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Verlangen (25)

von Any1217


Ich weiß nicht genau, wie lange wir so eng umschlungen, nackt aneinander gekuschelt da lagen. Wir beide genossen diese Nähe und das Gefühl, frei zu sein. Frei von einem schlechten Gewissen, von einem sich aufschiebenden Gespräch, vielleicht auch frei von Eifersucht.


Jetzt gab es nur noch uns beide. Zwar war mit Thomas noch längst nicht alles geklärt, aber die Fronten waren klar. Meine Liebe galt Marie. Das wusste sie, das wusste ich – und jetzt auch Thomas. Mia würde es auch bald erfahren, das nahm ich mir fest vor. Sobald ich sie nachher vom Kindergarten abgeholt habe, würde ich mit ihr reden. Ich wollte unter allen Umständen verhindern, dass Thomas etwas unbedachtes äußerte und mich so in einem schlechten Licht erscheinen ließ. Zwar glaubte ich nicht, dass er es mit Absicht tun würde, aber in einer solchen Ausnahmesituation, konnte einem schon mal was raus rutschen, was man später vielleicht bereute.

Ich glaubte fest daran, dass sich jetzt alles zum Guten wenden würde und ich endlich ganz offiziell mit Marie zusammen sein konnte. Nichts wollte ich lieber als das, sie in der Öffentlichkeit küssen, ihr sagen wie viel sie mir bedeutet – wann immer ich wollte. Am schwersten fiel es mir bisher, Mia nichts davon wissen zu lassen. Es fühlte sich an, als würde ich sie anlügen, obwohl ich ihr lediglich nichts über die sehr enge Bindung zwischen mir und Marie erzählte. Das sie eng war, war Mia vermutlich ohnehin schon bewusst. Da sie sich zudem sehr gut mit Marie verstand, hatte ich keine Bedenken, dass sie es schlecht aufnehmen würde, wenn ich ihr erklärte, dass wir uns liebten.

Allerdings wusste ich nicht, in wie weit sie sich Gedanken um ihren Vater machen würde und was jetzt mit ihm wäre. Aber all das könnte man ihr erklären und solange sie uns beide – ihre Eltern – weiterhin häufig sehen konnte, sah ich darin kein Problem. Ich lächelte bei der Vorstellung, Mia's strahlendes Gesicht zu sehen, wenn ich ihr erklärte, dass Marie jetzt quasi zur Familie gehörte.

Das schrille klingeln meines Handys riss mich aus meinen Gedanken. Ich zuckte zusammen, auch Marie zuckte und gab einen brummenden Laut von sich. Sie war wohl eingeschlafen. Ich beugte mich zu meiner Tasche und kramte das Handy hervor – es war Thomas. Ich richtete mich auf und starrte auf das Display. Ich wollte ran gehen, jedoch hielt mich etwas davon ab. Angst, vor dem was Thomas mir zu sagen hätte.

Plötzlich verstummte das Klingeln und ich konnte meinen Blick nicht vom Display abwenden. Marie, die sich leicht zur Seite gerollt hatte, fragte schläfrig: „Wer war das?". „Thomas", war meine knappe Antwort. Marie richtete sich nun doch auf und schien auf einmal wieder hellwach zu sein. „Warum bist du nicht ran? Ich denke ihr habt noch einiges zu klären", fragte sie. „Ich.. weiß es nicht genau. Irgendwie habe ich Angst, ihm wieder unter die Augen zu treten", gab ich wahrheitsgemäß zurück. Ich wusste natürlich, dass eine Aussprache unausweichlich war und wir über die nahe Zukunft reden mussten. Genau davor hatte ich aber Angst. Auch, weil ich ihn betrogen und somit sehr verletzt hatte, fiel es mir schwer.

Marie verschränkte ihre Finger mit meinen und sah mich aufmunternd an. „Das wird schon, den größten Schritt hast du doch bereits gemacht. Alles weitere ergibt sich Süsse", kaum hatte sie den letzten Satz ausgesprochen, fing es an in meinem Bauch zu kribbeln. Ich sah tief in ihre wunderschönen Augen. In ihnen spiegelte sich die Liebe, die ich für sie empfand. Ich war so unglaublich froh, sie kennen gelernt zu haben. Auch wenn es mein Leben so durcheinander brachte. Wir neigten uns einander zu und kamen uns immer näher. Keiner von uns blinzelte und wir hielten dem Blick der anderen stand, bis sich unsere Lippen zaghaft berührten. Ein liebevoller, zärtlicher Kuss folgte.

Mein Handy vibrierte erneut. Diesmal war es kein Anruf, es war eine SMS von Thomas. „Ich werde für einige Nächte bei einem Freund bleiben. Melde mich dann", waren seine knappen Worte. Erleichtert, ihn zumindest in den nächsten Tagen nicht unbedingt sehen zu müssen, legte ich das Handy beiseite und atmete tief durch. „Thomas wird die nächsten Tage nicht hier sein. Ich denke er braucht erst einmal Abstand und genügend Zeit, um alles zu verarbeiten", erklärte ich Marie. Sie sah mich nur lächelnd an und nickte sanft.

Da es bereits in einer Stunde Zeit war, Mia vom Kindergarten abzuholen, verabschiedete ich mich bei Marie und lud sie noch zum Abendessen bei uns ein. Freudig willigte sie ein und küsste mich zum Abschied. Vor mich hin grinsend, ging ich über die Straße und zurück in unser Haus. Unser Haus – Thomas und ich. Waren wir noch ein wir? Vermutlich nicht. Statt das es mich traurig stimmte, war ich in einer gewissen Weise sehr glücklich darüber. Denn es hieß, es gab ein anderes wir. Wir – Marie und Lena. Vor Freude hätte ich am liebsten laut geschrien.

Als es Zeit war, Mia vom Kindergarten abzuholen, entschied ich mich mit dem Rad zu fahren. Das Wetter war herrlich und ich genoss die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Im Kindergarten empfing mich Mia freudig und fiel mir in die Arme. „Hallo mein Schatz, war es schön heute im Kindergarten?", fragte ich sie. Sie strahlte mich an und nickte. „Na komm, ich bin mit dem Rad da. Heute Abend kommt übrigens Marie zum Abendessen vorbei", zwinkerte ich ihr zu. „Jaaa, Marie kommt", rief Mia, rannte in Richtung meines Rades und setzte sich in den Fahrradanhänger.

Als wir zu Hause ankamen, holte ich den Auflauf – den ich schon vorbereitet hatte – aus dem Ofen und wir setzten uns zu zweit an den Tisch. Zum Nachtisch gab es ein Eis, was Mia regelrecht verschlang. „Langsam meine Kleine, man könnte meinen du hättest heute noch nichts anderes gegessen", lachte ich. Sie grinste mich nur mit einem verschmierten Mund an. „Wann kommt Papa heute?", fragte sie plötzlich. Meine Miene versteinerte kurz, ich fing mich jedoch ziemlich schnell wieder. „Papa bleibt für ein paar Tage bei einem Freund. Er muss über etwas nachdenken", sagte ich und sah Mia dabei fest in die Augen. „Worüber muss Papa denn nachdenken?", fragte sie sofort.

Ich atmete tief durch und beschloss ihr alles zu erzählen – zumindest so viel, dass sie es verstehen konnte. „Also es ist so. Ich habe Papa nicht mehr so lieb wie früher. Ich mag ihn noch sehr und ich bin froh, dass wir ihn haben. Aber ich liebe ihn nicht mehr. Das habe ich ihm heute gesagt". Mia blickte mich abwartend an, ohne etwas zu sagen. Also fuhr ich fort: „Dafür habe ich Marie jetzt sehr lieb. Das habe ich Papa auch gesagt. Genau darüber muss er nachdenken". „Aber warum muss er darüber denn nachdenken? Hast du mich auch nicht mehr so lieb wie früher?", fragte Mia. „Ich habe dich noch so lieb wie immer mein Schatz! Das wird auch so bleiben, dass kann ich dir versprechen. Wenn zwei Menschen sich einmal geliebt haben, ist es natürlich nicht einfach, wenn es einem der beiden nicht mehr so geht. Ich denke es ist auch schwer für Papa, dass ich und Marie und jetzt lieben". Mia nickte und schien zu überlegen.

„Wohnt Marie jetzt auch bald bei uns?", fragte Mia plötzlich. „Ich weiß es nicht mein Schatz. Ich weiß noch nicht genau, wie es jetzt weiter gehen wird. Aber ich verspreche dir, dass du Papa und mich trotzdem noch ganz oft siehst und wir auch beide immer für dich da sind. Auch Marie wird für dich da sein, wenn du das möchtest", sagte ich. Mias Augen fingen an zu leuchten und sie strahlte wieder. „Ich freue mich schon darauf Mama!".

Ich war unglaublich erleichtert, dass Mia das Gespräch tatsächlich so gut verkraftet hatte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es machte mich so glücklich, zu wissen das sie sich keine Sorgen machte und sich sogar darauf freute. Alles andere würden wir auch noch hinbekommen. Thomas war an sich ein verständnisvoller Ehemann gewesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es nicht klappen würde.

Gegen 18:30 Uhr klingelte es und ich bat Mia die Tür für Marie zu öffnen, da ich noch dabei war das Abendessen vorzubereiten. Mia stürmte zur Tür und riss sie auf. Hand in Hand kamen Mia und Marie in die Küche. Ich drehte mich zu Marie und lächelte sie an, dann gab ich ihr einen Kuss auf den Mund. Marie riss etwas erschrocken die Augen auf, erwiderte den Kuss dann jedoch kurz. Fragend sah sie von mir zu Mia, welche neben uns stand und kicherte. „Ich habe Mia erklärt, dass wir uns lieben. So wie Papa und ich uns einmal geliebt haben", sagte ich und wandte mich beim letzten Satz an Mia. Kaum hatte ich es ausgesprochen, fiel mir Marie um den Hals und drückte mich fest an sich. „Danke", hauchte sie mir ins Ohr und ich konnte die Rührung in ihrer Stimme hören.

Unser gemeinsames Abendessen war wunderbar, wir lachten viel und erzählten von unserem Tag. „Marie, willst du heute bei uns übernachten?", fragte Mia. Diese sah mich fragend an und ich sagte amüsiert: „Warum eigentlich nicht?". „Ok, soll ich dich dann gleich ins Bett bringen Mia?", sagte Marie zu ihr gewandt. „Jaa, das ist toll!", rief Mia.

So kam es, dass wir – nachdem Marie Mia ins Bett gebracht hatte – zu zweit auf der Couch lagen. Eng aneinander gekuschelt sahen wir einen Film. Immer wieder küssten wir uns, bis ich langsam weg döste. Es war schon ziemlich spät, als Marie mich sanft anstupste. „Hey, wir sollten vielleicht langsam ins Bett", sagte sie leise und küsste mich sanft auf die Stirn. Es fühlte sich so gut an. Ein Abend mit der Frau, in die ich mich verliebt hatte. Ein Abend als Paar. Auch wenn wir nichts besonders unternahmen, der Abend auch nicht sonderlich romantisch war. Es war dennoch wunderschön – so würde also vielleicht meine Zukunft mit Marie aussehen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, so gut fühlte sich dieses nichts tun mit Marie an.

In den kommenden Tagen war Marie mehr hier, als bei sich in der Wohnung. Sie ging von hier zur Arbeit und sie kam von dort wieder zu uns zurück. Sogar einige ihrer Klamotten hatten sich in meinen Kleiderschrank geschlichen. Wir verbrachten einige wundervolle Tage. Auch Mia war glücklich, dass Marie so oft bei uns war. Ich genoss die Zweisamkeit an den Abenden und sehnte mich nach ihr, wenn sie in der Arbeit war.

Doch dann meldete sich Thomas und schlagartig wurde mir wieder bewusst, dass dies noch nicht der Alltag war. Er schrieb nur eine SMS, dass er bald wieder nach Hause kommen würde. Wann genau, schrieb er nicht.

Als Marie am Abend nach Hause kam, erzählte ich ihr davon, dass Thomas bald wieder kommen würde. Sie sah mich etwas traurig an: „Schade, ich hätte mich daran gewöhnen können". „Ich mich auch Süsse, aber ich denke wir werden bald jeden Tag miteinander verbringen können. Und das wünsche ich mir so sehr. Die Tage mit dir haben mir gezeigt, wie richtig meine Entscheidung war. Meinem Herz zu dir zu folgen – auch wenn es mit einigen Schwierigkeiten verbunden war und immer noch ist. Ich möchte mit dir zusammen sein Marie. Am liebsten jeden Tag!".

Marie lächelte und küsste mich unglaublich sanft und mit so viel Liebe, dass ich es vor Glück kaum aushielt. Mia lag bereits im Bett und schlief tief und fest. Verschmitzt lächelte ich Marie an und fuhr mit meiner Fingerspitze ihren Ausschnitt entlang. „Machen wir uns einen letzten schönen Abend?", fragte ich spitzbübisch und knöpfte ihr den obersten Knopf ihrer Bluse auf. Ohne auf die Frage zu antworten, presste sich Marie an mich und fing an mich leidenschaftlich zu küssen.

Es dauerte nicht lange und wir lagen beide nackt auf der Couch. Wir waren in vollem Gange, als plötzlich Thomas ins Wohnzimmer kam. Er blieb wie angewurzelt stehen und starrte uns an. Marie, die über mir lag, setzte sich ruckartig auf und hüllte ihren nackten Körper in eine Decke. Gepresst brachte Thomas hervor: „Du solltest jetzt besser gehen", dabei funkelte er Marie böse an. Marie sammelte schnell ihre Klamotten vom Boden auf und verschwand – noch in der Decke eingehüllt – aus dem Haus.

Ich zog mich an und sagte kein Wort. Ich schämte mich zu sehr. Und ich hatte unglaubliche Angst vor dem folgenden Gespräch, dass nun definitiv anstand.



copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.



Kommentare


Verlangen (25)
Felinemaus - 15.09.2019 11:08
Verlangen (25)
Felinemaus - 25.06.2019 09:52
Kann mich Annewassonst nur anschließen
justme785 - 15.06.2019 12:05
Ich platze vor Spannung!!!
Die Geschichte ist großartig geschrieben!!!
Annewassonst - 14.06.2019 10:33

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