32 Bit Selbstmorde
Hallo zusammen...
es gibt Cyber-Sex, Cyber-Gram, Cyber-Spass – warum also nicht auch Cyber-Selbstmord? Meinen ersten erlebte ich bereits 1998, im damaligen Spinchat. Eine mir weitgehend unbekannte Frau kam in den Chat, murmelte einige Minuten etwas von „es hat alles keinen Sinn mehr“, „ich mach Schluss“ und kulminierte schließlich in dem Satz..“Ihr werdet mich nicht wiedersehen...nicht auf dieser Welt. Lebt wohl!“ Es folgte ein dramatischer Logout....der finale, sozusagen.
Da saß ich nun, mit flauem Gefühl im Bauch. Ich hatte durchaus versucht, an diese Frau heran zu kommen, so wie auch viele andere aus dem Chat, aber sie war viel zu beschäftigt im Abspulen dramatischer Phrasen, um unser Interesse und unsere Anteilnahme an ihrer Not überhaupt zu realisieren. Jetzt war sie weg und auf dem Weg, sich die Pulsadern aufzuschnippeln oder den Kopf in den Gasherd zu stecken.
Total indiskutabel, sagte ich mir, und breitete mir, zusammen mit Anderen aus dem Chat, eine Scheiss-Nacht, um diese Frau aufzutreiben und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Nach etwa 20 Telefonaten durch die halbe Welt waren wir soweit, eine Telefonnumer von ihr zu haben. Es ging niemand dran – was unsere Befürchtungen natürlich verstärkte. Ich rief schließlich die Polizei am besagten Ort an und erzählte die Geschichte vom angekündigten Selbstmord. Die wollten über die Telefonummer die Adresse ermitteln und sich drum kümmern.
Ich ging ins Bett, um den Rest der Nacht grübelnd und mit Sorgen wach zu liegen. Aber was hätte ich mehr tun können?
Zwei Tage danach erfuhr ich, dass im Chat eine Freundin (unregistrierter Nick) besagter Frau aufgetaucht wäre, und vom vollzogenen Selbstmord ihrer Freundin berichtet hatte. Sie erwähnte genau den betroffenen Nick. Sofort war der Klos wieder in der Magengegend. Ich hielt es nicht mehr aus und rief erneut die Polizei an. Was ich dort erfuhr, raubte mir die Sprache:
Man hatte gegen 5 Uhr früh an der Wohnung geklingelt. Nach einiger Zeit mache eine restlos verschlafene Frau die Tür auf, die meinte, es wär alles nur ein Missverständnis, sie wär schlecht drauf gewesen, hätte Beziehungsstress und nur im Chat mal ein bisschen abgejammert. Wär alles nur Spaß gewesen.
War’s aber nicht, zumindest nicht für mich. Aber ich wusste jetzt zumindest bescheid. Wenige Tage später war sie wieder im Chat, mit neuem blütenreinen Nick (ein neuer Nick, ein neues Glück) und wechselte diesen erneut, als bekannt wurde, dass sie es war. Sie war selbstredend auch die unregistrierte Frau, die den Selbstmord bestätigte.
Im Laufe der Zeit habe ich bestimmt 20 digitale Selbstmorde miterleben dürfen – die alle, statt mit einer Leiche, lediglich mit einem neuen Nick endeten. Zusätzlich lese ich hier täglich die dramatischsten Geschichten im Forum, über Vergewaltigung, Missbrauch im Kindesalter, brutalste Diskriminierungen in Schule, Familie und Beruf – und 90% davon erzeugen bei mir das Gefühl...wow, da pubertiert aber gerade jemand gewaltig, macht dies aber so inkompetent, dass die Story zum Himmel stinkt.
Um dies deutlich zu sagen, ich spreche nicht über die bei einer Einwohnerzahl von 80 Mio. repräsentativen „realen“ Schicksalsschläge. Ich spreche von den theatralisch aufgebauschten Kopfgeburten irgendwelcher halbfertiger Tussies, die ihrem ansonsten bedeutungslosen Leben wenigstens ein Highlight an mitleidender Aufmerksamkeit durch Dritte aufsetzen wollen. Ich frage mich immer wieder, ob sich irgendeine dieser Laiendarstellerinnen jemals Gedanken darüber macht, dass ihre dämliche Story wirklich Menschen in Angst und Schrecken versetzen kann – oder dazu beiträgt, dass eventuelle reale Situationen auf grund häufigen Missbrauchs nicht als solche erkannt werden?
Als mich am letzten Wochenende gegen 1:30 Uhr nachts eine Frau mit ihrem angekündigten Selbstmord beglücken wollte, hat sie von mir nur ein „have fun doing so“ gehört, mit anschließendem „ignore“. Ihr neuer Nick im Chat ist....nein, ich sag’s nicht ..*groll*
Was soll diese Kinderkacke??? Ich begreifs nicht.
Sabine
es gibt Cyber-Sex, Cyber-Gram, Cyber-Spass – warum also nicht auch Cyber-Selbstmord? Meinen ersten erlebte ich bereits 1998, im damaligen Spinchat. Eine mir weitgehend unbekannte Frau kam in den Chat, murmelte einige Minuten etwas von „es hat alles keinen Sinn mehr“, „ich mach Schluss“ und kulminierte schließlich in dem Satz..“Ihr werdet mich nicht wiedersehen...nicht auf dieser Welt. Lebt wohl!“ Es folgte ein dramatischer Logout....der finale, sozusagen.
Da saß ich nun, mit flauem Gefühl im Bauch. Ich hatte durchaus versucht, an diese Frau heran zu kommen, so wie auch viele andere aus dem Chat, aber sie war viel zu beschäftigt im Abspulen dramatischer Phrasen, um unser Interesse und unsere Anteilnahme an ihrer Not überhaupt zu realisieren. Jetzt war sie weg und auf dem Weg, sich die Pulsadern aufzuschnippeln oder den Kopf in den Gasherd zu stecken.
Total indiskutabel, sagte ich mir, und breitete mir, zusammen mit Anderen aus dem Chat, eine Scheiss-Nacht, um diese Frau aufzutreiben und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Nach etwa 20 Telefonaten durch die halbe Welt waren wir soweit, eine Telefonnumer von ihr zu haben. Es ging niemand dran – was unsere Befürchtungen natürlich verstärkte. Ich rief schließlich die Polizei am besagten Ort an und erzählte die Geschichte vom angekündigten Selbstmord. Die wollten über die Telefonummer die Adresse ermitteln und sich drum kümmern.
Ich ging ins Bett, um den Rest der Nacht grübelnd und mit Sorgen wach zu liegen. Aber was hätte ich mehr tun können?
Zwei Tage danach erfuhr ich, dass im Chat eine Freundin (unregistrierter Nick) besagter Frau aufgetaucht wäre, und vom vollzogenen Selbstmord ihrer Freundin berichtet hatte. Sie erwähnte genau den betroffenen Nick. Sofort war der Klos wieder in der Magengegend. Ich hielt es nicht mehr aus und rief erneut die Polizei an. Was ich dort erfuhr, raubte mir die Sprache:
Man hatte gegen 5 Uhr früh an der Wohnung geklingelt. Nach einiger Zeit mache eine restlos verschlafene Frau die Tür auf, die meinte, es wär alles nur ein Missverständnis, sie wär schlecht drauf gewesen, hätte Beziehungsstress und nur im Chat mal ein bisschen abgejammert. Wär alles nur Spaß gewesen.
War’s aber nicht, zumindest nicht für mich. Aber ich wusste jetzt zumindest bescheid. Wenige Tage später war sie wieder im Chat, mit neuem blütenreinen Nick (ein neuer Nick, ein neues Glück) und wechselte diesen erneut, als bekannt wurde, dass sie es war. Sie war selbstredend auch die unregistrierte Frau, die den Selbstmord bestätigte.
Im Laufe der Zeit habe ich bestimmt 20 digitale Selbstmorde miterleben dürfen – die alle, statt mit einer Leiche, lediglich mit einem neuen Nick endeten. Zusätzlich lese ich hier täglich die dramatischsten Geschichten im Forum, über Vergewaltigung, Missbrauch im Kindesalter, brutalste Diskriminierungen in Schule, Familie und Beruf – und 90% davon erzeugen bei mir das Gefühl...wow, da pubertiert aber gerade jemand gewaltig, macht dies aber so inkompetent, dass die Story zum Himmel stinkt.
Um dies deutlich zu sagen, ich spreche nicht über die bei einer Einwohnerzahl von 80 Mio. repräsentativen „realen“ Schicksalsschläge. Ich spreche von den theatralisch aufgebauschten Kopfgeburten irgendwelcher halbfertiger Tussies, die ihrem ansonsten bedeutungslosen Leben wenigstens ein Highlight an mitleidender Aufmerksamkeit durch Dritte aufsetzen wollen. Ich frage mich immer wieder, ob sich irgendeine dieser Laiendarstellerinnen jemals Gedanken darüber macht, dass ihre dämliche Story wirklich Menschen in Angst und Schrecken versetzen kann – oder dazu beiträgt, dass eventuelle reale Situationen auf grund häufigen Missbrauchs nicht als solche erkannt werden?
Als mich am letzten Wochenende gegen 1:30 Uhr nachts eine Frau mit ihrem angekündigten Selbstmord beglücken wollte, hat sie von mir nur ein „have fun doing so“ gehört, mit anschließendem „ignore“. Ihr neuer Nick im Chat ist....nein, ich sag’s nicht ..*groll*
Was soll diese Kinderkacke??? Ich begreifs nicht.
Sabine