Hatte Dies gerade gefunden und möchte gerne Meinungen dazu hören =)
Zitat
"Verstoß gegen islamische Sitten": Ankara will, dass ein türkischstämmiges Kind seinen lesbischen Adoptivmüttern in den Niederlanden weggenommen wird. Die leiblichen Eltern hatten es misshandelt.
Yunus ist erst neun Jahre alt, aber die Erwachsenen streiten sich schon fast sein ganzes Leben lang um ihn. Seine leibliche Mutter, eine in die Niederlande ausgewanderte Türkin, musste ihren Sohn auf Anweisung des Jugendamtes schon als Baby zur Adoption abgeben, weil bei ihm schwere Misshandlungen durch seine Eltern festgestellt worden waren.
Nun lebt er als Pflegekind eines lesbischen Paares in Den Haag, und mit diesem Gedanken kann sich seine leibliche Mutter nicht abfinden. ,,Das verstößt gegen unsere Moralvorstellungen und islamischen Sitten", erklärte sie nun im türkischen Fernsehen. Aber es geht auch um Politik, denn das Ganze droht zu einer handfesten diplomatischen Krise zu werden.
Die Regierung in Ankara setzt sich vehement für eine Rückkehr des Jungen zu seiner leiblichen Mutter ein. Eine türkische Parlamentskommission für die Menschenrechte will ermittelt haben, dass etwa 5000 Kinder türkischer Herkunft europaweit in "fragwürdigen" Familienverhältnissen lebten. Damit sind christliche und homosexuelle Adoptiveltern gemeint. Am Donnerstag besucht der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, Chef einer konservativ-sozialen Koalition, und dabei dürfte Yunus Thema werden.
Leibliche Mutter bittet Erdogan um Hilfe
Yunus wurde 2004 kurz nach seiner Geburt mit Kopfverletzungen und einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Mutter behauptete, er sei gefallen. Das Haager Jugendamt glaubte ihr nicht. Auch die älteren Geschwister von Yunus, Arif und Halil, wurden von den Behörden wegen Misshandlung und erzieherischer Mängel ihrer Eltern für die Adoption durch andere lesbische Paare freigegeben.
Die Mutter entführte Arif und Halil daraufhin und brachte sie zu den Großeltern in der Türkei. Ein niederländischer Richter verurteilte die türkischen Eltern deshalb zu einer Haftstrafe und sorgte dafür, dass die Kinder an die Nordsee zurückkehrten, wo sie jetzt noch immer leben.
Vor kurzem schickte die Mutter Briefe an die türkische Presse und bat auch Ministerpräsident Erdogan schriftlich um Hilfe. Der Führer der islamischen AK-Partei ging auf die Bitte ein und möchte Yunus bei seiner Staatsvisite in Holland besuchen. Tausende Nutzer folgten einem Aufruf auf Facebook, um Erdogan bei seinem Kampf gegen die holländischen Behörden zu unterstützen.
Türkischstämmige Bewohner der Niederlande wollen Erdogan lautstark bei seinem Besuch einer islamischen Universität in Rotterdam – deren Rektor als Anhänger strenger Scharia-Gesetze gilt – massenhaft begleiten. Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb, selbst Sohn eines Imam und erster muslimischer Regent einer niederländischen Großstadt, hat massive Sicherheitsbedenken wegen der erwarteten Proteste in der Causa Yunus.
An einem geheimen Ort
In den Niederlanden leben etwa 400.000 Menschen türkischer Herkunft. Ankara verlangt, dass Pflegekinder ausschließlich in muslimischen Familien aufwachsen. Jedoch melden sich in den Niederlanden nur sehr selten mögliche Adoptiveltern muslimischen Glaubens.
Ob der Wirbel rund um den Staatsbesuch zu einer Lösung beiträgt, ist fraglich. Den kleinen Yunus dürfte Erdogan dabei auch nicht zu Gesicht bekommen. "Wir sind besorgt wegen der Sicherheit des Kindes und der Adoptiveltern. Im Vorfeld des Besuches fanden wir es darum vernünftiger, sie an einem anderen Ort unterzubringen", sagte nun Tanja van Dijk, Sprecherin des Haager Jugendamts. Yunus und seine Mütter befinden sich nun an einem geheimen Ort.