Unglücksketten...
Seit ca. 1 1/2 Jahren bin ich zurück in der Szene. Zuvor war ich in einer jahrelangen Beziehung. Zu Zeit habe ich an einem Phänomen zu knabbern, das mich sehr beschäftigt. Ich lerne immer mehr Frauen kennen, die nicht allein sein können, und deshalb solche Unglücksketten knüpfen. Erst können sie nicht allein sein, dann suchen sie sich eine Affäre, die sie aber nicht lieben. Diese Affäre verliebt sich unglücklich, wird abgewiesen. Die Abgewiesene nimmt sich ihrerseits eine Affäre, weil sie mit dem Unglück nicht allein sein will. Sie liebt diese Affäre aber nicht und weist diese ab, als die sich verliebt. Und so weiter...und so weiter. Am Ende stehen lauter ungeliebte Frauen in der Kneipe und besaufen sich ständig, lallen sich gegenseitig die Ohren voll, dass sie nicht die richtige finden und ihre Gefühle so kompliziert sind. Mich gruselt es gerade mächtig. Keine kriegt irgendwie mit, wenn sie gemocht/geliebt wird, und jede rennt mit einem Modell Traumprinzessin durch die Gegend. In jedem Fall muß für die Traumprinzessin gekämpft werden, unglücklich geliebt werden. Eine Frau, die einfach nur Zuneigung zeigt, ist schnell uninteressant. In jeder Affäre geht die Rastlosigkeit vor, ist der Blick über die Schulter, ob sich nicht noch was Besseres findet der Hemmschuh, sich auf die andere einzulassen. Emotionaler Geiz und Unoffenheit erschrecken mich wirklich. Ich sitze gerade zuhause rum und versuche, eine solche Affären-Geschichte zu verarbeiten, um diese Kette nicht fortzusetzen. Ist verdammt schwer. Aber ich will keine Frau ausnutzen unter dem Vorwand "Mir ist weh getan worden und deshalb nehme ich mir jetzt, was ich brauche - ohne Rücksicht auf die Verletzungen der anderen"! Ist diese Misere ein berliner Phänomen? Gibts das bei Euch auch? Was denkt ihr darüber? Ich hänge jedenfalls fest, weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, und bin schrecklich mißtrauisch geworden - wollte ich nie sein.