Tango Dialogo
Jeder Schritt eine Metapher
Schreiben wir Poesie,
oder ist eher es sie,
die an dich und mich
mit dir und mir
über uns schreibt?
Sind wir es,
die Tango tanzen,
oder tanzt im Tango
Es nicht vielmehr uns?
Jeder Schritt eine Metapher,
jeder Tanz ein weiterer Vers:
Wir tanzen durch Gedichte,
und sie?
Sie tanzen uns.
Wie lange schliefen diese Bilder,
wartend,
bis wir einander sie geweckt?
Nun tanzen wir Gedichte,
denn sie tanzen endlich uns -
unendlich, wie es fließt.
So schreibt der Tango
mit an der Geschichte.
Und wir -
wir schreiben Tango,
denn er ist es,
der uns beschreibt.
Tango
Tango -
gemeinsame Bewegung,
aus einer Kraft,
die am Herzen ansetzt,
welche uns holt
und immer weiter holt,
auch Sehnsucht genannt.
Eine andere hält dagegen,
jene, die uns
an Vorangegangenes bindet,
zäh die Schritte hemmt,
gleich teer-bestrichenem Boden.
Und Tango -
aufrecht, zentriert -
dazwischen.
Tango,
eine Kraft,
die wie ein Mauer-Lot uns erdet,
vom Becken abwärts,
ähnlich einer Wurzel.
Wiederum eine zweite weist entgegen,
oberhalb,
und richtet unsere Mitte auf,
gleich einer straff gespannten Seite.
Kaum mit Abstand -
voreinander - eingespannt,
zwischen einem Oben, einem Unten,
jeweils gegen unendlich -
letztgenannter Abstand auch,
nur ist er weiter.
Und beide treffen sich in einem Punkte,
dieser findet sich im Herzen wieder.
Tango:
In lasziv gestreckten Wellen
verschlüsselte Lemniskaten
durchlaufen stetig unsere Achsen -
diagonal -
in anwachsender Spannung,
um uns mühelos,
in ihrem Auslaufen,
weiter voranzutragen -
zu ihrer Kräfte
nächster Sammlung Scheitel hin.
Tango:
spannungsvolles Pendelspiel.
Im Fühlen,
ein Hinaustreiben, immer weiter,
wie auf wechselvolle aber stille See:
ruhige Sammlung in Bewegung,
und kraftvolles Fließen,
im Verweilen auch,
in zurückgerichteter Kräfte
introvertiertem Lauf,
dann erneut,
in vorantreibender Bewegung
wieder,
einem Pulsschlag gleich,
nach außen,
ohne den stillen Augenblick,
oder einander, sich,
dabei zu überholen,
und stetig mit sich selbst zu tun.
Tango,
Mal um Mal
ein Verzögern und Verhalten,
und nicht der Kräfte Sklave sein,
sie ableiten,
wieder an die Erde,
mittig stehen jederzeit.
Tango,
das gerade Zünglein
an einer voll beladenen Waage -
Balance auf schmalem Grad.
Tango:
Du und ich -
ein unermeßliches Wir,
dieses jedoch
scheinbar noch weit draußen,
irgendwo, vage,
wie auf hoher See,
doch machtvoll:
ein leichter Tanz hinaus,
von vielen zäh gehemmten Schritten,
vorwärts und zurück, in kreisender Bewegung.
Das Innere: so weit, so sanft,
und dennoch zum Zerreißen
angespannt wie eine Seite,
die, unbestechlich,
in deinem Tone schwingt .
Tango:
spannungsvoll getrieben,
Spannung oft gehalten,
die Schritte, unerträglich fast, verzögert,
und in Demut
immer wieder Sklave meiner Kräfte sein:
So tanzt mein Tango mich -
im Meer der Gegenwart -
mit dir.
Ralf Sartori aus "Tango-Dialogo/ Erotische Zwiegespräche im Tanz" ISBN 3980742636
Ich habe diese beiden Texte in der Hoffnung, dass sie einigen von euch so gut gefallen könnten wie mir hier eingestellt.
Ralf Sartori ist Tanzlehrer und Autor mehrerer Bücher zum Tango Argentino.
Die Lehrbücher und auch die Titel zur Geschichte des Tango sind sehr gut und unterhaltsam zu lesen und ich kann sie aufgrund ihrer liebevollen Bearbeitung, den traumhaften Bildern und den wundervollen Gedichten, welche durch diesen Tanz inspiriert wurden jedem empfehlen, der sich seiner Magie nicht entziehen kann und mehr darüber erfahren möchte.
Ich selber tanze leider nicht, da mir bisher die richtige Gruppe und auch das Geld für einen vernünftigen Kurs gefehlt haben, aber irgendwann werde ich mir diesen Traum auf jeden Fall verwirklichen. Denn nur der Musik zu lauschen und den Tanz anderer auf sich wirken zu lassen genügt mir auf Dauer auch nicht so ganz
Edit: Rechtschreibfehler korrigiert
Schreiben wir Poesie,
oder ist eher es sie,
die an dich und mich
mit dir und mir
über uns schreibt?
Sind wir es,
die Tango tanzen,
oder tanzt im Tango
Es nicht vielmehr uns?
Jeder Schritt eine Metapher,
jeder Tanz ein weiterer Vers:
Wir tanzen durch Gedichte,
und sie?
Sie tanzen uns.
Wie lange schliefen diese Bilder,
wartend,
bis wir einander sie geweckt?
Nun tanzen wir Gedichte,
denn sie tanzen endlich uns -
unendlich, wie es fließt.
So schreibt der Tango
mit an der Geschichte.
Und wir -
wir schreiben Tango,
denn er ist es,
der uns beschreibt.
Tango
Tango -
gemeinsame Bewegung,
aus einer Kraft,
die am Herzen ansetzt,
welche uns holt
und immer weiter holt,
auch Sehnsucht genannt.
Eine andere hält dagegen,
jene, die uns
an Vorangegangenes bindet,
zäh die Schritte hemmt,
gleich teer-bestrichenem Boden.
Und Tango -
aufrecht, zentriert -
dazwischen.
Tango,
eine Kraft,
die wie ein Mauer-Lot uns erdet,
vom Becken abwärts,
ähnlich einer Wurzel.
Wiederum eine zweite weist entgegen,
oberhalb,
und richtet unsere Mitte auf,
gleich einer straff gespannten Seite.
Kaum mit Abstand -
voreinander - eingespannt,
zwischen einem Oben, einem Unten,
jeweils gegen unendlich -
letztgenannter Abstand auch,
nur ist er weiter.
Und beide treffen sich in einem Punkte,
dieser findet sich im Herzen wieder.
Tango:
In lasziv gestreckten Wellen
verschlüsselte Lemniskaten
durchlaufen stetig unsere Achsen -
diagonal -
in anwachsender Spannung,
um uns mühelos,
in ihrem Auslaufen,
weiter voranzutragen -
zu ihrer Kräfte
nächster Sammlung Scheitel hin.
Tango:
spannungsvolles Pendelspiel.
Im Fühlen,
ein Hinaustreiben, immer weiter,
wie auf wechselvolle aber stille See:
ruhige Sammlung in Bewegung,
und kraftvolles Fließen,
im Verweilen auch,
in zurückgerichteter Kräfte
introvertiertem Lauf,
dann erneut,
in vorantreibender Bewegung
wieder,
einem Pulsschlag gleich,
nach außen,
ohne den stillen Augenblick,
oder einander, sich,
dabei zu überholen,
und stetig mit sich selbst zu tun.
Tango,
Mal um Mal
ein Verzögern und Verhalten,
und nicht der Kräfte Sklave sein,
sie ableiten,
wieder an die Erde,
mittig stehen jederzeit.
Tango,
das gerade Zünglein
an einer voll beladenen Waage -
Balance auf schmalem Grad.
Tango:
Du und ich -
ein unermeßliches Wir,
dieses jedoch
scheinbar noch weit draußen,
irgendwo, vage,
wie auf hoher See,
doch machtvoll:
ein leichter Tanz hinaus,
von vielen zäh gehemmten Schritten,
vorwärts und zurück, in kreisender Bewegung.
Das Innere: so weit, so sanft,
und dennoch zum Zerreißen
angespannt wie eine Seite,
die, unbestechlich,
in deinem Tone schwingt .
Tango:
spannungsvoll getrieben,
Spannung oft gehalten,
die Schritte, unerträglich fast, verzögert,
und in Demut
immer wieder Sklave meiner Kräfte sein:
So tanzt mein Tango mich -
im Meer der Gegenwart -
mit dir.
Ralf Sartori aus "Tango-Dialogo/ Erotische Zwiegespräche im Tanz" ISBN 3980742636
Ich habe diese beiden Texte in der Hoffnung, dass sie einigen von euch so gut gefallen könnten wie mir hier eingestellt.
Ralf Sartori ist Tanzlehrer und Autor mehrerer Bücher zum Tango Argentino.
Die Lehrbücher und auch die Titel zur Geschichte des Tango sind sehr gut und unterhaltsam zu lesen und ich kann sie aufgrund ihrer liebevollen Bearbeitung, den traumhaften Bildern und den wundervollen Gedichten, welche durch diesen Tanz inspiriert wurden jedem empfehlen, der sich seiner Magie nicht entziehen kann und mehr darüber erfahren möchte.
Ich selber tanze leider nicht, da mir bisher die richtige Gruppe und auch das Geld für einen vernünftigen Kurs gefehlt haben, aber irgendwann werde ich mir diesen Traum auf jeden Fall verwirklichen. Denn nur der Musik zu lauschen und den Tanz anderer auf sich wirken zu lassen genügt mir auf Dauer auch nicht so ganz
Edit: Rechtschreibfehler korrigiert