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Paulas Träume >> Teil 01 <<

von Liebundbrav


„Paula, wach auf“

Paula wurde durch das durchdringende Dröhnen des Weckers und ein Kissen, das unsanft in ihrem Gesicht landete, geweckt. Als sie die Augen öffnete, was ihr wahrlich schwer fiel, sah in das Gesicht ihrer Mitbewohnerin Mary, die genervt den Wecker ausschaltete.

„Wieso höre ich das blöde Ding, als würde es auf meinem Nachttisch stehen, aber du rührst dich dabei keinen Millimeter?“

„Wie spät ist es?“ beinahe panisch griff Paula nach dem Wecker und versuchte die LED-Anzeige zu fokussieren.

„Verdammt, verdammt, verdammt“, schrie sie, während sie aus dem Bett aufsprang, Richtung Bad steuerte und die Tür hinter sich schloss.

Es war Montagmorgen und es sollte der Tag sein, an dem sie ihr Praktikum in einer New Yorker Werbeagentur beginnen sollte. Bei dem Bewerbungsgespräch wurde ihr unmissverständlich klar gemacht, dass ihr Chef Wert auf Pünktlichkeit legte. Und sie durfte das Praktikum keinesfalls vermasseln, denn ihr Vater hatte hierbei seine Beziehungen spielen lassen. Er und Paulas Chef Mr. James, waren damals gemeinsam bei einem Army-Stützpunkt in Deutschland stationiert. Und während Mr. James anschließend wieder in die USA ging, hatte Paulas Vater in Deutschland seine Liebe gefunden und eine Familie gegründet.

Paula war 23, studierte in Deutschland Mediendesign und wollte in den USA erste Erfahrungen in der Medienwelt sammeln, damit sie sich später von ihren unzähligen Mitstudierenden abheben konnte. Natürlich profitierte sie nun davon, zweisprachig aufgewachsen zu sein und auch die Kontakte ihres Vaters halfen ihr und sie wusste das sehr zu schätzen, dass ihr Vater sich so für sie ins Zeug legte.

Ihr blieben etwa 20 Minuten. Dann musste sie sich spätestens auf den Weg machen. Während sie unter der Dusche überlegte, was sie alles mitnehmen musste, kam ihr plötzlich der Traum in den Sinn, aus dem sie so abrupt gerissen wurde.

„Schon wieder dieser Traum“ murmelte sie vor sich hin, während sie ihr Haar mit Shampoo einschäumte. Sie überlegte. Es müsste jetzt der fünfte Tag hintereinander sein, an dem sie immer wieder das gleiche träumte. Genau genommen variierte der Ablauf, aber es tauchte immer die gleiche Person auf. Und so sehr Paula überlegte, sie war sich inzwischen sicher, sie im wahren Leben noch nie gesehen zu haben.

Mittlerweile hätte Paula die Frau aus dem Traum zeichnen können, so sehr hatte sich das Gesicht eingebrannt. Jedes Detail, jede Haarsträhne hat sie genau vor Augen. Besonders das kleine Muttermal auf der linken Wange stach elegant hervor. Insgesamt, so dachte sich Paula, hätte die Frau aus ihren Träumen ein Supermodel sein können. Noch nie war sie einer Frau mit einem solch perfekten Gesicht begegnet.

Sie hatte Mark von den Träumen erzählt und er sah den Grund für ihre nächtlichen Begegnungen mit dieser Unbekannten darin, dass sie symbolisch für Paulas neuen Eindrücke in dieser noch unbekannten Stadt stand. Mark kannte sie vom Studium und etwa einen Monat vor Paulas Abreise, hatte es zwischen ihnen geknistert. Nun mussten sie die 8 Wochen Praktikum überbrücken und skypten und schrieben sich so oft es ging.

Paula war seit einer Woche in New York und abgesehen von einigen Ausflügen mit Mary, hatte Paula reichlich Zeit, sich mit ihrem Liebsten auszutauschen. Das sollte sich ab heute ändern, denn mindestens 9 Stunden des Tages würde sie in der Agentur verbringen. Sie einigten sich am Abend zuvor, dass Paula sich abends kurz über Skype melden würde.

Paula hastete aus dem Bad. Zum Glück hatte sie sich bereits Klamotten rausgelegt und schlüpfte eilig in ihren Hosenanzug, den sie vor einigen Tagen mit Mary beim Shoppen erstanden hatte. Im Flur angekommen, musterte sie sich kurz kritisch im Spiegel, war aber im Großen und Ganzen mit ihrem Outfit einverstanden. Mary saß mit einem Kaffee in der Küche und segnete das Ganze ebenfalls mit einem zufriedenen Nicken ab.

„Nun los, du bist noch gerade im Zeitplan“, hielt sie Paula zur Eile an.

„Ja, ist ja schon gut“, Paula stopfte sich im Gehen noch einen Apfel und eine Banane in die Tasche und lief zur Haustür.

„Und viel Erfolg für deinen ersten Tag“, rief Mary ihr noch schnell hinterher, bevor die Tür ins Schloss fiel.

An den Berufsverkehr musste sich Paula noch gewöhnen. Das war nichts im Vergleich zu Daheim. Damit sie heute nicht panisch nach einer passenden U-Bahn Verbindung suchen musste, war sie vor zwei Tagen mit Mary schon mal probeweise die Strecke zur ihrer Arbeitsstelle gefahren. Doch das war zu einer anderen Uhrzeit und nun musste sie sich genau konzentrieren, damit sie nicht die falsche U-Bahn bestieg.

Doch alles klappte nach Plan, als sie endlich in der U-Bahn stand, wollte sie die Zeit nutzen und Mark eine kurze Nachricht zu schicken. Bei ihm war es schon mitten am Tage, also bestand eine gute Chance, dass er die Nachricht sofort las.

„Hi Schatz, bin in der U-Bahn. Und ich bin im Zeitplan. Also alles gut. Kuss.“

Nach nur einer Minute bekam sie eine Antwort: „Das freut mich. Und ich drück dir für heute die Daumen. Kuss zurück.“

Erfreut über die Antwort von Mark, packte sie das Handy in die Tasche und wartete auf ihre Haltestelle. Von dort waren es noch etwa zehn Minuten zu Fuß und sie hatte noch genügend Zeit, um pünktlich anzukommen.

Bislang läuft ja alles wie geschmiert, dachte sich Paula, als sie die beeindruckende Glastür der Agentur öffnete. Sie fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock. Die Fahrstuhltür öffnete sich geräuschlos und Paula blickte in ein noch beinahe verwaistes Großraumbüro. Nur aus der Küche hörte man zwei dumpfe Stimmen und es roch nach Kaffee.

Da sie sich schon bei ihrer Ankunft in New York kurz persönlich vorgestellt hatte, kannte sie den Weg zu ihrem Vorgesetzten. Vorbei an frei stehenden Tischen, ging sie zielstrebig zu dem Büro mit Glaswänden, das zu ihrem Chef gehörte. Die Lamellenrollos versperrten die Sicht auf den Schreibtisch. Da die Tür aber nur angelehnt war, ging Paula davon aus, dass Mr. James bereits da war.

Und sie behielt Recht. Sie klopfte vorsichtig an die angelehnte Tür und eine tiefe Stimme bat sie herein.

Paula betrat den Raum. Mr. James blickte nicht auf, sondern sah konzentriert auf den Monitor, weshalb Paula nicht recht wusste, ob sie stehen bleiben, oder auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz nehmen sollte. Sie entschied sich, stehen zu bleiben.

Als Mr. James aufsah, hellte sich sein Blick auf und er deutete auf den Stuhl.

"Paula, schön, dass du da bist. Nun, heute geht es ja dann endlich los für dich"

Paula lächelte schüchtern. Sie wusste von ihrem Vater, dass Mr. James ein netter Kerl war. Dennoch war seine Erscheinung sehr beeindruckend. Er war geschätzt zwei Meter groß und durchtrainiert. Er trug ein kurzärmliges Hemd, was seine muskulösen Oberarme betonte. Insgesamt war er gepflegt und ziemlich attraktiv, was Paula schon beim ersten Treffen auffiel. Sie allerdings fühlte sich in seiner Gegenwart ziemlich klein und grau.

"Hallo Mr. James, ich freue mich auch schon sehr auf die kommenden Wochen", sagte sie schüchtern.

"Paula, nenn mich doch bitte Peter. Wir nennen uns hier alle beim Vornamen. Ist in der Branche so üblich", lächelte er sie an.

"Gerne, Peter" er gab Paula ein gutes Gefühl und sie war optimistisch, dass sie sich in dem Unternehmen wohl fühlen könnte.

"So, ich werde dir mal einen kleinen Überblick über deine bevorstehenden Aufgaben verschaffen." Während er sprach, sortierte er einige Unterlagen auf seinem Schreibtisch. "Du wirst mit Melissa zusammenarbeiten. Sie betreut derzeit ein Projekt für einen unserer besten Kunden. Das Projekt ist bereits im vollen Gange. Heute kommt sogar der Kunde, um sich die ersten Entwürfe anzusehen. Der Termin ist, soweit ich weiß, um 10 Uhr und es müssen noch ein paar Dinge vorbereitet werden."

Paula nickte und versuchte, sich alles zu merken. Er erklärte ihr, dass es sich um eine Großkanzlei handelte, die mit einer Werbekampagne ein jüngeres Image erzielen und somit eine neue Zielgruppe erreichen möchte.

"Melissa ist vermutlich schon da, frage sie einfach, wie du sie noch unterstützen kannst" Dann ließ sich Paula noch erklären, wo sie ihre Kollegin finden wird und sie ging los.
Da noch nicht allzu viel im Büro los war, konnte Paula die Projektmanagerin schnell ausfindig machen. Paula sah, wie die blonde Frau hektisch Unterlagen sortierte und abwechselnd zwischen Monitor und den vor ihr liegenden Blättern hin und her blickte.

"Melissa?"

Sie sah irritiert auf. "Ja?"

"Hallo, ich bin Paula Becker, die neue Praktikantin." Dabei streckte Paula ihre Hand aus.

Melissa überlegte kurz, dann schien sie im Bilde zu sein. Sie lächelte und schüttelte Paulas Hand.
"Ach, natürlich. Peter hatte dich schon angekündigt. Bitte entschuldige, heute findet ein wichtiges Meeting statt und ich hab noch so viel vorzubereiten."

"Peter hat mich schon ins Bild gesetzt. Ich hoffe, ich kann dir einen Teil abnehmen"

Paula schätzte Melissa auf Anfang vierzig. Ihr Outfit konnte man als klassisch elegant bezeichnen und mit ihren blonden Haare und dem für Paulas Geschmack etwas zu stark geschminkten Gesicht, wirkte sie typisch amerikanisch. Sie schien etwas streng, aber dennoch freundlich zu sein.

"Ja, da habe ich direkt einiges, was du tun kannst. Zuerst müssen die Plakate für die Präsentation ausgedruckt werden. Hier habe ich einen USB Stick." Den übergab sie Paula."Damit gehst du in den 3. Stock zu Dan. Er ist hier für die Drucke zuständig. Lass bitte alles dreifach drucken und bringe sie dann in Meetingraum 3. Dort wirst du mich dann finden, damit ich dir alles weitere erklären kann, ok?"

"Alles klar" nickte Paula und machte sich sofort auf den Weg. Das ist bislang ja alles machbar, dachte sie sich. Wobei sie hoffte, dass sie in den nächsten Wochen noch anspruchsvollere Aufgaben übernehmen dürfte. Für den ersten Tag allerdings war sie für leichte Aufgaben sehr dankbar.

Der dritte Stock war weitaus schlichter eingerichtet als die beeindruckende 4. Etage. Offenbar fanden hier keine Kundentermine statt. Es stapelten sich Kartons und aufgerollte Plakate an den Wänden und auch die Schreibtische quollen über von Papieren und Drucken. Den ersten Menschen, den Paula antraf sprach sie an "Entschuldige, ich suche Dan"

Der etwas schusslig wirkende Brillenträger blickte verschüchtert auf und grinste angestrengt. "Der ist hinten bei der Maschine" er deutete auf eine Tür am Ende des Raumes.

"Danke" Paula hörte bereits aus der Entfernung ein lautes Klacken und Surren hinter der Tür. Als sie öffnete, sah sie einen kleinen, dicklichen Mann mit Halbglatze an eine Maschine hantieren.

"Dan?" rief sie nach ihm. Doch die Druckmaschine war so laut, dass er sie nicht hörte. Also ging sie auf ihn zu und tippte auf seine Schulter.
Er zuckte merklich zusammen und wand sich hastig um.
"Oh, sorry, ich hab dich gar nicht bemerkt"
"Mir tut es leid. Ich wollte dich nicht erschrecken."
"Kein Problem, was kann ich für dich tun?"
Paula erklärte ihr Anliegen und er wirkte dabei etwas unglücklich.
"Ach Melissa wieder mit ihren Wünschen in letzter Minute." Seufzte er.

"Ich hab jetzt noch ein paar andere Drucke in der Warteschleife. Das kann ich nicht unterbrechen. Deine Sachen sind frühestens in einer Stunde fertig."

Paula sah auf die Uhr. Demnach ist alles um 9:20 Uhr fertig. Theoretisch sollte das reichen. Aber genau wusste das Paula nicht, denn wer weiß, was damit noch passieren musste.

"Kann ich von hier mit Melissa telefonieren?"
"Nebenan ist ein Telefon. Die Kurzwahltasten sind beschriftet, einfach Hörer nehmen und drauf drücken.
"Dan?" schallte es durch den Hörer.
"Nein, Paula hier. Ich habe eine Frage...", Paula fragte, ob Melissas Zeitplan die Stunde Wartezeit verkraften würde.
"Ach, dieser unsägliche Dan wieder. Er soll Gas geben. Bleib bitte solange bei ihm, damit er bloß nicht auf die Idee kommt, noch was anderes zwischendurch zu machen" zischte Melissa genervt.
Offenbar war es nicht das erste Mal, dass Melissa und Dan aneinander gerieten.
Um das Ganze nicht noch mehr anzuheizen, ließ sie Dan im neutralen Ton wissen, dass sie solange bei ihm warten würde. Dieser schien aber genau zu bemerken, was es damit auf sich hatte. Paula meinte, in seinen Gemurmel "diese Melissa" rausgehört zu haben.
"Und du bist neu hier?" wollte Dan nach einiger Zeit und nun wieder mit freundlicher Miene wissen.
"Ja, heute hat mein Praktikum angefangen. Es dauert 8 Wochen"
Paula freute sich, dass Dan den Ärger nicht auf sie bezog.
"Sehr schön. Vielleicht bist du ja dann häufiger mal im Keller." Schnalzte er selbstironisch.
"Im Keller?", fragte Paula verwirrt.
"Ach so", Dan kratzte sich am Hinterkopf, als hätte er etwas vergessen, "wir sind der Keller. Die Bezeichnung ist ein altes Relikt. Früher war die Agentur ein paar Straßen weiter und da war unsere Abteilung im Keller. Na ja, der Begriff ist geblieben und so mancher da oben meint es sicher auch so abwertend wie es klingt. Aber mir gefällt es hier. Da oben sind mir zu viele aufgeblasene Schnösel, wenn du weißt, was ich meine."
Er sah Paula an und wartete offenbar auf Zustimmung. Paula wusste allerdings nicht recht, was sie dazu sagen sollte. Immerhin kannte sie weder die eine, noch die andere Seite. Bis eben wusste sie ja nicht mal, dass es mehrere Seiten gab.
Sie versuchte ihn mit einem nichtssagenden "Mhm" zufriedenzustellen.
Doch der bemerkte, in welcher Zwickmühle sie war: "Hast recht Mädchen. Halt dich da am besten raus. Bist ja nur ein paar Wochen da" er zwinkerte ihr wohlwollend zu.
Wenn sie ehrlich war, dann konnte sie mit ihm mehr anfangen als mit Melissa. Aber sie wollte nicht zu schnell urteilen.
Paula vertrieb sich die Zeit mit einigen Broschüren, die sie auf einem Tisch liegen sah. Sie waren von einem Kaffeehersteller, der seine hochexklusive Kaffeesorte anpries und damit warb, eine der führenden Kaffeeketten zu beliefern.
Paula mochte Kaffee nicht besonders, aber sie liebte den Geruch dieses Heißgetränks. Das erinnerte sie an früher, als ihr Vater immer Sonntagmorgens für alle Frühstück machte. Sie und ihr kleiner Bruder durften sich immer am Abend vorher ihre Lieblingsbrötchen wünschen und wenn sie am nächsten Morgen die Küche betraten, stand schon alles bereit.

"So, alles fertig." Dan hielt ihr eine Rolle Plakate hin.
"Schon fertig?" fragte Paula überrascht. Sie blickte über Dans Schulter und sah, dass die Uhr 9:05 Uhr anzeigte.
"Ja, ich hab doch noch was aus der Warteschlange geworfen. Nicht, dass du Stress mit der gnädigen Dame bekommst", sagte er schelmisch.
"Danke Dan, das ist echt furchtbar nett von dir" sagte Paula dankbar.
Sie sprang auf und machte sich auf den Weg. Bevor sie den Raum verließ, drehte sie sich noch mal um: "Das nächste Mal bringe ich dir nen Kaffee mit"
"Mach das Mädchen"

Wieder oben angekommen, steuerte Paula den Meetingraum Nummer drei an. Den hatte sie vorhin auf dem Weg Richtung "Keller" bereits entdeckt.

Melissa hatte ihre Utensilien schon ausgebreitet und sah erleichtert auf: "Oh, da bist du ja. Doch früher als gedacht. Ich wusste doch, dass der olle Dan wieder übertrieben hat."
Paula versuchte über den letzten Kommentar hinweg zu hören.
"Wo gehören die Plakate hin?"
"Ach ja. Pack sie erstmal zu drei Sätzen zusammen. Ein Satz kommt an den Flipchart. Achte auf die Reihenfolge, unten rechts befinden sich Nummern. Die anderen zwei Sätze legen auf den Tisch in der Ecke."
Nach das erledigt war, half Paula noch bei einigen weiteren Handgriffen und sollte nun noch kühle Getränke und Kaffee aus der Küche holen.
Als sie die Küche betrat, bot sich ihr ein chaotisches Bild. Eine junge Frau versuchte mit einem Geschirrtuch die Kaffeemaschine zu bändigen, die aus allen Öffnungen Dampf ausstieß. Es wirkte beinahe wie ein Kampf zwischen Maschine und Mensch. Jedes Mal, wenn die junge Frau einen Hahn zudrehte, spie der Automat an einer anderen Stelle neuen Dampf aus.
"Shit, shit, shit" quietsche die Frau aufgelöst. "Das scheiß Ding macht es schon wieder"
Paula blickte zur Wand und entdeckte die Steckdose, über die der Kaffeeautomat angeschlossen war. Kurzentschlossen zog sie den Stecker und das Ungetüm war schlagartig erlegt.
Völlig verdutzt, drehte sich die rotblonde Dame um.
"Was? Wieso? Wie hast du das gemacht?"
"Ähm, ich hab den Stecker gezogen. Das Ding scheint ja kaputt zu sein."
Paulas Gegenüber sammelte sich kurz bevor sie antwortete, nun mit einem arroganten Tonfall: "Ja, ganz offensichtlich ist das Ding kaputt. Spätestens jetzt, wo du den Stecker gezogen hast." Sie deutete auf ein kleines Schild an der Seite der Maschine: Stecker niemals während des laufenden Betriebs ziehen.
Paula lief rot an "Ja, aber...es war doch vorher schon etwas nicht in Ordnung", stotterte sie.
"Ach ja? Das kannst du ja gern dem Chef erzählen" Mit diesen Worten verließ sie die Küche und ließ Paula mit dem Automat zurück.
Was um alles in der Welt war das denn, dachte sich Paula, und vor allem, was sollte sie jetzt tun? Sie sah auf die Uhr, es war bereits 9:40 Uhr. Gleich würde der Kunde auf der Matte stehen. Aber an wen sollte sie sich jetzt wenden? Wenn sie zu Peter ginge, um die Misere zu beichten, würde sie Stress mit Melissa kriegen. Wenn sie aber den Saustall so hinterließe, könnte sie am Ende Ärger mit Peter haben.
Sie entschied sich für Melissa. Eilig ging sie zurück zum Meetingraum.
"Melissa, der Kaffeeautomat ist kaputt. Wir haben keinen Kaffee." rief sie gehetzt.
"Verdammt, das darf doch alles nicht wahr sein. Wir brauchen unbedingt Kaffee"

Melissa war vorher schon angespannt, doch nun zeigte ihr Gesicht rötliche Flecken, die ganz offensichtlich durch Stress kamen.

"Ja, ähm, ok. Die Maschine ist vorerst hinüber, aber gegenüber habe ich ein Starbucks gesehen, wenn ich mich also beeile...." schlug Paula vorsichtig vor, weil sie nicht sicher war, ob die Idee gut war.
Melissa sah sie einen Moment wortlos an.
"Gib Gas!"
Und als wäre das der Startschuss bei einem Marathon, rannte Paula zum Aufzug.
Natürlich war der gerade im obersten Stock und fuhr in aller Gemütlichkeit die Etagen ab.
Also nahm Paula ihre Beine in die Hand und schwang sich das Treppenhaus hinunter. Sie war zwar sportlich, aber mit diesem Druck im Nacken, geriet sie schnell außer Puste. Doch das ignorierte sie und kam endlich im Eingangsbereich des Gebäudes an. Jetzt nur noch schnell über die Straße, was überraschenderweise recht schnell gelang und schon sollte sie doch gleich den Kaffee in den Händen halten.

Doch weit gefehlt. Vor ihr erschien eine Schlange von mindestens zehn Leuten. Das würde sie niemals rechtzeitig schaffen. Sie überlegte kurz und auch, wenn ihr das mehr als unangenehm war, fasste sie sich ein Herz: „Entschuldigung, das ist heute mein erster Tag bei meinem neuen Job und wenn ich nicht in 15 Minuten den Kaffee in einem Meeting habe, wird das wohl mein letzter sein."
Der Mann vor ihr sah sie kurz irritiert an, ließ sie aber vor und so fragte sie sich Stück für Stück durch. Gerade als sie erneut ansetzen wollte, bemerkte sie, dass sie bereits vor dem Tresen stand. Sie blickte auf und als sie das Gesicht vor ihr sah, traf es sie wie ein Blitz. Da stand sie, die Frau aus Paulas Träumen

Ende Teil 1



copyright © by Liebundbrav. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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