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Thanatophobie

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15.04.2019 08:09
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.04.2019 um 07:58:

...
Zum Glück wusste ich aus der Theorie, dass Angst vor dem Tod im Grunde
Angst vor dem ungelebten Leben ist, und habe mich nach einiger Zeit
aus dem Job befreien können.


so ist es, Angst vor dem Tod ist Angst vor Veränderung.



15.04.2019 09:09
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Klar kenne ich das. Vor einem Jahr hatte ich einen Schlaganfall. Das war ein derart fundamentales Erlebnis, dass ich in den ersten Monaten danach mit riesigen Ängsten vor dem Sterben bis hin zu Panikattacken zu kämpfen hatte. Und das, obwohl ich an ein Leben nach dem Tod glaube. Aber irgendwie bleibt das Gefühl, nicht sterben zu wollen, weil man hier noch etwas zu erledigen hat.

editiert am 15.04.2019 09:12 Beitrag melden Zitatantwort
15.04.2019 09:23
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Auch eine Vision kann das Leben aus den Angeln heben, weil man plötzlich weiß, dass ein Leben als Bankangestellte nicht sinnerfüllend ist.

Paul Gaugin hatte so erwischt, er gab seinen sicheren Job auf und widmete sein restlichen Leben der Malerei.

15.04.2019 11:48
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Meine Furcht vor dem Ereignis „Tod“ ist die selbe, wie die damals vor dem Ereignis „Geburt“, nur stärker, aber es ist genau das selbe Gefühl. Die Schwangerschaft/das Leben sind terminierte Zustände. Sie beide haben ein Ende, unausweichlich. Da kommst Du nicht drumherum, um dieses Ende, nichts hilft Dir da raus.
Das ist schon auch eine Kränkung bei mir, das gebe ich gerne zu.
Es war aber vor allem beängstigend, da ich Angst vor den Schmerzen und den möglichen Komplikationen hatte. Und mir klar war: Du kommst da nicht drumherum. Da kommt ein fundamentales Ereignis auf Dich zu, das Du erleben wirst, ob Du willst oder nicht. Das hat mich streckenweise fertig gemacht, das Unausweichliche.
Es war dann schließlich das Existenziellste, das ich bisher erfahren hatte, mein altes Leben war zu Ende und es hatte viel mit Loslassen zu tun.
Viel Wucht, viel Erkenntnis, viel Glück. Ein neues Leben auf mehreren Ebenen. Liebe.
Mal schauen.



editiert am 15.04.2019 11:50 Beitrag melden Zitatantwort
15.04.2019 12:47
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.04.2019 um 08:09:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.04.2019 um 07:58:

...
Zum Glück wusste ich aus der Theorie, dass Angst vor dem Tod im Grunde
Angst vor dem ungelebten Leben ist, und habe mich nach einiger Zeit
aus dem Job befreien können.


so ist es, Angst vor dem Tod ist Angst vor Veränderung.



Ja, absolut. Dem kann ich mich anschliessen. Bei mir war es kein Job sondern eine Ehe. Ich war 28, 29 Jahre alt und habe mir im Laufe einer längeren Zeit grosse Sorgen um meinen 30. (!!) Geburtstag gemacht, konkret beschlich mich regelrechte Angst, "zu sterben bevor ich überhaupt gelebt habe." Sehr beklemmend...Engegefühl in der Brust und allerlei mehr. Eigentlich total unpassend für eine Endzwanzigerin. Ich habe mich mit Anfang 30 aus dieser Ehe gelöst und dieses Gefühl seither nie wieder erlebt, ganz im Gegenteil.

16.04.2019 00:52
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Ich bin seit langen Jahren im gemischten Pflegebereich tätig.
Habe sehr viele Menschen beim Sterben begleitet und Sterben sehen.
Menschen jeden Alters und Krankheit.
Auch junge Menschen und viele Akutfälle.
Es waren zu viele die ich sah.

Die wenigsten haben dass Glück einfach Tod um zu fallen. Der normalerweise
( monatelang vorher )
einsetzende Sterbeprozess ist harte Arbeit für Körper und Geist.
Der gängige Leitspruch,dass Sterben zum Leben dazugehört - der stimmt zwar, hinkt aber für meine
Begriffe.
Atmen,Essen,Trinken gehört zum Leben, sind greifbare verständliche Begriffe von denen ich erzählen kann.
Sterben ist nicht greifbar, ist eine einmalige und endliche Erfahrung.
Ein Mysterium für jeden Menschen gleich mit unterschiedlichem Zeitpunkt und Verlauf.
Jeder weiß das es so kommen wird, keiner spricht darüber. Das kann sehr große Angst und lähmende Panik auslösen.

Seit Jahren bin ich im Gespräch mit Vorgesetzten Heimaufsicht und MDK. Plädierte für Supervision Stunden für Mitarbeiter, vor allem auch
für Auszubildende.
Mit dem Erwerb des Examen wird automatisch vorausgesetzt, dass die Pflegekraft mit dem Thema Sterben und Tod zurechtkommt.
Einfach so. Obwohl diese wichtigen Punkte in der Ausbildung nur medizinisch angeschnitten werden
In all den Jahren in denen ich dabei bin, hat kein Vorgesetzter mich oder meine Kollegen gefragt, wie wir uns dabei fühlen wenn wir Menschen Sterben sehen.
Es interessiert einfach nicht und niemanden und der Spruch " Friss oder Stirb" bekommt damit zusätzlich einen besonders sarkastischen Beigeschmack.
Ich habe keine Angst vorm Sterben, mir macht eher meine mittlerweile erworbene Gleichgültigkeit dazu Bedenken.


editiert am 16.04.2019 01:02 Beitrag melden Zitatantwort
16.04.2019 05:42
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Ja, es wird immer gesagt "Der Tod gehört zum Leben"....aber der Tod gehört dem Tod ....er ist unweigerlich das Ende des Lebens und gehört somit nicht zum Leben. Das Sterben hingegen ist das letzte Kapitel des Lebens.

16.04.2019 07:35
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Für mich gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen, mit schwer erkrakten Patienten ein Stück mitzufühlen, oder ob ich mit ihnen mitleide.

Wenn ich letzteres zu oft zulasse und keinen Abstand schaffe, dann stumpfe ich ab.

Es ist in der Tat eine Katastrophe das die Leute die in diesem Bereich arbeiten, allein damit gelassen werden, außer im Hospiz, da kenne ich Pflegekräfte die das super meistern, haben auch eine zusätzliche Ausbildung dazu, und sie tauschen sich regelmäßig aus.
Ich hatte ebenfalls schon schwerstkranke Patienten die ich ein Stück begleitet habe, und habe wenn es ihnen ein Bedürfnis war, über den Tod gesprochen, ich konnte bisher jedem die Angst davor nehmen, einige davon sind in ein Hospiz gegangen, und konnten friedlich gehen.

Das habe ich zumindest im Nachhinein von Angehörigen erfahren

16.04.2019 21:13
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...

editiert am 18.04.2019 20:07 Beitrag melden Zitatantwort
16.04.2019 21:21
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...

editiert am 18.04.2019 20:07 Beitrag melden Zitatantwort
16.04.2019 22:33
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.04.2019 um 08:09:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.04.2019 um 07:58:

...
Zum Glück wusste ich aus der Theorie, dass Angst vor dem Tod im Grunde
Angst vor dem ungelebten Leben ist, und habe mich nach einiger Zeit
aus dem Job befreien können.


so ist es, Angst vor dem Tod ist Angst vor Veränderung.



Ja und nein.
Es ist ein Paradoxon.
Manche haben Angst vor Veränderung, andere davor, dass sich nie wieder etwas ändert, also vor Stagnation. "Wunderschön" tricky wird es, wenn beides zusammen kommt. Es lebe die Komplexität der menschlichen Seele.

editiert am 16.04.2019 22:34 Beitrag melden Zitatantwort
16.04.2019 22:54
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.04.2019 um 22:33:

(...)
"Wunderschön" tricky wird es, wenn beides zusammen kommt. Es lebe die Komplexität der menschlichen Seele.


Gute Frau, hier sprichst du mir aus der Seele

16.04.2019 23:33
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.04.2019 um 22:54:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.04.2019 um 22:33:

(...)
"Wunderschön" tricky wird es, wenn beides zusammen kommt. Es lebe die Komplexität der menschlichen Seele.


Gute Frau, hier sprichst du mir aus der Seele


Aha. Erzähl uns davon. Komm, wenn schon, denn schon. Mit heruntergelassener Hose atmet es sich manchmal einfacher... *grins* Wo wir doch schon hier so aufrichtig und authentisch dabei sind.

24.04.2019 14:42
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Oh! ... Wie verrückt.

Ich habe diesen Post eröffnet und nachdem einiges Zeit nichts passierte, habe ich mich nicht erneut bei Lesarion eingeloggt. Und nun hat sich dieser Post verselbstständigt. Sehr gut. :-)

Ich fand es gerade sehr spannend zu lesen, wie unterschiedlich Meinungen, Vorstellungen, Ansichten und auch Glauben sind.

Die oben angegebene Internetseite ist mein eigener Blog, in dem ich es thematisiere und eben auch aus meinem Alltag erzähle und auch, wie der Tod jeden lebenden Menschen jeden Tag tatsächlich begleitet und begegnet, man sieht oft nur einfach nicht hin.

Wie schon (wer sich die Mühe gemacht hat, es zu lesen, wird es wissen) in meinem Blog beschrieben, ist eine Kommunikation dies bzgl. tatsächlich schwierig. Aber ... auch das ist okay und völlig in Ordnung. Ich verstehe jeden Menschen, der sich nicht damit auseinandersetzen möchte, wer denkt schon gerne daran, dass das schöne Leben Morgen "einfach so" vorbei sein kann. Und glaubt mir, wenn ich könnte, würde ich es auch viel lieber verdrängen - Hat auch 33 Jahre geklappt und dann eben nicht mehr.

Freue mich jederzeit über neue Gedankenansätze und Anregungen. :-)

editiert am 24.04.2019 14:45 Beitrag melden Zitatantwort
24.04.2019 19:42
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Ich wollte nicht so direkt fragen, wenn ich es auch vermutete. Nun hast du dich also "geoutet"... Freut mich für dich, dass du hier Beiträge findest, dass überhaupt welche dazu geschrieben haben. Ich hätte nicht gedacht, dass stolze drei Seiten zusammenkommen.


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