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Paulas Träume >> Teil 03 <<

von Liebundbrav


Am nächsten Morgen hatte die Erinnerung an den nächtlichen Traum nicht an Präsenz verloren. Paula überlegte Mary zu wecken, um ihr davon zu erzählen. Sie entschied sich aber dagegen, das könnte noch bis nach Feierabend warten.
Auf dem Weg zur Agentur konnte Paula es nicht vermeiden, einen Blick in den Coffee Shop zu werfen, obwohl sie ja wusste, dass sie sie dort nicht finden würde. Sie merkte, wie sich ihr Magen verkrampfte.
Schnell wechselte sie die Straßenseite, ging in die Eingangshalle und nahm den Fahrstuhl nach oben.
Paula hatte an diesem Tag Mühe, sich zu konzentrieren, immer wieder schweifte sie gedanklich ab. Die schöne Fremde ging ihr einfach nicht aus dem Sinn. Sie schämte sich dafür und hatte schon das paranoide Gefühl, als könnten die Kollegen Gedanken lesen und wüssten Bescheid.
Sie erledigte ihre Arbeit so gut es ging und scheinbar war Melissa auch weiterhin zufrieden.
Paula kam um 19 Uhr zuhause an. Mary war noch nicht da, daher wollte sie die Zeit nutzen, um mit Mark zu sprechen.
„Hi Schatz“, sagte sie betont fröhlich.
Paula konnte an seinem Gesicht ablesen, dass er verärgert war.
„Schön, dass du dich auch mal meldest. Ich fühle mich geehrt“, antwortete er genervt.
„Mark, es tut mir leid“
Die Worte bewirkte nur ein weiteres Augenrollen.
„Auf deinem Handy bist du ja anscheinend immer noch nicht erreichbar. Ich habe dir unzählige Nachrichten geschrieben.“
„Ja, das stimmt“, druckste Paula, „ich….ich habe es nicht mehr“
„Na toll, scheint ja ein toller Laden zu sein. Direkt am zweiten Tag lässt du dir das Handy klauen“, jetzt war Mark richtig sauer.
„Geklaut? Nein….ich..“, versuchte Paula zu erklären, aber Mark hörte sie gar nicht und polterte weiter.
„Ich habe dir schon so oft gesagt, dass du besser auf deine Sachen aufpassen musst.“
„So oft?“ dachte sich Paula verärgert. Sie waren gerade mal vier Wochen ein Paar und nun tat er so, als würde er Paula schon seit Jahrzehnten kennen.
Sie unterbrach ihn in seinem Redeschwall: „Mark, hör auf damit. Sowas kann passieren. Ich habe keine Lust, mich von dir beschimpfen zu lassen und werde jetzt auflegen.“
„Aber…“, wollte Mark gerade antworten, doch Paula klickte auf „Gespräch beenden“ und Marks Gesicht verschwand vom Bildschirm.
Sie wollte ihm ja alles erklären, aber so, wie er gerade mit ihr Umgegangen war, wollte sie das nicht. Abgesehen davon konnte sie sich gut vorstellen, wie Mark auf die wirkliche Geschichte reagiert hätte. Er sollte sich jetzt erstmal beruhigen und dann wollte Paula einen neuen Versuch wagen.
Sie klappte das Notebook zu, holte sich was zu essen aus der Küche und knipste den Fernseher ein. Mary sollte auch demnächst auftauchen und dann würden sie gemeinsam versuchen, das Handy zurück zu bekommen.

Die Haustür öffnete sich und eine etwas abgehetzte Mary marschierte herein.
Unter den Armen trug sie zwei vollbepackte Papiertüten.
„Nächste Woche bist du mit Einkaufen dran“ ächzte sie.
Paula sprang auf und nahm ihr die Tüten ab.
„Du hättest doch was sagen können, dann hätte ich mich darum gekümmert“
„Nein, nicht schlimm. Du hast mich jetzt ein paar Mal zum Essen eingeladen. Das passt schon“
„Und da wir ja heute Abend ausgehen, habe ich uns das mitgebracht“, Mary zog zwei Flaschen Wein aus einer der beiden Tüten.
Paula hob eine Augenbraue: „Mary, ähm, das ist lieb. Aber ich will dort doch nicht feiern gehen. Ich muss morgen wieder früh raus.“
„Ach papperlapapp“, Mary machte eine wegwerfende Handbewegung, „wir müssen ja nicht bis zum Ende bleiben.“
Und noch ehe Paula weiter protestieren konnte, hörte sie das Ploppen des Korkens und im nächsten Moment hielt Mary hier ein Glas entgegen.
Ach was soll‘s, dachte sich Paula. Mark hatte sie so geärgert, dass ein oder zwei Gläser Wein sie vielleicht ein bisschen runterbringen würden.
„Zum Wohl“, Mary erhob feierlich das Glas.
„Zum Wohl“, antwortete Paula und nahm einen großzügigen Schluck.
Nach einigen weiteren Schlucken, spürte Paula bereits den Wein. Sie vertrug generell nicht viel und außerdem hatte sie heute noch nicht besonders viel gegessen. Daher stieg ihr den Wein besonders schnell in den Kopf.
"Wir müssen uns gleich fertig machen", erinnerte Mary sie an den bevorstehenden Ausflug.
"Oh Gott, ich glaube, ich habe gar nichts passendes zum Anziehen", stellte Paula mit Erschrecken fest.
"Seit wann achtest du denn auf sowas?"

Mary kannte Paula schon aus Kindheitstagen. Ihre Eltern lebten aus beruflichen Gründen in Deutschland und als Mary volljährig wurde, beschloss sie ihren Weg in den USA zu gehen. Der Abschied war dennoch schmerzhaft, besonders Paula hatte die erste Zeit schwer daran zu knabbern. Damals hatten sich die beiden besten Freundinnen fest versprochen, sich niemals zu trennen. Paula fühlte sich anfangs von Mary betrogen, als sie ihr von ihren USA Plänen das erste Mal erzählte. Doch die beiden hielten immer engen Kontakt, selbst über den Ozean hinweg. Und als Paula die Chance auf das Praktikum bekam, war die Freude über das Wiedersehen riesig. Mary war bei Modesachen immer die Kreative von beiden, Paula hingegen war pragmatisch. Und so kleidete sich Mary stets bunt und verrückt und Paula eher schlicht und sportlich.

"Ich will halt nicht negativ auffallen"
Mary beäugte sie mit einem kritischen Blick.
"Oder willst du dich etwa für die schöne Unbekannte aufbrezeln?"
Paula hielt unbewusst die Luft an. Wieder erschienen die Bilder ihres letzten Traums im Kopf. Sie hatte Mary noch gar nichts davon gesagt, dazu hatte sie noch keine Gelegenheit. Und sie wollte es ihr gerade auch nicht erzählen.
Mary beobachtete Paula weiterhin genau und sie bemerkte ebenso, dass sie offenbar einen Nerv getroffen hatte. Trotzdem wollte sie Paula damit in Ruhe lassen. Vorerst jedenfalls.
Mary half bei der Auswahl der Klamotten und Paula ließ sich sogar dezent schminken. Beide waren zufrieden mit dem Ergebnis, also machten sie sich auf den Weg.

Vor dem Nox war es, im Gegensatz zum Vortag deutlich betriebsamer, als am Tag zuvor. Was sicherlich in erster Linie der Uhrzeit geschuldet war.
Einige Frauen standen in einer Gruppe beim Rauchen und aus der Eingangstür kamen zwei recht jung wirkende Burschen und gesellten sich zur Gruppe.
Mary musste grinsen, was Paula nicht verstand. Aber sie fragte nicht weiter, denn sie war aus irgendeinem Grund gerade sehr aufgeregt bei der Vorstellung dort jetzt rein zu gehen.
"Los komm", Mary öffnete Paula die Tür und ließ sie vor.
Bereits im Gang bemerkte Paula, dass im Inneren des Clubs heute eine ganz andere Atmosphäre herrschte. Sie hörte ein Gemisch aus Stimmen und Musik. Als beide den Raum betraten, war Paula überrascht, dass der Laden bis auf wenige Tische voll war. An der Theke herrschte reges Treiben und der Kellner hatte alle Hände voll zu tun.
Mary beugte sich zu Paula, da es ziemlich laut war "Ich such uns mal ein freies Plätzchen. Holst du uns was zu trinken? Ich nehme ein Bier."
Paula nickte, denn so konnte sie den Kellner direkt nach seiner Chefin fragen.
Nach zwei Bestellungen war sie an der Reihe.
"Ich hätte gern zwei Bier."
Ihr Gegenüber nickte, holte die Flaschen unter dem Tresen hervor und öffnete sie mit einem geschickten Handgriff.
"Ist deine Chefin im Haus?"
Daraufhin wanderte sein Blick durch den Raum, bis er fündig wurde.
"Da hinten" Er deutete auf eine große, schlanke Frau mit Rasta Zöpfen, die sich mit einigen Gästen unterhielt.
"Danke", Paula bezahlte, schnappte sich die Getränke und suchte zunächst Mary, die in einer Ecke tatsächlich einen kleinen Tisch gefunden hatte.
"Und?", fragte Mary, "schon was herausgefunden?"
"Ja, da vorne das ist die Chefin. Ich werde gleich mal zu ihr gehen. Aber lass uns erstmal anstoßen."
Die Wirkung des Weins hatte auf dem Hinweg schon nachgelassen und Paula hatte das Bedürfnis schnell nachzulegen.
"Sehr gut, so langsam kommt bei dir dann doch mal Partystimmung auf."
Als Paula die Flasche abstellte und sich nun zum ersten Mal in Ruhe umsah, stutzte sie.
"Sag mal, findest du das Publikum hier nicht etwas merkwürdig?"
Mary kringelte sich vor Lachen.
"Hast du es auch endlich kapiert?"
Paula verstand noch immer nicht.
"Das ist ein Lesbenschuppen", das letzte Wort betonte Mary deutlich.
Jetzt fiel es auch Paula wie Schuppen von den Augen. Wie konnte sie so blöd sein? Mit diesem neuen Wissen fühlte sie sich plötzlich unbehaglich. Sie kannte Lesben aus dem Studium und kam mit ihnen auch bestens klar, deshalb verstand Paula ihre Reaktion nicht.
„Alles klar bei dir?“, erkundigte sich Mary bei der blassen Paula.
„Ja, ja. Alles gut“, sie räusperte sich, „ist doch lustig, das ist bestimmt eine Geschichte, die ich bei meiner Rückkehr zum Besten geben kann.“
Mary nahm ihr das nicht ab, aber sie erwiderte nichts. Vielleicht entspannte sich Paula ja bald wieder.
„Ich werde mal zur Chefin rübergehen“
Paula wollte irgendwas tun, denn noch immer fühlte sie sich unwohl. Und wenn der Pflichtteil erledigt wäre, könnte den Abend jederzeit beenden.
Sie ging auf die Frau mit den Rastas zu und bevor Paula was sagte, wurde sie von ihr bereits bemerkt, denn sie unterbrach ihr Gespräch: „Kann ich dir helfen?“
„Das hoffe ich sehr. Ich suche eine Jane oder Clementine, die hier mal gearbeitet hat.“
„Was jetzt? Jane oder Clementine? Sollen das zwei verschiedene Leute sein?“
„Nein, ich weiß nur nicht, wie sie tatsächlich heißt.“, erklärte Paula.
„Aber Schätzchen, tut mir leid. Weder die eine, noch die andere hat hier je gearbeitet.“, zuckte sie bedauernd mit den Schultern.
Paula wollte sich schon frustriert sich umdrehen, da hörte sie eine der anderen Frauen sagen: „Moment. Clementine, Jane? Vielleicht meint sie ja unsere CJ?“
Die anderen überlegten kurz und nickten dann zustimmend.
Dann ergriff die Chefin wieder das Wort: „Na klar, unsere CJ. Darauf wäre ich nie gekommen. Aber sie arbeitet ja nicht wirklich hier.“
Die anderen lachten.
„Pass auf. CJ wird heute noch kommen. Ich lad dich auf ein Bier ein. Bist du mit deiner Freundin da?“ Paula sah automatisch zu Mary rüber.
„Ähm, sie ist ni…“ wollte Paula sagen, doch die Chefin des Nox wies ihren Kellner bereits an, zwei Bier zu bringen.
„Wartet einfach, sie wird bald da sein“ Damit war das Gespräch beendet und Paula ging wieder zu Mary.
„Also die Frau scheint ja tausend Gesichter zu haben“, fluchte sie, als sie wieder Platz nahm.
Mary sah sie fragend an.
„Also“, holte Paula aus, „sie kennen sie hier. Aber hier nennen sie hier CJ.“
„Ah verstehe, Clementine Jane, CJ“, ergänzte Mary.
„Und jetzt?“
„Und jetzt müssen wir wohl warten. Sie soll wohl noch kommen.“

Also unterhielten sich die beiden eine Weile über die verschiedensten Themen. Während Mary sich über ihren neuen Vorgesetzen echauffierte, fiel Paulas Blick auf ein Frauenpärchen, das sich innig begann zu küssen. Sie könnte ihre Augen nicht mehr von ihnen lösen, so sehr war sie von den zärtlichen Liebkosungen der beiden fasziniert.
„Paula?“ sagte Mary. Doch diese reagierte nicht, also folgte Mary ihrem Blick, um zu sehen, was sie so ablenkte.
Auch sie sah das durchaus attraktive Pärchen, war aber nicht derart gefesselt, so dass sie sich wieder ihrer besten Freundin zuwenden konnte.
Mary beobachtete Paula eine Weile und wollte herausfinden, wann Paula merkte, dass die Unterhaltung zum Stillstand gekommen war. Irgendwann hielt es Mary doch nicht mehr auf.
„Willst du dich vielleicht dazugesellen?“
„Was?“ Paula wurde aus ihren Gedanken gerissen.
„Na, ob du lieber am Tisch hinter mir sitzen willst?“
Trotz des dämmrigen Lichts sah Mary, wie Paulas Kopf begann zu glühen. Scheinbar suchte sie nach Worten.
„Nein…ich…das. Ach, hör auf, Mary“, sagte sie schließlich wütend.
„Ist schon ok. Sieht man ja dann doch nicht allzu oft. Mach dir keine Gedanken.“ Die Worte beruhigten Paula. Mary hatte Recht, natürlich ist man erstmal von allem fasziniert, was von der Norm abweicht, sagte sie sich.
Im Rücken von Paula begannen zwei Frauen hinter einem Vorhang einen Stuhl und ein Mikro hervor zu kramen. Scheinbar sollte heute noch Livemusik folgen. Eine gute Gelegenheit, sich von den anderen Eindrücken hier abzulenken, überlegte Paula.
Es dauerte noch eine Weile, dann dämmte sich das Licht um eine weitere Nuance und ein Scheinwerfer beleuchtete die kleine Bühne.
Durch den Vorhang trat die Chefin des Nox, die sofort mit freudigem Applaus in Empfang genommen wurde.
Nachdem das Klatschen verhallte, griff sie zum Mikrofon.
„Danke, dass ihr heute wieder so vielzählig erschienen seid.“, sie machte eine kurze Pause, „Die meisten wissen es vielleicht schon und falls nicht, freue ich mich euch mitteilen zu können, dass wir nach langer Abstinenz eine unser liebsten Künstlerinnen begrüßen zu dürfen. Ladys, bitte gegrüßt mit mir…“, sie deutete auf den Vorhang, „Ceeeee Jayyyy“
Die Masse klatsche und jubelte.
Und da trat sie hervor, mit einer Gitarre in der linken Hand und nahm auf dem Hocker hinter dem Mikro Platz.
Paula starrte sie mit offenem Mund an. Mit der Kulisse und ihrem Bühnenoutfit, das aus einer lässigen Jeans und einem weißen Top bestand, wirkte sie noch schöner, noch perfekter vielleicht sogar ein Stück unnahbarer.
Sie rückte das Mikro zurecht, steckte das Kabel in die Gitarre und begann zu spielen. Der gesamte Raum verstummte und lauschte der Frau mit der wunderschönen klaren Stimme. Inklusive Paula, deren Mund inzwischen schon ganz trocken war.
Mary stupste sie an: „Das ist sie also?“
Paula nickte nur, wand ihren Blick aber nicht von der Bühne ab.
„Also nun verstehe ich dich, von ihr könnte selbst ich träumen“
Paula boxte Mary für diese Aussage.
„Ich kann nichts für meine Träume und ich kann sie auch nicht beeinflussen.“
Zwischen den Songs gab das Publikum gellenden Applaus. Nach dem vierten Lied legte die Sängerin eine kleine Pause ein und stellte ihre Gitarre in den dafür vorgesehenen Ständer.
Sie ging zur Theke und nahm neben der Chefin des Nox auf einem Hocker Platz.
Paula beobachtete das aus dem Augenwinkel und auch Mary, die dabei weitaus weniger verstohlen vorging, blickte rüber.
„Sieh da nicht so auffällig hin“, ermahnte Paula sie.
„Warum nicht? Du willst doch dein Handy zurück“
Damit hatte Mary durchaus Recht, doch Paula war es aus einem ihr nicht verständlichen Grund unangenehm.
„Nu geh schon hin.“
„Ja, gleich. Sie unterhält sich doch noch.“
„Das wird sie wohl auch noch solange tun, bis sie wieder auf die Bühne geht“, sagte Mary ungeduldig.
Gerade wollte Paula aufstehen, da sah sie, wie die Barbesitzerin mit einem Bier in der Hand auf sie deutete, während sie der Sängerin etwas in Ohr sprach. Die sah natürlich ebenfalls in Paulas Richtung und aus einem Reflex heraus, setzte sich Paula wieder abrupt hin und sah weg.
Paula ballte die Hände zu Fäusten und biss die Zähne aufeinander, so ärgerte sie sich über ihre dämliche Aktion. Und auch Mary wirkte etwas verwundert. Verdammt noch mal, sie würde doch in der Lage sein, einfach rüber zu gehen um ihr Handy zu holen.
Paula stand auf, drehte sich um und wollte gerade loslaufen, da sah sie, wie CJ bereits wieder auf dem Weg zur Bühne war.
Seufzend ließ sich Paula wieder auf ihren Stuhl fallen.
"Soll ich uns noch ein Bier holen?", schlug Mary grinsend vor.
"Meinetwegen.", resignierte Paula.
"Sie spielt wirklich gut. Ich habe schon echt viele Musiker gehört, aber sie gehört wirklich zu den besten.", merkte Mary an.
Zwar verfügte Paula nicht über so viel Erfahrung, aber auch sie fand CJ herausragend. Ihre Musik, ergänzte sie ihren Gedanken.
"Wie soll ich denn jetzt an sie ran kommen? Sie wird ja wahrscheinlich nach ihrem Auftritt direkt wieder hinter der Bühne verschwinden."
"Da wird es bestimmt noch eine Gelegenheit ergeben."
Aber wie es Paula befürchtete, verschwand CJ tatsächlich nach dem Auftritt hinter den Vorhang.
"Na toll, das hat ja prima geklappt", schimpfte Paula, "offenbar hat im Moment niemand so viel Pech wie ich. Erst träume ich von ihr, dann drücke ich ihr einfach mein Handy in die Hand und nun renne ich ihr durch halb New York hinterher und trotzdem..."
Paula bemerkte nicht, wie Mary während der Tirade schmunzelnd über ihre Schulter sah. Erst als Mary sich deutlich räusperte, unterbrach Paula ihren Redeschwall.
"Was?", fragte sie und drehte sich genervt um. Und sie blickte in das ebenfalls schmunzelnde Gesicht von CJ.
Paula verstummte und ihr fiel nichts Sinnvolles ein, was sie hätte sagen können. Zum Glück ergriff CJ das Wort: "Ich bin beeindruckt, dass du mich hier gefunden hast. Sicher vermisst du dein Handy?"
Noch immer fand Paula keine Worte und sie war dankbar, dass Mary übernahm: "Ja, genau deshalb sind wir hier. Hi, ich bin übrigens Mary."
Die beiden gaben sich die Hand und CJ schnappte sich einen freien Stuhl vom Nachbartisch. Sie drehte ihn so, dass die Rückenlehne zum Tisch Gewand war und stützte ihre Ellenbogen darauf ab.
"Und seid ihr zwei Hübschen öfter hier?"
Noch bevor Mary Luft holen konnte, ging Paula dazwischen.
"Nein, wir sind nur Freundinnen, ähm, ich meine von der Schule.", stammelte sie.
Mary sah sie an, als hätte Paula ihren Verstand verloren. Aber CJ ging darüber hinweg.
"Hör mal, ich habe dein Handy nicht hier. Ich habe an dem Abend noch eine Weile auf dich gewartet, aber du kamst nicht. Da ich die Kollegen noch nicht so gut kenne, wollte ich es aber auch nicht einfach dort liegen lassen."
"Ja, tut mir leid. Mein Chef hatte mich nachhause gebracht, da hab ich das völlig verschwitzt.", erklärte Paula, die froh war, endlich einen zusammenhängenden Satz zustande zu bringen.
"Ich kann es dir morgen zu deiner Arbeit bringen, wenn du willst", schlug CJ vor.
"Das wäre toll. Ich arbeite bei James & Partner. Kannst du so gegen 13 Uhr? Da habe ich Mittagspause."
Plötzlich verschwand CJs Lächeln aus ihrem Gesicht. Sie wirkte kurz abwesend, doch fasste sich kurz darauf wieder.
"Da ist ein kleiner Park in der Nähe, vielleicht können wir uns ja auch da treffen?"
Paula wusste nicht, was dagegen sprach also stimmte sie zu. Sie ließ sie noch den Weg beschreiben und da somit alles geklärt war, verabschiedete sich die Sängerin wieder.
"Wow, eine krasse Ausstrahlung", war das erste, was Mary anmerkte als die beiden wieder unter sich waren.
"Ja", seufzte Paula, die immer noch in Gedanken schien.
"Aber kurz war sie irgendwie komisch.", sagte Mary.
"Ja, oder? Als ich von meiner Arbeitsstelle gesprochen habe."
"Vielleicht arbeitet ja eine ihrer Ex da.", mutmaßte Mary.
"Meinst du, sie ist wirklich lesbisch? Ich meine, nur weil sie hier ihre Musik spielt. Das heißt doch nix. Und sie sieht überhaupt nicht so aus."
Mary hob die Augenbrauen, verkniff sich aber jeglichen Kommentar. Sie war sie absolut sicher, dass die dunkelhaarige Schöne auf Frauen stand. Weil sie Paula aber nicht wieder Angst einjagen wollte, ließ sie Paulas Aussage so stehen.
Es war mittlerweile kurz vor eins. Höchste Zeit den Heimweg anzutreten.
Als sich Paula etwa eine halbe Stunde später in ihrem Bett wiederfand, ließ sie den Abend Revue passieren. Sie hatte sich stellenweise ja so dämlich verhalten. So kannte sie sich gar nicht. Normalerweise hatte sie sich gut im Griff.
Und während sie sich so in Rage geredet hatte, hatte sie sich gar nicht mehr unter Kontrolle.
Oh nein, was davon hatte CJ wohl mitbekommen? Hoffentlich nicht den Teil mit dem Traum. Kurz war sie versucht, noch mal rüber zu Mary zu gehen. Aber sie wollte sie nicht wecken.
Kurz bevor Paula einschlief, kam ihr noch was in den Sinn. Mark. Shit, sie hatte sich nicht mehr bei ihm gemeldet. Aber sie hatte ihm ohnehin noch nicht verziehen, daher sollte er bis morgen schmoren.



Ende Teil 3




copyright © by Liebundbrav. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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