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An A. von A.

almp
HiddenNickname
offline
11.03.2004 00:57
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Es war im Sommer, in den Ferien. Ich besuchte deine Freundin, aber eigentlich kam ich nur um dich zu sehen, wie vorherbestimmt. Ich kannte dich ja nicht mal. Und jetzt? Kenne ich dich jetzt?
Du zogst mich an wie der Honig die Biene. Ich sah dich und nahm nichts anderes mehr wahr. Aber ich witterte auch meine Chance, die Chance endlich Erfahrungen zu machen, in sexueller Hinsicht, endlich das auszuleben, von dem ich immer träumte. Einer Frau die es geschehen lässt und der es gut tut von mir geliebt zu werden und die sich nicht dafür schämt eine lesbische Beziehung zu haben. Ich suchte die Natürlichkeit. Gefunden habe ich nur ein Schauspiel.
Ich verliebte mich in dein Äußeres, deine kurz geschorenen Haare, deinen schmalen Mund und die kleinen Leberflecke an deinem rechten Auge, die wie ein gleichwinkliges Dreieck zueinander stehen. In deine etwas fransigen Röcke, die so bunt waren, dass es mir den Atem verschlug in diesem warmen Sommer.
Wir lagen Stunden unter dem Apfelbaum, dessen Äpfel immer noch grün waren, als ob sie nie reifen würden und einen roten Teint bekommen könnten, wie wir. An diesen Tagen waren die Grashalme dicker und saftiger und ihre Farbe grüner als das grünste Grün. Vielleicht lag das auch an einem Nikotinschock oder an den Joints, die du für uns drehtest. Wir rauchten nämlich sehr viel.
Mich erstaunte dieses Selbstverständnis, mit dem du statt einer einfach zwei Zigaretten rausnahmst und mir Feuer gabst. Eigentlich hättest du das gar nicht müssen, die Luft hätte sie mit der Zeit von selbst entzündet, oder dein Atem. Ich hielt dich im Arm, ich berührte dich überall, wie ich es in dieser Nacht auch schon getan hatte und ich erwartete nichts, nichts außer deinen Mandelaugen und deinen ungezupften Augenbrauen.
Ich wunderte mich über diese Eigenarten, als ob ich sie selber nicht kannte. Aber es war mir fremd, dass jemand das Bedürfnis einfach sie selbst zu sein auch tatsächlich auslebte, ohne dass es jemanden zu kümmern hatte. Du schienst dich wohl in deiner Haut zu fühlen und auch darin verliebte ich mich. Ich dein Selbstvertrauen, in dein Selbstbewusstsein und die Art in der du dich gabst, eben in dich. Gegen dich kam ich mir so klein vor, ungeschickt und groß zugleich. Ich hatte nicht das Selbstvertrauen lieber das anzuziehen, was ich wirklich mochte, denn ich hatte Angst, man redete über mich.
Mit der Zeit änderte sich all das. Ich fühlte mich gut, ich überwand meine Angst zu gehen und wiederzukommen, meine Angst ich selbst zu sein, meine Angst das Haargel, das einen „männlicher&#822 0; erscheinen lässt, zu benutzen meine Angst endlich groß zu sein. Denn du warst mein Vorbild und ich bemühte mich so gut es ging die Dinge so selbstverständlich zu nehmen wie du. Statt einer nahm ich zwei Zigaretten aus der Schachtel, ich begann das zu tragen, was ich mochte und das Haargel zu benutzen, ich selbst zu sein.
Doch da blieb immer so ein Gefühl, von Anfang an. Ein leichtes Ziehen im Bauch, eine Unruhe, wenn ich sitzen musste, in der S-Bahn, auf deinem Bett. Immer dann, wenn wir mit den Leuten aus deiner WG zusammenwaren zum Beispiel. Sie waren wesentlich älter als wir und ich mochte sie nicht. Sie lebten in einer anderen, unwirklichen Welt. In einer Welt in der man um 11 Uhr aufsteht und bis halb zwei frühstückt, während man die ersten Joints raucht. Ein Überbleibsel der Hippie- und Kommunen Kultur. Ich begann wahrzunehmen, dass ich wieder Angst hatte. Angst vor dem Selbstständig-Sein und nichts auf die Reihe zu bekommen. Wie du. Ich hoffe du verzeihst mir, wenn ich das sage.
Die Liebe vom Anfang war verschwunden und deine Unordnung machte mich wahnsinnig. Jetzt spiegelt sie dein Inneres wider. Wir passten nicht zusammen, doch ich war blind genug um das nicht eher zu merken. Man denkt wohl immer es hält ewig. Es gab Situationen, in irgendeiner Kneipe, glaub ich, da kam ich mir mit dir so klein vor, und ich sagte zu dir: „du bist doch meine Große“, worauf du verächtlich nicktest. Ich begriff, ich hatte etwas falsches gesagt, denn du wusstest bereits, dass du nicht das warst, für das ich dich hielt. Du warst nicht groß, du warst genauso klein wie ich. Es war nicht an diesem Punkt, dass wir uns voneinander entfernten, es geschah viel früher, als ich dich besser kennenlernte, aber nicht sah, das du nicht die warst, in die ich mich verliebt hatte. Ich weiß nicht wann das war. Es spielt auch keine Rolle.
Du sagst immer, dass du glaubst, die Liebe wäre irgendwann einfach weg. Ich dachte immer meine Argumente dagegen hätten keinen Wahrheitsgehalt. Aber jetzt glaube ich zu wissen, dass wenn man sich in einen Menschen verliebt, der er selbst ist und man es ebenfalls ist, dass man dann sofort erkennt, ob man zusammen passt oder nicht. Wenn man denkt zusammenzupassen und es zu probieren, miteinander, dann verschwindet die Liebe nicht. Die Liebe verschwindet nicht, sie bleibt, wenn man man selbst ist. Doch du warst nicht du selbst und ich war nicht ich selbst, ich wollte sein wie du. Ich verliebte mich in deine Fassade.
Ich will dir das alles nicht zur Last legen, genauso wenig wie mir, aber ich glaube zu verstehen. Solange wir nicht wir selbst werden, werden wir nicht glücklich werden, werden alle Beziehungen, die wir anfangen, kaputt gehen. Und ich will, dass du glücklich bist. Ich habe dich sehr lieb,

A.

Entschuldigung für eventuelle Tippfehler und falsche, fehlende Komma... es ist schon spät und es ist so runtergetippt.... .
jeannedarc130..
HiddenNickname
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11.03.2004 23:38
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