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Rosa Halbmond in Berlin


17.11.2003 12:52
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Zum ersten Mal haben sich am vergangenen Wochenende türkischstämmige Lesben und Schwule in Deutschland mit deutschen PolitikerInnen und AktivistInnen zu einem Kongress in Berlin zusamen gefunden. Jungle World berichtet:

Die Intention des Kongresses, die türkische Community mit dem Thema Homosexualität zu konfrontieren, tat dabei schon vorher ihre Wirkung. Auf einer Pressekonferenz hatten die Veranstalter angekündigt, die deutsche, die türkische und die Regenbogenfahne vor dem Rathaus zu hissen. Der Bürgermeister des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band (SPD), musste dieses Vorhaben jedoch unterbinden, denn es hatte eine Vielzahl von Drohanrufen bei ihm gegeben, in denen dieses Vorhaben als »Beleidigung des türkischen Volkes« empfunden wurde.

Auf dem Kongress stand dann erst einmal die von der Schöneberger CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner so genannte »Aufklärungsfront« der Integration in Gestalt der deutschen Politprominenz im Vordergrund. Darunter befanden sich so schillernde Figuren wie Walter Momper (SPD), der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin. Er könne zwar nicht den Charme eines Klaus Wowereit bieten, gestand er, jedoch habe er mal ein witziges Interview auf einer schwulen Veranstaltung in Schöneberg gegeben. Witzig würde hoffentlich auch diese Veranstaltung werden.

Zunächst ging es nicht um die türkische, sondern um die deutsche Befindlichkeit. Marieluise Beck (Grüne), die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, und Volker Beck, der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, überboten sich gegenseitig in Beteuerungen, die Emanzipation der türkischen Homosexuellen sei eine Bereicherung für die deutsche Gesellschaft.

Während Volker zum organisierten Kampf für Familienwerte aufrief (»Schwule können auch gute Väter sein«), war es für Marieluise »ausgesprochen beruhigend, dass wir beruhigt sein können«. Beunruhigt hingegen zeigte sich Claudia Roth, die ehemalige grüne Parteivorsitzende. Sie gab zu bedenken, dass die Diskriminierung der Homosexuellen negative Folgen für die deutsche Wirtschaft nach sich ziehe.

Die lesbische Kreuzberger DJane Ipek durfte nach all dem deutschen Paternalismus den inhaltlichen Part übernehmen und ein Referat über Mehrfachdiskriminierung migrantischer Homosexueller halten. Rassismus in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und Homophobie in der türkischen community waren ihre Themen. Berauscht von der eigenen Gutmütigkeit und dem angebotenen Sekt, machten die deutschen Offiziellen einen derartigen Lärm, dass der Rest, die überwiegend männlichen türkischen Schwulen, kein Wort von dem verstehen konnte, was Ipek erzählte. Mehrfach forderte sie die Störer zum Verlassen des Saales auf. Jungle World, 12.11.2003. (jz)

www.jungle-world.com




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