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Forum » Allgemeines » ThreadDating 2026 - ein Erfahrungsbericht
12.04.2026 19:01
HiddenNickname
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Das Dating-Desaster (Vom Kennenlernen und gepflegt Verwirrtwerden) Nach ein paar Jahren als Single war ich kürzlich wieder an dem Punkt, an dem ich dachte: „Komm, gib der Sache nochmal eine Chance.“ Natürlich in der völlig bescheidenen Hoffnung, einfach mal eben die Frau fürs Leben zu finden. Was soll schon schiefgehen? Spoiler: alles. Mit Anfang 40 datet man nämlich ein kleines bisschen anders als mit Anfang 20. Man weiß inzwischen ziemlich genau, was man will – und vor allem, was man auf gar keinen Fall mehr will. Gleichzeitig sitzt einem irgendwo im Hinterkopf so ein leicht panischer Hamster und flüstert: „Die Uhr tickt übrigens.“ Und ganz ehrlich: Für wochenlanges „Na, wie war dein Tag?“ – „Gut, und deiner?“ – „Auch gut“ fehlt mir inzwischen die seelische Belastbarkeit. Also rein ins Getümmel – mit einer charmanten Mischung aus Selbstzweifeln und einem Selbstwertgefühl, das noch Luft nach oben hat. Zurück zum Thema: Darauf zu warten, angeschrieben zu werden, ist ungefähr so erfolgversprechend, wie darauf zu hoffen, dass die Traumfrau plötzlich zwischen Joghurt und Tiefkühlpizza im eigenen Einkaufswagen sitzt und „Hallo“ sagt. Also: Eigeninitiative! Man wühlt sich durch Profile, liest tatsächlich (!) die Beschreibungen und schreibt dann eine Nachricht mit Inhalt. Also nicht „Hey“, sondern richtig mit Bezug und so. Offenbar für manche so verstörend, dass sie sich denken: „Nee, das ist mir zu viel Persönlichkeit“ – und einfach gar nicht antworten. Okay, kann passieren. Weiter geht’s. Dann plötzlich: eine Antwort! Hoffnung! Ein Gespräch entwickelt sich – vorsichtig, zaghaft … und stirbt dann einen plötzlichen, völlig unerklärlichen Chat-Tod. Nächste Runde: Eine neue Nachricht von einer Frau. Mit Profilbezug! Ich bin irritiert. Und beeindruckt. Ein lockerer Austausch beginnt, der ziemlich schnell… sagen wir… in Richtung FSK 18 abbiegt. Okay. Auch ein Konzept. Mal sehen, wohin das führt. Antwort: im Kreis. Immer die gleichen Anspielungen, die gleichen Spielchen. Telefonieren? Nein, schlechte Erfahrungen. Treffen? Wird elegant ignoriert. Ich stelle fest: Für sinnloses Im-Kreis-Schreiben brauche ich keine zweite Person – das kann ich auch alleine und deutlich effizienter. Also verabschiede ich mich höflich. Ergebnis: wieder nichts. Langsam stellt sich eine gewisse Grundfrustration ein. Aber hey – gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Oder so. Die Muster wiederholen sich. Und selbst wenn es tatsächlich mal zu einem Treffen kommt, bleibt es bei genau diesem einen. Irgendwann frage ich mich ernsthaft: Sucht hier eigentlich irgendjemand wirklich? Oder ist das alles nur ein groß angelegtes Sozialexperiment? Ich beschließe: Ich lasse es erst mal. Natürlich kommt genau dann: eine Nachricht. Eine Frau aus NRW. Fernbeziehung? Stand eigentlich nicht auf meiner Liste. Aber sie ist hartnäckig. Und – ich gebe es zu – sie hat was. Vielleicht also doch? Kurze Zeit später: kleines Detail am Rande – wir sprechen nicht dieselbe Sprache. Ihre Nachrichten laufen durch Google Translate und kommen halbwegs verständlich bei mir an. Ich denke mir: Ach komm. Sprache ist überbewertet. Und Französisch wolltest du doch sowieso mal lernen. Außerdem: Diese Frau ist… beeindruckend. Sie trifft zielsicher jeden emotionalen Nerv. Schon fast zu perfekt. Moment. Hier stimmt doch was nicht. Aber jeder Zweifel wird charmant wegmoderiert. Eine fast schon absurde Nähe entsteht. Ich beginne ernsthaft, an meinen eigenen Zweifeln zu zweifeln. Ich denke: Das ist sie. Wirklich. Und gleichzeitig meldet sich diese leise Stimme im Kopf: „Kollege… irgendwas ist hier faul.“ Also gut. Faktencheck. Ein klarer Beweis muss her. Reaktion: Ausflüchte. Dramatische Empörung. „Warum vertraust du mir nicht?“ – wir seien uns doch so nah. Klar. Ich schwanke kurz zwischen gesundem Menschenverstand und dem Wunsch, dass das alles vielleicht doch echt sein könnte. Long story short: war es nicht. Passiert ist nichts – außer, dass mein Vertrauen in die Menschheit ein kleines bisschen… sagen wir… angeknackst ist. Und meine Bereitschaft, mich jemandem zu öffnen, ungefähr auf dem Niveau eines verschlossenen Gurkenglases liegt. Ist das jetzt normal? Ist das moderner Dating-Alltag? Gab es da ein Update, das ich verpasst habe? Nicht meine Welt. Definitiv nicht. Aufgeben? Klingt vernünftig. Langweilig, ja. Nicht besonders romantisch. Aber immerhin deutlich weniger nervenaufreibend. Und ganz ehrlich: Im Moment erscheint mir das wie die stabilste Strategie. To be continued … vielleicht. Oder auch nicht.
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