Dörthe im Bann ihres Dämons
6.18 Uhr
Schon Halb wach, noch halb träumend zogen sich Dörthes Augenlider langsam auf. Nicht das es ihre Zeit gewesen wäre mit dem Tag zu gehen. Nein, es war ihr vielmehr ein großes Übel, dass ein überflüssiges Bedürfnis sie aus ihren Träumen rief. Durst, dieses stetig wiederkehrende Verlangen. Nun gut, durchaus gibt es solche, denen der Durst nichts anhaben konnte, aber Dörthe gehörte nicht zu Jenen. Ihre Enthaltsamkeit wurde mit Konzentrations-, Seh-, oder gar Schlafstörungen, aber nie durch dauerhafte Trinksätte belohnt. Ihr Durst schien ihr unersättlicher Natur zu sein. Sehr hätte sie sich gewünscht, dass dieses dämonische Bedürfnis sie morgens um 6.18 nicht aufsuchte, aber dafür war es nun bereits zu spät. Sie entschloss sich also dazu die Lage zu begutachten, mal genau darauf zu horchen was ihr das Teufelchen zu flüstern hatte. Diese Weisheiten konnten natürlich nicht ihre sein. Nein, so schwach und unersättlich wie sie war, stünde sie bereits neben dem Bett, um torkelnd den Weg in die Küche zu suchen. So war sie froh darüber, dass die Psychotherapie ihrer Freundin Eva es ihr indirekt ermöglichte, trotz der Besessenheit in sich horchen zu können. „Ohne Evas Beratschlagungen wäre vieles anders.“ dachte Dörthe dankbar. Doch was nun überlegte sie angestrengt. Wie den Dämon besiegen? Wie Herr der Lage werden? Unruhe kroch ihren Nacken hoch. Vielleicht sollte ich einfach die Augen feste zudrücken und abwarten. Wenn ihr doch nur ihre Freundin zur Stelle gewesen wäre um mit ihr diesen vermaledeiten Teufel auszutreiben. Das konnte sie wie keine Andere, ihre beste, liebste Freundin. Das dämonische auftun und mit unerschrockenem Gleichklang in der Stimme in den Höllenschlund zurück sprechen, aus dem es wohl gekommen war. Vielleicht hätte sie ihr „Aushalten“ geraten, erinnerte Dörthe sich der letzten Treffen. „Halten bis es aus ist. Feste in die Decke kneifen, die Augen schließen und die Zeit vergehen lassen.“ hätte Evalein ihr geraten. Das wird es wohl sein, was die Gute meinte, wenn sie davon erzählte was sie derzeit so alles aushielt. Immerhin steckte dies ja bereits in dem Zauberwort, welches es zweifellos war. Denn wie sonst hätte Evalein ihrer Dämonen bisher Herr werden können. „Dieses arme Hascherle, so eine missliche Lage, in der sie sich befand. Und ich?“ schoss es Dörthe in den Kopf. „Ich liege hier, wimmernd vor Durst. Nein. Ich werde nicht nachgeben. Ich werde es Eva gleich tun. Schon im Gedenken an sie, werde ich das.“
6.59 Uhr
Heulen, heulen hätte sie können, die Dörthe. Hielt sie doch über eine halbe Stunde schon einen Dämon unter ihrer Decke aus. Und das ganz allein. Zu schwach um den Schlaf zu finden, zu wissend um den Durst zu löschen. Eben auch eine missliche Lage in der sie sich da jetzt befand. “Keinesfalls so misslich wie die ihrer lieben Freundin, aber dennoch ein wenig verzwickt.“ Wie Dörthe die Situation bewertete, als sie sich unruhig im Bett drehte. „Immerhin, über eine halbe Stunde schon. Nicht schlecht für den Anfang. Und überhaupt, ein einziges Wort der Beschwörung wird kaum reichen um den ganzen Teufel aus mir zu treiben. Für den Anfang aber darf ich durchaus stolz auf mich sein.“ Erneut drehte sie sich. Ihr Blick fiel auf die Tür, kreiste um den Griff, kroch durch das Schlüsselloch und huschte in der Küche an das Spülbecken. Aufgeregt pulte Dörthe sich an den Fingern und presste die Beine aufeinander. Sie erahnte was gleich geschehen würde, als es auch schon passierte. Da stand sie, gleich neben dem Spülbecken, eine Flasche Brause aus dem Tante Emma Laden an der Ecke. Süß, braun, frisch und spritzig, freilich eine leichte Version, wie sich von selbst versteht. Sie hatte sie gestern Abend noch kurz vor Ladenschluss gekauft. Um wach zu bleiben, wenn Evalein sie besuchen und ihr von den Berg- und Talfahrten der letzten Therapiestunden berichten würde, wozu Dörthes Freundin sich gestern kurzfristig eingeladen hatte. Ebenso kurzfristig lud sie sich auch wieder aus, zwar ohne Absage, aber wenn man in so einer misslichen Lage wie sie ist, dann kann das schon mal passieren. „Nicht weiter schlimm.“ dachte Dörthe. Schlimm war im Augenblick nur die Brauseflasche in der Küche. Wenn sie sich gestern hätte wach halten können, dann würde sie heute sicher noch schlafen, aber so? „Nein, das würde Eva nicht von mir erwarten. Erst vergebens warten, und dann noch wach bleiben. Das würde sie einfach nicht. Dafür bin ich noch zu schwach, zu müde, und das weiß sie auch. Mit fest verschränkten Beinen und geschlossenen Lidern drehte Dörthe den Deckel der Flasche fix nach links, zog ihn hastig hoch und hob gierig die süße Brause an. Es zischte und spritzte rings um sie herum, Schaum schoss ihr ins Gesicht, klatschte auf den Boden und besudelte sie von oben bis unten mit dem nassen, kalten Zeugs.
Schon Halb wach, noch halb träumend zogen sich Dörthes Augenlider langsam auf. Nicht das es ihre Zeit gewesen wäre mit dem Tag zu gehen. Nein, es war ihr vielmehr ein großes Übel, dass ein überflüssiges Bedürfnis sie aus ihren Träumen rief. Durst, dieses stetig wiederkehrende Verlangen. Nun gut, durchaus gibt es solche, denen der Durst nichts anhaben konnte, aber Dörthe gehörte nicht zu Jenen. Ihre Enthaltsamkeit wurde mit Konzentrations-, Seh-, oder gar Schlafstörungen, aber nie durch dauerhafte Trinksätte belohnt. Ihr Durst schien ihr unersättlicher Natur zu sein. Sehr hätte sie sich gewünscht, dass dieses dämonische Bedürfnis sie morgens um 6.18 nicht aufsuchte, aber dafür war es nun bereits zu spät. Sie entschloss sich also dazu die Lage zu begutachten, mal genau darauf zu horchen was ihr das Teufelchen zu flüstern hatte. Diese Weisheiten konnten natürlich nicht ihre sein. Nein, so schwach und unersättlich wie sie war, stünde sie bereits neben dem Bett, um torkelnd den Weg in die Küche zu suchen. So war sie froh darüber, dass die Psychotherapie ihrer Freundin Eva es ihr indirekt ermöglichte, trotz der Besessenheit in sich horchen zu können. „Ohne Evas Beratschlagungen wäre vieles anders.“ dachte Dörthe dankbar. Doch was nun überlegte sie angestrengt. Wie den Dämon besiegen? Wie Herr der Lage werden? Unruhe kroch ihren Nacken hoch. Vielleicht sollte ich einfach die Augen feste zudrücken und abwarten. Wenn ihr doch nur ihre Freundin zur Stelle gewesen wäre um mit ihr diesen vermaledeiten Teufel auszutreiben. Das konnte sie wie keine Andere, ihre beste, liebste Freundin. Das dämonische auftun und mit unerschrockenem Gleichklang in der Stimme in den Höllenschlund zurück sprechen, aus dem es wohl gekommen war. Vielleicht hätte sie ihr „Aushalten“ geraten, erinnerte Dörthe sich der letzten Treffen. „Halten bis es aus ist. Feste in die Decke kneifen, die Augen schließen und die Zeit vergehen lassen.“ hätte Evalein ihr geraten. Das wird es wohl sein, was die Gute meinte, wenn sie davon erzählte was sie derzeit so alles aushielt. Immerhin steckte dies ja bereits in dem Zauberwort, welches es zweifellos war. Denn wie sonst hätte Evalein ihrer Dämonen bisher Herr werden können. „Dieses arme Hascherle, so eine missliche Lage, in der sie sich befand. Und ich?“ schoss es Dörthe in den Kopf. „Ich liege hier, wimmernd vor Durst. Nein. Ich werde nicht nachgeben. Ich werde es Eva gleich tun. Schon im Gedenken an sie, werde ich das.“
6.59 Uhr
Heulen, heulen hätte sie können, die Dörthe. Hielt sie doch über eine halbe Stunde schon einen Dämon unter ihrer Decke aus. Und das ganz allein. Zu schwach um den Schlaf zu finden, zu wissend um den Durst zu löschen. Eben auch eine missliche Lage in der sie sich da jetzt befand. “Keinesfalls so misslich wie die ihrer lieben Freundin, aber dennoch ein wenig verzwickt.“ Wie Dörthe die Situation bewertete, als sie sich unruhig im Bett drehte. „Immerhin, über eine halbe Stunde schon. Nicht schlecht für den Anfang. Und überhaupt, ein einziges Wort der Beschwörung wird kaum reichen um den ganzen Teufel aus mir zu treiben. Für den Anfang aber darf ich durchaus stolz auf mich sein.“ Erneut drehte sie sich. Ihr Blick fiel auf die Tür, kreiste um den Griff, kroch durch das Schlüsselloch und huschte in der Küche an das Spülbecken. Aufgeregt pulte Dörthe sich an den Fingern und presste die Beine aufeinander. Sie erahnte was gleich geschehen würde, als es auch schon passierte. Da stand sie, gleich neben dem Spülbecken, eine Flasche Brause aus dem Tante Emma Laden an der Ecke. Süß, braun, frisch und spritzig, freilich eine leichte Version, wie sich von selbst versteht. Sie hatte sie gestern Abend noch kurz vor Ladenschluss gekauft. Um wach zu bleiben, wenn Evalein sie besuchen und ihr von den Berg- und Talfahrten der letzten Therapiestunden berichten würde, wozu Dörthes Freundin sich gestern kurzfristig eingeladen hatte. Ebenso kurzfristig lud sie sich auch wieder aus, zwar ohne Absage, aber wenn man in so einer misslichen Lage wie sie ist, dann kann das schon mal passieren. „Nicht weiter schlimm.“ dachte Dörthe. Schlimm war im Augenblick nur die Brauseflasche in der Küche. Wenn sie sich gestern hätte wach halten können, dann würde sie heute sicher noch schlafen, aber so? „Nein, das würde Eva nicht von mir erwarten. Erst vergebens warten, und dann noch wach bleiben. Das würde sie einfach nicht. Dafür bin ich noch zu schwach, zu müde, und das weiß sie auch. Mit fest verschränkten Beinen und geschlossenen Lidern drehte Dörthe den Deckel der Flasche fix nach links, zog ihn hastig hoch und hob gierig die süße Brause an. Es zischte und spritzte rings um sie herum, Schaum schoss ihr ins Gesicht, klatschte auf den Boden und besudelte sie von oben bis unten mit dem nassen, kalten Zeugs.