Augen und atmete tief ein. Dann ließ ich sie wieder los, hielt aber noch ihre Hand fest. „Spielen wir fangen?", fragte Mia und schon rannte sie los. Ich gab Marie einen Klaps auf ihren süßen Hintern, als sie los lief um Mia zu fangen. Was für eine tolle Frau, dachte ich und hätte nicht glücklicher sein können, als in diesem Moment.

Wir trafen uns jetzt sehr häufig und auch Mia war wieder öfter mit von der Partie. Sie schien fast genauso glücklich darüber zu sein, dass wir Marie wieder sahen, wie ich. Zwar kamen wir uns nicht mehr so nah, wie nach unserem kurzen, heftigen Streit, aber hin und wieder küssten wir uns zärtlich. Es war wunderbar und ich genoss jede Minute unserer gemeinsamen Zeit.

Thomas merkte ebenfalls, dass es mir deutlich besser ging. Jedoch äußerte er sich nicht dazu und fragte auch nicht nach. Das war mir eigentlich ganz recht, so musste ich nicht die Unwahrheit erzählen. Dennoch wuchs mein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, so konnte es nicht ewig weiter gehen. Das war mir durchaus bewusst, nur konnte und wollte ich nichts an der Situation ändern.

Es war Samstag Abend, Thomas war mit Arbeitskollegen etwas trinken gegangen und Mia war übers Wochenende bei Oma und Opa. Marie hatte mir geschrieben, dass sie keine Zeit hätte. So saß ich nach einem ausgiebigen Bad vor dem Fernseher und döste langsam weg. Das Vibrieren meines Handys ließ mich aufschrecken. Es war Marie: „Geh vor deine Tür und folge den Fröschen (bitte einsammeln und mitnehmen)". Völlig verwirrt rappelte ich mich langsam auf und zog mir eine Jacke über. Ich schlüpfte in meine Schuhe, nahm meinen Schlüssel und ging vor die Tür.

Tatsächlich fand ich kleine Plastikfrösche davor, die wohl aus einem Brettspiel stammten. Ich verfolgte die Spur und sammelte alle Frösche auf, bis ich schließlich vor Maries Haus stand. An der Haustür war ein Frosch so zwischen die Tür geklemmt, dass ich ohne zu klingeln hinein kam.

Maries Wohnungstür war nur angelehnt und die Spur ging durchs Wohnzimmer weiter Richtung Schlafzimmer. Mein Herz pochte und ich war auf einmal wieder hellwach. Neben der verschlossenen Schlafzimmertür stand der Karton eines Brettspiels, ich legte alle gesammelten Frösche hinein. An der Tür hing ein Zettel auf dem stand: „Bitte klopfen".



copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.


Kommentare


:)
Sehr interessant!
Freu\' mich auf eine weitere Fortsetzung!
LuciBmth - 08.11.2018 11:28
Spannend
powerbanani - 08.11.2018 09:07

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