Orgasmus auf Rezept ???
Oxytocin – das Orgasmushormon
"Jemand ist treu wie Gold" sagt der Volksmund und assoziiert ein chemisches Element mit diesem für viele Lebewesen, insbesondere für uns Menschen, so wichtigen Verhalten. In der Tat hat die Chemie die Hand im Spiel, wenn es um Gefühle wie Liebe, Verlangen und Treue geht, doch nicht Gold, sondern das Hormon Oxytocin ist in der Lage, uns in höchste Glücksgefühle zu versetzen. Oxytocin ist ein zyklisches Peptid, das im Hirn von allen Säugetieren produziert wird. Wenn es über die Blutbahnen in den Körper gelangt, bewirkt es die Kontraktion der glatten Muskulatur, etwa wenn sich beim Orgasmus bei der Frau die Gebärmutter oder beim Mann der Samenleiter rhythmisch zusammenzieht. Interessanterweise scheint die Produktion von Oxytocin beim Sex sich auch nachhaltig auf das Treueverhalten auszuwirken – zumindest konnte dies bei bestimmten Mäusearten eindeutig nachgewiesen werden. Während Bergwühlmäuse nach dem Sex ihre eigenen Wege gehen, sind sich Präriewühlmäuse nach dem ersten Mal ein Leben lang treu.
Man konnte nachweisen, dass im Gegensatz zu den Präriewühlmäusen bei Bergwühlmäusen nur sehr wenig Oxytocin im Hirn hergestellt wird. Genetisch veränderte Bergwühlmäuse, die zu einer höheren Oxytocinproduktion fähig sind, bleiben sich dagegen ein Leben lang treu. Menschen sind komplexer aufgebaut, das Treueverhalten lässt sich nicht auf ein einziges Hormon reduzieren. Dennoch scheint auch bei uns eine Korrelation zwischen dem Kuschelhormon Oxytocin und der Intensität von zwischenmenschlichen Bindungen zu bestehen. Oxytocin bewirkt die Kontraktion des Uterus bei der Geburt – deshalb wird es auch eingesetzt, um einen Geburtsvorgang kontrolliert einzuleiten. Neben diesem mechanischen Effekt scheint Oxytocin aber auch das Vergessen und die Konzentration auf das Wesentliche zu stimulieren. Durch die hohe Oxytocinkonzentration bei Frauen während der Geburt scheinen später die dabei ertragenen Schmerzen in der Erinnerung in den Hintergrund zu treten.
Die Frage, ob man Oxytocin zu einer Liebespille entwickeln könnte, wird heftig diskutiert. Es scheint festzustehen, dass in der Tat Oxytocin das sexuelle Verlangen bei Männern und Frauen steigert. Allerdings müssen die psychologischen und sozialen Randbedingungen stimmen, damit tatsächlich eine Wirkung zu beobachten ist. Ein erstaunlicher Fall wurde 1994 in Australien berichtet, in der eine Mutter die Milchproduktion in ihrer Brust steigern wollte. Da auch der Milchfluss durch Oxytocin angeregt wird, verschrieben ihr die Ärzte ein das Hormon enthaltendes Nasenspray, und tatsächlich verspürte die Frau etwa zwei Stunden nach Anwendung eine nicht gekannte Lust und erlebte beim daraufhin initiierten Sex mit ihrem Mann den Orgasmus ihres Lebens. Die Erregung durch Oxytocin schien aber nur in Kombination mit der Pille, die die Frau ebenfalls einnahm, zu wirken. Nachdem sie die Pille absetzte, war die magische Wirkung des Hormons verschwunden.
Doch Vorsicht: Zuviel Oxytocin scheint dagegen – vor allem bei Männern – eine Ermüdung hervorzurufen. Oxytocin ist daher auch schon als die Zigarette danach bezeichnet worden. Psychologen und Philosophen sind beunruhigt, dass man etwas so komplexes wie die Liebe auf einen biochemischen Vorgang reduzieren können sollte. So einfach ist es sicher nicht, doch sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass auch hinter Gefühlen kleine, chemische Moleküle stecken, die unser Verhalten steuern. Die Chemie zwischen zwei Menschen muss eben stimmen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Quelle: http://www.pm-magazin.de/ [...] d787.htm
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"Jemand ist treu wie Gold" sagt der Volksmund und assoziiert ein chemisches Element mit diesem für viele Lebewesen, insbesondere für uns Menschen, so wichtigen Verhalten. In der Tat hat die Chemie die Hand im Spiel, wenn es um Gefühle wie Liebe, Verlangen und Treue geht, doch nicht Gold, sondern das Hormon Oxytocin ist in der Lage, uns in höchste Glücksgefühle zu versetzen. Oxytocin ist ein zyklisches Peptid, das im Hirn von allen Säugetieren produziert wird. Wenn es über die Blutbahnen in den Körper gelangt, bewirkt es die Kontraktion der glatten Muskulatur, etwa wenn sich beim Orgasmus bei der Frau die Gebärmutter oder beim Mann der Samenleiter rhythmisch zusammenzieht. Interessanterweise scheint die Produktion von Oxytocin beim Sex sich auch nachhaltig auf das Treueverhalten auszuwirken – zumindest konnte dies bei bestimmten Mäusearten eindeutig nachgewiesen werden. Während Bergwühlmäuse nach dem Sex ihre eigenen Wege gehen, sind sich Präriewühlmäuse nach dem ersten Mal ein Leben lang treu.
Man konnte nachweisen, dass im Gegensatz zu den Präriewühlmäusen bei Bergwühlmäusen nur sehr wenig Oxytocin im Hirn hergestellt wird. Genetisch veränderte Bergwühlmäuse, die zu einer höheren Oxytocinproduktion fähig sind, bleiben sich dagegen ein Leben lang treu. Menschen sind komplexer aufgebaut, das Treueverhalten lässt sich nicht auf ein einziges Hormon reduzieren. Dennoch scheint auch bei uns eine Korrelation zwischen dem Kuschelhormon Oxytocin und der Intensität von zwischenmenschlichen Bindungen zu bestehen. Oxytocin bewirkt die Kontraktion des Uterus bei der Geburt – deshalb wird es auch eingesetzt, um einen Geburtsvorgang kontrolliert einzuleiten. Neben diesem mechanischen Effekt scheint Oxytocin aber auch das Vergessen und die Konzentration auf das Wesentliche zu stimulieren. Durch die hohe Oxytocinkonzentration bei Frauen während der Geburt scheinen später die dabei ertragenen Schmerzen in der Erinnerung in den Hintergrund zu treten.
Die Frage, ob man Oxytocin zu einer Liebespille entwickeln könnte, wird heftig diskutiert. Es scheint festzustehen, dass in der Tat Oxytocin das sexuelle Verlangen bei Männern und Frauen steigert. Allerdings müssen die psychologischen und sozialen Randbedingungen stimmen, damit tatsächlich eine Wirkung zu beobachten ist. Ein erstaunlicher Fall wurde 1994 in Australien berichtet, in der eine Mutter die Milchproduktion in ihrer Brust steigern wollte. Da auch der Milchfluss durch Oxytocin angeregt wird, verschrieben ihr die Ärzte ein das Hormon enthaltendes Nasenspray, und tatsächlich verspürte die Frau etwa zwei Stunden nach Anwendung eine nicht gekannte Lust und erlebte beim daraufhin initiierten Sex mit ihrem Mann den Orgasmus ihres Lebens. Die Erregung durch Oxytocin schien aber nur in Kombination mit der Pille, die die Frau ebenfalls einnahm, zu wirken. Nachdem sie die Pille absetzte, war die magische Wirkung des Hormons verschwunden.
Doch Vorsicht: Zuviel Oxytocin scheint dagegen – vor allem bei Männern – eine Ermüdung hervorzurufen. Oxytocin ist daher auch schon als die Zigarette danach bezeichnet worden. Psychologen und Philosophen sind beunruhigt, dass man etwas so komplexes wie die Liebe auf einen biochemischen Vorgang reduzieren können sollte. So einfach ist es sicher nicht, doch sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass auch hinter Gefühlen kleine, chemische Moleküle stecken, die unser Verhalten steuern. Die Chemie zwischen zwei Menschen muss eben stimmen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Quelle: http://www.pm-magazin.de/ [...] d787.htm
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