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Italia stimmt ab!!!


12.06.2005 11:02
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Italiener stimmen über künstliche Befruchtung ab

50 Millionen Italiener sind heute aufgerufen, über eine Liberalisierung der künstlichen Befruchtung abzustimmen. Das Referendum entwickelte sich in dem katholischen Land zu einer hitzigen Debatte, in die sich auch Papst Benedikt XVI. eingeschaltet hatte.

Es ist mehr als irgendeine Volksentscheidung. Das Referendum zu künstlicher Befruchtung und Bioethik ist zur Abstimmung über die Frage geworden: Wie katholisch ist Italien? Und: Wie stark hören die italienischen Katholiken auf den neuen, den deutschen Papst? Benedikt XVI. hat sich mehrfach massiv in Italiens Debatte über das Referendum eingemischt. Ohne Wenn und Aber unterstützt der Papst die Linie der italienischen Bischöfe, die alle Katholiken aufrufen, das Bioethik-Referendum zu boykottieren. Papst Benedikt XVI. sagte: "Ich bin euch nah mit dem Wort und dem Gebet. Wir arbeiten hier nicht für katholische Interessen, sondern für den Menschen, der die Kreatur Gottes ist."

Anfang der Woche legte Benedikt noch einmal nach, geißelte die Gentechnik und jeden damit verbundenen Versuch "Hand anzulegen an entstehendes Leben". Der deutsche Papst, schimpfen jetzt Politiker der Mitte-Links-Opposition, mische sich mit seinen Äußerungen auf inakzeptable Weise in die italienische Innenpolitik ein. "Der Papst spielt in diesem Referendum eine absolut klar politische Rolle", sagt Marco Beltrandi, Vorstandsmitglied der liberalen Radikalen Partei, die die Volksabstimmung angestoßen hat. "Papst Benedikt beschränkt sich nicht darauf, moralische oder ethische Prinzipien anzusprechen, sondern er gibt eine ganz präzise Wahlempfehlung."


Diese Wahlempfehlung an die Katholiken lautet: Geht nicht zur Abstimmung, sondern fahrt ans Meer oder bleibt zu Hause. Denn wenn weniger als 50 Prozent der wahlberechtigten Italiener teilnehmen, ist das Referendum automatisch gescheitert. Die Kirche macht mobil, viele Geistliche haben in der Heiligen Messe von der Kanzel aus zum Boykott aufgerufen. In Neapel lädt ein Priester für den Sonntag außerdem alle Gemeindemitglieder zu einem gemeinsamen Ausflug ans Meer ein, damit die Gläubigen ja nicht auf die Idee kommen, ins Wahllokal zu gehen.

Derzeit sieht es so aus, als sollten Benedikt und die katholische Kirche die Kraftprobe gewinnen. Laut Meinungsumfragen wird das 50-Prozent-Quorum nicht erreicht. Dies, schimpft Referendumsbefürworter Beltrandi, sei eine Folge der Einmischung des Papstes und seiner Bischöfe. Er erklärt ferner: "Wir haben noch nie eine derart massive Mobilisierung der Kirche erlebt wie zur Zeit. Alle 25.000 Kirchengemeinden sind in die Boykott-Kampagne eingebunden. Und gerade in kleinen Orten werden viele Katholiken nicht den Mut haben, abzustimmen, weil sie sich von der lokalen Kirche kontrolliert fühlen."
Liberale und Linke für Gesetzeslockerung

Befürworter des Referendums sind liberale und linke Parteien wie die SPD-Schwesterpartei Democratici di Sinistra (DS), aber auch viele Frauenverbände, die die in Italien sehr strikten Regeln für künstliche Befruchtung lockern wollen. Derzeit fahren unfruchtbare italienische Paare, die sich Kinder wünschen, zu Tausenden ins Ausland. Mit dem Referendum soll dies anders werden. Würde die Mehrheit der Italiener am Sonntag und Montag mit "Ja" stimmen, wäre der Weg frei für sehr weitgehende Regeln bei der künstlichen Befruchtung. Für Leihmutterschaften, für das Einfrieren befruchteter Eizellen, aber auch für die Forschung an Embryonen, die bislang in Italien verboten ist.

Der von katholischen Kirche betriebenen Boykott des Referendums wird unter anderem unterstützt von diversen christdemokratischen Parteien, von der Mehrheit der rechtsnationalen Alleanza Nazionale - Parteichef und Außenminister Fini will allerdings hingehen und mit Ja stimmen - sowie von Silvio Berlusconis Forza Italia. Regierungschef Berlusconi selbst hat sich öffentlich noch nicht dazu geäußert, ob er abstimmt oder, wie von der Kirche empfohlen, zu Hause bleibt.
Auch Auslands-Italiener dürfen abstimmen

Entschieden wird das Referendum diesmal nicht nur in Italien. Zum zweiten Mal dürfen sich per Briefwahl auch die Auslandsitaliener beteiligen. Ob das umkämpfte 50-Prozent-Quorum erreicht wird, hängt damit unter anderem auch von den rund 800.000 Italienern in Deutschland ab.

Quelle: tagesschau.de


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