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sterntaenzeri..
HiddenNickname
offline
01.10.2005 23:40
0
Herbst

Alles um uns herum scheint in eine graue Depression zu fallen, der Schleier
der Wolken täuscht uns Ungemütlichkeit vor, der Regen klopft inzwischen
unaufhörlich an unsere Fenster, der Herbst ist gekommen und raubt unsere
Illusionen.
Es ist noch dunkel und ich starre aus dem Fenster. Gewaltige Wolkenmassen
versperren mir den Blick zu den Sternen, das Wasser des Regens lässt die
fernen Lichter verschwimmen. Draußen tobt der Sturm und gibt mir zu
verstehen, wie klein und hilflos wir sind, macht mir deutlich, dass die
große Weite der Welt gefährlich ist und mit, oder auch ohne uns geht alles
seinen Gang. Veränderungen können wir nicht aufhalten. Entweder wir lernen
damit umzugehen oder wir werden darin untergehen.
Die Wolken werden weiter ziehen, die Sonne wird durch das Dunkel brechen und
mit Licht und Wärme alles wieder verändern. Doch wer gibt mir Kraft, diese
Zeit zu überstehen?
Voller Sehnsucht drücke ich mir meine Nase an der kalten Fensterscheibe
platt, stiere ziellos in die Ferne. Langsam werden die Umrisse der
zerzausten Bäume sichtbar, die sich im Wind schütteln und biegen. Bei
genauerem Hinsehen tanzen sie mühelos mit dem Sturm ohne Schaden zu nehmen.

So stark möchte ich auch sein. Dieser Gedanke geht mir spontan durch den
Kopf. Ich denke etwas länger darüber nach und stelle fest, dass ich schon
oft so stark war, habe mehr ausgehalten, als ich es jemals für möglich
hielt. Mit jeder Schwierigkeit des Lebens bin ich ein Stückchen gewachsen,
habe meinen Stand gefestigt. War ich am Boden, habe ich den Mut nicht
verloren, habe gekämpft und bin aufgestanden.

Die Wolkenwand dichten Dunkels reisst auf. Am Horizont färbt sich ein Teil
des Himmels in warmes rosa. Die Sonne versucht den Bann der Finsternis zu
überwinden und mir wird bewußt das es keinen Zweifel gibt, ob sie es
schafft. Niemand würde sich wagen, das jemals in Frage zu stellen. Es ist
ein festes Gesetz.
Um mich herum habe ich inzwischen alles vergessen. Es fasziniert mich, wie
viel uns die einfachen Dinge des Lebens geben können. Das in jedem
Augenblick eine ganze Geschichte stecken kann, wenn wir es nur zulassen.

Bin ich ein Träumer? Bin ich nicht mit der Zeit gegangen? Ist Phantasie
überhaupt noch erlaubt? Habe ich in diesem Augenblick die Realität verloren?
Nein. Nur für eine kurze Zeit bei Seite geschoben.
Kritisch beobachte ich, was um mich herum vorgeht. Wehmütig stelle ich fest,
wie oberflächlich und verbohrt die Menschen geworden sind. Wie mit aller
Gewalt der Fortschritt voran getrieben wird, ohne darüber nachzudenken,
wohin uns das führt.
Alles wird hektischer, alles wird technischer, viele werden zu
erbarmungslosen Egoisten, andere zu leeren Menschenhüllen, die nur noch
mechanisch funktionieren. Ist das Fortschritt?

Ist es heute nicht egal, was um uns herum passiert? Wer interessiert sich
noch für die Probleme anderer? Für das Leben und die Geschichte, die
Einstellung und Meinung unseres Gegenübers mit dem wir gerade zu tun haben?
Zählen heute noch Dinge, die wir nicht mit Geld kaufen können, die uns auf
der Karriereleiter nicht nach oben bringen?

Die Wolken, gerade noch so grau und hässlich malen Bilder in den Himmel.
Wilde Kreaturen und verspielte Gestalten zeichnen sich ab und mir ein
lächeln ins Gesicht.
Wir müssen uns aus der großen grauen Massen lösen, zu uns zurück finden. In
unser Abenteuerland der Kindheit zurück. In die Unbeschwertheit eines
Kindes. Es steht uns nicht zu, unsere Persönlichkeit so sehr zu
unterdrücken, dass wir daran zerbrechen.
Ich rede nicht von neuen Egoisten. Ganz im Gegenteil. Nur wer gibt, kann
auch Glück empfangen.

Es gibt sie noch. Menschen, die sich um andere kümmern, die sich ohne ein
Dankeschön abmühen. Die da anfangen, wo der Rest aufhört. Kostbare
Edelsteine, die immer seltener zu finden sind. Doch sie leuchten
wünderschön, wenn die Sonne sie anstrahlt.
In jedem von uns steckt ein guter Kern, daran glaube ich fest.
Sind wir bereit auf unser Innerstes zu hören?
Sind wir bereit unsere wunderbare Umgebung mit allen Menschen die dazu
gehören endlich einmal genau zu betrachten?
Zuyi
HiddenNickname
offline
02.10.2005 12:40
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deichschaf
HiddenNickname
offline
02.10.2005 08:27
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