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Lernerfahrungen


27.09.2003 01:29
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Hallo an alle,

ich habe dies kürzlich mit einer mail bekommen. Ein Gedanke wert?

Grüßle von
Anne

Wisst Ihr noch, damals ?

Wir haben es tatsächlich geschafft. Kaum zu glauben, aber es ist so:

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell, was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein.

Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen, die benebelten, und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers?

Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch
nicht kindersicher. Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar
verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten, um
es zu glauben. Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne
Schützer und Helme. Die Risiken, per Anhalter in den nächsten Ort zu
fahren, waren uns unbekannt!

Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an
Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts Schöneres, als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch
komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich
den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, sodaß man kaum noch Luft
bekam.

Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus
einer Flasche. Wahnsinn! Wir aßen fettige Schmalznudeln und
frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben.

Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten
geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz
konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert, nur,
um festzustellen, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein
paarmal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt, auch dieses
Problem zu lösen. Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag
gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder
rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen
konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys!

Wenn es regnete, spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere
dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox-Autos ganze Städte
auf.

Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele,
keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround-Anlagen. Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine
Überraschung waren, weil keiner wußte, was zu erwarten war, und wenn
zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das
ganz große Los gezogen.

Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht.

Wir haben Fußball gespielt, mit allem, was sich kicken ließ, und wenn
einer einen echten Lederball hatte, war er der King und durfte immer
mitspielen, egal, wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen,
gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht
geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen.

Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns
geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne
ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle, an denen wir
Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte
und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an
Unfälle?

Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein
Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennesseln
gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder
drauf gespuckt, oder Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf
gepinkelt.

Geholfen hat alles. Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig
grün und blau geprügelt und gelernt, damit zu leben und darüber weg zu
kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit
Ästen gefochten und Würmer gegessen.

Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben, nur, um mit ihm zu reden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht
durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen.
Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren
immer zu erwarten, wenn wir Scheisse gebaut hatten. Der Gedanke, daß
ein Elternteil uns rausklopft, wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt
geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich
auf die Seite des Gesetzes.

Stellen Sie sich das einmal vor! Unsere Generation hat einige der
größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre
waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten
Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt, damit umzugehen.

Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten,
anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken..

Unsere Eltern trauten uns zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen, zählen wir zu
unseren Lebenserfahrungen.

Schick diese Mail an alle weiter die du kennst, die sich auch zu dieser
glücklichen Generation zählen dürfen, als Kinder noch Kinder waren und
noch keine Anwälte mit Schadensersatzklagen und Regierungen mit kinderfeindlicher Politik unseren Alltag bestimmten.




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