Kurzroman von mir: Die Zeichnerin
Die Zeichnerin
Zeichnen ist Out!
Sie legte den Tusche-Stift beiseite und sagte: „Diese Welt überlaß ich anderen!“
Auf diese Worte waren alle nicht gefaßt: 4 Jahre war sie nun bei ihnen gewesen, hatte Studenten und Praktikanten eingearbeitet, zig Überdachungs-Anlagen an S-Bahnhaltestellen gezeichnet auf ihrem Zeichenbrett, teilweise dank ihrer fundierten CAD-Fachkraft-Ausbildung und ihres abgebrochenen Architektur-Studiums auch am PC dafür gesessen, mit einem sehr unkomfortablen Programm mühselig alles stimmig zusammengebracht: Fahrrad-Ständer von Orion-Beta, Doppel-Parker, Ofos –Doppelhaltelinien an Licht-Signalanlagen angeglichen (für das Aufstellen der Radfahrer vor die Autofahrer) nach dem Schweizer und holländischen Vorbild nachempfunden, zahlreiche Kreisverkehre, städteweise in ihrer Region, aber auch überregional, Fußgängerüberwege, Tempo 30-Schilder geortet, Wochenend-Überstunden geschoben, NEIN!-
Nun wollte sie nicht mehr: Es ging darum, komplett auf CAD (=PC-)Arbeit umzurüsten.
Sie hörte noch das Summen ihrer Drucker beim Verlassen des Büros, drehte sich um, schaute ein letztes Mal hinauf zu ihrem mitten in der Stadt gelegenen einstigen Büro, übersah den Blick ihres einstigen Chefs und fuhr schnurstracks nach Hause. Sollten die anderen sich doch den Rücken hinterm PC krumm sitzen, ans Telefon, zu Konferenzen, zur Verkehrszählung, zu Abgabe-Terminen der einzelnen Städte zu den Bauämtern rausfahren! Aber eins ließ sie sich nicht nehmen: Ihr Zeichenbrett!
Wenn sie auch jetzt nicht mehr das ihrer ehemaligen Arbeitsstelle besaß, so doch wenigstens ihr eigenes daheim, was sie sich noch 9 Jahre zuvor für ihre Umschulung angeschafft hatte.
Sie brauchte den Tusche-Stift, das exakte Nachziehen der Linien, welches etwas Meditatives hatte und sie ständig zwischen ihren Streß-Terminen beruhigt und woanders Hin-Denken lassen hatte: Ihre Freundin zu Hause, ihre Wochenend-Schwoofs und Ausflüge ins Blaue, die Ruhe eben, die man benötigt, um zu spüren, daß das, was man tut, Sinn und Spaß macht, denn alles, was sie mit Liebe tun konnte, war ihr bisher gelungen.
Aber diese Forderung seitens ihres Planerbüros war nun eindeutig zuviel:
Sie wollte nicht in diese rein virtuelle Welt, wollte nicht als mechanischer Strich und Rechen-Kasten hinter dem PC schweigend untergehen, hatte sie doch auch einen Wortschatz!
Selbst zu Hause mit ihrer wesentlich jüngeren Freundin hatte sie oftmals schweigende Mumie gespielt und geduldig einfach nur zugehört, schon fast das Sprechen verlernt und was sie sagen wollte, dann ebenso schweigend, dafür aber mit Gefühl ihrer Affäre mitteilen können. Nur auch dieses Doppelleben konnte so nicht weiter gehen!
Irgendwo mußte sie ganz dringend die Bremse ziehen...Jawohl! Es war ihr Job, der sie nervte: Jetzt sollte also alles auf PC-Arbeit umgerüstet werden! Die Sinnlichkeit, die sie beim Korregieren der Linien durch das Wegkratzen mit der Rasier-Klinge überkam, und während der sie sich nicht so stark hatte konzentrieren müssen, da es nicht so gravierende Folgen waren, die sie immer noch direkt mit der Hand anfassen und ausbessern konnte, die sie nicht nervös machte, und dennoch zeitgleich einen small-talk mit ihren Studenten oder Vorgesetzten führen ließ: NEIN! Die sollte niemals verloren gehen!!!
Zeichnen ist Out!
Sie legte den Tusche-Stift beiseite und sagte: „Diese Welt überlaß ich anderen!“
Auf diese Worte waren alle nicht gefaßt: 4 Jahre war sie nun bei ihnen gewesen, hatte Studenten und Praktikanten eingearbeitet, zig Überdachungs-Anlagen an S-Bahnhaltestellen gezeichnet auf ihrem Zeichenbrett, teilweise dank ihrer fundierten CAD-Fachkraft-Ausbildung und ihres abgebrochenen Architektur-Studiums auch am PC dafür gesessen, mit einem sehr unkomfortablen Programm mühselig alles stimmig zusammengebracht: Fahrrad-Ständer von Orion-Beta, Doppel-Parker, Ofos –Doppelhaltelinien an Licht-Signalanlagen angeglichen (für das Aufstellen der Radfahrer vor die Autofahrer) nach dem Schweizer und holländischen Vorbild nachempfunden, zahlreiche Kreisverkehre, städteweise in ihrer Region, aber auch überregional, Fußgängerüberwege, Tempo 30-Schilder geortet, Wochenend-Überstunden geschoben, NEIN!-
Nun wollte sie nicht mehr: Es ging darum, komplett auf CAD (=PC-)Arbeit umzurüsten.
Sie hörte noch das Summen ihrer Drucker beim Verlassen des Büros, drehte sich um, schaute ein letztes Mal hinauf zu ihrem mitten in der Stadt gelegenen einstigen Büro, übersah den Blick ihres einstigen Chefs und fuhr schnurstracks nach Hause. Sollten die anderen sich doch den Rücken hinterm PC krumm sitzen, ans Telefon, zu Konferenzen, zur Verkehrszählung, zu Abgabe-Terminen der einzelnen Städte zu den Bauämtern rausfahren! Aber eins ließ sie sich nicht nehmen: Ihr Zeichenbrett!
Wenn sie auch jetzt nicht mehr das ihrer ehemaligen Arbeitsstelle besaß, so doch wenigstens ihr eigenes daheim, was sie sich noch 9 Jahre zuvor für ihre Umschulung angeschafft hatte.
Sie brauchte den Tusche-Stift, das exakte Nachziehen der Linien, welches etwas Meditatives hatte und sie ständig zwischen ihren Streß-Terminen beruhigt und woanders Hin-Denken lassen hatte: Ihre Freundin zu Hause, ihre Wochenend-Schwoofs und Ausflüge ins Blaue, die Ruhe eben, die man benötigt, um zu spüren, daß das, was man tut, Sinn und Spaß macht, denn alles, was sie mit Liebe tun konnte, war ihr bisher gelungen.
Aber diese Forderung seitens ihres Planerbüros war nun eindeutig zuviel:
Sie wollte nicht in diese rein virtuelle Welt, wollte nicht als mechanischer Strich und Rechen-Kasten hinter dem PC schweigend untergehen, hatte sie doch auch einen Wortschatz!
Selbst zu Hause mit ihrer wesentlich jüngeren Freundin hatte sie oftmals schweigende Mumie gespielt und geduldig einfach nur zugehört, schon fast das Sprechen verlernt und was sie sagen wollte, dann ebenso schweigend, dafür aber mit Gefühl ihrer Affäre mitteilen können. Nur auch dieses Doppelleben konnte so nicht weiter gehen!
Irgendwo mußte sie ganz dringend die Bremse ziehen...Jawohl! Es war ihr Job, der sie nervte: Jetzt sollte also alles auf PC-Arbeit umgerüstet werden! Die Sinnlichkeit, die sie beim Korregieren der Linien durch das Wegkratzen mit der Rasier-Klinge überkam, und während der sie sich nicht so stark hatte konzentrieren müssen, da es nicht so gravierende Folgen waren, die sie immer noch direkt mit der Hand anfassen und ausbessern konnte, die sie nicht nervös machte, und dennoch zeitgleich einen small-talk mit ihren Studenten oder Vorgesetzten führen ließ: NEIN! Die sollte niemals verloren gehen!!!