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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadDas 3.Geschlecht
01.09.2008 17:03
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0 Ein Wesen, das die Merkmale beider Geschlechter in sich vereint. Alle reden von Männern und Frauen - wir werden totgeschwiegen. Es fängt damit an, dass niemand genau weiß, wie viele es von uns gibt. Niemand kennt uns. Heute nennt man uns “intersexuell“, “zwischen den Geschlechtern“. Aber noch immer gelten wir als Missbildung, als Fehler. Rein körperlich unterscheiden die Navajo drei Geschlechter. Aber sie haben fünf Geschlechterrollen, die ein Mensch einnehmen kann. Anstatt auf den Körper achten die Navajo darauf, wie sich ein Mensch verhalten möchte. Wusstest du, dass man in germanischen Gräbern männliche Körper gefunden hat, die Frauenkleider trugen? Es waren wahrscheinlich Schamanen. Was geschieht heute in diesem Land, wenn ein zwischengeschlechtlicher Mensch geboren wird? Sprecherin: "Noch im Mittelalter war allgemein klar, dass hin und wieder auch Zwitter geboren werden. Der Vater legte bei der Taufe das Geschlecht des Kindes fest. Als junger Erwachsener durfte der Mensch selbst entscheiden, welchem Geschlecht er oder sie angehören wollte." Im heutigen Bundesgesetzbuch existieren wir nicht mal. Stell dir vor: Was im Mittelalter praktiziert wurde, das fordern wir heute als unsere Emanzipation! Erzählerin: Der Unterschied zwischen den Geschlechtern galt bis zum achtzehnten Jahrhundert als fließend. Frauen waren körperlich umgekehrte Männer, deren Geschlechtsorgane sich am “falschen Platz“ befanden - nämlich innen. Mit den Naturwissenschaften änderte sich das Geschlechterverständnis. Wissenschaftler suchten nach einer klaren biologischen Definition - und fanden sie in Körperbau, Genen und Hormonen. Dornhof, Dorothea, Kulturwissenschaftlerin: O-Ton: „Und dass damit im Grunde auch das moderne Geschlechterdenken beginnt - mit dieser Klassifizierung. Man wurde bestimmt als männlich oder weiblich - und das zieht sich eben bis heute durch, das ist eben das Management der Medizin noch bis heute.“ In den ersten Wochen sind alle Embryonen gleich gebaut. Das ist die "ursprüngliche Intersexualität" der Erdlinge. Erst dann trennt sich die Entwicklung von Mann und Frau - wobei es auch Zwischenstufen geben kann. Das männliche und das weibliche Genital sind aus gleichen Vorstufen aufgebaut. Der Hodensack entspricht den großen Schamlippen. Bei der Frau bleiben die Gewebe geöffnet, beim Mann wachsen sie zusammen, bei intersexuellen Menschen gibt es unterschiedliche Grade von offen oder zusammengewachsen, mit vielen Abstufungen zwischen “noch großen Schamlippen und großer Klitoris“ und “schon kleinen Hodensäcken und kleinem Penis“. Christiansen, Kerrin, Humanbiologin, schreibt: “Die eindeutige Diagnose ‚Das ist eine Frau‘ oder ‚Das ist ein Mann‘ kann die Biologie nur beschränkt liefern. Das liegt an der erstaunlichen Variabilität, mit der die Natur Frauen und Männer gestaltet. Gerade die Biologie mit der exakten, naturwissenschaftlichen Methodik zeigt uns heute, wie fließend die Übergänge von Mann und Frau sind.“ Gilt auch für die sonstige Natur. Ein Drittel aller tropischen Fische sind Zwitter. Sie bilden zur selben Zeit Eier und Spermien oder wechseln das Geschlecht. Bei manchen Tieren gibt es sogar mehrere Formen von Männchen oder Weibchen, kleine, dicke, runde, lange. Sie sehen aus wie unterschiedliche Fischarten, trotzdem sind alles Männchen oder Weibchen derselben Art. Die meisten Erdlinge denken, das Geschlecht wird allein durch die Gene bestimmt. So einfach ist es nicht. Vier große Etappen bestimmen das Geschlecht: Erst die Gene, dann die Hormone, dann entwickelt sich im Gehirn die Geschlechtsidentität - schließlich folgt die Erziehung. Weil das so vielschichtig ist, kann es zu Verschiebungen kommen. Verstehe: Genetisch ist das Kind ein Junge, aber die Hormone haben einen weiblichen Körper gebildet. Das Gehirn fühlt sich als Junge, aber die Eltern möchten ein Mädchen aufziehen. Oder umgekehrt. Oder, oder, oder. Was bei mir vorgeburtlich los war, weiß ich natürlich nicht mehr. Für die Zeit danach kann ich nur sagen: Die Umgebung ist so wichtig. Welche Möglichkeiten, sich als “jemand“ zu fühlen, welche Rollen sind da vorhanden? Ich fühle mich zeitweise sehr als “Zwitter“ - aber diese Rolle gibt es nicht! Und deshalb ist es unendlich schwer, sich mit einer solchen Identität sicher zu fühlen. Wie verwunderlich! In dieser Kultur sind die Genitalien das entscheidende Indiz dafür, welchem Geschlecht ein neuer Erdling zugeordnet wird. Der Erdling ist in der Lage wahrzunehmen, dass einige Neugeborene uneindeutige Genitalien haben. Also wäre eine dritte Kategorie eigentlich zwingend notwendig - wo ihnen die Genitalien doch nun mal so wichtig sind. Aber statt dessen nennt der Erdling Körper, die nicht in sein Zwei-Geschlechter-Modell passen, “unnatürlich“. Unmittelbar nach der Geburt verändert er diese Körper durch eine Operation, künstlich. Um sie dann als “natürlich“ zu bezeichnen! Wie höchst verwunderlich! Dieser Text ist ein Auszug. Vollständig nachuhören unter: http://www.wdr5.de/nachho [...] ndefined
editiert am 03.09.2008 14:02
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