Der Landstreicher - eine Erzähling
Der Landstreicher
- eine Begegnung
Er ging durch eine lange kleine Strasse, auf der suche nach dem Leben. An einem hohen weißen Haus hielt er, klingelte und erbat sich Einlass, fragte nach ein paar Münzen, doch die Frau am Schreibtisch steckte nur eilig ihre Tasche unter den Tisch und bat ihn wieder zu gehen. Ihr Vorgesetzter, ein Anwalt sei zur zeit nicht im Haus. Im gehen hörte er nebenan die Stimme eines Mannes is den mittleren Jahren. Es musste der Vorgesetzte sein. Doch das war er schon gewohnt und ging die Straße weiter abwärts. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckte er eine junge Frau. Wie alt sie genau sein mochte wusste er nicht zu beurteilen, jedoch beschloss er auf sie zuzugehen. Sie sah ihn und hielt ob seines offensichtlich an sie gerichteten Blickes an, im glauben er wolle sie nach dem Weg fragen. Offensichtlich war er nicht von hier, schien weit gereist. Eine gelbe Strickmütze auf dem Kopf, der darrunterliegende von grauen Haaren durchzogene Dreitagebart über den eingefallenen Wangen, die grüne zerschundene Jacke, über den ausgebeulten Hosen, welche die abgenutzte Lederstiefel überdeckten. Der rote alte schlabberige Wanderruchsack hing ihm ermüdet von den Schultern. Er musste in den mittleren Jahren sein, doch es war schwer einzuschätzen, da sein heiteres Gesicht ihn Jung machte, doch seine, ihm ins Gesicht geschriebene Lebenserfahrung ihn auch auf eigentümliche Art alt wirken ließ, jedoch war er offensichtlich erfüllt vom leben und voll von Tatendrang. Er erschien irgendwie aufgeblüht.
Im Laufen fing er an ihr einen, sich auf alten Redensformen begründeten, höflichen Text aus französisch und deutsch zu formulieren, der sich um das Leben und Sein bemühte. Mitten auf der Strasse hielt er an und redete zu Ende. Er erbat sich für diesen persönlich an sie gerichteten Text, welcher sie sehr angesprochen und beeindruckt hatte, eine Kleinigkeit, doch die junge Frau stellte mit Bedauern fest, dass ihr Geld zu groß war und so bot sie ihm an sie ein wenig auf ihrem Weg zu begleiten, bis an eine stelle wo sie es wechseln könnte. In der höflichen alten Sprache erklärte er sich gern bereit für ein kurzes Stück ihren Weg zu teilen. Sie redeten die ganze Zeit.
Er kam aus einem kleinen Ort im Saarland und war nun fast schon 2 Jahre unterwegs. Ohne Hass, ganz allein mit Mitgefühl und Trauer für diejenige, erzählte er von seinem Erlebnis mit der Frau im Büro. Die junge Weggefährtin musste feststellen das sie dem Ganzen mit weit mehr Ärger entgegensah als er. Sie sagte, dass diejenigen die nicht geben wohl auch nicht erwarten dürften etwas zu bekommen falls sie einmal bedürftig sein sollten. Er jedoch meinte nur, sie sei eben ein armes Geschöpf und habe Gottes beistand verdient.
Auch erzählte er von seiner reise in eine ländliche Gegend in Bayern und davon, wie schön er es fand nun schon zum 2. mal in Frankfurt zu sein. Die Menschen hier seien liberaler und freundlicher wusste er zu berichten. Vor allem die Jugend sei eher bereit etwas zu geben erzählte er voll Faszination. In Bayern auf dem Land sei man ihm mit mehr Furcht und Abschreckung begegnet.
Eine Frau mit Kinderwagen lief an ihnen vorbei. Er kommentierte dies mit einem breiten lächeln und sagte: „Schönes Kind, wunderbare Mutter“, doch die Frau reagierte nur mit Furcht. Erneut ohne Ärger, nur mit ein wenig Unverständnis fragte er sich warum sie nicht entzückt war von seinem Lob und die junge Frau in seiner Begleitung erklärte ihm das die Mutter vielleicht Angst habe. „Der Mensch“, so sagte sie „ist doch immer noch das gefährlichste Tier“. Doch er wiedersprach sogleich. Der Mensch sei zum einen kein Tier, sondern von Gott geschaffen und den Tieren ungleich und zum anderen erklärte er, dass kein Mensch sich vor dem anderen fürchten sollte. Sie seien doch alle vom Selben Herrn erschaffen und das mit Liebe und aus Liebe zum Leben. Das brachte die junge Frau zum nachdenken.
Sie erreichten den ersehnten Platz und die junge Frau wechselte das Papiergeld. Er wartete draußen und als sie zurück kam, stand er da, mit aufeinandergelegten nach oben offenen Händen, in Erwartung von einem kleinen Betrag. Sie erkundigte sich nach seinem nächsten Reiseziel. „Vielleicht das Rainland in wenigen Tagen“ antwortete er und auch auf die Frage wie lange er wohl noch unterwegs sein wollte gab er erfreut danach befragt zu werden die Antwort, er wolle wohl noch mindestens 1 Jahr reisen.
Sie wollte den Betrag nicht öffentlich vor ihm ausbreiten und so nahm sie das gefaltete Papier in die Hand und gab es ihm mit einem Händedruck, der erst mit einer sehr ausdrucksstarken Verabschiedung endete.
Er dankte ihr und wünschte ihr ein schönes Leben, Kraft und Stärke, sie ihm alles Gute auf seinen Wegen.
Im Gehen sah sie ihm einige Zeit nach, wie er sich treiben ließ und nicht den Weg den sie gekommen und den er ursprünglich beabsichtigte zu beschreiten zurückging, sondern sich von dieser Begegnung leiten ließ und einen neuen Weg einschlug, so als wäre es das Schicksaal gewesen, dass ihm eine neue Richtung durch die Junge Frau gegeben hatte.
Lange dachte die junge Frau noch über ihn nach. Über seine alte Ausdrucksform, seine Höflichkeit und Genügsamkeit. Seine Nachsicht den ‚Habenden’ gegenüber, die nicht wussten wie schön es war zu geben. Darüber wie er über das leben lernte indem er lebte. Über sein vertrauen in Gott, welcher ihn, seiner Ansicht nach leiten würde. Über seine Erlebnisse und seine Freiheit, die Freiheit den vorher beschlossenen Weg vertrauensvoll zu verlassen. Über seine Güte, welcher er der Sekretärin angedeihen ließ und darüber wie traurig es ihn machte das sie eine ausrede benutzt hatte, anstatt ihm klar zu sagen das sie nichts geben wollte. Über seine Weltahnschauung und auch darüber wie er sich für ein paar nette Worte ein paar kleine Münzen erbat, ohne zu Betteln. Wie er so dagestanden hatte, größer als sie, weit erfahrener als die meisten und von ihr Geld entgegennahm. Dankbar, jedoch nicht demütig oder unterwürfig und mit viel Stolz in seiner Angewiesenheit. Und nicht zuletzt dachte sie auch daran wie versonnen und vollkommen ohne Sorgen, wie selbstzufrieden er seinen Weg meisterte und wie auf einmal in ihr das Gefühl der Schönheit und der Bewunderung aufgestiegen war.
Sie war ihm dankbar, für diese Begegnung und als es schon zu spät war bedauerte sie es, ihm nicht noch einen Schaal etwas zu Essen oder irgendetwas anderes mit auf den Weg gegeben zu haben. Sie hätte ihm so gerne noch lange gelauscht, sich interessante Gehschichten die das leben schreibt von ihm angehört. Einige seiner Weißheiten in sich aufgenommen und darüber nachgedacht. Oder sich die Geschichte seines Lebens von ihm erboten. Sie kam sich schmutzig vor bei dem Gedanken ihm dafür Geld oder Essen und Lagerstatt zu geben. Sie fühlte den Schmutz des Materiellen. Und doch war auch er irgendwie darauf angewiesen.
Doch das was sie ihm am liebsten mit auf den Weg gegeben hätte, ein wenig Weisheit und Erfahrung, dass besaß er im Überfluss und ihr wurde klar, das er wohl der reichste Mann sein musste der ihr je begegnet war.
Sie kannte nicht mal den Namen dieses Engels mit den eingefallenen Wangen.
Sie sah traurig in den Himmel und hoffte ihm irgendwann in ihrem Leben noch einmal zu begegnen um ihm zu danken und sich vielleicht noch etwas mit ihm unterhalten zu können.
- eine Begegnung
Er ging durch eine lange kleine Strasse, auf der suche nach dem Leben. An einem hohen weißen Haus hielt er, klingelte und erbat sich Einlass, fragte nach ein paar Münzen, doch die Frau am Schreibtisch steckte nur eilig ihre Tasche unter den Tisch und bat ihn wieder zu gehen. Ihr Vorgesetzter, ein Anwalt sei zur zeit nicht im Haus. Im gehen hörte er nebenan die Stimme eines Mannes is den mittleren Jahren. Es musste der Vorgesetzte sein. Doch das war er schon gewohnt und ging die Straße weiter abwärts. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckte er eine junge Frau. Wie alt sie genau sein mochte wusste er nicht zu beurteilen, jedoch beschloss er auf sie zuzugehen. Sie sah ihn und hielt ob seines offensichtlich an sie gerichteten Blickes an, im glauben er wolle sie nach dem Weg fragen. Offensichtlich war er nicht von hier, schien weit gereist. Eine gelbe Strickmütze auf dem Kopf, der darrunterliegende von grauen Haaren durchzogene Dreitagebart über den eingefallenen Wangen, die grüne zerschundene Jacke, über den ausgebeulten Hosen, welche die abgenutzte Lederstiefel überdeckten. Der rote alte schlabberige Wanderruchsack hing ihm ermüdet von den Schultern. Er musste in den mittleren Jahren sein, doch es war schwer einzuschätzen, da sein heiteres Gesicht ihn Jung machte, doch seine, ihm ins Gesicht geschriebene Lebenserfahrung ihn auch auf eigentümliche Art alt wirken ließ, jedoch war er offensichtlich erfüllt vom leben und voll von Tatendrang. Er erschien irgendwie aufgeblüht.
Im Laufen fing er an ihr einen, sich auf alten Redensformen begründeten, höflichen Text aus französisch und deutsch zu formulieren, der sich um das Leben und Sein bemühte. Mitten auf der Strasse hielt er an und redete zu Ende. Er erbat sich für diesen persönlich an sie gerichteten Text, welcher sie sehr angesprochen und beeindruckt hatte, eine Kleinigkeit, doch die junge Frau stellte mit Bedauern fest, dass ihr Geld zu groß war und so bot sie ihm an sie ein wenig auf ihrem Weg zu begleiten, bis an eine stelle wo sie es wechseln könnte. In der höflichen alten Sprache erklärte er sich gern bereit für ein kurzes Stück ihren Weg zu teilen. Sie redeten die ganze Zeit.
Er kam aus einem kleinen Ort im Saarland und war nun fast schon 2 Jahre unterwegs. Ohne Hass, ganz allein mit Mitgefühl und Trauer für diejenige, erzählte er von seinem Erlebnis mit der Frau im Büro. Die junge Weggefährtin musste feststellen das sie dem Ganzen mit weit mehr Ärger entgegensah als er. Sie sagte, dass diejenigen die nicht geben wohl auch nicht erwarten dürften etwas zu bekommen falls sie einmal bedürftig sein sollten. Er jedoch meinte nur, sie sei eben ein armes Geschöpf und habe Gottes beistand verdient.
Auch erzählte er von seiner reise in eine ländliche Gegend in Bayern und davon, wie schön er es fand nun schon zum 2. mal in Frankfurt zu sein. Die Menschen hier seien liberaler und freundlicher wusste er zu berichten. Vor allem die Jugend sei eher bereit etwas zu geben erzählte er voll Faszination. In Bayern auf dem Land sei man ihm mit mehr Furcht und Abschreckung begegnet.
Eine Frau mit Kinderwagen lief an ihnen vorbei. Er kommentierte dies mit einem breiten lächeln und sagte: „Schönes Kind, wunderbare Mutter“, doch die Frau reagierte nur mit Furcht. Erneut ohne Ärger, nur mit ein wenig Unverständnis fragte er sich warum sie nicht entzückt war von seinem Lob und die junge Frau in seiner Begleitung erklärte ihm das die Mutter vielleicht Angst habe. „Der Mensch“, so sagte sie „ist doch immer noch das gefährlichste Tier“. Doch er wiedersprach sogleich. Der Mensch sei zum einen kein Tier, sondern von Gott geschaffen und den Tieren ungleich und zum anderen erklärte er, dass kein Mensch sich vor dem anderen fürchten sollte. Sie seien doch alle vom Selben Herrn erschaffen und das mit Liebe und aus Liebe zum Leben. Das brachte die junge Frau zum nachdenken.
Sie erreichten den ersehnten Platz und die junge Frau wechselte das Papiergeld. Er wartete draußen und als sie zurück kam, stand er da, mit aufeinandergelegten nach oben offenen Händen, in Erwartung von einem kleinen Betrag. Sie erkundigte sich nach seinem nächsten Reiseziel. „Vielleicht das Rainland in wenigen Tagen“ antwortete er und auch auf die Frage wie lange er wohl noch unterwegs sein wollte gab er erfreut danach befragt zu werden die Antwort, er wolle wohl noch mindestens 1 Jahr reisen.
Sie wollte den Betrag nicht öffentlich vor ihm ausbreiten und so nahm sie das gefaltete Papier in die Hand und gab es ihm mit einem Händedruck, der erst mit einer sehr ausdrucksstarken Verabschiedung endete.
Er dankte ihr und wünschte ihr ein schönes Leben, Kraft und Stärke, sie ihm alles Gute auf seinen Wegen.
Im Gehen sah sie ihm einige Zeit nach, wie er sich treiben ließ und nicht den Weg den sie gekommen und den er ursprünglich beabsichtigte zu beschreiten zurückging, sondern sich von dieser Begegnung leiten ließ und einen neuen Weg einschlug, so als wäre es das Schicksaal gewesen, dass ihm eine neue Richtung durch die Junge Frau gegeben hatte.
Lange dachte die junge Frau noch über ihn nach. Über seine alte Ausdrucksform, seine Höflichkeit und Genügsamkeit. Seine Nachsicht den ‚Habenden’ gegenüber, die nicht wussten wie schön es war zu geben. Darüber wie er über das leben lernte indem er lebte. Über sein vertrauen in Gott, welcher ihn, seiner Ansicht nach leiten würde. Über seine Erlebnisse und seine Freiheit, die Freiheit den vorher beschlossenen Weg vertrauensvoll zu verlassen. Über seine Güte, welcher er der Sekretärin angedeihen ließ und darüber wie traurig es ihn machte das sie eine ausrede benutzt hatte, anstatt ihm klar zu sagen das sie nichts geben wollte. Über seine Weltahnschauung und auch darüber wie er sich für ein paar nette Worte ein paar kleine Münzen erbat, ohne zu Betteln. Wie er so dagestanden hatte, größer als sie, weit erfahrener als die meisten und von ihr Geld entgegennahm. Dankbar, jedoch nicht demütig oder unterwürfig und mit viel Stolz in seiner Angewiesenheit. Und nicht zuletzt dachte sie auch daran wie versonnen und vollkommen ohne Sorgen, wie selbstzufrieden er seinen Weg meisterte und wie auf einmal in ihr das Gefühl der Schönheit und der Bewunderung aufgestiegen war.
Sie war ihm dankbar, für diese Begegnung und als es schon zu spät war bedauerte sie es, ihm nicht noch einen Schaal etwas zu Essen oder irgendetwas anderes mit auf den Weg gegeben zu haben. Sie hätte ihm so gerne noch lange gelauscht, sich interessante Gehschichten die das leben schreibt von ihm angehört. Einige seiner Weißheiten in sich aufgenommen und darüber nachgedacht. Oder sich die Geschichte seines Lebens von ihm erboten. Sie kam sich schmutzig vor bei dem Gedanken ihm dafür Geld oder Essen und Lagerstatt zu geben. Sie fühlte den Schmutz des Materiellen. Und doch war auch er irgendwie darauf angewiesen.
Doch das was sie ihm am liebsten mit auf den Weg gegeben hätte, ein wenig Weisheit und Erfahrung, dass besaß er im Überfluss und ihr wurde klar, das er wohl der reichste Mann sein musste der ihr je begegnet war.
Sie kannte nicht mal den Namen dieses Engels mit den eingefallenen Wangen.
Sie sah traurig in den Himmel und hoffte ihm irgendwann in ihrem Leben noch einmal zu begegnen um ihm zu danken und sich vielleicht noch etwas mit ihm unterhalten zu können.