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Paulas Träume >> Teil 06 <<

von Liebundbrav


Draußen war es schon hell, also sah Paula auf die Uhr. Es war kurz nach Neun.
Sie schaute nach Mary, die noch selig schlummerte. Beneidenswert, dachte Paula, wenn man nicht von verwirrenden Träumen heimgesucht wird.
Sie wollte unbedingt mit ihrer besten Freundin über den verwirrenden Traum sprechen bevor sie die Details vergaß. Aber ohne einen Kaffee, würde sie Mary wohl kaum wach kriegen.
Also machte sie ihr einen in der Küche und hielt ihn snchließend unter Marys Nase.
"Aufstehen", flötete Paula mit Engelszungen.
"Mahh", knurrte Mary. Aber dann streckte sie sich und öffnete die Augen.
"Warum bist du denn schon auf? Wir können doch ausschlafen."
"Weil ich wieder geträumt habe."
Mary sah sie verpennt an und seufzte: "Erzähl!"
Und Paula erzählte jedes Detail. Als sie fertig war, fragte sie: "Und was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen?"
Mary sah sie ganz ernst an, so dass Paula schon das schlimmste befürchtete.
"Das bedeutet, dass du mir jetzt Frühstück machen musst", jetzt platzte ein Lachen aus Mary heraus.
"Fiese Kuh", Paula nahm ein Kissen und haute es Mary über den Kopf.
"Ist ja gut", rief sie, noch immer lachend, "ich sage ja was dazu. Also, wenn es ein hellseherischer Traum war, dann ist sie bestimmt heute Abend im Nox."
"Ach, an sowas glaube ich nicht", tat Paula die Idee ab.
"Na hör mal. Du hast du schon von ihr geträumt, bevor du sie das erste Mal gesehen hast."
Da war was dran, musste Paula zugeben.
"Aber selbst wenn sie da heute Abend ist. Alleine werde garantiert nicht hingehen."
"Dann musst du halt bis Montag warten.", zuckte Mary mit den Schultern.
"Ja, dann ist das halt so." Paula verschränkte eingeschnappt die Arme.

Nach dem Frühstück brachten die beiden die Wohnung auf Vordermann. Da unter der Woche einiges liegengeblieben war, war das bitter nötig. Den Rest des Tages verbrachte Paula mit Faulenzen. Zwischendurch telefonierte sie mit Mark und diesmal stand ihr auch mehr der Sinn danach. Inzwischen war es Abend.
Es klopfte an Paulas Tür, Mary trat herein und präsentierte ihr Outfit für den Abend.
"Wow, damit wirst du ihn beeindrucken", staunte Paula.
Mary zeigte heute viel Dekolleté. Damit würde sie sicher genügend Aufmerksamkeit von ihrem neuen Kollegen bekommen.
"So Süße, ich gehe los. Hab einen schönen Abend."
"Du auch. Aber sei spätestens um zwölf nachhause.", Paula erhob ihren Zeigefinger und zog eine strenge Miene.
"Na klar", zwinkerte Mary ihr zu und verschwand.
Paula ging ins Wohnzimmer, schmiss sich aufs Sofa und streckte alle Viere von sich. Endlich mal Zeit für mich allein, dachte sie. Aber was genau wollte sie denn eigentlich heute Abend machen? Fernsehen? Nein, keine Lust. Vielleicht ein gutes Buch lesen? Sie überflog das Bücherregal, das neben dem Sofa stand, nahm das ein oder andere in die Hand, laß den Text auf der Rückseite und stellte es gelangweilt wieder ins Regal. Sie schaut aufs Handy, doch Mark war offline und eigentlich hatte sie nicht wirklich Lust, heute noch Mal mit ihm zu sprechen.
Sie könnte Wäsche waschen. Also stand sie auf und suchte die benutzten Teile zusammen. Fünf Minuten später saß sie wieder auf dem Sofa und hörte, wie die Waschmaschine in der Küche die Wäsche durchwalzte. Und jetzt?
Sie stand erneut auf und tigerte unruhig durch die Wohnung. Hätte sie vielleicht doch mitgehen sollen? Nein, sie wollte nicht das fünfte Rad am Wagen sein.
Ob Clementine heute tatsächlich wieder im Nox war? Vielleicht spielte sie ja wieder?
Was gab denn eigentlich der Kleiderschrank noch her? Sie ging in ihr Zimmer und durchstöberte ihn. Dann probierte sie das ein oder andere Teil an und betrachtete sich im Spiegel. Och, gar nicht so schlecht. Helle Bluse, enge Blue Jeans. Schuhe fehlten noch.
Sie nahm sich ein Paar von Mary, denn sie selbst hatte keine Schuhe mit hohen Absätzen.
Wow, dachte sie, was Schuhe ausmachten. Sie fühlte sich richtig sexy.
Und was nun? Sollte sie wirklich...?
Ach, warum eigentlich nicht. Sie könnte ja jederzeit abbrechen.
Und ehe sie sich versah, stand sie unten an der Straße und winkte ein Taxi herbei.
Nach kurzer Fahrt stand sie also vor dem Club. Heute war es besonders voll. Klar, es war Samstag.
Kurz kamen ihr Zweifel und ohne Mary fühlte sie sich jetzt schon überfordert.
Sie biss die Zähne aufeinander. Du ziehst das jetzt durch und gehst rein, feuerte sie sich an. Die Tür wurde gerade von innen geöffnet. Diese Chance nutzte sie und schlüpfte durch den Spalt hinein.
Drinnen war es brechend voll und die Bässe hämmerten laut in Paulas Kopf. Heute war die Bühne eine Tanzfläche und auch sonst fehlten einige Tische im vorderen Bereich. Unzählige Frauen standen eng aneinander, unterhielten sich oder tanzten miteinander.
Paula drückte sich zunächst in eine Ecke, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Während sie den Blick durch den Raum schweifen ließ, bemerkte sie, wie sie von einer Frau von oben bis unten gemustert wurde. Verschämt schaute Paula in eine andere Richtung. Clementine allerdings fand sie zu ihrer Enttäuschung nicht. Aber vielleicht kam sie ja noch. Paula beschloss, sich an der Bar ein Bier zu holen. Sie drückte sich durch die Menge, bis sie die Theke erreichte. Plötzlich spürte sie eine Hand auf der Schulter und drehte sich um.
"Du wieder, schön", sie blickte in das freundliche Gesicht der Barbesitzerin.
"Ach, hallo", Paula fühlte sich etwas überrumpelt. Sie wusste nicht, worüber sie mit ihr sprechen sollte. Doch diese nahm ihr die Aufgabe ab.
„Ist deine Freundin auch hier“?
„Oh, sie ist nicht…“, meine Freundin, wollte Paula sagen, aber diesmal verkniff sie sich diesen Satz.
„Sie ist nicht hier“
„Verstehe. Ich bin übrigens Alex.“
„Paula“ und sie gaben sie gaben sich die Hand.
„Paula“, wiederholte Alex und lächelte. Paula fand sie nett, sie hatte etwas Mütterliches an sich und Paula fühlte sich nun nicht mehr ganz verloren.
Die Kellnerin brachte das Bier, dass Paula nebenbei bestellt hatte.
Alex prostete ihr zu, Paula erhob ebenfalls ihr Bier und beide nahmen einen Schluck.
„Suchst du…“fing Alex einen Satz an, wurde aber dann von einer kurzhaarigen, blonden Frau unterbrochen.
„Hi Alex“, rief diese freudestrahlend und fiel Alex um den Hals.
„Jackie, welch seltener Gast.“
„Ich weiß.“, sagte sie schuldbewusst.
Paula wollte gerade die Gelegenheit nutzen, um den Tresen zu verlassen, da fiel Jackies Blick auf Paula.
„Und wer ist dieses hübsche neue Gesicht?“ richtete Jackie weiterhin das Wort an Alex, beäugte dabei aber Paula interessiert.
„Das ist Paula. Und Jackie, denk nicht mal dran.“, ermahnte Alex sie sofort.
Paula wurde rot. Sie fühlte sich, wie bei einer Fleischbeschau und wusste nicht, wohin mit sich.
„Ach Alex, was denkst du denn von mir? Abgesehen davon, kann das Paula bestimmt auch selbst entscheiden. Oder Paula?“
Paula sah sie völlig verunsichert an und blickte dann hilfesuchend zu Alex. Doch die schmunzelte nur.
„Hey, ich warte eh noch auf die anderen. Ich gebe eine Runde Wodka aus.“, verkündete Jackie.
„Ich passe da, aber Paula kannst du gern einladen“, erwiderte Alex.
Und bevor Paula protestieren konnte, schnappte Alex die Wodkaflasche, die zufällig in Reichweite stand, stellte zwei Schnapsgläser zurecht und goss ein.
Jackie nahm beide Gläser und drückte eines davon Paula in die Hand.
„Cheers“, Alex stieß mit ihrem Glas an Paulas und leere es in einem Zug.
„Ähm, ja. Cheers“ und auch Paula kippte den Wodka kurzerhand runter.
Im Hintergrund ertönte plötzlich ein Lautes „Jackie“. Die drei drehten sich um und sahen ein kleine, etwas dickliche Frau mit schwarzen Haaren. Sie trug ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo einer Band, die Paula nicht kannte. Außerdem blinkten in ihrem Gesicht unzählige Piercings in Nase, Augenbrauen und Lippe.
„Mira“, schrie Jackie völlig aufgedreht und umarmte sie herzlich, „Komm zu uns. Wir trinken uns gerade warm. Das ist übrigens Paula“
„Hi Paula“, Mira hielt Paula die Hand hin.
„Hallo Mira“, Paula schüttelte ihre Hand.
Ach was soll’s, vielleicht sollte sie einfach versuchen, etwas lockerer zu sein, dachte sich Paula. Sie scheinen ja alle ganz nett zu sein.
Wieder wurden die Gläser aufgefüllt. Paula konnte sich doch nicht schon wieder einladen lassen, also überwand sie sich und ergriff das Wort: „Die Runde zahl ich aber“
Jackie grinste.
„Wir sind noch nicht vollzählig, du kannst die nächste Runde zahlen“ Mira musste ebenfalls lachen.
Ach du meine Güte, dachte Paula, das konnte ja noch lustig werden.
„Na schön, dann eben die nächste Runde. Zum Wohl“, Paula wurde jetzt allmählich mutiger.
Mit dem zweiten Wodka merkte sie, wie sie langsam gelassener wurde. Alex hatte die Runde inzwischen verlassen und sich ihren anderen Gästen gewidmet.
„Dich habe ich, glaube ich, noch nicht hier gesehen, oder?“, wurde Paula von Mira gefragt.
„Das kann gut sein. Ich war Mittwoch zum ersten Mal hier“, erklärte sie ihr.
„Ah verstehe, der Live-Musik Abend. Wer hat denn gespielt?“
„Clemen…ähm. CJ“, korrigierte Paula schnell.
„Oh echt? Verdammt und ich habe sie mal wieder verpasst.“, ärgerte sie sich.
„Ach Mira, du hast doch eh keine Chance“, zog Jacke sie auf.
„Du bist blöd. Ich mag einfach ihre Musik. Und tue mal nicht so, dich hat sie abblitzen lassen“, konterte Mira.
„Sie hat bislang jede abblitzen lassen.“, korrigierte Jackie.
„Das weißt du doch gar nicht. Oder hast du sie etwa gestalkt?“ Diesmal setzte Mira ein triumphierendes Grinsen auf und Jackie streckte darauf nur die Zunge raus.
„Steht sie denn überhaupt auf Frauen?“, das wollte Paula jetzt dann doch genau wissen.
Zur gleichen Zeit begannen Jackie und Mira an zu sprechen.
„Klar“, sagte Jackie
„Wer weiß“, sagte Mira
Paula blickte verwirrt zwischen Jackie und Mira hin und her.
„Natürlich tut sie das. Sie entspricht wohl von und ganz dem Profil.“, wollte nun Jackie Mira überzeugen.
„So ein Quatsch. Ich halte mich an das, was ich weiß. Und Fakt ist, dass ich sie noch nie mit einer Frau gesehen habe.“
Paula fand es amüsant, dass sie offenbar Zündstoff geliefert hatte. Und natürlich tendierte sie zu Miras Ansicht, denn Paula hielt sich ebenfalls lieber an Fakten. Und vor allem war sie ja vorher bereits überzeugt, dass Clementine nicht lesbisch war.
„Was denkst du denn dazu? Schlägt bei ihr dein Gaydar aus, oder nicht?“, wollte Jackie nun von Paula wissen.
„Mein was?“, fragte Paula unsicher.
„Du bist doch lesbisch, oder?“
„Ich, ähm, nei…eigentlich.“, stammelte Paula unsicher.
„Lass sie doch mal, Jackie“, schaltete sich Mira ein.
Paula nahm einen Schluck von ihrem Bier. Wieder ärgerte sie sich über sich selbst. Warum ließ sie sich so schnell aus der Ruhe bringen. Sie war nicht lesbisch, warum sagte sie es dann nicht einfach.
„Na schön.“, gab Jackie klein bei, „So, Mädels, ich will eine rauchen. Kommt ihr mit?“
Mira nickte und weil Paula ja ohnehin nichts Anderes hätte machen können, kam auch sie mit.
Vor der Tür bot Jackie Paula eine Zigarette an. Sie rauchte ja eigentlich nicht, aber wenn sie feiern ging, machte sie gelegentlich eine Ausnahme. Also nahm sie sich eine. Nach dem ersten Zug wurde ihr ein wenig schummerig, das kannte sie aber schon.
„Ach schau, dahinten kommt Jessica“, Mira entdeckte eine schlanke Brünette auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als sie näher kam stellte Paula fest, dass die Frau eine wahre Erscheinung war. Sie erinnerte Paula ein bisschen an Kim Kadashian. So jemanden hätte sie in einem Club wie dem Nox wohl kaum erwartet.
Elegant und mit einer kleinen Handtasche am Ellenbogen stöckelte sie in Richtung der kleinen Gruppe.
Je näher sie kam, desto mehr strahlte sie.
„Hallo Mädels“, grüßte sie die Runde.
Diesmal wollte Paula selbstbewusst sein und zeigte Initiative: „Hi, ich bin Paula“
Sie reichte Jessica die Hand. Diese sah sie freundlich an stellte sich ebenfalls vor: „Ich bin Jessica. Schön mal wieder ein neues Gesicht zu sehen“
„Uns hat sie ja nicht so überschwänglich begrüßt. Scheinbar passt Jessica besser ins Beuteschema“, flüsterte Jackie in Miras Ohr und beide kicherten.
Nicht leise genug, denn Paula und vermutlich auch Jessica hatten den Kommentar gehört.
Paula hatte das Gefühl rot zu werden, aber sie hätte das wohl kaum ohne viel Aufsehen klarstellen können. Jessica schien zu merken, wie unglücklich Paula gerade wirkte.
Also hakte sie sich bei Paula unter, zog sie mit in Richtung Eingang und rief den beiden anderen hinterher: „Vielleicht beruht das ja auf Gegenseitigkeit. Komm, wir holen mir was zu trinken.“
Die beiden anderen blieben einen Moment verdutzt stehen, folgten aber kurze Zeit später.

Paula hielt Wort und gab die nächste Runde aus. Das dritte Glas zeigte bei ihr sofort Wirkung, sie fühlte sich schlagartig angeheitert, aber ihr gefiel das irgendwie.
Sie könnte jetzt eigentlich tanzen, dachte Paula.
„Du willst tanzen?“, fragte Jessica.
Hatte sie das etwa laut gesagt? Sie sollte mit dem Trinken wohl wirklich langsam aufpassen.
„Ja, lasst uns alle eine Runde tanzen“
Die Gruppe schob sich zur Tanzfläche und verschafften sich erstmal etwas Platz zu allen Seiten. Paula hatte wirklich Spaß, sie war richtig ausgelassen. Die drei anderen tanzten wirklich gut, besonders Jessica konnte sich super zur Musik bewegen, wie Paula fand. Doch dann kam ihr Jessica immer näher und begann ihre Hüften sexy van Paulas zu schwingen. Paula fühlte sich etwas überfordert, ihr wurde auf einmal ganz warm. Nicht, dass ihr nicht gefiel was sie sah, aber sie wusste nicht, was sie nun tun sollte. Zum Glück wechselte gerade das Lied, also nutzte sie die Chance der Situation zu entfliehen. „Ich hol mir mal was Neues zu trinken“, sagte sie Jessica noch schnell, denn sie wollte nicht unhöflich sein.
Zurück an der Theke, atmete Paula erstmal durch. Ihr war immer noch warm, was wohl nicht nur an dem stickigen, überhitzen Raum lag, das musste sich Paula eingestehen. Aber da der Alkohol ihr ja scheinbar half zu entspannen, bestellte sie kurzerhand einen Cocktail.
Auch die anderen kamen von der Tanzfläche zurück. Jessica setzte sich sofort neben sie auch einen Barhocker. Sie flüsterte Paula ins Ohr: "Das Tanzen hat echt Spaß gemacht"
"Fand ich auch", gab Paula zu.
Die Vier unterhielten sich eine Weile, tranken und tanzten zwischendurch wieder und Paula wurde von Mal zu Mal lockerer, aber eben auch betrunkener. Irgendwann nahm sie die Umgebung nur noch verschwommen war und dann setzte ihre Erinnerung aus.


"Paula? Willst du nicht mal aufstehen?"
Jedes dieser Worte dröhnte in ihrem Kopf und nur mit Mühe, konnte sie ihre Augen einen Spalt öffnen.
"Sag mal, ist alles ok bei dir? Wie siehst du überhaupt aus? Hast du etwa noch deine Klamotten an?"
Paula versuchte sich zu orientieren. Als sie sich aufzurichten versuchte, drehte sich alles. Also ging sie schnell wieder in die Ausgangsposition.
"Sind das da drüben meine Schuhe?", fragte Mary verwundert.
"Sag mal, hast du gestern getrunken?"
Paula knurrte, während sie zu ihrem Kopf griff: "Wie viele Fragen kann man an einem so frühen Morgen eigentlich noch stellen?"
"Früh?", Mary lachte, "es ist kurz vor zwölf. Ich hole dir mal eine Kopfschmerztablette."
Nachdem Paula die Tablette runtergewürgt hatte, ließ Mary sie erstmal wieder in Ruhe und ging ins Wohnzimmer.
Irgendwann kam eine etwas zerzauste Paula um die Ecke und setzte sich langsam aufs Sofa.
"Geht's wieder besser?"
"Mhm, geht so."
"Eigentlich wollte ich dir ja von meinem Abend erzählen, aber scheinbar war deiner interessanter.", schmunzelte Mary.
Paula sah Mary müde an und hob eine Augenbraue.
"Ich war im Nox."
"Echt jetzt?", schrie Mary.
Paula verzog schmerzhaft das Gesicht.
"Entschuldige, echt jetzt?", wiederholte Mary flüsternd.
"Ja, echt."
"Hast du Clementine gesehen?"
"Clementine? Nein, sie war nicht da."
"Aber?", Mary überlegte, "Aber, was hast denn sonst da gemacht? Scheint ja ein längerer Abend gewesen zu sein."
Paula lachte ironisch.
"Das kann man wohl sagen. War schon ziemlich schräg. Viel Alkohol, viel Tanzen und....", Paula hielt inne.
"Und?", Mary war schon ganz ungeduldig.
"Also, wie ich heimgekommen bin, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr."
Paula kratzte sich grübelnd am Kopf. Plötzlich stutzte Mary und starrte auf Paulas Unterarm.
"Was ist denn?", Paula bemerkte ihren Blick.
"Sag mal, hast du da etwa jemanden aufgerissen?"
"Was? Nein, wieso?"
Mary griff nach ihrem Arm und drehte ihn so, dass es nun auch Paula sehen konnte. Auf ihrem Arm stand mit Kugelschreiber eine Handynummer.
Paula riss die Augen auf.
"Ich, ich weiß nicht, wie das da hingekommen ist, ehrlich.", sagte sie hastig.
Sie versuchte krampfhaft, die fehlenden Erinnerungen von gestern Abend abzurufen.
"Na, ich sehe zumindest keine Knutschflecke", kicherte Mary.
"Es war auch nichts, da bin ich mir sicher. Ich würde nie...und vor allem nicht mit einer..."nuschelte Paula. Wohl mehr, um sich selbst zu überzeugen.
"Und wem gehört dann die Nummer?"
Paula hatte so eine Vermutung.
"Ich denke, sie gehört Jessica. Ich habe da gestern ein paar Mädels kennengelernt. Und ich glaube Jessica fand mich ganz gut."
Mary klatschte aufgeregt in die Hände: "Uh, das ist ja echt besser als jeder Film. Wenn man dich mal alleine lässt." Sie schnalzte mit der Zunge, „Und fandst du sie auch gut?"
"Nicht, wie du jetzt denkst. Aber sie ist nett, ja. So, wie die anderen drei auch echt nett waren."
Aber Paula beschlich tatsächlich die Angst, betrunken wie sie gewesen war, etwas Dummes getan zu haben.
"Aber du weißt doch gar nicht, was genau war."
"Ach verdammt, Mary. Ich weiß es wirklich nicht." Paula schaute gequält.
"Dann finde es heraus. Du hast ja die Nummer."
Paula sah sie zweifelnd an.
"Ich soll wirklich da anrufen?"
"Oh, absolut. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie neugierig ich bin."
Paula haderte noch einen Moment mit sich, doch dann griff sie zum Handy.
Es klingelte ein paar Mal, dann hob jemand ab. "Hallo?", fragte eine Frauenstimme.
"Jessica?"
"Ja?"
"Ich bin‘s, Paula. Ich wollte..."
"Paula", wurde sie unterbrochen, "wow, so schnell hätte ich mit deinem Anruf gar nicht gerechnet.", flötete Jessica.
Jetzt war sie etwas verunsichert: "Ja, äh, hör zu. Ich glaube, ich hatte gestern ein paar Gläser zu viel."
Jessica lachte: "Das könnte man so sagen."
"Also, ich wollte fragen. Haben wir....ich meine, sind wir..."
"Ob wir rumgemacht haben?", jetzt lachte Jessica aus vollem Herzen.
"Nein, haben wir nicht, keine Sorge."
Erst jetzt merkte Paula, dass sie sie Luft angehalten hatte. Erleichtert atmete sie aus.
"Obwohl ich dir ja eine Chance gegeben habe." Jessica klang, als würde sie das aber nicht allzu ernst meinen.
"Pass auf Paula, ich bin hier gerade unterwegs. Wie wäre es, wenn wir uns einfach noch mal treffen, dann erzähle ich dir gern vom Rest des Abends. Kann ich mich bei dir melden?"
"Ja, ähm, klar. Melde dich, wenn du Zeit hast."
"Gut, dann bis dahin", und schon legte Jessica auf.

"Und? Und? Und?", Mary konnte ihre Neugier kaum bremsen.
"Alles ist in Ordnung", seufzte Paula erleichtert.
"Und das heißt genau was?", hakte Mary nach.
"Wie ich es schon gesagt hab, ist nichts passiert. Sie hat mir angeboten, dass wir uns noch mal treffen und dann wird sie meine Lücken schließen."
"Ok, fassen wir mal zusammen. Du gehst feiern in einem Lesbenclub, willst dich nächste Woche mit Clementine treffen und hast eine weitere Verabredung mit einer anderen Lesbe. Alle Achtung."
Mary musste zugeben, dass es ihr eine Heidenfreude bereitete, Paula damit aufzuziehen.
"Du bist ja bloß neidisch."
Paula wollte ab jetzt souveräner mit dem Thema umgehen. Und letztlich hatte der Abend ihr auch gezeigt, dass sie trotz der Möglichkeit, nicht auf eine Frau angesprungen ist. Mary dagegen glaubte, dass der eigentliche Grund, warum Paula sich nicht auf Jessica eingelassen hatte ein ganz anderer war. Sie war sich aber sicher, dass Paula das noch selbst herausfinden würde.

Ende Teil 6




copyright © by Liebundbrav. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.





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