- Re: Es war ein (sehr) netter Abend 2
Für mich ist Gelassenheit eine Haltung, nicht NUR Emotion, aber auch, aber keinesfalls nur etwas Gedachtes, das empfände ich sogar als widersinnig! Haltungen sind für mich vollständiger, gesamtheitlicher, komplexer.
Ich glaube, dass man viel mehr erdenken kann und viele andere Denkarten denkerisch, ja sogar empfindungsmäßig nachvollziehen kann, als das, was man letztendlich selber glaubt/glauben kann. Gäbe es nur "denken" und "fühlen", ohne (Selbst-)Erkenntnis, so würde man m.E. an Beliebigkeit (Willkür) sterben.
Man kann sich immer in Begrifflichkeiten "verbohren", aber EINE Gesprächshaltung könnte durchaus sein: "Verstehen wollen". Diese kann aus einer Gelassenheit entstehen, aber auch durch viele andere Grundhaltungen.
Für mich ist es selbstverständlich, das die eigenen Emotionen eine wesentliche Rolle spielen (denn wer kann schon "nicht fühlen"? das ist doch extrem selten, pathologisch gesehen wäre das eine Depression, spirituell gesehen eine "Entseelung", in den Naturvölker existiert dafür d Begriff "Zombie", alles lebendige Sichtweisen, wenn man Begrifflichkeiten nicht definiert, sondern ERLEBT).
Für mich ist es BLÖDSINNIG, "Gelassenheit" einzufordern, so blödsinnig wie: "Sei spontan", "freu dich". Im Prinzip wäre das eine Forderung die lautet: "Fühle nicht das, was du jetzt fühlst".
Wenn du mit jemanden sprichst, der dir offen gegenübersteht, wird er auch eine sympathische oder antipathische Position zu dir einnehmen (weil man nicht nicht fühlen kann), wenn dieser Mensch offen ist, dann wird er seine Emotion nicht verleugnen, aber er kann sich auf viele verschiedene Weisen dazu verhalten (Haltung).
Diese Position kann widerstandslos sein ("passiv" bedeutet ja auch "aufnehmend" ) oder "aktiv" (bedeutet dann z.B. "sich selbst dazu in Bezug setzen" ).
Bei Menschen, die durch ihre Ratio beherrscht werden oder Menschen, die durch emotionale Affekte gesteuert werden, wird es eher eine Neigung zu dem "aktiven" Pol geben, sie werden sich immer direkt in Bezug setzen, sich u.U. auch schnell angegriffen fühlen. Fühlt man etwas, um etwas bestimmtes damit zu bezwecken? Ich glaube nicht. Man unterdrückt oder leugnet eher Emotionen, um damit etwas zu bezwecken(?). Handelt man, um etwas bestimmtes zu bezwecken? Ich glaube schon eher (außer im Spiel, das ist frei und nutzlos;-).
Handlungen sind ja immer auch Entscheidungen, und die trifft jeder Mensch in jenem Moment, in dem er zwischen verschiedenen POTENZIELLEN Handlungen wählen kann. Diese Wahl gibt es doch eigentlich immer (?).
Um den Kreis zu schließen: Du bist m.E. nicht für die Entscheidung, die dein Gegenüber trifft verantwortlich, aber für deine eigene Handlung und Haltung und diese wiederum wirkt auf dein Gegenüber (wie auch immer). Entscheiden sich mehrere Menschen, den Kontakt zu dir abzubrechen, so muss das noch nicht einmal für alle den gleichen Grund haben.
Leidest du darunter bzw. bedauerst du das dann, dann ist es nur eine Möglichkeit von vielen, eine "gewohnte" Haltung zu verändern. Fragen (an sich selbst) spiegeln m.E. ganz entscheidend Haltungen. Für mich spiegelt z.B. die Frage: "Was ist an mir falsch"? eine völlig andere Haltung, als "Was wiederhole ich immer wieder?" oder "Will ich überhaupt, dass jemand bleibt?" usw.
Ich finde es dann "platt" Sprüche zu servieren, wenn man sie zu Begrifflichkeiten verkommen lässt. Wenn sie vereinnahmt werden, ohne dass sie sich in der Haltung des Gegenübers spiegeln. Deswegen finde ich sie nicht "unwahr", aber für mich sind es eben so lange nur Sprüche, so lange sie nicht mit Erleben gefüllt werden. Aber auch hier ist die HALTUNG für mich entscheidend: Sagt jemand so einen Spruch um damit etwas zu eröffnen oder ist es eher "aktiv" gemeint im Sinne von: Ich beherrsche das, aber du nicht.