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Vielleicht heute

von Mika10


Vielleicht heute – Ein Willkommen

Am Anfang war es still.
Nur das Ticken der Uhr
und das weiche Surren des Wasserkochers,
als würde der Morgen selbst kurz Atem holen.

Sie stand in der Küche,
und der Tag legte sich wie ein dünner Schal
über ihre Schultern.
Der Kaffee roch nach Wärme,
doch die Luft war noch kühl –
so kühl wie ihre Hände.

Früher hätte sie Musik angemacht,
um das Schweigen zu überstimmen.
Heute ließ sie es einfach stehen.
Und sie merkte:
Es tat nicht mehr weh wie früher.
Es war nur ein Raum,
der auf etwas wartete.

Gestern hatte sie etwas gelesen.
Ein paar Zeilen nur –
und doch klopften sie leise an ihr Herz,
wie jemand, der nicht stören will,
aber sagt:
„Ich bin da. Atmest du auch so?“

Da war plötzlich kein reines Alleinsein mehr,
sondern dieses stille Gefühl
von gemeinsam einsam sein.

In jener Nacht lasen viele.
Eine schrieb,
wie schwer Vertrauen nach Jahren fällt.
Eine andere löschte dreimal denselben Satz,
bevor sie ihn endlich schickte.
Und eine, die sonst schweigt,
stellte nur ein Zeichen in den Raum –
aber es leuchtete.

Kleine Gesten.
Kleine Schritte.
Doch sie wärmten,
so wie ein Licht, das den Schatten nicht vertreibt,
aber ihn freundlicher macht.

Und irgendwo,
vielleicht genau in diesem Moment,
merkte jemand,
dass sie nicht allein war.

Heute liest sie wieder.
Geschichten von Mut,
von Rückschritten,
von Anfängen,
die nicht laut sind –
nur ehrlich.

Sie denkt:
So hätte ich das nie sagen können.
Doch genau so fühle ich.
Und das reicht.

Vielleicht schreibt sie heute auch etwas.
Kein großes Bekenntnis –
nur ein Gruß,
ein stilles:
„Ich kenne das.“
Vielleicht ist das schon Mut genug.

Und selbst wenn sie heute schweigt,
ist das genug.
Manchmal beginnt Mut einfach damit,
dass man bleibt –
nur einen Atem lang.

Denn wir alle,
die hier schreiben, lesen, warten,
haben irgendwann denselben Klick getan:
nicht nur auf Anmelden,
sondern auf
„Ich will wieder fühlen.“

Wir tragen Geschichten,
die nicht vergehen,
aber leichter werden,
wenn jemand sie mit uns hält.

Hier, in diesem Raum aus Worten,
muss niemand stark sein,
um gesehen zu werden.
Hier darf Angst atmen
und Hoffnung wachsen.
Hier dürfen Frauen leise heilen,
indem sie zuhören
und bleiben.

Hier darf man zögern –
und dennoch
einen Atem weiter sein.

Lachen.
Schreiben.
Weinen.
Wachsen.

Vielleicht ist Mut
gar nichts Großes.
Vielleicht ist Mut
dieser kleine Gruß,
das „Ich hab dich gelesen.“
Dieses leise Lächeln,
das bleibt,
auch wenn das Display längst dunkel ist.

Vielleicht heute.
Nicht morgen.
Nicht irgendwann.

Heute,
wo du dies liest.
Trau dich.
Schreib.
Zeig dich.
Lass dich lesen.

Denn irgendwo,
genau jetzt,
sitzt eine andere Frau
mit derselben Sehnsucht,
mit demselben Herz,
das gerade klopft.

Und vielleicht beginnt genau so
ein neues Wir.

Mika





copyright © by Mika10. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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