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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadUrlaubsboykot in der Sächsischen Schweiz
25.06.2008 13:30
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0 Durch den Blätterwald und durch andere deutsche Medien geht ein Rauschen, weil zwei Hamburger Jounalisten hatten zu einem Urlaubsboykott in der Sächsischen Schweiz aufgerufen. Hier der Originaltext: Schlaglichter - Jürgs & Spreng im "Hamburger Abendblatt" O, 23.VI.2008 (Quelle: http://www.abendblatt.de/ [...] 220.html) Wer nicht hören will, muss fühlen Inmitten der Gesellschaft, jener oft beschworenen politischen Landschaft, liege der "Nährboden für rechtsextreme Tendenzen", belegt die Studie "Ein Blick in die Mitte" der Universität Leipzig. Nicht nur am rechten Rand blühten Ausländerfeindlichkeit und Geringschätzung der Demokratie. Willy Brandt würde die Faust aus dem Grab recken, wüsste er, dass seine leidenschaftlich am Tag nach dem Mauerfall verkündete Vision von der zusammenwachsenden Nation, ausgerechnet von Rechtsradikalen verwirklicht worden ist. Ausgerechnet von denen, die der linke Sozialdemokrat ein Leben lang bekämpft hat, ausgerechnet von nationalen Reaktionären, deren Nazi-Großväter den Emigranten und aufrechten Patrioten stets mit Hass und Häme als Vaterlandsverräter verfolgt haben. Zu den Pflänzchen Hoffnung auf den rechten Kampffeldern des Ostens gehört immerhin, dass die Zahl derer, die jedwede Form von Gewalt ablehnen, zum ersten Mal seit 1990 auf über 50 Prozent gestiegen, die Mehrheit aller Deutschen grundsätzlich friedlicher Natur ist. Dagegen stehen die erschreckenden Ergebnisse der Kommunalwahlen in Sachsen, wo die NPD, getarnt als bürgerliche Biedermänner, in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und da als wählbar gilt, ihren Stimmenanteil verdreifacht hat. Auch in den alten Bundesländern sitzen rund 200 Rechtsausleger in Kreis-und Bezirksparlamenten. Zu erkennen ist der Prototyp Neonazi längst nicht mehr allein an Springerstiefeln oder Glatze und leeren Hirnen. Nach außen tarnen sich die braunen Brüder wie zuletzt bei den Hamburger Mai-Krawallen genauso wie ihre radikalen Gegner vom Schwarzen Block: Schwarz gekleidet, schwarze Kappen, schwarze Sonnenbrillen. Seit die Faschisten von Antifaschisten, der Antifa, systematisch ausgespäht werden, um jugendlichen Nazigegnern Ost bei Überfällen schlagkräftig helfen zu können, werden sie als Anti-Antifa bezeichnet. Sie selbst benutzen den Begriff NSBB, was in einer Mischung von Deutsch und Englisch die Abkürzung sein soll für "national sozialistischer black bloc". Mit einem Bodensatz von rechtsradikalen Deppen kann eine starke Demokratie leben. Forderungen nach einem starken Staat, einem autoritären Führer, Parolen wie "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus" finden jedoch auch bei denen Zustimmung, die sich Bildungsbürger dünken und dies zumindest formal anhand ihrer Ausbildung, Zeugnisse, Werdegänge belegen. Wer mehr weiß über die Verbrechen deutscher Faschisten in der Vergangenheit, müsste eigentlich immun sein gegen Attacken der faschistischen Viren heute. Wissen macht bekanntlich den Kopf frei. Also wäre das Problem lösbar durch Aufklärung frei nach der Formel, je gebildeter das Volk, desto weniger Potenzial für völkische Hassprediger? Oder haben rechtsextreme Parteien in den neuen Bundesländern deshalb so extrem viel Zulauf, weil die Wähler im Osten dümmer sind als die im Westen? Gewinnen sie ausgerechnet dort, wo Antifaschismus 40 Jahre lang bereits an den Schulen gepredigt wurde, Hunderttausende von Stimmen, weil Bürger in Scharen das Arbeiter- und Bauernparadies verlassen haben und deshalb drüben Humus fehlt, auf dem eine Zivilgesellschaft wachsen kann? Je tiefer der Intelligenzquotient, desto höher die Zustimmung für Nazis? Neun der zwölf Strippenzieher des braunen Netzwerks Ost, darunter mehrfach bereits wegen Volksverhetzung und schwerer Körperverletzung Verurteilte, stammen aus der alten Bundesrepublik. Gewalttätige Aktionen, Schlägereien, Überfälle, Menschenjagden überlässt man Eigengewächsen Ost, kann gegebenenfalls die dreckigen Hände in Unschuld waschen. Ist es vielleicht so, dass sich Rechte im Osten wie ein Krebsgeschwür ausbreiten können, weil sie sich des Beifalls ihrer Großväter sicher sind, die am Straßenrand stehend ihre Aufmärsche wohlwollend begutachten, wohingegen sich im Westen die Neonazis eben doch seltener aus ihren Löchern ans Tageslicht wagen, weil sie wissen, dass sie geächtet werden von der eben nicht schweigenden Mehrheit? Die selbstverständliche Solidarität der Demokraten zu beschwören reicht nicht. Besser wäre von Fall zu Fall ein Boykott. Etwa der Feriengebiete in der Sächsischen Schweiz, wo die NPD mehr als 20 Prozent bekam. In Reinhardtsdorf-Schönau, das vom Tourismus lebt, haben ihr 188 von 749 Bürgern eine Stimme gegeben. Sie verdienen eine passende Antwort.
editiert am 25.06.2008 13:34
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