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Über die Angst und meinen Umgang damit

28.07.2026 00:27
HiddenNickname
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Ich habe den Text Sonntag Abend verfasst, aber jetzt erst hochgeladen. Es geht um den Anschlag auf den CSD in Berlin.

Als ich heute Morgen mein Smartphone hochgefahren habe, erwarteten mich einige Nachrichten, die mich mit verschiedenen Formulierungen nach meinem Befinden fragten und ich virtuell umarmt wurde; teil-weise von Leuten, mit denen ich jetzt nicht so oft schreibe. Noch nichts Böses ahnend, antwortete ich entsprechend: „Ich bin noch ein bisschen müde, aber guter Dinge.“
Als ich mich danach durch die Statusmel-dungen geklickt habe, wurde ich dann mit Posts zum Anschlag auf den Berliner CSD konfrontiert und dann bekamen die Nach-richten eine ganz andere Bedeutung.
Ganz schnell habe ich mich mit der Sachla-ge auseinandergesetzt und war schockiert. Ein Mensch ist mit einem Fahrzeug in eine Menschengruppe auf dem CSD gefahren, eine Tote, 29 Verletzte. Der Täter mutmaß-lich ein Islamist.
Ich brauchte mir keine Posts auf Instagram ansehen, um zu wissen, dass die rechten und faschistischen Parteien dies für ihre Zwecke ausnutzen würden. Die dann wahr-genommenen Aussagen der d-Moll-Partei kamen mir wie blanker Hohn vor, sonst sind wir queeren Leute für die doch nur ein Hau-fen „armer Irrer oder Perverser“, der wahl-weise therapiert, interniert oder gleich ganz beseitigt gehört. In der Hinsicht unter-scheiden sich radikale Fundamentalisten und Faschisten in keiner Weiste.
Die Äußerungen der Politiker aus der Union kamen mir dann auch wie Heuchelei vor. Die Regierungspartei, die die Regenbogen-Flagge als Zirkuszelt verunglimpft (Merz), oder Förderungen von queeren (Jugend-)Organisationen, die hauptsächlich von Eh-renamtlichen organisiert und gelebt wer-den und von solcher Unterstützung abhän-gig ist, einfach so streichen will (Prien). Da kochte naheliegenderweise die Wut in mir hoch.
Dann habe ich gesehen, dass die Haki heute am Vormittag ihre Türen für alle Queers ge-öffnet hatte, die mit ihren Gedanken, Sorgen und Ängsten nicht allein sein möchten. Und da habe ich auch wie so oft über meine Ängste nachgedacht:
Für mich als trans* Frau ist die Angst ein recht regelmäßiger Begleiter. Sei es, dass meinen Kindern etwas passiert oder geliebten Verwandten und Freund:innen. Sei es, dass ich auf offener Straße überfallen, an-gegriffen, bedroht werde.
Insbesondere wenn ich abends allein un-terwegs bin; dann meistens auf dem Heimweg von Besuchen bei Freund:innen. Im Dunkeln entlang des Schrevenparks zur Bushaltestelle laufen zu müssen ist nicht unbedingt ein entspanntes Vergnügen. Nicht umsonst habe ich mir angewöhnt, Be-scheid zu geben, wenn ich heil zu Hause an-gekommen bin.
Die Angst, dass ich aufgrund meiner Queer-ness angegriffen werde, begleitet mich zum Glück nicht täglich, aber oft genug. Bevor ich mich Anfang 2024 zu mir selbst bekannt habe, war sie auch ein Teil, der mein Outing herausgezögert hat. Als trans* Frau bin ich allein schon wegen meiner Körpergröße einfach auffällig. Und diese Angst vor An-feindungen hat mich auch zögern lassen, aus meiner Eierschale auszubrechen. Aber am Ende habe ich es geschafft und ich bin mehr als froh darüber.
Der Anschlag in Berlin hat das Potenzial, diese Ängste zu verstärken. Nicht nur bei mir, bei allen Menschen der LGBTINAQ*-Community. Ich habe auch gespürt, wie sie bei mir stärker werden wollten. Es auch kurz wurden. Es kann uns leider Gottes immer und jederzeit treffen.
Dann dachte ich wieder an die Haki, die ich selbst heute nicht aufgesucht habe, son-dern mich für die Teilnahme an der Mahn-wache am Abend entschieden habe.
Aber solche Angebote sind es, die uns allen zeigen: Wir sind nicht allein. „Wir sind keine ausgedachte Dunkelziffer. Wir sind Millionen Existenzen.“ (frei nach Kerosin 95) Weltweit.
Seit meinem Outing habe ich viele großarti-ge, wundervolle Menschen kennengelernt. Bei ihnen und bei meiner Familie und mei-nen „alten“ Freund:innen Support und Lie-be erfahren. Und das gibt mir Kraft. Kraft, die teilweise auch aus mir selbst kommt; mit dem Selbstbewusstsein, dass ich durch meinen eingeschlagenen Weg gewonnen habe.
Und ich spüre, dass ich genug Mut in mir habe, dafür zu sorgen, dass meine Ängste mich nicht überwältigen und lähmen.
Viele von uns haben nur Organisationen wie die Haki oder Lambda etc., an die sie sich wenden können.
Ich kann nur hoffen, dass die Ereignisse in Berlin die Regierung so weit wachrütteln, die geplanten Streichungen bei der Förde-rung dieser Organisationen wieder zurück-zunehmen.
Und wenn wir schon einmal dabei sind, auch die im Gesundheitswesen. Viele von uns brauchen, sei es wegen der Transition, Traumata oder andere Belastungen und Behinderungen, eine gute therapeutische oder medizinische Anbindung. Also liebe Regierung: Nehmt die geplanten Kürzungen wieder zurück! Sofort!!!!!
Denn: Ohne solche Anlaufstellen, werden viele LGBTINAQ* es schwer haben, Gleichgesinnte zu finden, Unterstützung und Bera-tung.
Für viele, die noch nicht geoutet sind, wird dieser Weg ohne Organisationen wie Lambda nahezu unmöglich gemacht. Es wird schwerer sich zu treffen und zu organi-sieren.
Das kann dazu führen, dass Ängste nicht mehr ausgesprochen und aufgefangen werden können. Die immer zahlreicher wer-denden Übergriffe auf queere Menschen, von welcher Seite auch immer, fördern dies dann umso mehr.
Aber: Wie ich es heute Abend auf der spon-tanen Mahnwache gesehen habe. Wir sind viele. Wir waren vielleicht 300 oder 400 Menschen; ich kann so etwas nicht gut ab-schätzen. Dafür, dass es keine großartige Vorlaufzeit gab, ein beachtliches Ergebnis.
Das macht mir Mut. Mut mich weiter meinen Ängsten zu stellen, mich nicht unterkriegen zu lassen. Mit Euch gegen die queerfeindliche Propaganda von Rechten und Faschisten aufzustehen und zu sagen: Wir lassen uns nicht einschüchtern.

In dem Sinne: Passt auf Euch auf und haltet zusammen.
„Arm in Arm mit Euch, [das ist] die stärkste Mauer, die ich kenn.“ (Fjørt)
[/das]


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