Rotes Inferno und...
Eine Art Biographie
Sie trinkt
Ananassaft vorzugsweise aus Latte Macchiato-Gläsern.
Sie zählt die Male,die jemand das Telefon bei ihr klingeln lässt
und macht daran dessen Beharrlichkeit
und noch dazu ihre Wertigkeit fest.
Sie leert Abend für Abend die Münzen aus ihrer Geldbörse auf dem Boden aus
und legt sich daraus die Zukunft.
Ganz schlimm sieht es aus,wenn nicht ein einziges Mal ihr Geburtsdatum dabei vorkommt.
Sonntags verschläft sie gerne den ganzen Nachmittag,bis ihr Wecker klingelt.
Dann tut sie so,
als hätte sie eine wichtige Verabredung,
zu der immer selben Bank in immer demselben Park,
harrt aus und fühlt sich erleichtert,
wenn wieder niemand dort war,der auf sie wartete.
Fingerabdrücke ihrer Kontrolle.
Sie wünscht Sitznachbarn in der Bahn auch dann
"Gesundheit",wenn sie nur husten.
Ihr Haar ist schwarz,
glatt wie Papier
und ihre Augen
bestechen mit dunklem Ahornbraun
und leichtem Silberblick.
Sie sucht in der Bücherrei gerne
nach in-den-Büchern vergessenen Lesezeichen,
Eselsohren,
Einkaufszetteln und unterstrichenen stellen,
verschafft sich so ungehört Eintritt in namenlose Leben
verschafft sich so ein großes Gefühl von Macht.
Sie lebt von Käsekuchen,
den sie Morgen für Morgen auf dem Markt verkauft.
Sie lebt von Dingen
die das Leben versüßen
und isst am liebsten Räucherlachs.
Ihr Lachen erinnert an Taubengurren
und Frühlingsgewitter,
die Augenbrauen sind schwindend dünn
und dennoch eindringliche kleine,runde Fragezeichen.
Sie ist verloren,
einsam,
ängstlich
und geisteskrank.
Vulgär,
unpünktlich
und hoffnungslos romantisch.
Sie isst gern mit den Händen,
singt laut jedes Lied im Radio mit,
auch wenn sie den text nicht kann,
weint laut und lange
auch im Kino,
erträgt keine Vorhänge vor den Fenstern
und flucht laut und derb
beim autofahren.
Sie ist unglücklich verliebt
und unfähig die Hoffnung aufzugeben,
sie will alles oder nichts
und beantwortet generell keine Fragen aus Floskeln.
Schau sie Dir an;
Mitte 20,
traumtanzend
ohne jegliche Vernunft
und zivilisierter Zurückhaltung.
Schau sie Dir an;
Ist Sie
nicht
wunderbar?
+++++++++
Spätvorstellung
Was geht in den Köpfen der Leute vor,
bevor der Film beginnt,
die Lichter noch an
und die Leinwand nichts als weiß und geduldig ist?
Was geht in den Köpfen vor,
wenn die augen nicht
wie sonst nach etwas greifen können
worauf sich die Gedankenmeute stürzen kann.
Was geht in den Köpfen vor,
die mit unbewegtem Weiß mehr als überfordert sein müßen?
Was,wenn nicht einmal Supermarktniveau-Musik den Geist weich streichelt,
was,wenn nicht mal mehr Geld für Popcorn war?
Mein Nachbar links pfeift "Für Elise",
und links zerfleischt jemand seine Nagelhaut.
Was,wenn der Film nicht beginnen,
die Tür sich für die restliche Nacht nicht mehr öffnen würde?
Gedankenexperiment der hässlichen art.
Wer würde sich an wem vergreifen,
würde ich auch nur einen Ton sagen wollen?
Würde ich sitzen bleiben und warten,dass der Film beginnt,Popcornduft einatmen
und in rotem Samt einschlafen können,während sich um mich herum Dramen menschlicher Paranoia abspielen?
Ich könnte.
Sind es doch genau die Umstände
die mich Nacht für Nacht
umgeben,
nicht loslassen
ins Ohr brüllen.
Ich habe gelernt,
auch bei Weltenlärm
zu schlafen.
Wann fängt der Film endlich an?
+++++++++++++++++
Rotes Inferno
Müsste ich sie mit einer Farbe gleich setzen,
wäre sie rot.
Nicht einfach irgendein Rot,
und ganz bestimmt nicht eines dieser verblassten, fast orangen.
Ich will sie greifen und in die schönste farbe packen,
sie ....
Sie wäre Weinrot, wenn Wein unbezahlbar wäre.
Sie wäre Karminrot, wäre es nicht die Signalfarbe zur Brandbekämpfung
Sie wäre Purpur,hätte es seinen Ursprung vor zig Jahren nicht aus einem Sekret von Schneckentieren gehabt,
Sie wäre Violett, wäre es nicht so dunkel,
Sie wäre Oxidrot, hätte es keine graue Nuance
Sie wäre Korallrot, aber sie könnte nie Schmerzen verursachen,
Sie wäre scharlachrot, wäre sie so tödlich.
...kadmiumrot, rosenrot, rubinrot, granat, fuchsrot,
burgunderrot, amarantrot, bonbonrot, ebereschenrot, terrakotta,
orientrot, kebsrot, kirschrot...
aber ich habe einfach nur ihre Lippen vor mir,
ich sehe sie nur daliegend,
wie sie aussieht,
als würde sie schlafen,
und ihr dieser gerade Strang aus zähflüssigem Blut
über die Stirn läuft,
und ich kann keinen geraden Gedanken fassen.
Ich werde hier sitzen
und mir eine Farbe ausdenken,
die sie beschreiben kann.
dann werde ich die Polizei anrufen
und sagen,
ich hätte die Lady in Red soeben erschossen,
weil sie so schön war,
schöner als alle noch so leuchtenden Farbpalletten,
weil ich erküssen wollte, ob sie nach Erdbeer oder doch nach Kirsche schmeckt...
Und weil sie mich nicht küssen wollte.
+++++++Tapioka+++++++++++++
Sie trinkt
Ananassaft vorzugsweise aus Latte Macchiato-Gläsern.
Sie zählt die Male,die jemand das Telefon bei ihr klingeln lässt
und macht daran dessen Beharrlichkeit
und noch dazu ihre Wertigkeit fest.
Sie leert Abend für Abend die Münzen aus ihrer Geldbörse auf dem Boden aus
und legt sich daraus die Zukunft.
Ganz schlimm sieht es aus,wenn nicht ein einziges Mal ihr Geburtsdatum dabei vorkommt.
Sonntags verschläft sie gerne den ganzen Nachmittag,bis ihr Wecker klingelt.
Dann tut sie so,
als hätte sie eine wichtige Verabredung,
zu der immer selben Bank in immer demselben Park,
harrt aus und fühlt sich erleichtert,
wenn wieder niemand dort war,der auf sie wartete.
Fingerabdrücke ihrer Kontrolle.
Sie wünscht Sitznachbarn in der Bahn auch dann
"Gesundheit",wenn sie nur husten.
Ihr Haar ist schwarz,
glatt wie Papier
und ihre Augen
bestechen mit dunklem Ahornbraun
und leichtem Silberblick.
Sie sucht in der Bücherrei gerne
nach in-den-Büchern vergessenen Lesezeichen,
Eselsohren,
Einkaufszetteln und unterstrichenen stellen,
verschafft sich so ungehört Eintritt in namenlose Leben
verschafft sich so ein großes Gefühl von Macht.
Sie lebt von Käsekuchen,
den sie Morgen für Morgen auf dem Markt verkauft.
Sie lebt von Dingen
die das Leben versüßen
und isst am liebsten Räucherlachs.
Ihr Lachen erinnert an Taubengurren
und Frühlingsgewitter,
die Augenbrauen sind schwindend dünn
und dennoch eindringliche kleine,runde Fragezeichen.
Sie ist verloren,
einsam,
ängstlich
und geisteskrank.
Vulgär,
unpünktlich
und hoffnungslos romantisch.
Sie isst gern mit den Händen,
singt laut jedes Lied im Radio mit,
auch wenn sie den text nicht kann,
weint laut und lange
auch im Kino,
erträgt keine Vorhänge vor den Fenstern
und flucht laut und derb
beim autofahren.
Sie ist unglücklich verliebt
und unfähig die Hoffnung aufzugeben,
sie will alles oder nichts
und beantwortet generell keine Fragen aus Floskeln.
Schau sie Dir an;
Mitte 20,
traumtanzend
ohne jegliche Vernunft
und zivilisierter Zurückhaltung.
Schau sie Dir an;
Ist Sie
nicht
wunderbar?
+++++++++
Spätvorstellung
Was geht in den Köpfen der Leute vor,
bevor der Film beginnt,
die Lichter noch an
und die Leinwand nichts als weiß und geduldig ist?
Was geht in den Köpfen vor,
wenn die augen nicht
wie sonst nach etwas greifen können
worauf sich die Gedankenmeute stürzen kann.
Was geht in den Köpfen vor,
die mit unbewegtem Weiß mehr als überfordert sein müßen?
Was,wenn nicht einmal Supermarktniveau-Musik den Geist weich streichelt,
was,wenn nicht mal mehr Geld für Popcorn war?
Mein Nachbar links pfeift "Für Elise",
und links zerfleischt jemand seine Nagelhaut.
Was,wenn der Film nicht beginnen,
die Tür sich für die restliche Nacht nicht mehr öffnen würde?
Gedankenexperiment der hässlichen art.
Wer würde sich an wem vergreifen,
würde ich auch nur einen Ton sagen wollen?
Würde ich sitzen bleiben und warten,dass der Film beginnt,Popcornduft einatmen
und in rotem Samt einschlafen können,während sich um mich herum Dramen menschlicher Paranoia abspielen?
Ich könnte.
Sind es doch genau die Umstände
die mich Nacht für Nacht
umgeben,
nicht loslassen
ins Ohr brüllen.
Ich habe gelernt,
auch bei Weltenlärm
zu schlafen.
Wann fängt der Film endlich an?
+++++++++++++++++
Rotes Inferno
Müsste ich sie mit einer Farbe gleich setzen,
wäre sie rot.
Nicht einfach irgendein Rot,
und ganz bestimmt nicht eines dieser verblassten, fast orangen.
Ich will sie greifen und in die schönste farbe packen,
sie ....
Sie wäre Weinrot, wenn Wein unbezahlbar wäre.
Sie wäre Karminrot, wäre es nicht die Signalfarbe zur Brandbekämpfung
Sie wäre Purpur,hätte es seinen Ursprung vor zig Jahren nicht aus einem Sekret von Schneckentieren gehabt,
Sie wäre Violett, wäre es nicht so dunkel,
Sie wäre Oxidrot, hätte es keine graue Nuance
Sie wäre Korallrot, aber sie könnte nie Schmerzen verursachen,
Sie wäre scharlachrot, wäre sie so tödlich.
...kadmiumrot, rosenrot, rubinrot, granat, fuchsrot,
burgunderrot, amarantrot, bonbonrot, ebereschenrot, terrakotta,
orientrot, kebsrot, kirschrot...
aber ich habe einfach nur ihre Lippen vor mir,
ich sehe sie nur daliegend,
wie sie aussieht,
als würde sie schlafen,
und ihr dieser gerade Strang aus zähflüssigem Blut
über die Stirn läuft,
und ich kann keinen geraden Gedanken fassen.
Ich werde hier sitzen
und mir eine Farbe ausdenken,
die sie beschreiben kann.
dann werde ich die Polizei anrufen
und sagen,
ich hätte die Lady in Red soeben erschossen,
weil sie so schön war,
schöner als alle noch so leuchtenden Farbpalletten,
weil ich erküssen wollte, ob sie nach Erdbeer oder doch nach Kirsche schmeckt...
Und weil sie mich nicht küssen wollte.
+++++++Tapioka+++++++++++++