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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadRitter zu Guttenberg.....Protest!
23.12.2010 15:21
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0 Jetzt regt sich - endlich - auch Protest in meiner Heimatstadt Aachen: Debatte: Kriegsminister in die Bütt In Aachen regt sich Protest gegen den neuen Ordensritter Karl-Theodor zu Guttenberg. Am Abend der Verleihung soll es Protestaktionen geben. Wer weiß schon, was bis zum 19. Februar noch so alles passieren wird. Die zynische Variante lautet: Kurz vor der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ stirbt ein Deutscher in Afghanistan – darin läge für den Chef des Aachener Karnevalvereins Werner Pfeil eine geeignete Exit-Strategie, wenn er denn nach einer suchte. Vermutlich würde in so einem Fall ohnehin das Ministerbüro den Auftritt abblasen. Ansonsten gilt bisher aber als gesetzt: Karl-Theodor zu Guttenberg zieht in die Bütt. Und die Kritik daran wächst. Anfangs, im November, war es noch hier und da ein Kopfschütteln, eine abfällige Handbewegung, ein Stirnrunzeln. Was ist dem AKV da bloß eingefallen? Aber gut, dieser Karnevalsverein schwebt mit der Wahl von Managern und Multimillionären, von Wahlkämpfern und Gloria von Thurn und Taxis ohnehin in Sphären, die keiner, der nicht zum Zirkel gehört, mehr versteht. Dann passt sicherlich auch der smarte, im Gang leicht federnde Freiherr nebst hübscher Stephanie ins Bild, der schon als Kind die freie Rede vor Untertanen beherrschte und dessen Umfragewerte den Weg ins Kanzleramt weisen. Nur blöd, dass vor allem das Thema Krieg in Ritter Karl-Theodors politischen Geschäftsbereich fällt. Denn daran entzündet sich nun ein Ärger, der bis Mitte Februar wachsen und pr-technisch außer Kontrolle geraten könnte. Lackschuhkarneval und „Feuer frei“ Es waren zuerst die Würselener Initiative für den Frieden und der Verein Aachener Friedenspreis, die sich mit Offenen Briefen an den AKV und den Minister zu Wort meldeten. Ihre Kritik galt erstens grundsätzlich dem Vorhaben, den Verteidigungsminister als erstes Glied einer Befehlskette für Humor und Menschlichkeit im Amt auszuzeichnen, wenn am Ende der Kette im wenig hochglanztauglichen Alltag des Auslandseinsatzes das Töten oder Sterben von Menschen steht. Karl-Heinz Otten, der Vorsitzende des Aachener Friedenspreises, nennt es eine Frage des Anstands, dass zu Guttenberg den Orden doch noch ausschlägt: „Wir befinden uns im Krieg, das sind Guttenbergs Worte. Mir ist unverständlich, wie er in dieser Zeit einen Karnevalsorden annehmen kann.“ Die Gleichzeitigkeit von Lackschuhkarneval und Posttraumatischen Belastungsstörungen der Heimkehrer, von Bussi-hier-und-Printe-da und Feuer-frei, wenn ein Auto nicht rechtzeitig stoppt, diese Vorstellung treibt den Friedensaktivisten den Zorn ins Gesicht. Denn am Ende ist der Mann auf dem Ministerstuhl fürs Gefecht verantwortlich. Mag „der Überflieger mit Bodenhaftung“ (AKV-Sprech) noch so viel adeligen Glanz ins Familienalbum der Aachener Haute Volée tragen, mit seiner Unterschrift besiegelt er Schicksale. Wenn die mit den Narrenkappen für diese Empörung schon kein Gespür haben, und darauf deuten alle offiziellen Statements hin, dann entzieht sich der zweite, ebenso vehement vorgetragene Kritikpunkt vollends ihrem Auffassungsvermögen. Deutsche Soldaten kämpfen im Ausland für deutsche Wirtschaftsinteressen, sagt Ansgar Klein von der Würselener Friedensinitiative: „Während Horst Köhler noch wegen einer ähnlichen Aussage gestolpert ist, so hat zu Guttenberg den Zusammenhang ohne Umschweife klargestellt. Wir führen Wirtschaftskriege. Und das verstößt gegen Artikel 26 des Grundgesetzes.“ Den Protestlern haben sich in Aachen mittlerweile viele Personen und Gruppen angeschlossen, zum Beispiel Terre des Hommes, Attac, die Linke und die Grünen in Würselen. Es geht ihnen in diesem Kontext um die Verschleierung von Kriegsgründen unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung. Für Dieter Spoo, Pastoralreferent der Citykirche St. Nikolaus, hat die Ordensverleihung dabei Symbolcharakter: „Sie zeigt, wie die Militarisierung der Gesellschaft voranschreitet. Da wird jemand gefeiert, der aus der Bundeswehr eine Berufsarmee macht, die sich ähnlich wie in anderen Ländern womöglich der gesellschaftlichen Kontrolle entzieht.“ Verleihung hat Symbolcharakter Dieter Spoo hat sechs Jahre lang als Militärseelsorger gearbeitet, bis er frustriert vom Gehorsam wider besseren Wissens in der Bundeswehr den Dienst quittierte: „Ich habe in der ganzen Zeit mit keinem Soldaten gesprochen, der sich persönlich und nicht richtlinientreu zu äußern traute, der in Afghanistan einen Sinn gesehen hätte.“ Stattdessen erlebte Spoo Hilflosigkeit, Verwirrung und auch Suizidversuche. Nun, diese Themen passen nicht zu Champagner-Schale und Konfetti. Mit Spannung wird deshalb erwartet, welcher rote Faden von den Drehbuchschreibern für die Verleihung gefunden wird und welche Schwerpunkte Jürgen Rüttgers in seiner Laudatio setzt. Es wird kaum möglich sein, zu Guttenbergs derzeitigen Job vollends unter den Tisch fallen zu lassen und nur seine Medienpräsenz, die Herkunft und die CSU als Witzvorlage zu nehmen. Und dann die Rede des Ordensritters – was kann da kommen? Er wird die Gäste mit den teuren Eintrittskarten, die Vertreter der regionalen Wirtschaft, die ARD und die lokale Presse nicht verwirren. AKV-Präsident Pfeil, der sich laut AKV-Webseite unter anderem mit „pfiffigen Ideen“ für das Vereinssommerfest für seinen Posten qualifiziert hat, hält sich bislang mit einer öffentlichen Reaktion auf die Kritik zurück. Es heißt, zu Guttenberg werde als Person und nicht als Verteidigungsminister ausgezeichnet. Dass es formell beim AKV-Orden aber um Menschlichkeit „im Amt“ gehen soll, bildet für den Verein offenbar keinen Widerspruch. Auf Protestaktionen vor und im Eurogress am Abend der Verleihung wird man sich vorbereiten. Text: Lutz Bernhardt http://www.klenkes.de/sta [...] ter.html
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