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Grotesken die das Leben schreibt.

17.04.2026 04:01
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Es gibt so viele Beispiele. Ich fang mal an.

Unseren täglichen Datenschutz vergib uns heute!

Ein beliebiger Morgen, 7.45 in einer beliebigen Klinik, irgendwo in Deutschland!
Vor der Aufnahme ein riesiges Schild mit der Aufschrift:

ACHTUNG BITTE 3 METER ABSTAND HALTEN.

Einige Meter neben mir steht eine Gruppe junger Menschen in weißer Krankenhaustracht. Eine etwas ältere aus der Gruppe, steht in der Mitte und richtet das Wort an die anderen.
Zwei der jungen Frauen lassen verstohlen ihren Blick auf dem Hinterteil des gutaussehenden Arztes ruhen, der mit wehendem Kittel eiligst vorbeihuscht.
Sie stecken die Köpfe zusammen, tuscheln und kichern, zwar leise, aber doch unüberhörbar.

Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Sprechblase mit abgebildeter Regendusche über den Köpfen der beiden … als mich völlig unvermutet und plötzlich eine unerbittlich laute Stimme aus meiner gedanklichen Andacht reißt.

Frau Soundso ...?
Sie sind die Nächste!
Die Anmeldefrau hatte mich aufgerufen, ich hatte überhaupt nicht bemerkt, dass die Patienten vor mir schon weg waren.
Hinter mir standen noch weitere wartende, an deren angespanntem Blick konnte ich erkennen, dass sie schnell durchkommen wollten.

Das Frage-Antwortspiel begann.
Name?
Geburtsdatum?
Stimmt diese … Straße noch?
Ach, Sie waren schon dreimal hier?
Das letzte Mal 2015 … und die Telefonnummer 4 … stimmt auch noch?
Und die Postleitzahl … ist auch noch dieselbe?
Wegen was sind sie denn hier?
Ach ja, da steht es ja wegen … Bei Dr.Sommer.
Bei der DAK immer noch?
Zusatz versichert?
Privaaaaat?
MRSA negativ!
HIV-negativ!
Hepatitis B+C negativ!
Die 10 Euro täglich Zuzahlung bezahlen sie bei der Entlassung, sagt Sie und stempelt mit harter Unachgiebigkeit das Papier.
Hier unterschreiben und da noch und die Datenschutzvereinbarung auch noch!

Auf dem Datenschutz Zettel stand unter anderem...
„Die Daten unserer Patienten werden streng vertraulich behandelt und nicht, an Dritte weitergegeben"

Dann schickte sie mich im selben Atemzug nach links, rechts und wieder links in das Wartezimmer, dort würde ich dann von einer „Schwester“ abgeholt werden.

JAWOLL!!

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich von der genannten „Schwester“ abgeholt und in ein Drei Bett Zimmer gebracht.
Dasselbe Procedere im Militär Abfrage - Stil begann.
Name?
Geburtsdatum?
Straße?
Ach, sie waren ja schon dreimal bei uns … und die Telefonnummer 4 …
und Postleitzahl … stimmen noch?
Größe?
Gewicht?
Allergien?
Unverträglichkeiten?
Dann kurze Pause und hektisches Durchblättern der Akte, und schließlich der durchdringende Ruf nach draußen durch die geöffnete Tür zur Kollegin.

>Eeeeeeeva, wegen was ist denn die Frau Soundso ... hieeeeer?<
Mein Ansatz zu erklären, weshalb ich hier war, wurde geflissentlich überhört und zugleich von der Antwort von
>Eeeeeeeeva< im Keim erstickt.

Steht das nicht in der „TIME IN LISTEEEE"?
Nein! Schrie mein Gegenüber in entrüsteter Inbrunst nach draußen, sonst würde ich DICH! ja nicht fragen.
Lass mal sehen, plärrte „Eeeeeeva" zurück durch die geöffnete Zimmertür, kam eilig an den Tisch gesprintet und schnappte sich die Akte.
Aber da steht es doch … die Soundso ... die … „schnauf"... die hat wieder am falschen Platz eingetragen!!
Pffff, immer dasselbe mit der.

Wer ist ihre Vertrauensperson bei einem Konflikt, kam unvermittelt die Frage an mich und ich stellte als Gegenfrage ebenso unvermittelt zurück, welche Konflikte denn eintreffen könnten?
Das ist Standard, erhielt ich als knappe Antwort und weiter gings.
Und ihr letzter Stuhlgang?
flötete sie erfreut, endlich die Befragung abgeschlossen zu haben.

Auch darüber gab ich geduldig Auskunft und erläuterte ebenso, die Menge, Farbe, Geruch und übliche Konsistenz – wennschon, dennschon, dachte ich nur bei mir.
Währenddessen öffnete sich die Tür und eine Küchenangestellte drückte mir einen Menüplan in die Hand, den ich „umgehend" auszufüllen habe.

JAWOLL!!

Innerhalb der nächsten halben Stunde wurden zwei weitere Patientinnen in diesem Zimmer aufgenommen und befragt.
Nun bin ich im Besitz von Namen, Adresse, Telefonnummer, Handynummer und Telefonnummer von den Konfliktkontakten, kenne deren Allergien, Unverträglichkeiten, Gewicht, Größe und das allerbeste, ob regelmäßiger Stuhlgang erfolgte.
Die eine hatte eher Verstopfung, Leinsamen half nicht wirklich.
Die andere - normaaal.

Meine Fantasie schlug Purzelbäume.
Ich überlegte, ob ich die Daten verkaufe, die zwei Patientinnen stalke oder deren Konflikt Kontakte anbaggere.

Nach 2 Stunden Stand Bye im hinten offen Flügelhemd und Kompressionsstrümpfen, wurde ich von der Rollstuhl schiebenden „Eeeeeeva" zum Eingriff abgeholt.
Sie bugsierte mich energisch in den Rollstuhl Sitz und brachte mich in einen OP Vorbereitungsraum, wo mir ein i.v. Zugang gelegt wurde.
In dem Raum saßen und lagen drei weitere wartende Menschen.
Aus der Tür gegenüber hörte ich röchelnde Absauggeräusche und eine Stimme, die Herr Soundso ... immer wieder zum Ausspucken des Blutes aufforderte.
Schwestern und Pfleger in grünen Uniformen durchstreiften in regem Treiben die verschiedenen Räume, steckten kurz den Kopf durch die Tür, blättern in den Akten, fragten alle Anwesenden nacheinander nach ihrem Namen, Eingriffsart und möglichen Allergien.

Der Anästhesie-Arzt erschien und informierte jeden einzelnen Patienten laut und deutlich, ausführlich über bestehende und vorausgegangene Erkrankungen, die ermittelten Blutwerte und die Narkoserisiken.
Interessant war, dass trotz des niedrigen HB Wert bei Herr Soundso, die OP durchgeführt werden sollte ... aber was ging es mich an.

Weiter entfernt hörte ich einen Mann abwechselnd schreien und jammern, abgelöst von anhaltendem lauten Schreien eines Kleinkindes.
Ich spürte meinen Kreislauf absacken und versuchte mental dagegen zu wirken.
Mit geschlossenen Augen legte ich gedanklich meine Hand in Deine und konzentriere mich auf meinen Atem.
Einatmen, ausatmen und Deine Hand dabei halten.
Ein goldfarbener Schmetterling, mit großen blutroten, herzförmigen Tupfen auf den Flügeln, flatterte vergnügt tanzend im Raum umher.
Ich zählte noch diese faszinierend schönen Tupfen, als eine kräftige Männerstimme direkt neben mir lospolterte … sind Sie die Frau Soundso?
Jetzt geht es aber los!

JAWOLL!!

Mehr als 1 Stunde war vergangen, mein Kreislauf war wieder stabil, welch ein Glück das Du bei mir gewesen bist.

Kurz darauf befand Ich mich in seitlicher Position auf dem OP Tisch liegend, desinfiziert, die Hände am Kopfteil des Tisches festgekrallt, physisch, psychisch und mental vorbereitet auf die bevorstehende Qual.
Da, genau da, steckte eine Schwester den Kopf durch die Tür und trompetete mit singender Stimme:
„Der Brotzeitmann Herr Soundso … ist daaaa, braucht ihr waaaas"?
Peter, Ulrike, Dr. Soundso…?
Wie aus der Pistole geschossen rief ich „für mich bitte einmal eine Henkersmahlzeit".
Peter und Ulrike lachten, ich lachte mit, mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Doktor Soundso, der hinter mir stand, klatschte erst in die Hände, drückte mit einem sonoren langgezogenen soooooo, die Spritze zwischen die Wirbel und beendete die Aktion mit einem spitz freudigen Fertiiiiig!

Welch ein Wahnsinn!

Anmerkung: Diese und oder ähnliche Situationen sind sehr wahrscheinlich täglich anzutreffen in Krankenhäusern, öffentlichen Behörden, Post, Banken usw.
Datenschutz wird zwar hochbürokratisch schriftlich eingefordert, erwähnt und unterschrieben, tatsächlicher Datenschutz aber nicht angewendet, bzw. das Einverständnis der Beteiligten zum Mithören und stillschweigen darüber - vorausgesetzt.




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