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Paulas Träume >> Teil 04 <<

von Liebundbrav


Mittwoch sollte der Tag sein, an dem Paula endlich ihr Handy zurückbekommen sollte. Es trennte sie lediglich ein halber Arbeitstag von dem schmerzlich vermissten Gerät. Danach sollte alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.
Im Moment kämpfte Paula aber erstmal gegen ihre stechenden Kopfschmerzen. Die Kombination aus zu wenig Schlaf und dem Alkohol, hatten ihren Tribut gefordert. Sie kramte in einem ihrer zwei Koffer, weil sie da die Schmerztabletten vermutete. Dabei fiel ihr das kleine Stofftier, das ihr Mark kurz vor dem Abflug schenkte, in die Hände. Nun hatte sie ein schlechtes Gewissen, denn wenn sie ehrlich war, hatte er ja schon ein wenig Recht gehabt. Das Handy als Pfand zu hinterlegen empfand sie immer noch als richtig, aber sie hätte nach Feierabend daran denken müssen, es wieder abzuholen.
Andererseits hätte sie dann CJs Auftritt verpasst und sie musste zugeben, dass sie davon sehr beeindruckt war. Paula hatte keinerlei musikalisches Talent. Umso mehr bewunderte sie Menschen, die ihre Gefühle mit Musik zu Ausdruck bringen konnten. Sowieso war das mit Paula und ihren Gefühlen so eine Sache. Sie hatte schon immer das Gefühl, eine Art Handbremse im Kopf zu haben. Klar hatte sie sich schon verliebt, Mark war ja ein gutes Beispiel dafür. Aber sie brauchte eine halbe Ewigkeit, bis sie sich auf was einließ. Mark hatte fast ein Jahr an ihr rum gegraben, bis es schließlich auch bei ihr Klick gemacht hatte.
Sie legte das Stofftier auf ihr Kopfkissen. Heute Abend wollte sie sich die Zeit nehmen, um sich mit Mark auszusprechen.
Die Arbeit ging Paula überraschend gut von der Hand. Die Tabletten hatten schnell ihre Wirkung gezeigt, so dass sie sich sogar recht fit fühlte. Sie linste immer wieder auf die Uhr, denn sie wollte die Chance auf ihr Handy keinesfalls wieder verpassen. Als der Zeiger endlich auf die Eins sprang, machte sie sich umgehend auf den Weg. Paula ging gedanklich noch mal die Wegbeschreibung durch. Aber so, wie sie es einschätzte, sollte sie nicht länger als fünf Minuten brauchen. Hier und da musste sie abbiegen und tatsächlich tauchte in der Ferne der Park auf, bei dem sie sich verabredet hatte. Sie sah sich um, konnte CJ aber nicht ausfindig machen. Dann hörte das Summen einer ihr wohl bekannten Stimme, begleitet von Gitarrenakkorden. An einen Baum gelehnt fand sie CJ, die wohl an einem neuen Song rumexperimentierte.
"Klingt gut"
CJ sah auf und musste die Augen zusammenkneifen, da sie von der Sonne geblendet wurde.
"Setz dich. Willst du was essen?", sie deutete auf eine kleine Papiertüte, die neben ihr im Gras lag.
Paulas Magen knurrte tatsächlich. Aber eigentlich war sie nicht davon ausgegangen, die komplette Mittagspause im Park zu verbringen. Aber das Wetter war schön und was hätte sie schon stattdessen machen sollen. Also nahm sie im Gras Platz und griff zur Tüte.
"Ich hoffe, du magst Bagels?"
"Ich liebe Bagels.", dabei biss Paula genüsslich ab.
Mit vollem Mund fragte Paula: "Und was isst du?"
"Danke, ich hatte schon einen.“
CJ klimperte weiter auf der Gitarre rum, während Paula den Bagel aufaß.
"Sag mal, wie heißt du denn jetzt nun?", wollte Paula wissen.
Die Sängerin lachte.
"Was steht denn zur Auswahl?"
Auch Paula musste Lachen.
"Also du hast mir, wenn ich mich nicht völlig täusche, Clementine gesagt. Aber dein Kollege vom Coffee Shop nannte mir den Namen Jane. Und gestern standst du als CJ auf der Bühne."
"Und welcher Name gefällt dir am besten?"
"Ehrlich gesagt finde ich, dass Clementine am besten zu dir passt."
"Dann nenn mich so, Paula.", Clementine zwinkerte ihr zu.
Sie sprach den Namen Paula in der deutschen Form aus, was Paula überraschte, denn außer Mary, hörte sie hier in den USA ihren Namen in der Regel mit einem langgezogenem o.
"Und was machst du genau bei dieser Agentur?", wollte Clementine wissen.
Paula bildete sich ein, dass das Wort Agentur etwa abwertend betonte.
"Ich mache ein Praktikum für mein Studium. Ich komme eigentlich aus Deutschland und bin nur zwei Monate für das Praktikum hier."
"Wow, das ist ein weiter Weg für zwei Monate Praktikum. Und du hast gar keinen deutschen Akzent.", bemerkte Clementine.
"Ich weiß. Mein Vater ist Amerikaner. Das macht es mir mit den Sprachen immer recht einfach."
"Hast du schon Heimweh?"
"Jetzt gerade überhaupt nicht.", sagte Paula spontan und strahlte über das ganze Gesicht.
Clementine schmunzelte.
"Na das nehme ich mal als Kompliment."
Plötzlich überkam Paula wieder dieses warme Gefühl, wie nach dem Traum vor zwei Tagen schon einmal spürte. Hatte sie gerade mit Clementine geflirtet?
Verlegen sah sie nach unten und zupfte an einem Grashalm rum. Eine Weile saßen sie wortlos da. Clementine hatte die Gitarre inzwischen weggelegt und hockte im Schneidersitz vor Paula. Einerseits fühlte sich Paula gerade pudelwohl und gleichzeitig hatte sie das Gefühl, unbedingt weg zu müssen. Irgendwie herrschte in ihr gerade völliges Chaos.
"Sag mal, ist deine Pause nicht irgendwann rum?"
Paula sah hastig auf ihre Armbanduhr und tatsächlich war sie schon einige Minuten über der Zeit. Sie sprang auf: "Mist, ich komme zu spät, ich muss los."
"Hey warte", rief Clementine hinterher, "dein Handy."
Paula stoppte abrupt und drehte sich um.
"Oh verdammt."
Sie kramte in der Tasche nach dem Geld und hielt es Clementine hin. Die gab ihr im Austausch das Handy mit den Worten: "Deutsche Mädchen könnten gut fluchen."
"Ha, ha.", Paula war schon wieder auf dem Sprung und rief noch im Gehen, "nur, wenn man deutschen Mädchen einen Anlass dazu gibt."
Obwohl Paula völlig abgehetzt in der Agentur ankam, fühlte sie sich leicht und beschwingt. Die frische Luft hatte ihr wohl gut getan, überlegte sie sich.
Vielleicht würde sie jetzt häufiger im Park ihre Pause verbringen. Wenigsten einmal am Tag ein bisschen Grünes zu sehen, sollte nicht schaden.
Der Rest des Tages verging wie im Fluge. Morgen würde ein weiteres Meeting stattfinden und mit etwas Glück, könnte das Projekt mit den durchgeführten Korrekturen zum Abschluss gebracht werden. Vorsorglich kündigte Paula ihren Besuch morgen bei Dan telefonisch an.
"Alles klar, Mädchen. Dann sehen wir uns morgen früh. Ich freu mich auf den Kaffee."
Paula musste schmunzeln, versprach aber, daran zu denken.
Bevor sie die Agentur verließ, prüfte sie noch mal, ob sich ihr Handy auch wirklich in der Tasche befand. Nun würde sich auf den Heimweg machen, schnell eine Kleinigkeit essen und dann versuchen, die Wogen mit Mark zu glätten.

Sie klingelte Mark an. Es dauerte eine Weile, bis ein etwas verschlafen dreinblickender Mark auf ihrem Handydisplay erschien.
"Du hast ganz schön Nerven, ich hab doch morgen meine Prüfung." In seiner Stimmung schwang Verärgerung mit.
"Sorry, das hatte ich völlig vergessen.", sagte Paula reumütig.
"Ist schon gut. Paula, ich wollte mich bei dir entschuldigen. Ich war etwas zu hart."
Ja, das war er. Aber Paula war mit dieser Entschuldigung schon wieder halbwegs versöhnt.
"Mir tut es auch leid, dass ich einfach aufgelegt habe."
"Sag mal, skypst du gerade wieder mit einem Handy?", fiel es Mark plötzlich auf.
"Ja", strahlte Paula, "ich habe es wieder."
"Also sind deine Kollegen doch keine Langfinger"
Einen kurzen Moment überlegte Paula, ob sie Mark die wahre Geschichte beichten sollte. Doch wäre er dann möglicherweise wieder sauer und das wollte sie nicht riskieren. Außerdem hatte sie keine Lust, von dem Lesbenclub zu erzählen. Auch das würde nur unnötige Fragen aufwerfen.
Mark musste ohnehin wieder schlafen, er gähnte bereits zum x-ten Mal.
"Schatz, lass uns morgen noch mal telefonieren.", schlug er vor.
Paula stimmte zu: „Ja, und ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Prüfung. Schreib mir, wenn du weißt, wie es gelaufen ist."
Sie verabschiedeten sich mit ihrem üblichen Kussritual und beendeten das Gespräch.
Mary war inzwischen eingetrudelt, also ging Paula in die Küche, wo sie Geschirr klappern hörte.
"Ach, du bist ja auch schon da", begrüßte Mary sie fröhlich, "wie lief es mit der Traumfrau?"
Mary hatte diesen Spitznamen für Clementine schon fest etabliert. Und Paula gab es auf, sie darauf hinzuweisen, dass sie es eigentlich störte.
"Hat alles gut geklappt", antwortete Paula knapp.
"Wie? Das ist alles? Hat gut geklappt?"
"Was soll ich sagen, Clementine hat ihr Geld, ich habe mein Handy zurück. Alles ist wieder im grünen Bereich."
"Jetzt also wieder Clementine", bemerkte Mary.
"Tja, da werde ich aus ihr auch nicht schlau. Ich habe sie gefragt und sie sagte, ich soll sie Clementine nennen. Wie sie nun wirklich heißt, da bin ich immer noch nicht sicher."
"Ist ja auch eigentlich nicht wichtig. Ihr werdet euch ja nun sowieso nicht mehr sehen, oder?"
Mary beobachte Paulas Reaktion bei dieser Frage genau.
"Nun ja", grübelte Paula, "ja,...warum sollten wir auch."
Wie schon am Morgen zuvor, zog sich Paulas Magen zusammen.
"Geht's dir gut?“, fragte Mary besorgt.
"Äh, ja, nein. Ich weiß nicht." Paula setzte sich auf einen Küchenstuhl.
"Mir ist irgendwie schlecht."
"Hier, trink mal was." Mary goss ein Glas Wasser ein und stellte es Paula hin.
Diese leerte das Glas in einem Zug. Das Wasser half, sie fühlte sich etwas besser.
"Ich fand sie jedenfalls sehr nett. Falls du mal wieder einen Kaffee holen musst, grüße sie von mir."
"Sie ist doch die ganze Woche nicht da", erinnerte Paula sie genervt.
"Beruhig dich mal, du bist ja wohl auch noch nächste Woche da."
"Ja, da hast du Recht.", Paulas Gesichtszüge wurden wieder weicher.
Bevor Paula ins Bett ging, berichtete sie noch, dass mit Mark wieder alles in Ordnung war.
"Das freut mich für euch" sagte Mary, obwohl sie allmählich das leise Gefühl hatte, dass die Sache mit Mark vielleicht nichts für die Ewigkeit sein würde. Aber das behielt sie besser für sich.


---


Das heutige Meeting sollte wieder um 10 Uhr beginnen. Diesmal wollte Paula keinen Stress aufkommen lassen. Bevor sie zur Agentur ging, holte sie schon mal Dan‘s versprochenen Kaffee.
Es bediente sie der Mann von gestern, der sie sogar wiedererkannte.
"Hast du Jane inzwischen gefunden?"
"Ja", Paula wedelte mit ihrem Handy, "hab‘s wieder. Danke für deinen Tipp."
"Kein Problem."
Er reichte ihr den Kaffee und sie begab sich zu ihrem Arbeitsplatz. Sie holte die Daten für Dan und machte sich auf den Weg in den 3. Stock.
Er war schon in seiner Arbeit vertieft, unterbrach sie aber, als er Paula sah.
"Du hast ja tatsächlich einen Kaffee für mich. Das sollte doch nur ein kleiner Spaß sein."
"Versprochen ist versprochen."
"Na gut"
Er machte sich sofort ans Werk und im Handumdrehen waren die Plakate fertig.
Als Paula wieder oben ankam, empfing sie eine etwas hektische Melissa, die etwas säuerlich dreinblickte.
Sie sah demonstrativ auf ihre Armbanduhr und erst dann verstand Paula, dass der Unmut ihr galt. Offenbar dachte Melissa, dass sie sich verspätet hatte und erst jetzt zur Arbeit erschien.
"Hast du mal auf die Uhr geschaut?", wurde Paula von Melissa angeblökt.
Zu Paulas Verteidigung wedelte sie mit den Plakaten und da Melissa das noch immer nicht verstand, fügte sie hinzu: "Ich war schon bei Dan und habe die Plakate drucken lassen."
"Oh. Ich, äh, es tut mir leid."
Nun hellte sich Melissas Miene schlagartig wieder auf.
"Dann sind wir ja bestens im Timing."
Paula nickte zufrieden.
"Ich schaue jetzt direkt, ob die Kaffeemaschine wieder ihren Dienst tut und dann bereite ich den Meetingraum vor."
Melissa war sichtlich verblüfft, als sich Paula bereits auf den Weg machte.
Das Meeting verlief wie erhofft. Auch Peter nahm diesmal daran teil. Der Kunde war hochzufrieden. Er merkte am Ende lediglich an, dass der Kaffee beim letzten Mal besser war. Paula konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken und auch Peter musste grinsen. Nur die etwas steife Melissa wusste nicht Recht, wie sie reagieren sollte.
"Melissa", sagte Peter, nachdem der Kunde sich verabschiedet hatte, "Danke für den tollen Job. Ich bin sehr zufrieden."
Mit Komplimenten konnte Melissa wohl auch nicht gut umgehen, denn mit einem etwas debilen Grinsen platzte ein komisches "Danke" aus ihr heraus. Paula war gerade nicht sicher, ob Melissa nicht sogar ein bisschen auf Peter stand. Auch vorher ist ihr das ein oder andere Mal aufgefallen, dass sich Melissa in seine Gegenwart etwas merkwürdig verhielt. Aber eigentlich ging es Paula ja nichts an.
Auch sie wurde von ihrem Chef gelobt, dabei war Paula gar nicht aufgefallen, dass er ihre Entwicklung im Blick hatte.

Sie hatte noch einige Aufgaben zu erledigen und einen Teil wollte sie unbedingt noch vor ihrer Mittagspause erledigt haben.
Kurz nach Eins war sie fertig. Sie hatte sich vorgenommen, wieder in den Park zu gehen, also machte sie sich auf den Weg. Je näher sie kam, desto mehr Vorfreude kam in ihr auf. Die Sonne schien so schön wie am Vortag und als sie den Park betrat, hörte sie das Plätschern eines Springbrunnens, den sie gestern noch gar nicht registriert hatte. Wie selbstverständlich, steuerte sie den Baum an, bei dem sie Clementine getroffen hatte. Doch als sie dort ankam, saß da keine Clementine, sondern ein Pärchen auf einer Picknickdecke.
Irgendwie war sie enttäuscht und sogar verärgert, dass fremde Leute diesen Platz für sich beanspruchten. Sie suchte sich einen anderen Fleck und irgendwie hielt sie unbewusst immer noch nach Clementine Ausschau. Aber natürlich war sie nirgends, also setzte sich Paula aufs Gras und packte eins der zwei Sandwiches aus, die sie morgens eingepackt hatte.
Während sie aß, sah sie aufs Handy. Mark hatte geschrieben. Die Prüfung war wohl ganz gut gelaufen. Sie wollte antworten, doch irgendwie hatte sie keine rechte Lust. Insgesamt war sie unzufrieden. Also machte sie sich nach dem Essen auf den Rückweg. Heute fühlte sie sich weder leicht, noch beschwingt.
Den restlichen Arbeitstag kam auch keine bessere Laune auf, wobei sie versuchte, es sich vor den Kollegen nicht anmerken zu lassen.

Als sie am Abend die Haustür aufschloss, begrüßte sie eine gut gelaunte Mary.
"Rate, wer am Samstagabend mit den Kollegen ausgeht und rate, welcher neue süße Kollege auch dabei sein wird.", überfiel sie Paula.
Paula versuchte sich für Mary zu freuen. Sie hatte vor einigen Tagen schon mal was von diesem neuen Kollegen erzählt, aber Paula war bis eben nicht bewusst, dass Mary scheinbar richtig für ihn schwärmte.
"Hey, das klingt doch super.", bemüht fröhlich.
"Was ist dir denn über die Leber gelaufen?"
"Eigentlich gar nichts."
"Und uneigentlich?"
"Ach, keine Ahnung", brummte Paula, während sie sich auf Sofa fallen ließ.
"Komm lass uns quatschen. Aber zuerst mache ich uns einen Tee."
Es gab doch gar nichts zu quatschen, dachte Paula und zappte ziellos durch die Programme.
Mary kam mit zwei Tassen zurück ins Wohnzimmer und setzte sich neben Paula.
"So, was ist los?", sie sah Paula erwartungsvoll an.
Diese setzte sich auf, nahm die Teetasse und spielte am Etikett des Teebeutels.
"Es ist alles ok", antwortete sie tonlos.
"Paula Becker, ich kenne dich schon länger als mein halbes Leben. Erzähl mir also keinen Unsinn. Hast du Stress bei der Arbeit?"
"Da ist alles in Ordnung. Hab sogar heute ein Lob vom Chef bekommen", ihre Stimme klang nölig.
"Na fein, das ist doch mal was. Gab es wieder Ärger mit Mark?"
"Was heißt denn "schon wieder"? Das klingt so, als würde ich mich andauernd mit ihm Zanken. Das war jetzt das erste Mal und das ist geklärt."
"Wenn alles so in bester Ordnung ist, dann macht deine Laune aber keinen Sinn.", schlussfolgerte Mary.
"Ja, sage ich ja.", jetzt schürzte Paula die Unterlippe und verschränkte die Arme wie ein trotziges Kind.
Mary atmete einmal durch. "Wegen Clementine?"
Paula riss die Augen auf. Was sollte das von Mary? Wollte sie ihr etwa irgendwas einreden?
"Was willst du andauernd mit dieser Clementine?", fauchte Paula, "Habe ich irgendwas verpasst? Deine Gedanken kreisen ja scheinbar nur noch um diese Frau. Außerdem war sie heute ja sowieso nicht da."
Mit diesen Worten stoppte Paula ihren Ausbruch.
Oweia, dachte sich Mary. Sie überlegte gut, was sie als nächstes sagen wollte. Noch ein falsches Wort und Paula würde sicher in ihrem Zimmer verschwinden. Aber Mary schien ja schon dem ganzen auf der Spur zu sein.
"Wie meinst du das, sie war nicht da?"
"Na im Park.", sagte Paula, als müsste das Mary verstehen.
"Ihr ward also heute wieder verabredet?", tastete sie sich vorsichtig vor.
"Nein", nun klang Paula wieder mehr genervt. Sie seufzte: "Also…Ich bin in meiner Pause heute wieder in den Park gegangen, weil es mir dort gestern so gut gefallen hatte. Und ich wusste ja, das sie nicht da sein würde.", sie trank eine Schluck Tee, "aber scheinbar habe ich es unterbewusst doch gehofft. Jedenfalls war ich total enttäuscht, als ich sie nicht fand."
Sie sah Mary mit panischen Augen an: "Mary, bin ich lesbisch?"
Jeden Moment würden Tränen an Paulas Wangen runterlaufen.
"Nein!", beruhigte sie Mary. Sie versuchte dabei ernst zu gucken, aber eigentlich fand sie Paula gerade rührend amüsant. In Wahrheit war sie sich ihrer Aussage gar nicht so sicher. Sicher war für sie allerdings, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war, ihre Vermutung zu äußern.
"Aber die Träume und das alles. Und ich habe so ein komisches Gefühl, immer wenn ich nur in die Nähe dieser Frau komme."
Nun kullerten die Tränen im Sekundentakt.
"Hör zu. Selbst wenn es so wäre, dass du eine Art Schwärmerei für diese Frau hast, dann wäre das kein Weltuntergang", bei Paula stieg wieder leichte Panik auf, "aber..." Mary legte zur Beruhigung ihre Hand auf Paulas Schulter, "aber, das ist alles überhaupt nicht gesagt. Es gibt Menschen, die eine scheinbar magische Anziehungskraft ausstrahlen. Besonders Künstler. Und noch häufiger Musiker."
Langsam verlangsamte sich die Frequenz von Paulas Tränen wieder.
"Ich stehe also nicht auf Frauen?", wollte sie sich noch mal versichern.
Mary konnte sich zu keinem weiteren Nein überwinden, denn sie war ja selbst nicht hundertprozentig sicher, also wich sie aus: "Du hast doch Mark, oder?"
"Ja, das stimmt.", das schien Paula zu beruhigen.
"Weißt du, meistens verschwindet dieser Zauber, wenn man diese Leute ein paar Mal gesehen hat.", fügte Mary noch hinzu.
"Du meinst also, ich sollte mich mit ihr treffen?", fragte Paula.
So meinte das Mary zwar nicht, sie dachte eher an die zufälligen Begegnungen im Coffee Shop, aber wenn Paula das schon so verstand: "Ja, warum denn nicht."
Nun wartete sie auf Paulas Reaktion.
"Das klingt ja irgendwie logisch.", überlegte Paula.
Ach Herzchen, dachte Mary, das klang sowas von überhaupt nicht logisch. Aber wenn sie nun schon überzeugt war, wollte Mary sie jetzt nicht wieder umstimmen.


Ende Teil 4




copyright © by Liebundbrav. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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