Eine Kraft...
Die Kraft
Mit der Kraft der Liebe dringt ein Schrei aus meiner Kehle. Mein Mund formt das einzige Wort, welches mein Bewußtsein erreicht: NEIN!
Kraftlos sinken meine Knie auf den Boden unter mir, können mich nicht mehr tragen. Meine Hände umarmen in stummer Verzweiflung den Stein, auf dem mein Kopf ruht, eine letzte Erinnerung an Dich, gemeißelt in niemals vergehendem Granit. Ich hebe die Arme gen Himmel, sinke zurück und schreie abermals. Schreie mit der gewaltigen Macht eines nicht begreifen wollenden und dennoch schmerzenden Herzens, welches brach an einem einzigen abend. Meine Hände krallen sich in die feuchte Erde, welche durchnäßt ist von meinen Tränen. Sie hat Dein wundervolles Gesicht begraben und umgibt nun einen Menschen, den ich liebe. Du lächelst mir entgegen aus der Ewigkeit, ich höre Deine Stimme trotz der geballten Kraft meiner Kehle, flüsternd, ein nur durch den Wind getragenes Wispern, eine sanfte Berührung an meinem Ohr und dennoch klar und deutlich:
Weine, aber nicht wegen mir
Trauer, aber Verzweifel nicht
Sterbe, aber erst, wenn Deine Zeit gekommen ist
Du wirst niemals verstehen
Aber Du mußt akzeptieren
Nutze die Kraft Deiner Liebe in Dir
Ich konnte sie nicht halten
Denn sie gehört jemand anderem
Jemand, der stärker ist als ich
Trage nicht die Last des Schmerzes auf Deinen
Schultern
Denn andere sind schuldig an meinem selbst gewählten Tod
Laß es ein Geheimnis sein
Dass ich wie viele andere mit mir nahm
Und öffne Dein Herz für die Aufgaben
Die Dir das Leben stellen wird
Halte die Erinnerung der Liebe in Deiner Seele
Aber nicht den Schmerz des Verlustes
Habe keine Angst!
Mein Schrei verstummt. Stille. Nur das Rauschen der Blätter im Wind. Der letze Gruß gab Kraft. Der Abschied ist getan. Ich stehe auf, streichele noch einmal über Deine mit Glas bedeckte Wange. Ein letztes Mal sammeln sich Tränen in meinem Mundwinkel. Ein sanft geflüstertes: Ich liebe Dich! Ich drehe mich um und gehe, nicht für immer, aber für heute. Ich werde wiederkommen!