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Der alltägliche Wahnsinn in einer Kleinstadt

Scorpylein
HiddenNickname
offline
19.04.2007 06:57
0
Der Tag in einer Kleinstadt – oder der alltägliche Wahnsinn!!!!!!!!!

Vorsicht teilweise sehr ironischer Text!


Mein Tag beginnt meist um 4 Uhr. Nachdem ich so einigermaßen in die Gänge gekommen bin verlasse ich das Haus meist gegen 4:35 Uhr. Aber bevor ich zur Tür rausgehe, nehme ich mein Pfefferspray in die Hand und schaue noch einmal ob mein Handy auch wirklich an ist. Man weiß ja nie… Auf dem Weg zur Arbeit bin ich meist alleine. Manchmal hab ich Glück und mich begleitet ein wilder Kater den Weg entlang vorbei an dunklen Waldstücken und Gebüschen. Der Weg ist nicht optimal, denn er ist finster. Habe mich anfänglich gefragt warum das so ist. Ein Annruf bei der zuständigen Stadtverwaltung brachte mir Klarheit. Die vorhandenen Straßenlampen sind nicht kaputt. Nein, sie sind ausgeschaltet zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Ok, ich nehme es so hin schließlich ist es ja in dieser Zeit keiner mehr unterwegs. Angekommen auf Arbeit ist es um 5:00 Uhr. Eigentlich machen wir erst 05:30 Uhr unseren Laden auf, aber aus Kundenfreundlichkeit bin ich meist schon 05:10 Uhr bereit zum verkauf. Der Tag verläuft eigentlich meist unspektakulär. Bei über 100 Kunden kann keiner wirklich reden. Das einzige was die meisten sagen können ist: „Bier“, „Kaugummis“, „Bild“. Ein „guten Morgen“ oder „Danke“ gibt es hier schon lange nicht mehr. Wieso auch?! Bekanntlich schmeckt ja um 7 Uhr früh das Bier eh am besten und so fangen die meisten schon ganz früh an mit trinken. Ist ja auch nicht weiter tragisch, macht ja jeder so. Prost! Gegen 09:30 Uhr mach ich dann mal für ne Viertelstunde die Bude zu, brauche Kleingeld zum wechseln. Unten an der Bank sehe ich schon wieder das Elend. Wie konnte ich das nur vergessen, es ist der 30. des Monats. ZAHLTAG. Bei nur 2 Sparkassen in dieser Stadt, kann man sich ja vorstellen, wie voll es also ist. Nach ner halben Std. bin ich dann endlich auch mal dran. Wenigstens das geschafft. Hätte ja noch länger stehen können. Um 14:30 Uhr die 2 Runde. Die Azubis und Schüler aus den umliegenden Dörfern haben jetzt Feierabend. Kühlschränke sind aufgefüllt. Prost. Ab 16 Jahre darf man Alkohol (Bier und Wein) an Minderjährige ausschenken, dass ist auch gut so, weil sonst würde uns ja der halbe Kundenstamm wegbrechen. :shock: Egal ob einige jeden Tag kommen oder sich nur 1 Mal die Woche die Kante geben. Meist sind alle schon voll im Stoff. Wie man so schön sagt. Aber wen interessiert es, der Rubel rollt ja. Um 16 Uhr kommen ein paar Halbstarke vor mein Geschäft an. Gegenüber von mir ein junger Mann mit Brille. Ich kann mir denken was jetzt passiert und stelle mich neben mein Telefon. Der Halbstarke geht auf den jungen Mann zu und vor meinen Augen vermöbelt er ihn. :shock: Wohlbedacht um schlimmeres zu vermeiden schnappe ich mir den Telefonhörer und rufe die Polizei. Am Telefon ein Beamter: "Ja wir schicken jemanden vorbei". Die „Freunde“ von dem Halbstarken haben mein tun bemerkt und Schwupps sind plötzlich alle verschwunden. Ich erkundige mich nach dem Wohlbefinden des jungen Mannes und warte. Zum Glück ihm ist nix weiter passiert 5 – 10 Minuten später fahren 2 Streifenwagen vor. Ich schildere den Fall und sage, dass die Kerle geflüchtet sind. Aber das alles ohne Erfolg. Die Sind schon über alle Berge. Anzeige gegen Unbekannt wurde aufgenommen. Mittlerweile kenne ich hier schon jeden Polizisten. Es ist ja immer irgendwas. Sei es Randale, Diebstahl, Körperverletzung. Wie viele Anzeigen ich letztes Jahr gemacht habe? Kein Ahnung so um die 15 Stk. sind es bestimmt schon gewesen. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat, bereite ich meinen Feierabend vor und schließe Punkt 18:00 Uhr das Geschäft, die Alarmanlage ist jetzt Scharf geschalten. Bis vor kurzem hatten wir noch keine und haben uns auf ein 13 Kg schweres Maschengitter verlassen. Nach dem letzten Einbruch wo auch dieses die Einbrecher nicht abgehalten hat, haben wir uns dann auch eine Alarmanlage zugelegt. ( 5 Einbrüche innerhalb 1 Jahres) Auf den Weg nach Hause, denke ich darüber nach hier wieder weg zu ziehen und mir woanders ein Job zu suchen. Der Alltägliche Wahnsinn hier in dieser Kleinstadt bereitet mir Angst. Es wird nix mehr für die Verbesserung der Sicherheit unternommen. Im Ende des Jahres soll auch die hier noch bestehende Polizeidienstelle in den nächsten Ort verlegt werden. Und bis ich einen neuen Job gefunden habe, hoffe ich einfach, dass mir solange nix passiert und verlebe einen Tag nach dem anderen.


Musste einfach mal meinen Frust loslassen. Danke fürs lesen. 8)