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Paulas Träume >> Teil 05 <<

von Liebundbrav


Der letzte Arbeitstag der Woche stand an und Paula nahm sich fest vor, sich heute ausschließlich auf die Arbeit zu konzentrieren. Sie war froh über das gestrige Gespräch mit Mary. Und die Idee, sich mit Clementine zu treffen, fand Paula überzeugend. Sie wollte am Montag schauen, ob Clementine wieder bei der Arbeit erschien und sie dann fragen, ob die beiden was gemeinsam unternehmen könnten. Es fühlte sich befreiend an, einen klaren Plan zu haben.
Gut gelaunt traf sie im Büro ein und auch heute war sie vor Melissa da, also schaute sie, welche Arbeit noch von gestern übrig war.
Nach etwa einer halben Stunde fiel Paula auf, dass Melissa noch immer nicht da war. Das war recht ungewöhnlich.
Sie überlegte, wen sie nach ihr fragen könnte, als sie bereits Peter auf sie zukam.
„Hi Paula“, flötete er.
„Guten Morgen“
Paula war nicht sicher, ob Peter der richtige Ansprechpartner für ihre Frage war. Sie wollte Melissa nicht wegen Zuspätkommens anschwärzen.
Aber Peter nahm ihr direkt diese Last: „Melissa ist leider heute krank. Bist du denn noch mit Arbeit versorgt?“
„Es geht so. Ich denke, ich habe noch ein bisschen Luft.“, gab Paula zu.
„Wenn das so ist“, beschloss Peter kurzerhand, „Dann nehme ich dich nachher mit zu einem Kunden.“
Das war doch mal eine willkommene Abwechslung, freute sich Paula.
Gegen 12 Uhr ging es los. Peter versprach ihr, dass sie aufgrund der ausfallenden Mittagspause ihren Feierabend früher antreten konnte. Paula war das ganz recht, so konnte sie später noch ein paar Einkäufe erledigen.
Sie stiegen in einen weißen Porsche Cayenne ein. Offenbar der Wagen für die Geschäftstermine, dachte Paula, denn Anfang der Woche hatte Peter sie mit einem kleinen Sportflitzer nachhause gebracht. Ihr Ziel war Süßwarenhersteller, der ein neues Produkt auf dem Markt etablieren wollte, erklärte ihr Peter.
Eine Dreiviertelstunde später parkte er vor einem unscheinbaren Gebäude. Nur das Schild im Eingangsbereich verriet, dass hier eine Firma ihren Sitz hatte. Genaugenommen handelte es sich lediglich um den Geschäftssitz, die Fabrik befand sich anderorts.
Der Kunde war sehr angenehm, Peter ließ sich das Produkt zeigen und sie durften es verkosten. Es ging um Schokoladenkekse, die in Cafés zu einem Kaffee gereicht werden sollten. Das war zwar keine neue Erfindung, das Besondere an diesem Produkt war aber, dass die Schokoladenstückchen erst im Mund schmolzen, nicht aber, wenn der Keks bei höheren Temperaturen gelagert oder neben einer heißen Kaffeetasse lag. Peter fielen direkt einige Ideen ein, wie dieser Keks gut in Szene gesetzt werden konnte.
Der Termin endete schneller als erwartet und mit einem neuen Auftrag in der Tasche, stieg Peter gutgelaunt ins Auto ein und Paula tat es ihm nach.
Auf dem Rückweg fiel Paula auf, dass Peter eine andere Route einschlug.
„Hast du Hunger? Ich habe jedenfalls Hunger. Komm, wir essen eine Kleinigkeit. Ich lad dich ein“
Paula nickte, obwohl es ihr ein wenig unangenehm war, als kleine Praktikantin mit dem Boss essen zu gehen. Aber er war ja auch ein alter Freund ihres Vaters, deshalb war es ok.
Sie war überrascht, dass er in einer nicht sonderlich wohlhabenden Gegend New Yorks hielt. Hier gab es Thai, Burger und Sushi Läden, aber eben alles im niedrigen Preissegment.
Ihr war das ja egal, im Gegenteil. Sie hätte sich in einem Sternerestaurant wohl wesentlich unwohler gefühlt.
„Da vorne ist ein Laden, da kann man sich sehr leckere Salate selbst zusammenstellen. Ist das ok für dich?“, fragte er.
„Klingt gut“
Der Laden war toll. Paula aß ohnehin gerne Salat und hier hatte man alle erdenklichen Zutaten zur Auswahl. Man musste der Bedienung nur sagen, welche Zutaten man wollte und bekam seinen persönlichen Salat serviert.
Sie nahmen sich einen Platz im Freien und warteten auf ihre Bestellung.
„So, die erste Woche hast du nun hinter dir. Wie gefällt es dir dann bei uns?“
Paula hatte mit einem solchen Gespräch gerechnet, aber das machte ihr nichts. Sie fühlte sich sehr wohl bei ihrem Arbeitgeber, also konnte sie ehrlich antworten.
„Es macht unheimlich viel Spaß. Ich lerne viel und die Kollegen sind auch sehr hilfsbereit.“
Peter lächelte: „Das freut mich zu hören. Und ich kann dir sagen, dass auch die Kollegen, besonders natürlich Melissa, ebenfalls sehr angetan von dir sind. Beinahe schade, dass du uns in einigen Wochen wieder verlässt.“
Hörte Paula etwa ein Jobangebot raus, oder war das nur die amerikanische Höflichkeit?
„Oh, wer weiß, vielleicht komme ich ja nach dem Studium wieder“, scherzte sie, wobei sie tatsächlich gern wissen wollte, ob diese Option bestand.
„Könntest du dir denn ein Leben in den USA vorstellen?“ das klang nun so, als meinte er das Ernst.
Paula überlegte kurz. Ehrlich gesagt, hatte sie sich darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Die Option bestand ja bislang nicht. Sie versuchte es sich gedanklich vorzustellen. Klar, ihre Familie wäre dann weit weg, aber durch das Studium sah sie ihre Eltern auch nur selten und damit kam sie gut klar. Und sie würde wieder mit Mary in einer Stadt wohnen, wahrscheinlich sogar weiterhin in einer WG. Diese Idee gefiel ihr.
Mark fiel bei ihren Gedanken völlig unter den Tisch, aber das bemerkte sie gar nicht.
„Ich kann mir das sogar gut vorstellen“, antwortete sie.
Peter freute sich über die Antwort. Dann wurden die Salate serviert und Paula war von ihrer Auswahl begeistert. Sie hätten den Laden von außen wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Abgesehen davon, dass es sie wohl kaum hier her verschlagen hätte. Sie sah sich noch mal um. Die meisten Gebäude waren schlichte Wohnhäuser. Außer einigen Bars, Lokalen oder Cafés, gab es hier nicht viel.
Schräg hinter Peter entdeckte sie noch einen kleinen Kiosk, an dem sich eine Frau gerade etwas kau…Moment. War das etwa? Paula blieb beinahe das Salatblatt im Hals stecken. Die Frau sah aus wie Clementine. Paulas Herz begann zu pochen. Sie war sich nicht ganz sicher, da die Frau mit dem Rücken zu ihr stand. Dann drehte sie sich rum und….tatsächlich, es war Clementine. Paula wollte sich nichts vor Peter anmerken zu lassen, aber sie verspürte den Impuls aufzustehen und zu ihr zu gehen.
Sie versuchte, Clementine nicht aus den Augen zu verlieren, in der Hoffnung, dass vielleicht sie Paula entdecken würde. Tatsächlich lief sie in ihre Richtung, also bestünde eine gute Chance von Clementine gesehen zu werden.
Und nur noch wenige Schritte vor Paula trafen sich ihre Blicke. Doch statt zu Lächeln stutzte Clementine und drehte zur Seite ab und verschwand in einer Nebenstraße.
Paula war völlig perplex. Was war denn nun los? Sie sah ihr noch hinterher, bis Clementine aus ihrem Sichtfeld verschwand.
Auch Peter sah in die Richtung, scheinbar ist ihm Paulas Reaktion doch nicht völlig entgangen.
„Schmeckt dein Salat?“, sagte er seufzend.
„Was? Ja,… ja er schmeckt sehr gut.“ Paula musste sich noch sammeln.
Und auch Peter wirkte jetzt etwas abwesend.
„Wenn du willst, dann kannst du bei dem Schokoladenkeks-Projekt mitmachen.“
Sie hatte den Eindruck als bemühte er sich, wieder das Gespräch aufzugreifen.
„Wenn das geht, gerne.“
„Klar geht das. Allerdings wirst du dann jemand anderem zugeteilt, zumindest für die Zeit.“
„Wenn das für Melissa ok ist.“, bemerkte sie,
„Sie ist ohnehin wohl die nächsten Tage nicht da. Das passt also ganz gut.“
Dann schien es, als hätte es Peter eilig. Kaum hatten sie fertig gegessen, rief er die Kellnerin und zahlte. Paula war noch immer von Clementines Reaktion verwirrt und auch Peter verhielt sich plötzlich anders. Paula seufzte still, es hätte doch wirklich mal ein entspannter Tag werden können.
Auf der Rückfahrt sprach Peter wenig. Das gab Paula die Gelegenheit, das eben Geschehene noch mal abzuspulen und sie überlegte krampfhaft, ob sie vorgestern im Park irgendwas Falsches gesagt hatte. Doch da war nichts, was eine solche Reaktion erklärte. Ob sie trotzdem am Montag in den Coffee Shop gehen sollte? Die Vorstellung, Clementine nun gar nicht mehr zu sehen, stimmte Paula irgendwie traurig. Die letzten Tage träumte sie auch gar nicht mehr von ihr, was Paula ja hätte erfreuen müssen, aber irgendwie vermisste sie es.

Zurück in der Agentur, hatte Paula nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, dann verabschiedete sie sich ins Wochenende. Sie kaufte noch ein paar Lebensmittel und beschloss, heute Abend für Mary und sich Spaghetti Bolognese zu kochen.
Zuhause verstaute sie zunächst die Lebensmittel. Dabei entdeckte sie, die noch übrig gebliebene Weinflasche von Mittwoch. Sie nahm sich ein Glas und wollte auch direkt mit dem Kochen beginnen.
Paula hatte Lust auf Musik und drehte das kleine Küchenradio auf. Sie wusste, dass sie damit gute Laune kriegen würde, das klappte immer. Und was die gute Laune anging, war bei ihr gerade viel Luft nach oben. Zwar versuchte sie, die Geschehnisse von vorhin wegzuschieben. Aber Clementine tauchte doch immer wieder in ihren Gedanken auf.
Die Soße köchelte bereits vor sich hin und auch das Nudelwasser blubberte, da kam auch Mary nachhause.
„Wow, hier riecht es fantastisch“
Paula drehte das Radio wieder leise.
„Wir können auch gleich essen“
Paula deckte schon mal den Tisch, während sich Mary kurz umzog. Als sie wieder in die Küche trat, stand das Essen bereits auf dem Tisch.
„Ich habe einen riesen Hunger“, Mary rieb sich vorfreudig die Hände.
Das Essen schmeckte beide, nahmen sie sich Nachschlag.
„Mary, ich muss dir was erzählen“
„Oh nein, das klingt ja nicht so gut“
„Sagen wir, es war kurios. Ich habe heute Clementine gesehen und….“, begann Paula.
„Hat sie doch schon wieder gearbeitet?“, unterbrach Mary sie.
„Nein, ich war mit Peter essen und…“
„Du warst mit deinem Boss essen?“, rief Mary erstaunt.
„Jetzt unterbreche mich doch nicht ständig, das ist doch gerade völlig nebensächlich.“, maulte Paula.
„Ist ja ok, ich bin jetzt still“
„Jedenfalls saßen wir gerade beim Essen, als ich Clementine an einem Kiosk stehen sah. Wie unwahrscheinlich sie dort zu treffen, überleg mal.“, Mary stimmte nickend zu, „Und als sie dann in unsere Richtung lief und mich sah, hat sie sich umgedreht und ist verschwunden.“
Mary dachte nach: „Bist du sicher, dass sie sich deinetwegen umgedreht hat? Hat sie dich wirklich gesehen?“
„Ja, da bin ich sicher. Ich dachte auch, dass sie zuerst einen kurzen Moment gelächelt hat. Aber da kann ich mich auch täuschen.“
„Das ist wirklich seltsam. Tja, ich befürchte, genaueres wirst du wohl erst Montag erfahren.“, seufzte Mary.
Gerade wollte Paula etwas erwidern, da klingelte ihr Handy.
"Oh, meine Mutter, da muss ich ran."
Mary nickte.
"Hallo Mama.", sagte sie freudestrahlend.
"Hallo Kind, na du klingst, als sei bei dir alles in Ordnung."
"Ja, alles ist gut." Zumindest in dieser Sekunde stimmte das, denn sie freute sich tatsächlich, ihre Mutter zu hören.
"Wie läuft es mit dem Praktikum?"
"Das macht wirklich Spaß. Und sie lassen mich nicht nur Kaffee kochen.", witzelte sie.
"Na, dann bin ich beruhigt. Aber melden könntest du dich schon häufiger."
Das stimmte und Paula hatte durchaus ein schlechtes Gewissen, aber die Woche war ja so turbulent. Mal abgesehen davon, dass sie die halbe Woche lang ja gar kein Handy hatte. Aber davon wollte sie ihrer Mutter nichts verraten, denn sie machte sich immer so schnell sorgen.
"Ich hoffe, du meldest dich bei deinem Mark regelmäßiger.", sagte sie ermahnend.
Ihre Mutter war ganz vernarrt in Mark. Er war für sie der Traumschwiegersohn. Klug, ehrgeizig und gutaussehend. Und dabei hatten sich die beiden erst zweimal gesehen.
"Jaaa Mama", antwortete Paula genervt.
"Er vermisst dich sicher."
Paula rollte die Augen. Das tat er bestimmt und wenn Paula mal Zeit hatte, dann vermisste sie ihn auch.
"Wir telefonieren täglich.", versuchte Paula sie zu beruhigen.
Scheinbar war das die Antwort, die sie hören wollte, denn danach plauderten sie noch über andere Themen.
Nach etwa zehn Minuten war das Telefonat zu Ende und Paula widmete sich wieder Mary.
"Machen wir heute Abend was, oder hast du schon Pläne?"
"Ich stehe dir voll und ganz zur Verfügung", lachte Mary, "wobei ich auch dankbar für einen gemütlichen Filmabend wäre."
"Na das passt ja bestens, denn ich habe uns Mikrowellenpopcorn gekauft."
Paula nahm die Verpackung in die Hand, hielt es wie ein Werbeplakat vor sich und präsentierte ihr schönstes Werbelächeln.
Mary musste lachen.
"Ach so, wegen morgen", fiel Mary ein, "willst du eigentlich mitkommen?"
"Du meinst mit deinen Arbeitskollegen?"
Mary nickte.
"Ach, lieber nicht. Da käme ich mit fehl am Platz vor. Wobei ich ja dann deinen neuen Schwarm kennenlernen könnte", sagte Paula verschmitzt.
"Nun ja, ganz so schlimm ist es noch nicht. Ich mag ihn und ich finde ihn sehr attraktiv. Aber mehr weiß ich nicht von ihm."
Trotzdem wurde Mary leicht rot. Paula wünschte sich, dass sie endlich mal wieder jemanden findet. Marys letzte Beziehung lag schon über zwei Jahre zurück.

"Ich skype noch kurz mit Mark, danach kann es losgehen.", sagte Paula und zog sich in ihr Zimmer zurück.
Sie hatte sich am Vormittag per Nachricht mit Mark zum Telefonieren verabredet. Er ging also sofort ran. Eigentlich hatte sie gar keine rechte Lust mit ihm zu sprechen. Dabei lag es nicht an ihm, sagte sich Paula. Langsam fand sie das Skypen nervig. Man sah sich zwar, aber irgendwie war da eben doch diese Distanz. Mark bemerkte ihre schlechte Laune und versuchte sie aufzumuntern, doch ihm gelang es nicht so recht. Enttäuscht schlug er vor, morgen wieder zu sprechen.
"Danke Mark. Ich muss mich, glaube ich erstmal wieder richtig ausschlafen"
"Mach das, Schatz. Erhol dich gut. Bis morgen."
"Bis morgen."
Als Paula ins Wohnzimmer ging, standen das Popcorn und der restliche Wein schon bereit.
"Ich habe uns schon einen Film ausgesucht. The Holiday.“, sagte Mary.
"Ich glaube, den kenne ich noch nicht."
"Perfekt, dann lass uns loslegen."
Eine lustige Liebesschnulze war jetzt genau das richtige für einen Freitagabend. Irgendwann wurde Paula müde und auch Mary fielen die Augen zu. Als Paula mitten in der Nacht aufwachte, hörte sie Mary am anderen Ende des Sofas schnarchen. Paula ging in ihr Bett rüber, ließ Mary aber schlafen.
Sie kuschelte sich unter die Decke und kaum zehn Minuten später schlief sie wieder tief und fest.
Heute Nacht träumte sie wieder. Sie befand sich in der Straße, wo sie Clementine tagsüber gesehen hatte. Allerdings saß Paula allein am Tisch. Sie sah sich suchend um, doch von der Dunkelhaarigen war nichts zu sehen.
Doch dann entdeckte sie sie in einer Seitenstraße. Paula stand auf und folgte ihr. Doch jedes Mal, wenn sie ein paar Schritte näher kam, lief Clementine weiter davon. Irgendwann folgte Paula ihr in eine Querstraße, doch sie war verschwunden. Paula ging noch ein Stück weiter und stand plötzlich vor der schwarzen Tür des Nox. Sie wollte die Tür öffnen, aber sie war verschlossen. Sie rüttelte und klopfte, aber niemand öffnete. Dann wachte sie schweißgebadet auf.

Ende Teil 5




copyright © by Liebundbrav. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.


Kommentare


Danke
Voll cool, danke für den Link! Ist meega gut geschrieben (du hast nur hon und wieder Buchstabendreher aber das is ja nix schlimmes). Hab auch schon wieder alles durch
jenjen1527 - 05.09.2016 14:59
Falls jemand schon weiterlesen möchte...
Liebundbrav - 01.09.2016 22:49
-
Liebundbrav - 28.08.2016 17:21
freue mich schon auf die Fortsetzung
jenjen1527 - 28.08.2016 12:36

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